Männertreu

Männertreu

Männertreu

Originaltitel: Männertreu – Regie: Hermine Huntgeburth – Drehbuch: Thea Dorn – Kamera: Sebastian Edschmid – Schnitt: Silke Franken – Musik: Biber Gullatz, Andreas Schäfer – Darsteller: Matthias Brandt, Suzanne von Borsody, Maxim Mehmet, Lisa Hagmeister, Margarita Broich, Claudia Michelsen, Peri Baumeister, Philipp Hochmair, Ronald Kukulies u.a. – 2013; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Bei Georg Sahl handelt es sich um den Herausgeber der Frankfurter Nachrichten, einer der führenden Zeitungen in Deutsch­land. Ihm missfällt, dass der Chefredakteur mehr auf Skandale im Privatleben von Politikern achtet als auf politische Fragen. Die mit ihm befreundete Frankfurter Ober­bürgermeisterin lässt ihn wissen, dass ihn die Bundeskanzlerin gern zum nächsten Bundespräsidenten machen würde. Georgs Ehefrau Franziska weiß, dass sie ihn von der Kandidatur ebenso wenig zurückhalten kann wie vor seinen zahlreichen Liebesaffären ...
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Kritik

Die Handlung des von Thea Dorn geschriebenen und von Hermine Huntgeburth inszenierten, mit Suzanne von Borsody und Matthias Brandt hochkarätig besetzten Fern­seh­films "Männertreu" bewegt sich zwischen Privatleben und Öffent­lich­keit, Familien- und Politdrama.
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Bei Georg Sahl (Matthias Brandt) handelt es sich um den Herausgeber der bürgerlich-liberalen Frankfurter Nachrichten, einer der führenden Zeitungen in Deutschland. Er promovierte über die Paulskirchen-Versammlung und die Idee der Freiheit. Ein Kant-Zitat ist seine Lebensmaxime: „Ich kann, weil ich will, was ich muss.“ Selbstbestimmung und -verantwortung sind ihm wichtig. Ihm fällt auf, dass es in letzter Zeit keine Rücktritte von Politikern aus politischen Gründen gab, allerdings einige aufgrund von Vorkommnissen im Privatleben. Weil er Wert auf seriöse Berichterstattung legt, missfällt ihm, dass Chefredakteur Rebensburg (Philipp Hochmair) und jüngere Redaktionsmitglieder mehr auf schlüpfrige Skandale als auf politische Themen achten: „Pinkelnde Prinzen und schlecht gelaunte Schauspielerinnen, ein uneheliches Ministerpräsidentenkind. Man muss doch mal runter von diesem Firlefanzkarussell. Was meinen Sie, weshalb unsere Zeitung als einzige in der alten Printlandschaft noch einigermaßen gut dasteht? Weil wir den Müll, der täglich fünfmal im Internet über die Welt gekippt wird, mit Druckerschwärze veredeln?“

Seit 35 Jahren ist Georg Sahl mit der Rechtsanwältin Franziska Sahl (Suzanne von Borsody) verheiratet. Ihr erwachsener, ebenfalls in Frankfurt wohnender Sohn Thomas (Maxim Mehmet) hat mit seiner Ehefrau Judith (Lisa Hagmeister) eine kleine Tochter namens Paula.

Befreundet sind die Sahls unter anderem mit der Frankfurter Oberbürgermeisterin Hildegard Becker (Margarita Broich). Die Politikerin überrascht Georg eines Tages mit der Nachricht, dass die Bundeskanzlerin vorhabe, ihn zum Bundespräsidenten wählen zu lassen. Angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung setze sie auf einen Kandidaten wie ihn, der für alle wählbar sei. Eigentlich haben Georg und Franziska sich geschworen, nicht in die Niederungen der Politik hinabzusteigen, aber die Idee kommt Georgs Verlangen nach Anerkennung und Publikum entgegen, und Franziska weiß, dass sie ihn nicht vom Gang nach Berlin abhalten kann.

Thomas erfährt davon und drängt seine Mutter, sich nicht auch das noch von Georg gefallen zu lassen. Es sei schlimm genug, dass Georg sie fortwährend mit anderen Frauen betrüge. Aber Franziska hält zu ihrem Mann.

Als Nina Ehrens (Peri Baumeister), eine Volontärin der Frankfurter Nachrichten, zu ihr in die Kanzlei kommt, begreift die Anwältin sofort, dass es sich um Georgs Geliebte handelt, die ihr den Ehemann abspenstig machen möchte. Obwohl sie sich darüber ärgert, sagt sie ruhig zu der jungen Frau: „Frauen wie Sie braucht mein Mann immer wieder, mich braucht er immer.“

Obwohl Georg sich hinsichtlich der Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten noch nicht festgelegt hat und zwischen ihm und Hildegard Becker Vertraulichkeit vereinbart wurde, beginnen die Medien über ihn als nächsten Bundespräsidenten zu spekulieren. Aufgebracht protestiert Georg bei der Frankfurter Bürgermeisterin, aber die weiß auch nicht, wer den Journalisten den Hinweis gab. Die Bundeskanzlerin ruft Georg an und bittet ihn zum Vier-Augen-Gespräch. Am nächsten Tag fliegt er mit einem Privatjet nach Berlin.

Helen Martin (Claudia Michelsen), die Moderatorin einer Boulevard-Talkshow, reist eigens nach Frankfurt, um Georg für ihre Live-Sendung zu ködern und bietet ihm an, an dem Abend keine weiteren Gäste einzuladen. Sie will unbedingt, dass er sich in ihrer Sendung über seine Entscheidung in der Kandidatenfrage äußert. Georg mag die unseriöse Talkshow nicht, lässt sich dann aber doch zur Teilnahme überreden und fliegt nach Hamburg. Nach der Sendung geht er zu Helen Martin in die Garderobe und kopuliert mit ihr.

Aus Verärgerung über seinen Vater und um dessen aktuelle Affäre zu torpedieren, knackte Thomas einige Stunden zuvor Georgs Passwort für den Laptop und schickte Nina Ehrens eine fingierte, an „Judith“ adressierte Mail. Es soll so aussehen, als habe Georg versehentlich die Mail-Adressen von zwei Geliebten vertauscht. Nina, die noch immer glaubt, Georgs große Liebe zu sein, ist entsetzt. Sie eilt nach Hamburg und überrascht Georg nach der Sendung im Hotel. Es kommt zum Streit. Georg will die Beziehung beenden, und Nina begreift, dass sie tatsächlich nur eine unter vielen ist. Als sie dann auch noch merkt, dass er kurz zuvor Sex hatte, rennt sie verstört davon und gerät auf der Straße vor ein Auto.

Georg sieht durchs Fenster, wie sie vom Notarzt weggebracht wird. Er befürchtet, dass sie tot ist oder sterben wird. Obwohl es mitten in der Nacht ist, ruft er schluchzend seine Frau an. Franziska fährt sofort mit dem Wagen los und trifft noch vor dem Morgengrauen in Hamburg ein. Nina hat ihre Handtasche mit dem Handy bei Georg im Hotelzimmer liegen lassen. Franziska nimmt sie an sich, forscht im Krankenhaus nach und erfährt, dass die junge Frau im Koma liegt. Zurück in Frankfurt, dringt die Rechtsanwältin in Ninas Wohnung ein und entfernt alle Hinweise auf Georg: Fotos, Hemden, Laptop. Auf dem Handy findet sie die Nachricht, die Nina dazu veranlasste, ihrem Geliebten nachzueilen.

Die Medien finden rasch heraus, dass es sich bei dem Unfallopfer um eine Volontärin der Frankfurter Nachrichten handelt und die junge Frau aus dem Hotel rannte, in dem der Herausgeber die Nacht verbrachte. Deshalb wird bereits in den Online-Ausgaben der Zeitungen am nächsten Morgen über eine Liebesaffäre der beiden spekuliert.

Die entsetzte Frankfurter Oberbürgermeisterin drängt ihrem Freund den Pressesprecher Loebmann (Ronald Kukulies) auf, der das Krisenmanagement übernehmen soll, mit dem Georg jedoch nicht zusammenarbeiten mag. Immerhin folgt er dem Rat, sich am Abend demonstrativ mit Franziska bei einer Aufführung des „Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart in der Oper sehen zu lassen.

Helen Martin plant, die Spekulationen zum Thema ihrer nächsten Sendung zu machen und fliegt nach Frankfurt, um Georg Sahl, seine Frau, Hildegard Becker und den Chefredakteur der Frankfurter Nachrichten dafür zu gewinnen. Georg lehnt ab, zumal es sich um Franziskas Geburtstag handelt.

Franziska, die Helen Martin ebenfalls absagt, stellt ihre Schwiegertochter wegen der Mail auf Ninas Handy zur Rede, und Judith gibt zu, vor einigen Jahren eine vorübergehende Affäre mit Georg gehabt zu haben. Aber sie beteuert, dass das alles längst vorbei sei und die Mail nicht für sie bestimmt gewesen sein könne.

Thomas fällt auf, dass Judith mit ihrem Schwiegervater telefoniert. Als sie vorgibt, etwas Geschäftliches erledigen zu wollen, beschattet er sie und beobachtet, wie sie sich in einem Park mit Georg trifft.


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Während Georg und Franziska, Judith und Thomas Geburtstag feiern, läuft Helen Martins Sendung. Neben dem Chefredakteur der Frankfurter Nachrichten und der Oberbürgermeisterin sitzt eine junge Frau in der Runde, die behauptet, eine von Georg Sahls zahlreichen Geliebten gewesen zu sein. Da greift Georg zum Telefon und wird live in die Sendung geschaltet. Vor allen Zuschauern erinnert er die Moderatorin daran, dass sie nach der letzten Sendung in ihrer Garderobe Sex mit ihm hatte. Dann legt er auf. Helen Martin ist routiniert genug, um trotz der Irritation weiterzumachen.

Aber bei der Geburtstagsfeier im Hause Sahl löst Thomas einen Eklat aus, als er seine Frau und seinen Vater verdächtigt, ihn zu betrügen und argwöhnt, dass Paula vielleicht gar nicht seine Tochter sei. Georg wiederum lässt erkennen, dass er Thomas für den Absender der fingierten Mail hält, die Nina veranlasste, nach Hamburg zu fahren.

Im Auftrag der Oberbürgermeisterin versucht Loebmann die Wogen mit einer Pressekonferenz zu glätten. Unerwartet tauchen Georg und Franziska Sahl auf. Georg schiebt den PR-Manager vom Rednerpult weg und erklärt nicht nur seinen Verzicht auf die Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten, sondern auch seinen Rücktritt als Herausgeber der Frankfurter Nachrichten. In der Öffentlichkeit entschuldigt er sich bei seiner Frau dafür, dass sie unter den Aufgeregtheiten leiden musste.

Hildegard Becker ist entsetzt. Sie entlässt Loebmann.

Am nächsten Morgen wundert Georg sich, dass anstelle des alten Gärtners Heinrich (Bohdan Artur Swiderski) eine junge Frau im Garten seiner Villa arbeitet. Während Heinrich die Maulwürfe bekämpfte und Männertreu pflanzte, die viel Sonne und Wasser benötigen, aber keine Staunässe vertragen, setzt die junge Gärtnerin nun Adonisröschen ein.

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Bei der Filmfigur Georg Sahl denken wir an den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, aber Thea Dorn hat mit dem Drehbuch für „Männertreu“ keinen Schlüsselroman geschrieben. Die in Frankfurt, Berlin und Hamburg spielende Handlung des von Hermine Huntgeburth inszenierten Fernsehfilms ist fiktiv. Sie bewegt sich zwischen Privatleben und Öffentlichkeit, verbindet ein Familiendrama bzw. einen Vater-Sohn-Konflikt mit der Politik und einem von den Medien aufgegriffenen Skandal. Im Mittelpunkt steht ein kultivierter, nicht mehr ganz junger Mann, der zwar anspruchsvolle Prinzipien befolgt, aber wegen seines Bedürfnisses nach Anerkennung und Zuwendung jede Frau ins Bett zu kriegen versucht. Nicht nur nebenbei nehmen Thea Dorn und Hermine Huntgeburth in „Männertreu“ die Doppelmoral der Medien bzw. der Gesellschaft aufs Korn.

Dass Thomas den Namen seiner Ehefrau für eine Intrige missbraucht, ist kaum nachvollziehbar. Wenn er dann erfährt, dass Judith vor Jahren eine Affäre mit seinem Vater hatte, die beiden im Park beobachtet und dennoch nicht fragt, warum sie sich verabredeten, könnte es sich um eine Lücke im Drehbuch handeln. Oder nimmt er einfach an, dass die beiden ihn nach wie vor betrügen?

Dramaturgische Holprigkeiten wie diese werden ausgeglichen durch pointierte Dialoge und vor allem durch die hochkarätige Besetzung mit Suzanne von Borsody und Matthias Brandt.

Die Dreharbeiten für „Männertreu“ fanden vom 16. April bis 23. Mai 2013 in Frankfurt/Main, Offenbach, Wiesbaden und Aarbergen im Rheingau-Taunus-Kreis statt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

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