Lulu

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Lulu

Originaltitel: Lulu - Regie: Uwe Janson - Drehbuch: Uwe Janson, nach der Tragödie "Lulu" von Frank Wedekind - Kamera: Phillip Sichler - Schnitt: Florian Drechsler - Musik: Oliver Biehler - Darsteller: Jessica Schwarz, Dietrich Hollinderbäumer, Alexander Scheer, Sylvester Groth, Carlo Ljubek, Esther Zimmering, Wolfgang Packhäuser, Matthias Schweighöfer, Max Hopp, Heike Warmuth, Isabel Schosnig, Nike Fuhrmann, Robert Basta, Dirk Borchardt, Hansa Czypionka, Pascale Aleardi, Greg Zimmermann, Oliver Biehler u.a. - 2006; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Um sich gutbürgerlich verheiraten zu können, verkuppelt der Berliner Chefredakteur Dr. Schön seine Mätresse Lulu, die er als Zwölfjährige aus der Gosse holte, mit dem senilen Medizinalrat Dr. Goll. Den trifft der Schlag, als er Lulu mit dem Maler Schwarz ertappt. Lulu heiratet Schwarz, der sich das Leben nimmt, nachdem er von ihrer Untreue erfahren hat. Daraufhin wird Lulu Dr. Schöns Ehefrau, empfängt jedoch auch weiterhin ihre Verehrer – bis es zu einer weiteren Katastrophe kommt ...
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Kritik

Während Frank Wedekinds Tragödie "Lulu" in Berlin, Paris und London spielt, beschränkt Uwe Janson sich in seiner Verfilmung auf Berlin. Mit wenigen Ausnahmen hielt er sich eng an die literarische Vorlage und übernahm auch den Originaltext.
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Dr. Schön (Sylvester Groth), der reiche Chefredakteur einer Berliner Zeitung, holt die zwölfjährige Lulu (Ella-Sade Hagen-Janson) aus der Gosse, sorgt für ihre Erziehung und macht sie zu seiner Mätresse. Als er vorhat, sich zu verheiraten, trennt er sich von Lulu (Jessica Schwarz) und verkuppelt sie mit einem vermögenden Freund: Medizinalrat Dr. Goll (Dietrich Hollinderbäumer). Lulu heiratet den sehr viel älteren senilen Mann. Als Dr. Goll herausfindet, dass sie ihn mit dem Maler Schwarz (Alexander Scheer) betrügt, der sie porträtieren soll, trifft ihn vor den Augen seiner Frau der Schlag. Daraufhin wird Lulu die Ehefrau des Künstlers und verhilft ihm mit ihrer Erbschaft zum Erfolg, setzt jedoch heimlich auch ihr Verhältnis mit Dr. Schön fort. Obwohl Schwarz sich an der Nase herumführen lässt, erfährt er schließlich durch Dr. Schön – der sich durch diesen Schritt endgültig von Lulu befreien möchte – vom Vorleben seiner Frau. Entsetzt schneidet Schwarz sich die Kehle durch.

Die zweifache Witwe bringt nun Dr. Schön dazu, seine gutbürgerliche Verlobung zu lösen und sich mit ihr zu vermählen. Während er an der Börse tätig ist, empfängt Lulu ihre Verehrer: Dr. Schöns homosexuellen Sohn Alwa (Carlo Ljubek), die lesbische Gräfin Geschwitz (Esther Zimmering), den Athleten Rodrigo Quast (Max Hopp), den schwärmerischen Gymnasiasten Hugenberg (Heike Warmuth) und ihren siebenundsiebzigjährigen Vater Schigolch (Wolfgang Packhäuser). Sie alle sind der femme fatale verfallen. Als ihr Mann vorzeitig nach Hause kommt und mit seinem Sohn ertappt, drückt er ihr einen Revolver in die Hand und lässt sich von ihr erschießen.

Danach gibt Lulu sich als Gräfin Adélaïde d’Oubra aus und beginnt mit Alwa Schön und Gräfin Geschwitz ein Luxusleben in der Demimonde – bis das aus dem Verkauf der Zeitung stammende Geld ausgeht.

Auf diesen Augenblick hat der Marquis Casti-Piani gewartet: Der Polizeispitzel und Mädchenhändler, der weiß, wer Dr. Schön erschoss, will Lulu für ein Edelbordell gewinnen. Zur gleichen Zeit versucht auch Rodrigo Quast, Lulu zu erpressen und verlangt für sein Schweigen Geld. Da missbraucht Lulu die Liebe der Gräfin Geschwitz und überredet die ihr hörige Lesbierin dazu, sich dem Athleten hinzugeben, damit Schigolch ihn ermorden kann.

Lulu entkommt Casti-Piani, indem sie untertaucht und mit Alwa, Gräfin Geschwitz und Schigolch in einer Absteige haust. Weil keiner von ihnen Geld hat, geht Lulu als Hure auf die Straße. Alwa kommt bei einer Auseinandersetzung mit einem ihrer Freier ums Leben. Am Ende gerät Lulu an Jack the Ripper (Matthias Schweighöfer), der die Gräfin Geschwitz ersticht und Lulu droht, sie ebenfalls zu töten.

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Lulu, die Hauptfigur der gleichnamigen Tragödie von Frank Wedekind („Lulu“), verkörpert den Konflikt zwischen der Sexualität und der bürgerlichen Moral: Dr. Schön, Dr. Goll, der Maler Schwarz, Alwa Schön und die lesbische Gräfin Geschwitz verfallen Lulu und kommen dabei ums Leben. Vergeblich verlangt Lulu nach Liebe; sie zerbricht daran, dass sie von allen nur als Objekt der Begierde gesehen wird. Schuld und Unschuld, Täter und Opfer lassen sich in den „Lulu“-Tragödien nicht klar voneinander unterscheiden. Lulu entwickelt sich von einer Lolita zur femme fatale und steigt parallel dazu vom Straßenkind zur Halbweltdame auf, bevor sie als mittellose Straßenhure wieder in der Gosse endet. Karl Kraus schrieb, Lulu sei „die Tragödie von der gehetzten, ewig missverstandenen Frauenanmut“, die von allen zerstört wird und alles zerstört.

Ich hatte am Anfang so eine typische Vorstellung von der Lulu als Lolita oder femme fatale. Mittlerweile glaube ich aber, dass sie die Männer einfach begeistern konnte. (Jessica Schwarz)

Für mich ist Lulu keine Ikone, kein Abbild, keine Marionette, sondern eine lebendige Figur. Sie ist in erster Linie eine Frau, die den Anspruch auf Liebe ganz stark für sich formuliert. Und dafür alles einsetzt, was sie an Charme, Körperlichkeit, Raffinesse, Intelligenz und Leidenschaft zur Verfügung hat. (Uwe Janson)

Die „Lulu“-Tragödien von Frank Wedekind wurden mehrmals verfilmt, unter anderem 1929 von Georg Wilhelm Pabst und 2006 von Uwe Janson.

Die Büchse der Pandora – Regie: Georg Wilhelm Pabst – Drehbuch: Joseph Fleisler, Ladislaus Vajda und Georg Wilhelm Pabst, nach den Tragödien „Der Erdgeist“, „Die Büchse der Pandora“ und „Lulu“ von Frank Wedekind – Kamera: Günther Krampf – Musik: Peer Raben (restaurierte Fassung) – Darsteller: Louise Brooks, Fritz Kortner, Francis Lederer, Carl Goetz, Krafft-Raschig, Alice Roberts, Gustav Diessl u. a. – 1929; 100 Minuten (restaurierte Fassung: 135 Minuten)

Während Frank Wedekinds Tragödie in Berlin, Paris und London spielt, beschränkt Uwe Janson (*1959) sich in seinem Theaterfilm „Lulu“ auf Berlin. Fünf verschiedene Hotelzimmer bilden nacheinander die zeitlosen Kulissen für die ersten fünf Akte; der Schluss findet in einer Absteige statt. Uwe Janson hielt sich mit wenigen Ausnahmen eng an die literarische Vorlage und übernahm auch den (gekürzten) Originaltext (der ersten Fassung). Mit der entfesselten Kamera geht Phillip Sichler immer wieder dicht an die Gesichter der Darsteller heran. Oliver Biehler trägt mit seiner ebenso unaufdringlichen wie stilbildenden Musik maßgeblich zur Atmosphäre des Films bei. Die Rolle der „Lulu“ wurde mit Jessica Schwarz (*1977) hervorragend besetzt.

Gedreht wurde im Sommer 2005 in Berlin, und zwar chronologisch, Akt für Akt, bis zu fünfundzwanzig Minuten ohne Unterbrechung.

Außer der Musik von Oliver Biehler sind folgende, von ihm, Pasquale Aleardi und Greg Zimmermann – den „Rezeptionisten“ – gespielten Stücke in „Lulu“ zu hören:

  • Vagabondi ba bam ba bam (Pasquale Aleardi)
  • Lulu oreo koritzaki (Pasquale Aleardi)
  • A Lulu styly (Pasquale Aleardi)
  • Tous les filles des Montparnasse (Nico Lypitkas)
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

Frank Wedekind: Lulu

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