Die Frau auf der Brücke

Die Frau auf der Brücke

Die Frau auf der Brücke

Die Frau auf der Brücke – Originaltitel: La fille sur le pont – Regie: Patrice Leconte – Drehbuch: Serge Frydman – Kamera: Jean-Marie Dreujou – Schnitt: Joëlle Hache – Darsteller: Vanessa Paradis, Daniel Auteuil, Frédéric Pfluger, Demetre Georgalas, Catherine Lascault, Isabelle Petit-Jacques, Mireille Mossé u.a. – 1999; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Die 21-jährige Adèle ist überzeugt, dass sie ein Pechvogel ist und beabsichtigt, von einer Brücke zu springen. Dem erfolglosen Messerwerfer Gabor, der seine lebenden Zielscheiben unter den Frauen sucht, die sich von Türmen oder Brücken stürzen wollen, kann Adèle nicht zurückhalten, aber er springt ihr nach und rettet sie. Danach überredet er sie, sich ihm für seine Auftritte zur Verfügung zu stellen. Zusammen haben die beiden Glück und Erfolg. Doch auf einem Kreuzfahrtschiff verliebt Adèle sich in einen frisch verheirateten Griechen ...
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Kritik

"Die Frau auf der Brücke" ist eine märchenhafte Romanze in poetischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die von den beiden Hauptdarstellern Daniel Auteuil und Vanessa Paradis getragen wird.
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Die einundzwanzigjährige Adèle (Vanessa Paradis) ist überzeugt, dass sie das Pech anzieht und niemals Glück haben wird. Nach lauter enttäuschenden Erfahrungen mit Männern beabsichtigt sie, von einer Brücke in Paris zu springen. Da taucht der erfolglose Messerwerfer Gabor (Daniel Auteuil) auf, der seine lebenden Zielscheiben unter den Frauen sucht, die sich von Türmen oder Brücken stürzen wollen. Er kann Adèle nicht zurückhalten, aber er springt ihr nach und rettet sie aus dem eiskalten Wasser.

Danach überredet er sie, sich ihm für seine Auftritte zur Verfügung zu stellen. Um bei einem Varieté an der Riviera ein Engagement zu bekommen, verspricht Gabor dem Direktor ohne Absprache mit Adèle eine besondes gefährliche Nummer: Er wirft zwölf Messer auf die hinter einem Vorhang stehende Adèle und zeichnet auf diese Weise die Konturen ihres Körpers nach. Nach der bejubelten Darbietung klebt Gabor ein Pflaster auf eine kleine Schnittwunde an Adèles Arm.

Die beiden haben eine Glückssträhne: Adèle gewinnt nicht nur bei Tombolas und an Spielautomaten, sondern auch an den Spieltischen in den Kasinos.

Schließlich werden die beiden für das Unterhaltungsprogramm auf einer Kreuzfahrt unter Vertrag genommen. Adèle lässt sich auf eine Scheibe schnallen, die gedreht wird, während Gabor seine Messer wirft.

Adèle, die noch immer auf der Suche nach dem richtigen Mann ist und weiß, dass der Messerwerfer nicht mit seinen „Zielscheiben“ schläft, verliebt sich auf dem Schiff in den depressiven Griechen Takis (Demetre Georgalas), der mit seiner frisch angetrauten Frau (Isabelle Petit-Jacques) auf Hochzeitsreise ist. Die beiden brennen in einem Rettungsboot durch, doch mitten auf dem Meer setzt der Motor aus und das Paar muss warten, bis es von einem Hubschrauber gerettet wird. Da begreift Adèle, dass Takis auch nicht der Richtige ist.

Währenddessen hält Gabor die verlassene Braut davor zurück, sich vom Oberdeck ins Wasser zu stürzen und rekrutiert sie als Ersatz für Adèle, doch beim ersten Versuch trifft er sie mit einem der Messer mitten in den Oberschenkel.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Adèle strandet in Athen, Gabor in Istanbul. Doch sie unterhalten sich telepathisch. Glück hatten sie nur gemeinsam. Seit der Trennung ist es damit vorbei. Gabor läuft als Sandwich-Mann herum, verliert dann auch diesen Job und setzt sich bettelnd an den Straßenrand. Eines Tages sieht er Adèle, will ihr nachlaufen – und wird dabei von einem Lastwagen angefahren. Hinkend schleppt er sich auf eine Brücke, um in den Tod zu springen. Aber da taucht Adèle auf und hält ihn zurück.

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„Die Frau auf der Brücke“ ist eine märchenhafte Romanze von Patrice Leconte. Der Messerwerfer Gabor fasst die Mädchen, die sich ihm für seine Auftritte zur Verfügung stellen, zwar grundsätzlich nicht an, aber er penetriert sie gewissermaßen mit seinen Messern und fügt ihnen dabei kleine blutende Wunden zu. Einmal zeigt er Adèle die Hälfte eines Geldscheins. Der ist wertlos; erst wenn auch die zweite Hälfte vorhanden ist, hat die Banknote einen Wert. Das klingt nach aufdringlicher Symbolik, aber die Zahl der Metaphern hält sich in Grenzen.

Obwohl der Film „Die Frau auf der Brücke“ um die beiden Hauptfiguren Gabor und Adèle kreist, haben Serge Frydman (Drehbuch) und Patrice Leconte (Regie) nicht versucht, ihre Vorgeschichte zu erzählen und ihre psychische Entwicklung zu erklären, sondern sie sind im Hier und Jetzt geblieben.

Zwar hört sich der eine oder andere Satz wie ein Kalenderspruch an, aber in den Dialogen überwiegt eine lakonische Komik.

Mit seinen poetischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen hat Jean-Marie Dreujou maßgeblich zur Atmosphäre des Films beigetragen.

Bemerkenswert ist auch die Ähnlichkeit der beiden Brückenszenen am Anfang und am Ende.

Sehenswert ist „Die Frau auf der Brücke“ vor allem wegen der wunderbaren Hauptdarsteller Daniel Auteuil und Vanessa Paradis, die den Film tragen und ihm eine besondere Note verleihen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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