I Am Love

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I Am Love

I Am Love. Ich bin die Liebe – Originaltitel: Io sono l'amore – Regie: Luca Guadagnino – Drehbuch: Luca Guadagnino, Barbara Alberti, Ivan Cotroneo, Walter Fasano – Kamera: Yorick Le Saux – Schnitt: Walter Fasano – Musik: John Adams – Darsteller: Tilda Swinton, Edoardo Gabbriellini, Pippo Delbono, Flavio Parenti, Alba Rohrwacher, Diane Fleri, Maria Paiato: Ida Marangon, Gabriele Ferzetti, Marisa Berenson, Waris Ahluwalia u.a. – 2009; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Emma Recchi erfüllt ihre Rolle in einer vom Schwiegervater, Ehemann und von den Söhnen beherrschten Unternehmerfamilie, bis sie sich – durch die stille Rebellion ihrer lesbischen Tochter dazu ermutigt – auf eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit einem Kochkünstler einlässt. Dieser Ausbruch aus dem goldenen Käfig hat zwar tragische Folgen, verschafft Emma aber auch die Chance, zu sich selbst zu finden und ein freies Leben zu führen ...
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Kritik

Das elegische Melodram "I Am Love. Ich bin die Liebe" wird von artifiziellen Bildkompositionen, einer ungewöhnlichen Kameraführung und ambitionierten Schnittfolgen geprägt. Bei der Symbolik hat Luca Guadagnino zu dick aufgetragen.
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Der reiche Textilfabrikant Edoardo Recchi (Gabriele Ferzetti) feiert seinen Geburtstag in der Villa seines Sohnes Tancredi (Pippo Delbono) in Mailand. An diesem Abend kündigt er die Übergabe der Führung seines unter Mussolini groß gewordenen Familienunternehmens an Trancredi und dessen Sohn Edoardo („Edo“) Recchi jr. (Flavio Parenti) an, den er zugleich verspottet, weil er ein paar Stunden zuvor bei einer Ruderregatta nur den zweiten Platz erreichte. „Zwei Männer sind erforderlich, um mich zu ersetzen“, prahlt er.

Besiegt wurde der Enkel des Patriarchen von seinem Freund, dem Koch Antonio Biscaglia (Edoardo Gabbriellini). Der bringt Edo zum Trost einen Kuchen vorbei und wird dabei auch dessen Mutter Emma (Tilda Swinton) vorgestellt.

Emma Recchi ist Russin. Der Kunstsammler Tancredi Recchi lernte sie kennen, als er nach Russland reiste und sich von ihrem Vater, einem Restaurator, beraten ließ. Er nahm sie mit nach Mailand, ersetzte ihren russischen Namen durch „Emma“ und heiratete sie. Das Paar hat drei erwachsene Kinder: Edo, Gianluca (Mattia Zaccaro) und Elisabetta (Alba Rohrwacher). Emma füllt die ihr zugedachte Rolle aus und sorgt zum Beispiel mit der langjährigen Haushälterin Ida Marangon (Maria Paiato) zusammen für einen perfekten Ablauf der Geburtstagsfeier ihres Schwiegervaters. Aber sie zieht sich vorzeitig in ihr Schlafzimmer zurück. Von Liebe ist zwischen ihr und Tancredi längst nicht mehr die Rede.

Einige Monate später – Edoardo Recchi ist inzwischen gestorben – wendet Elisabetta sich von der in ihrer Familie gepflegten Kunst ab und wird Fotografin. Sie vertraut ihrer Mutter an, dass sie ihren Verlobten Gregorio Sanfelice (Emanuele Cito Filomarino) nicht heiraten werde, weil sie sich in eine Frau verliebt habe. Elisabetta ist nicht bereit, in die traditionelle Rolle der Frau zu schlüpfen, wie es ihre Mutter und ihre Großmutter Allegra Rori Recchi (Marisa Berenson) getan haben. Das darf jedoch erst einmal niemand in der Familie außer Emma erfahren.

Edo besucht Antonio in einem Wochenendhaus bei San Remo. Antonio würde dort gern ein Restaurant eröffnen, befürchtet jedoch, dass sein Vater, dem das Anwesen gehört, dies nicht erlauben würde. Edo redet mit Antonios Vater und erreicht, dass dieser nicht nur sein Einverständnis erklärt, sondern Antonio darüber hinaus die Hälfte des Grundstücks überschreibt. Auch Edo investiert in das Projekt.

Als Antonio bei einem von Edos Braut Eva Ugolini (Diane Fleri) ausgerichteten Familienfest kocht, genießt Emma vor allem den Anblick, den Duft und den Geschmack der auf einem Ratatouille-Bett servierten Garnelen. Es ist ein sinnliches Erlebnis.

Bald darauf fährt sie nach San Remo, beobachtet Antonio zunächst beim Einkaufen und lässt sich dann von ihm mit in die Sommerfrische nehmen. Der idealistische Koch ist das Gegenteil ihres nur am Geschäft interessierten Ehemanns. Sie ziehen sich aus und lieben sich nackt in einer sonnigen Wiese.

Währenddessen treffen sich Tancredi und Edo in London mit dem indischen Geschäftsmann Shai Kubelkian (Waris Ahluwalia), der die Textilfirma der Familie Recchi übernehmen möchte. Edo spricht sich gegen einen Verkauf aus und beruft sich auf seinen traditionsbewussten Großvater, der das gewiss nicht gewollt hätte. Aber der profitgierige Tancredi setzt sich durch und wird dabei auch von Gianluca unterstützt.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Als Edo herausfindet, dass seine Mutter ein Liebesverhältnis mit Antonio hat, geht er aufgebracht in den Garten der Villa hinaus. Emma folgt ihm und möchte mit ihm reden, aber er stolpert, stürzt und schlägt mit dem Kopf auf den Betonrand des Schwimmbeckens. Er wird bewusstlos ins Krankenhaus gebracht und stirbt dort.

Emma gesteht Tancredi, dass sie Antonio liebt. Sie existiere für ihn nicht mehr, antwortet er. Daraufhin verlässt Emma die Villa. Beim Hinausgehen blickt sie ihre Tochter vielsagend an. Elisabetta, deren stille Rebellion Emma ermutigte, bewundert ihre Mutter für diesen Schritt zur Selbstbestimmung. Emma wiederum lässt erkennen, dass sie ihre lesbische Tochter voll unterstützt.

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„I Am Love. Ich bin die Liebe“ ist ein Familiendrama über die Gegensätze zwischen großbürgerlichen Ritualen und leidenschaftlichen Gefühlen, Kommerz und Genuss, Zivilisation und Natur. Im Zentrum steht mit Emma eine Frau, die in einer vom Schwiegervater, Ehemann und von den Söhnen beherrschten Unternehmerfamilie ihre vorgegebene Rolle ausfüllt, bis sie sich – durch die stille Rebellion ihrer lesbischen Tochter dazu ermutigt – auf eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit einem Kochkünstler einlässt. Dieser Ausbruch aus dem goldenen Käfig hat zwar tragische Folgen, verschafft Emma aber auch die Chance, zu sich selbst zu finden und ein freies Leben zu führen.

Luca Guadagnino eifert bei der Inszenierung offenbar Lucchino Visconti nach. Sein elegisches Melodram „I Am Love. Ich bin die Liebe“ wird von artifiziellen Bildkompositionen, einer ungewöhnlichen Kameraführung und ambitionierten Schnittfolgen geprägt. Bei der Symbolik hat Luca Guadagnino zu dick aufgetragen: Eingeschneite Straßenzüge der Großstadt Mailand stehen für die Gefühlskälte und die eingefrorenen Rituale der Familie Recchi. Den Gegensatz dazu bilden Gräser, Blumen und Insekten, die immer wieder zu sehen sind, während Emma und Antonio sich nackt auf einer sonnigen Wiese lieben. Dass Emma sich von Antonio das Haar kürzen lässt, veranschaulicht die Änderung ihrer Einstellung. Ja, und dann fängt es während einer Beerdigung auch noch zu regnen an.

2002 drehte Luca Guadagnino mit Tilda Swinton als einziger Darstellerin den Kurzfilm „The Love Factory“. Dabei, so heißt es, seien sie auf die Idee gekommen, miteinander einen abendfüllenden Kinofilm über die Liebe zu drehen. Sieben Jahre später realisierten sie das Projekt.

Die Villa der Familie Recchi in „I Am Love. Ich bin die Liebe“ wurde nicht in einem Filmstudio als Kulisse errichtet, sondern die entsprechenden Aufnahmen entstanden in der Villa Necchi Campiglio in Mailand. Angelo Campiglio, seine Ehefrau Gigida und deren Schwester Nedda Necchi hatten die Villa 1932 bis 1935 von dem Mailänder Architekten Piero Portaluppi im Stil des Movimento Moderno bauen lassen. Nach dem Tod der letzten, kinderlos verstorbenen Erbin fiel die Villa Necchi Campiglio 2001 an den Fondo Ambiente Italiano.

Das Begräbnis in „I Am Love. Ich bin die Liebe“ wurde auf dem Cimitero Monumentale di Milano gedreht.

Die Kostümbildnerin Antonella Cannarozzi wurde für einen „Oscar“ nominiert.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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