Der Überfall

Der Überfall

Der Überfall

Originaltitel: Der Überfall - Regie: Florian Flicker - Drehbuch: Florian Flicker, Susanne Freund - Kamera: Helmut Pirnat - Schnitt: Monika Willi - Musik: Hannes Strobl - Darsteller: Roland Düringer, Josef Hader, Joachim Bissmeier, Ulrike Beimpold, Birgit Doll, Sonja Romei, Valentin Frais, Roswitha Soukup, Margarete Tiesel u.a. - 2000; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Um seinem Sohn ein Geburtstagsgeschenk kaufen und seiner geschiedenen Frau die Alimente zahlen zu können, will der arbeitslose 32-jährige Wiener Kfz-Mechaniker Andi einen Supermarkt ausrauben, doch als er vor der Kassiererin steht, überkommt ihn Panik und er flieht in die Schneiderei gegenüber. Dort verbarrikadiert er sich mit dem Inhaber und einem zufällig anwesenden Kunden. Der Überfall entwickelt sich zum Albtraum für ihn ...
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Kritik

"Der Überfall" ist ein tragikomisches Kammerspiel von Florian Flicker: misanthrop, grotesk und rabenschwarz, voller origineller Einfälle und ungeahnter Wendungen.
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Der gelernte Kfz-Mechaniker Andreas („Andi“) Berger (Roland Düringer) ist arbeitslos. Seine Schwester Gertrude Bacher (Ulrike Beimpold) hat den Zweiunddreißigjährigen vorübergehend in ihrer Wohnung in Wien aufgenommen, sehr zum Missfallen ihres Mannes Herbert, der bei der Polizei beschäftigt ist. Heute, am Faschingsdienstag, hat Andis Sohn seinen siebten Geburtstag, aber wenn er ihn sehen möchte, muss er seiner geschiedenen Frau Maria (Sonja Romei) die Alimente für die letzten Monate nachzahlen. Andi hat noch nicht einmal Geld, um ein Geburtstagsgeschenk kaufen zu können. In seiner Verzweiflung steckt er sich eine Pistole des Schwagers in den Hosenbund, tarnt sich mit einer roten Perücke und einer Faschingsnase und betritt einen Supermarkt in der Absicht, die Kasse auszurauben. Als die Kassiererin (Roswitha Soukup) ihn anblickt, überkommt ihn Panik und er flieht in die Schneiderei auf der anderen Straßenseite.

Dort ist Josef Böckl (Joachim Bissmeier) gerade dabei, den Bund einer Hose seines Kunden Werner Kopper (Josef Hader) enger zu machen. Kopper wartet im Hinterzimmer der Schneiderei. Andi will schon wieder gehen, als Böckl sarkastisch fragt, ob er ihn ausrauben wollte. Da dreht Andi sich um und holt seine Pistole heraus: „Joh, genau! Des is a Überfoi!“

In der Kasse sind nur ein paar Münzen, und in der Brieftasche hat Böckl nicht mehr als 800 Schilling. Andi benötigt jedoch 10 000 Schilling. Aufgeregt sucht er nach weiteren Geldscheinen. Im Hinterzimmer stößt er auf Kopper. Das macht ihn noch nervöser. Ein Großaufgebot der Polizei nähert sich mit Sirenengeheul und hält vor dem Haus. Zuerst glaubt Andi, Kopper habe die Polizei gerufen, aber dann stellt er fest, dass inzwischen der Supermarkt gegenüber überfallen wurde. Obwohl die Polizisten also nicht hinter ihm her sind, sondern den anderen Räuber im Visier haben, bedeutet die Absperrung der Straße, dass Andi die Schneiderei nicht verlassen kann: Er sitzt fest.

Er fesselt seine beiden Geiseln an Stühle. Kopper nervt ihn: Einmal piepst seine Armbanduhr und zeigt damit an, dass er ein Medikament einnehmen sollte, dann benötigt er wegen seiner Angina pectoris seinen Inhalator aus der Manteltasche, und schließlich muss er dringend zur Toilette. Kopper ist Ende dreißig, wohnt aber noch bei seiner Mutter. Früher arbeitete er bei der Post im Innendienst, aber wegen verschiedener Krankheiten ließ er sich frühpensionieren.

Während Andi auf der Suche nach Geld alles durchwühlt und frustriert in den leeren Tresor schaut, fordert Böckl seinen Leidensgefährten auf, mit dem Handy die Polizei anzurufen, aber Kopper behauptet, der Akku sei leer.

Andi erschrickt, als eine junge Frau (Birgit Doll) an der verschlossenen Tür klopft. Böckl behauptet zuerst, es sei seine Frau, dann gibt er sie für seine Schwester aus, aber Kopper, der sich inzwischen mit dem Räuber solidarisiert, verrät, dass Böckl sich Huren kommen lässt.

Der Überfall entwickelt sich immer mehr zum chaotischen Albtraum. Mit der Aufgabe, die Situation zu kontrollieren, ist Andi völlig überfordert, zumal seine beiden Opfer sticheln und sich gegenseitig verhöhnen.

Als Andi aus Mitleid nach Kopper auch den Schneider losbindet, stürzt dieser sich auf ihn, schlägt ihn mit einer Latte zu Boden und prügelt auf ihn ein – bis Kopper die herumliegende Pistole nimmt und Böckl damit bedroht. Statt die Polizei zu alarmieren, fordert Kopper den verletzten Räuber auf, die 800 Schilling zu nehmen und zu verschwinden.

Da rächt Böckl sich, indem er Andi auf die Idee bringt, Kopper nach Geld zu fragen. Der hat tatsächlich 2500 Schilling für die Bezahlung der Schneiderrechnung bei sich. Kopper gibt Andi die Scheine, legt aber Wert darauf, dass es sich bis auf 190 Schilling um Geld handele, das er Böckl auf diese Weise gewissermaßen bereits bezahlt habe. Und er fordert Andi auf, Böckl zu zwingen, mit ihm zur Bank zu gehen und 10 000 Schilling für ihn abzuheben. Vergeblich beteuert Böckl, aufgrund schlecht gehender Geschäfte nichts als Schulden zu haben.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Kopper, der in der Schneiderei warten soll, leiht Andi sogar seinen Mantel. Während Böckl sich am Bankschalter 5000 Schilling ausbezahlen lässt, steht Andi mit roter Perücke hinter ihm. Da klingelt Koppers Handy. Andi sucht danach. Dabei bemerkt das Kind einer Bankkundin die Pistole und verkündet lauthals die Entdeckung. Mit den Nerven am Ende, reißt Andi die Waffe heraus, schreit „Überfall!“ und flüchtet mit den 5000 Schilling.

Wie versprochen, kehrt er zur Schneiderei zurück. Kopper lässt sich den Mantel und „seine“ 190 Schilling zurückgeben. Dann verabschieden sie sich. Während Andi zu der Verabredung mit seiner Exfrau und seinem Sohn eilt, bricht auch Kopper auf. Unterwegs holt er die rote Perücke aus der Manteltasche und setzt sie gedankenlos auf. Zufällig geht er an der Bank vorbei, in der Böckl und die Angestellten gerade von der Polizei vernommenen werden. Aufgrund der roten Perücke glaubt ein Bankangestellter, den Räuber zu erkennen. Sofort laufen zwei Polizisten auf die Straße. Kopper rennt weg. Plötzlich dreht er sich um und zieht die Pistole aus der Manteltasche. Die Polizisten fühlen sich bedroht und erschießen ihn.

Wider besseres Wissen bestätigt Böckl, dass es sich bei dem Toten um den Täter handelte.

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Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind in „Der Überfall“ ebenso verwischt wie die zwischen Aggression und Hilflosigkeit. Als „tragikomisches Kammerspiel“ hat Florian Flicker seinen Film bezeichnet. Und Josef Hader hält es für „eine spezielle Qualität des Films […], dass darin so unklar bleibt, ob es sich um eine sehr witzige Tragödie oder eine traurige, brutale Komödie handelt“. Jedenfalls ist „Der Überfall“ auf eine Art misanthrop, grotesk und rabenschwarz, wie es nur in Wien möglich ist. Das Drehbuch steckt voller origineller Einfälle und ungeahnter Wendungen. Die Inszenierung ist pointensicher, und die drei Hauptdarsteller Roland Düringer, Josef Hader und Joachim Bissmeier überzeugen in ihren Rollen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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