Kurt Tucholsky


Kurt Tucholsky wurde 1890 als Sohn eines großbürgerlichen jüdischen Kaufmanns in Berlin geboren. Nach dem Jurastudium in Berlin und Genf und der Promotion 1915 in Jena leistete er Kriegsdienst. 1912 hatte er bereits den Roman „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“ veröffentlicht. Nach dem Krieg, von 1918 bis 1920, war er Chefredakteur einer satirischen Beilage des „Berliner Tageblatts“ („Ulk“). Dann verdiente er seinen Lebensunterhalt als freier Journalist und Schriftsteller, bis er nach einem Volontariat bei einer Bank 1926 Mitherausgeber der Zeitschrift „Die Weltbühne“ wurde. Nach der Scheidung von Else Weil, mit der er von 1920 bis 1924 verheiratet war, heiratete er Mary Gerold. Auch diese Ehe scheiterte und wurde im August 1933 geschieden.

Seit er im April 1924 als Korrespondent der „Weltbühne“ und der „Vossischen Zeitung“ nach Paris gegangen war, kehrte er nur hin und wieder für einige Zeit nach Deutschland zurück. Nach einem Urlaub 1928 in Skåne und einem fünfmonatigen Aufenthalt 1929 in Mariefred mietete er die Villa „Nedsjölund“ in Hindås, die er im Januar 1930 bezog. Im Herbst 1930 kam er bei der Durchreise von einem Sanatoriumsaufenthalt in der Schweiz noch einmal durch Deutschland.

Am 23. August 1933 stand sein Name auf der ersten Ausbürgerungsliste der Nationalsozialisten, und sein Vermögen in Deutschland wurde beschlagnahmt. Am 19. Dezember 1935 nahm Kurt Tucholsky in seiner Villa gewollt oder versehentlich eine Überdosis Veronal ein und starb zwei Tage später in einem Krankenhaus in Göteburg. Er wurde auf dem kleinen Friedhof in Mariefred in der Nähe des Schlosses Gripsholm beigesetzt.

In seinem Einbürgerungsantrag zur Erlangung der schwedischen Staatsbürgerschaft schrieb Kurt Tucholsky am 22. Januar 1934:

Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 als Sohn des Kaufmanns Alex Tucholsky und seiner Ehefrau, Doris, geborene Tucholski, in Berlin geboren. Er besuchte Gymnasien in Stettin und in Berlin und bestand im Jahr 1909 die Reifeprüfung. Er studierte in Berlin und in Genf Jura und promovierte im Jahre 1914 in Jena cum laude mit einer Arbeit über Hypothekenrecht.
Im April 1915 wurde Tucholsky zum Heeresdienst eingezogen; er war dreieinhalb Jahre Soldat […]
Nach dem Kriege war Tucholsky unter Theodor Wolff, dem Chefredakteur des Berliner Tageblatt, Leiter der humoristischen Beilage dieses Blattes, des Ulk, vom Dezember 1918 bis zum April 1920.
Während der Inflation […] nahm Tucholsky eine Anstellung als Privatsekretär des früheren Finanzministers Hugo Simon an […]
Im Jahre 1924 ging Tucholsky als fester Mitarbeiter der Berliner Wochenschrift Die Weltbühne und der Vossischen Zeitung nach Paris, wo er sich bis zum Jahre 1929 aufhielt […]
Nachdem Tucholsky bereits als Tourist längere Sommeraufenthalte in Schweden genommen hatte (1928 in Kivik, Skåne, und fünf Monate im Jahre 1929 bei Mariefred), mietete er im Sommer 1929 eine Villa in Hindås, um sich ständig in Schweden niederzulassen […] Er bezog das Haus, das er ab 1. Oktober 1929 gemietet hat, im Januar 1930 und wohnt dort ununterbrochen bis heute. Er hat sich in Schweden schriftstellerisch oder politisch niemals betätigt […]
Tucholsky hat im Jahre 1920 in Berlin Fräulein Dr. med. Else Weil geheiratet; die Ehe ist am 14. Februar 1924 rechtskräftig geschieden. Am 30. August 1924 hat Tucholsky Fräulein Mary Gerold geheiratet; die Ehe ist am 21. August 1933 rechtskräftig geschieden. Tucholsky hat keine Kinder sowie keine unterstützungsberechtigten Verwandten, die seinen Aufenthalt in Schweden gesetzlich teilen könnten.
Tucholsky hat zu den bestbezahlten deutschen Journalisten gehört. Seit dem Jahre 1931 hat er so gut wie nichts publiziert. Seine in Deutschland befindlichen Vermögenswerte sind […] beschlagnahmt worden […]
Dass Tucholsky Angebote von Verlagen und Zeitschriften zur Zeit abgewiesen hat, hängt mit seiner literarischen Entwicklung zusammen.
Tucholsky hat seine literarische Tätigkeit mit einer kleinen Geschichte „Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte“ begonnen, das im Jahre 1912 in Berlin erschienen ist und heute im 120. Tausend vorliegt […]
Solange sich Tucholsky an Deutschland gebunden fühlte, hat er als Deutscher und in Deutschland das, was er dort für nicht gut hielt, kritisiert. Seine publizistische Tätigkeit hat im Jahre 1931, also lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, ihr vorläufiges Ende gefunden. Trotzdem wurde ihm zwei Jahre später die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt […]

(Quelle: Kurt Tucholsky, Ein Lesebuch, zusammengestellt von Walter Jens.
Stuttgart / München o. J.)

© Dieter Wunderlich 2006

Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm

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