Schule des Begehrens

Schule des Begehrens

Schule des Begehrens

Schule des Begehrens - Originaltitel: L'École de la Chair - Regie: Benoît Jacquot - Drehbuch: Jacques Fieschi, nach dem Roman "Nikutai Nagakko" von Yukio Mishima - Kamera: Caroline Champetier - Schnitt: Luc Barnier - Musik: Pascal Chauvin - Darsteller: Isabelle Huppert, Vincent Martinez, Marthe Keller, Vincent Lindon, François Berleand, Daniele Dubroux, Bernard le Coq, Jean-Claude Dauphin, Jean-Louis Richard, Roxane Mesquida u.a. - 1998; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Eine etwa vierzigjährige erfolgreiche, aber innerlich leere Geschäftsfrau, die sich nach Liebe verzehrt, überredet einen halb so alten bisexuellen Stricher, sich von ihr aushalten zu lassen. Obwohl sie ihn nicht einmal sympathisch findet und unter seiner Gefühlskälte leidet, gelingt es ihr erst nach längerer Zeit, sich von ihm wieder zu befreien.


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Kritik

Schockierende Studie über Menschen, die Liebe und Sexualität wie käufliche Ware behandeln. Weder Rührseligkeit noch romantische Gefühle lässt Benoît Jacquot in seinem spröden Film aufkommen. Er verlässt sich vor allem auf die subtile Mimik und Gestik seiner hervorragenden Hauptdarstellerin Isabelle Huppert.
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Dominique (Isabelle Huppert) ist die Tochter eines Medizinprofessors, der sich auf das Thema Schmerz spezialisiert hatte. Sie hatte früh geheiratet, ist aber seit längerer Zeit geschieden. Inzwischen leitet die Vierzigjährige ein Modehaus in Paris. Als sie mit einer Freundin (Daniele Dubroux) ein Nachtlokal besucht, macht der Transvestit Chris (Vincent Lindon) sie auf den Barmann Quentin (Vincent Martinez) aufmerksam, der sie schon eine Weile angestarrt hat. Quentin gehe in seiner Freizeit boxen, verrät Chris, und er verdiene sein Geld nicht zuletzt als bisexueller Callboy.

Am nächsten Abend kehrt Dominique zurück und spricht den halb so alten Barmann an. An seinem freien Tag lädt sie ihn in einem teuren Restaurant zum Essen ein, obwohl er sich dort nicht zu benehmen weiß. Ohne sich um ihre Wünsche zu kümmern, besucht er anschließend in ein Lokal mit Spielautomaten und erprobt seine Geschicklichkeit bei einem virtuellen Autorennen. Zornig über die Demütigung verlässt Dominique ihn nach einer Weile – kehrt dann aber doch wieder um. Inzwischen ist er bereit, sie in ein Hotelzimmer zu begleiten. Nach dem Liebesakt drängt sie ihm einen überhöhten Geldbetrag auf.

Nach einigen Treffen mit Quentin sucht sie ihn vergeblich in dem Nachtlokal und findet ihn nach einiger Zeit in der Spielhalle am Automaten.

Um mehr über ihren wortkargen Lover zu erfahren, verabredet Dominique sich mit Chris. Der erzählt ihr, Quentin habe nur ein einziges Mal eine längere Beziehung gehabt, mit einem älteren Rechtsanwalt. Von mehreren Bekannten habe er sich Geld geliehen. Ungerührt stellt Dominique Chris einen Scheck über 35 000 Francs aus, die Quentin ihm angeblich schuldet. Von dem homosexuellen Rechtsanwalt, der mit Quentin ein Verhältnis hatte, erfährt sie, dass ihr Liebhaber einen Berber als Vater hat. Kurz darauf geht sie in eine Kantine, um Quentins Mutter, die dort das Essen ausgibt, bei der Arbeit zu beobachten.

Schließlich lässt Quentin sich von Dominique überreden, seinen Job aufzugeben und sich von ihr in ihrem vornehmen Apartment aushalten zu lassen, aber er stellt von Anfang an klar, dass er seine Freiheit brauche und keine Lust habe, jeden Abend mit ihr ins Bett zu gehen. Dominique kleidet ihn neu ein und beschäftigt ihn als Model.

Gemeinsam fliegen sie nach Marokko, um einige Tage in Marrakesch zu verbringen. Zufällig treffen sie in ihrem Hotel Dominiques Kundin Florence Thorpe (Marthe Keller) mit ihrem Ehemann (Jean-Louis Richard) und ihrer Tochter Marine (Roxane Mesquida).

Wieder in Paris, kommt Quentin nur noch selten zu Dominique. Ihrer Freundin gesteht sie, dass sie ihn nicht einmal sympathisch findet und sich jeden Morgen vornimmt, ihn hinauszuwerfen. Aber sie kommt nicht von ihm los. Ein Scheck, den sie in seinen Sachen findet, zeigt ihr, dass auch der Rechtsanwalt wieder zu seinen Kunden gehört.

Um sich von Quentin zu lösen, wirft Dominique sich dem nächstbesten Mann an den Hals, den sie in einem Nachtlokal kennen lernt. Sie nimmt ihn mit in ihre Wohnung und will damit Quentin brüskieren. Der kommt jedoch erst am nächsten Morgen nach Hause und begegnet ihrem neuen Liebhaber nur noch im Treppenhaus, ohne ihn zu beachten.

Als Quentin Tage lang fort bleibt, sucht sie ihn verzweifelt und holt ihn dann vom Straßenstrich. Er habe inzwischen eine jüngere Geliebte, gesteht er ihr. Sie kann es kaum glauben, als er in Begleitung von Marine Thorpe auftaucht und verkündet, er werde das junge Mädchen aus reicher Familie heiraten.

Chris, der selbst unglücklich in Quentin verliebt ist, überlässt Dominique Fotos, die er von einem Detektiv machen ließ. Sie zeigen den Stricher in eindeutigen Situationen mit einigen seiner Freier. Mit der Drohung, die Aufnahmen der Familie Thorpe zuzuspielen, will Dominique Quentin erpressen. Bevor er etwas von dem Inhalt des Kuverts ahnt, das sie ihm hinwirft, äußert Quentin sich abschätzig über seine Braut und versichert Dominique, er könne sich auch nach der Hochzeit weiterhin mit ihr treffen. Da verbrennt sie die Abzüge und die Negative – und fordert ihn zugleich auf, ihre Wohnung zu verlassen.

Jahre später begegnen sie sich zufällig auf der Straße. Quentin hat seine eineinhalbjährige Tochter dabei und sieht heruntergekommen aus. Seine Heiratspläne mit Marine hätten sich zerschlagen, erzählt er Dominique, er sei inzwischen mit einer anderen Frau verheiratet, deren Eltern ein kleines Hotel besitzen. Ob sie sich wieder einmal treffen könnten? Dominique weist ihn ab und blickt ihm kühl nach, als er mit dem kleinen Mädchen eine Treppe zur Metro hinuntergeht. Sie wartet auf ihren Ehemann, der kurz etwas einkaufen wollte und im nächsten Augenblick zurückkehrt.

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In seiner Verfilmung des Romans „Nikutai Nagakko“ von Yukio Mishima zeigt Benoît Jacquot eine etwa vierzigjährige erfolgreiche, aber innerlich leere Geschäftsfrau, die sich nach Liebe verzehrt und einen halb so alten bisexuellen Stricher überredet, sich von ihr aushalten zu lassen. Obwohl sie ihn nicht einmal sympathisch findet und unter seiner Gefühlskälte leidet, gelingt es ihr erst nach längerer Zeit, sich von ihm wieder zu befreien. „Schule des Begehrens“ ist ein düsteres Melodram über Menschen, die Liebe und Sexualität wie käufliche Ware behandeln, eine schockierende Studie über Einsamkeit, Selbstaufgabe und Abhängigkeit, Obsession und unerfüllbare Sehnsucht.

Weder Rührseligkeit noch romantische Gefühle lässt Benoît Jacquot in seinem spröden Film aufkommen. Er verlässt sich vor allem auf die subtile Mimik und Gestik seiner hervorragenden Hauptdarstellerin Isabelle Huppert.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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