The Broken Circle

The Broken Circle

The Broken Circle

The Broken Circle – Originaltitel: The Broken Circle Breakdown – Regie: Felix Van Groeningen – Drehbuch: Carl Joos, Felix Van Groeningen, Charlotte Vandermeersch, nach dem Theaterstück "The Broken Circle Breakdown Featuring the Cover-Ups of Alabama" von Johan Heldenbergh und Mieke Dobbels – Kamera: Ruben Impens – Schnitt: Nico Leunen – Musik: Bjorn Eriksson – Darsteller: Veerle Baetens, Johan Heldenbergh, Nell Cattrysse, Geert van Rampelberg, Nils De Caster u.a. – 2012; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Der Bluegrass-Musiker Didier und die Tätowiererin Elise verlieben sich. Sie bekommen eine Tochter und werden eine glückliche Familie. Aber als Maybelle sechs Jahre alt ist, erkrankt sie an Leukämie und stirbt. Didier und Elise sind untröstlich. Weil es ihnen nicht gelingt, sich gegenseitig beizustehen, zerbricht ihre Beziehung, und am Ende verliert Didier auch noch Elise ...
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Kritik

Die Tragödie entwickelt sich im ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Dadurch prallen Glück und Verlust, Freude und Trauer in "The Broken Circle" fortwährend aufeinander.
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Obwohl Didier Bontinck (Johan Heldenbergh) gar nicht vorhat, sich tätowieren zu lassen, betritt er 1999 das Tattoo-Studio von Elise Vandevelde (Veerle Baetens) in Gent, redet mit ihr über Country-Music und macht sie auf ein Bluegrass-Konzert am kommenden Samstag aufmerksam. Er werde dort sein, sagt er.

Elise geht hin und stellt fest, dass Didier einer der Musiker ist; er spielt Banjo und singt. Didier nimmt Elise mit zu einem aufgegebenen Bauernhof, den er gekauft hat. Weil die Gebäude noch nicht renoviert sind, haust er in einem Wohnwagen.

Die beiden werden ein Paar, und nachdem Didier mit Elise geübt hat, tritt sie als Sängerin mit der Bluegrass-Band auf. Auf der Bühne erhält Elise schließlich einen Heiratsantrag von Didier, und einer der Musiker mimt dann sogleich einen Geistlichen, der das glückliche Paar feierlich traut.

Als Elise von einer gynäkologischen Untersuchung nach Hause kommt und Didier mitteilt, dass sie im dritten Monat schwanger sei, reagiert er bestürzt und schimpft, er wolle nicht über das Leben eines anderen Menschen entscheiden. Aber dann treibt er die bisher vernachlässigte Renovierung des Bauernhauses eifrig voran, damit das Kind nicht im Wohnwagen aufwächst.

Didier erweist sich als liebevoller Vater für die Tochter, die nach der Country-Musikerin Maybelle Carter benannt wird (Nell Cattrysse).

Kurz nach dem sechsten Geburtstag wird bei Maybelle Leukämie diagnostiziert. Didier und Elise müssen mit ansehen, wie das Kind durch die Chemotherapie gequält wird. Weil Maybelles Körper nicht aufhört, Krebszellen zu produzieren, raten die Ärzte als Nächstes zur Stammzellentherapie. Während der Behandlung im Krankenhaus stirbt Maybelle.

Didier und Elise sind untröstlich. Es gelingt ihnen nicht, sich gegenseitig beizustehen. Im Gegenteil: Elise hält Didier vor, er habe das Kind nicht gewollt und sich nach der Geburt mit seinen Freunden betrunken. Didier kontert mit dem Vorwurf, sie habe während der ersten drei Monate der Schwangerschaft geraucht. Entrüstet weist Elise darauf hin, dass sie in dieser Zeit gar nichts von ihrer Schwangerschaft gewusst habe, und sie versucht, ihm Schuldgefühle einzureden, weil in seiner Verwandtschaft mehrere Krebserkrankungen auftraten, in ihrer dagegen nicht.

Nach diesem Streit erkennen beide, dass sich etwas ändern muss, und sie entfernen alle Kindersachen aus dem Haus.

Als im Fernsehen darüber berichtet wird, dass US-Präsident George W. Bush aus ethischen Gründen sein Veto gegen die staatliche Förderung der Stammzellenforschung einlegte, gerät Didier in Rage. Er schimpft über die Verlogenheit eines fundamentalistisch-christlichen Regierungschefs, der den Forschern und Technikern auf militärischem Gebiet keine Grenzen ziehe, aber den medizinischen Fortschritt blockiere. Vergeblich weist Elise ihn darauf hin, dass Bushs Veto nur die USA betreffe und mit Maybelles Tod nichts zu tun habe.

Eines Tages sieht Elise eine Amsel am Fenster und verfällt auf den Gedanken, es könne sich um eine Reinkarnation ihrer Tochter handeln. Um zu verhindern, dass die Amsel sich am gläsernen Vordach das Genick bricht, beklebt Elise die Scheiben mit Falkensilhouetten. Vergeblich versucht Didier seiner Frau zu erklären, dass Maybelle tot sei und nichts mehr von ihr existiere. Der Atheist lehnt esoterische Vorstellungen ebenso ab wie die Attrappen. Er meint, es werde zwar noch viele Generationen dauern, bis die Vögel gelernt haben, dass Glasscheiben ein gefährliches Hindernis darstellen, aber durch die Vortäuschung von Raubvögeln bringe man sie um jede Chance, sich auf dieses Element der Zivilisation einzustellen.

Elise erträgt den Konflikt nicht länger. Sie verlässt Didier und legt in ihrem Tattoo-Studio eine Matratze auf den Boden, damit sie dort schlafen kann. Als Zeichen für den Beginn eines neuen Lebensabschnitts nennt sie sich nun Alabama. Wer er denn dann sei, fragt Didier, und sie gibt ihm den Namen Monroe, nach Bill Monroe, dem „Father of Bluegrass“.

Trotz der Trennung kommt Elise zum nächsten Auftritt der Band. Didier rastet auf der Bühne unvermittelt aus und steigert sich vor dem verblüfften Publikum in eine Hasstirade gegen Gott, den Papst und die Wissenschaft hinein. Nachdem Elise vergeblich versucht hat, ihn zu besänftigen, geht sie von der Bühne.

Sie kehrt in ihr Studio zurück und spült dort alle Tabletten, die sie findet, mit Alkohol hinunter.

Nach dem Konzert fährt Didier zum Studio. Durch die Scheiben sieht er Elise am Boden liegen. Er zerschlägt das Glas, greift hinein, öffnet die Türe, und als er feststellt, dass Elise ohnmächtig ist, ruft er den Notarzt. Aufgeregt folgt er dem Rettungswagen. Ein Herzstillstand zwingt unterwegs zum Anhalten. Elise wird reanimiert. Als ihr Herz wieder schlägt, wird die Fahrt ins Krankenhaus fortgesetzt.

Elise hat sich am ganzen Körper tätowiert. Unmittelbar vor ihrem Suizid überdeckte sie den Namen Didier mit einem Tattoo des Namenspaares Alabama/Monroe.

Im Krankenhaus kann Elise nicht mehr aus dem Koma zurückgeholt werden. Aber etwas von ihr erhebt sich, zieht die Schläuche ab und verlässt das Krankenzimmer. Niemand bemerkt sie, auch Didier nicht, als dieser mit dem Arzt an ihr vorbeigeht.

Der behandelnde Arzt erklärt Didier, dass Elises Gehirn irreversibel geschädigt sei. Deshalb rät er ihm, ihren Tod zuzulassen [Sterbehilfe].

Die Bluegrass-Band versammelt sich um das Krankenbett und beginnt zu spielen, während der Infusion eine letale Dosis Morphium beigemengt wird.

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Die in „The Broken Circle“ erzählte Geschichte ist ebenso einfach wie tragisch: Eine glückliche Familie wird mit der Krebserkrankung der sechsjährigen Tochter konfrontiert. Das Kind stirbt, und der Schicksalsschlag zerstört auch die Beziehung der Eltern.

Die Handlung basiert auf dem Theaterstück „The Broken Circle Breakdown Featuring the Cover-Ups of Alabama“ (2008) von Johan Heldenbergh und Mieke Dobbels. Der flämische Belgier Johan Heldenbergh (* 1967), der 2006 mit Arne Sierens die Theaterkompanie Compagnie Cecilia gegründet hatte, inszenierte das Stück und stand mit seiner Co-Autorin Mieke Dobbels zusammen auf der Bühne. Auch im Film spielt er die männliche Hauptrolle, aber seine Partnerin ist hier Veerle Baetens.

Im Theaterstück erzählen die beiden Hauptfiguren die Geschichte. Die Monologe und Dialoge wurden für den Film in Bilder übersetzt.

Das Besondere an „The Broken Circle“ ist die Erzählstruktur. Der Film beginnt mit einer Szene im Juni 2006: Ein Krankenhausarzt erklärt Elise und Didier, dass ihre sechsjährige Tochter Maybelle an Leukämie erkrankt ist. Dann springen wir sieben Jahre zurück: Didier zeigt Elise zum ersten Mal den verwahrlosten Bauernhof, den er gekauft hat und den Wohnwagen, in dem er vorläufig haust. Im raschen Wechsel zwischen Szenen der Gegenwart und der Vergangenheit geht es weiter. Den Heiratsantrag, den Elise von Didier bekommt (in der Chronologie der Ereignisse also eine Szene ganz am Anfang), sehen wir erst nach der Hälfte des Films. Als Zuschauer müssen wir die Puzzlestücke zu einer Geschichte zusammensetzen. In der ersten Hälfte prallt Glück auf Krankheit und Tod eines Kindes, im zweiten Teil sind die Zerrüttung der Beziehung und der Kampf um das Leben der Frau parallel geschnitten. Dabei erleben wir die Fahrt des Rettungswagens abwechselnd aus dem Inneren des Fahrzeugs, aus der Wahrnehmung der eigentlich ohnmächtigen Patientin und aus Didiers Perspektive.

Aus einem Monolog der Bühnenfigur Didier ist im Kino eine Metapher geworden: Weil Elise gern eine Veranda an dem renovierten Bauernhaus hätte, bringt Didier ein gläsernes Vordach an. Daran brechen sich immer wieder Vögel das Genick. So wie die Vögel gegen Glasscheiben prallen, versagen die Menschen beim Umgang mit Verlust und Trauer.

Eine entscheidende Rolle spielt auch die Bluegrass-Musik in „The Broken Circle“. Veerle Baetens und Johan Heldenbergh musizieren ohne Doubles. Veerle Baetens (* 1978) wurde am Institut für Dramatische Kunst des Königlichen Konservatoriums in Brüssel musikalisch ausgebildet und trat bereits in Musicals auf. Johan Heldenbergh lernte für sein Theaterstück eigens Banjo, Gitarre und Mandoline.

Bei dem im Film mehrmals zu hörenden Lied „Will the Circle be Unbroken“ handelt es sich um den von Ada R. Habershon geschriebenen Titelsong eines Albums der Country-Rock-Band „Nitty Gritty Dirt“ aus dem Jahr 1972.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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