Mein bester Freund

Mein bester Freund

Mein bester Freund

Mein bester Freund – Originaltitel: Mon meilleur ami – Regie: Patrice Leconte – Drehbuch: Patrice Leconte und Jérôme Tonnerre nach einer Idee von Olivier Dazat – Kamera: Jean-Marie Dreujou – Schnitt: Joëlle Hache – Musik: Xavier Demerliac – Darsteller: Daniel Auteuil, Dany Boon, Julie Gayet, Julie Durand, Jacques Mathou, Marie Pillet u.a. – 2006; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Als die Antiquitätenhändlerin Catherine ihrem Geschäftspartner François vorwirft, sich nicht für andere Menschen zu interessieren und deshalb keine Freunde zu haben, wettet er mit ihr, er sei in der Lage, innerhalb von zehn Tagen einen Freund zu präsentieren. Ein kontaktfreudiger Taxifahrer unterstützt ihn bei dem schwierigen Vorhaben, aber François nutzt ihn nur aus ...
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Kritik

Die Komödie "Mein bester Freund" kann man als Satire auf eine Welt verstehen, die immer weniger von mitmenschlichen Gefühlen als von Geschäftsinteressen dominiert wird.
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Paris. Der Kunst- und Antiquitätenhändler François (Daniel Auteuil) nimmt an einer Trauerfeier teil und wundert sich, dass nur sieben Personen in der Kirche sind. Als er der Witwe (Marie Mergey) kondoliert, kündigt er zugleich an, sich am nächsten Tag ein antikes Möbelstück anzuschauen, das ihm der Verstorbene verkaufen wollte. Diese Gefühllosigkeit ist bezeichnend für ihn: Er denkt nur an sich und das Geschäft.

Nach der Trauerfeier fährt François mit einem Taxi zu einer Kunstauktion. Seine Geschäftspartnerin Catherine (Julie Gayet) erwartet ihn bereits. Sie wundert sich, als er eine teure griechische Vase ersteigert, von der es heißt, Achilles habe sie aus Trauer um seinen im Krieg um Troja gefallenen Freund Patroklos mit seinen Tränen gefüllt. Der Preis ist hoch, denn der Fernsehproduzent Delamotte (Henri Garcin) wollte die Vase ebenfalls haben und gab erst bei 200 000 Francs auf. Die Vase werde sich kaum mit Gewinn weiterverkaufen lassen, meint Catherine, aber das hat François auch gar nicht vor: er will sie in seiner Privatwohnung aufstellen.

Beim Abendessen im Kreis einiger Bekannter erkundigt François sich nach einer jungen Dame am Tisch, die ihm freundlich zulächelt. Sie heiße Marianne (Audrey Marnay), erklärt Catherine, und sei ihre Lebensgefährtin. François wusste noch nicht einmal, dass die Frau, mit der zusammen er sein Geschäft führt, lesbisch ist. Gereizt wirft Catherine ihm vor, sich nicht für andere Menschen zu interessieren. Deshalb sei er auch geschieden und habe keine Freunde. François protestiert, aber Catherine fordert ihn zu einer Wette heraus: Wenn er ihr nicht innerhalb von zehn Tagen seinen besten Freund präsentieren könne, erhalte sie die neue Vase. Andernfalls gehöre sie ihm, obwohl sie vorerst vom gemeinsamen Firmenkonto bezahlt wurde.

Sobald François zu Hause ist, setzt er sich hin und legt eine Liste seiner vermeintlichen Freunde an. Zuoberst steht Bertrand (Jean-Claude Bolle-Reddat). Der handelt mit Antiquitäten wie er selbst – und hält François‘ Angebot einer Freundschaft für eine kindische Laune, denn für ihn ist François ein Konkurrent, der ihm Kunden abzujagen versucht.

In einer Buchhandlung besorgt François sich den Ratgeber „Wie gewinne ich Freunde?“; er besucht einen Vortrag mit dem Titel „Freundschaft. Meine Methode“ und ruft bei der Hotline „S. O. S. Amitié“ an. Aber das hilft ihm alles nicht weiter.

Vergeblich sucht er den Zettel mit der Liste seiner potenziellen Freunde. Den muss er verloren haben. Ein Taxifahrer bringt ihn in die Galerie. Bruno (Dany Boon), so heißt er, fand das Papier auf der Rücksitzbank, nachdem er François und dessen Tochter Louise (Julie Durand) gefahren hatte. François erinnert sich an den überaus kontaktfreudigen Taxifahrer, und als er durchs Fenster sieht, wie Bruno auf dem Weg zu seinem Wagen spontan einen Hund streichelt und mit der Hundehalterin ein paar freundliche Worte wechselt, hat er eine Idee: Er läuft ihm nach und lädt ihn zum Essen ein. Bruno soll ihm beibringen, wie man auf andere Menschen sympathisch wirkt. François will dafür bezahlen.

Am nächsten Tag lässt François sich von Bruno als erstes zu seinem früheren Mitschüler Luc Lebinet (Philippe du Janerand) bringen. Als sie hinkommen, fährt Luc gerade mit seiner Frau (Fabienne Chaudat) zum Einkaufen. Bruno folgt dem Wagen, und im Supermarkt tut François so, als laufe er Luc zufällig über den Weg. Der will jedoch nichts von ihm wissen und erklärt ihm giftig, er habe ihn schon in der Schule nicht ausstehen können.

Beim Betreten einer Bar verkündet François, er gebe eine Lokalrunde aus. Statt das Angebot anzunehmen, brechen die meisten Gäste stillschweigend auf.

Bruno nimmt François schließlich mit zu seinen Eltern (Jacques Mathou, Marie Pillet) und stellt ihn als Freund vor. François erfährt, dass Bruno das Abitur wegen seiner Nervosität und Unsicherheit nicht schaffte und seither davon träumt, bei einer Quizsendung im Fernsehen mitzumachen. Das entsprechende Wissen hat ihm sein Vater von klein auf eingetrichtert. Bruno war verheiratet, aber seine Frau brannte mit seinem besten Freund durch. Als seine Eltern hören, dass François Antiquitätenhändler ist, zeigen sie ihm auf dem Dachboden alte Möbel, die sie erbten, und François kauft ihnen einen wertlosen Tisch für 10 000 Francs ab, weil er sympathisch wirken möchte.

„Freundschaft beginnt beim Geld“, meint François, aber Bruno klärt ihn darüber auf, dass die Redensart „Beim Geld endet die Freundschaft“ heißt.

Um seine Wette zu gewinnen, überredet François seinen neuen Freund dazu, bei ihm einzubrechen, die griechische Vase zu stehlen und sie zu verstecken, bis er die Versicherungssumme bekommen hat. Widerstrebend lässt Bruno sich darauf ein. Plötzlich geht das Licht an. Bruno erschrickt. Er sieht François, Catherine und ein Dutzend anderer Leute wie bei einer Theatervorstellung vor sich sitzen. Triumphierend verkündet François, er habe die Wette gewonnen, denn durch die Bereitschaft, für ihn zu stehlen, habe Bruno seine Freundschaft bewiesen. Das sei schon richtig, meint Catherine, aber deshalb sei François noch lange nicht Brunos Freund; er habe wieder nur an sich selbst gedacht. Enttäuscht und zornig zerschlägt Bruno die griechische Vase, bevor er geht.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Einige Zeit später steht die Vase wieder da. Catherine klärt François darüber auf, dass sie das Original vorsichtshalber vor seiner Demonstration durch eine Kopie ersetzen ließ, weil sie Schlimmes befürchtete. François schickt die Vase dem Fernsehproduzenten Delamotte. Der erwartet eine exorbitante Forderung, aber François möchte nur den bei der Auktion bezahlten Betrag und die Erfüllung einer Bitte: Bruno soll in der Sendung „Wer wird Millionär?“ mitmachen dürfen.

Vor Lampenfieber kann Bruno kaum sprechen, als er dem berühmten Moderator Jean-Pierre Foucault (Jean-Pierre Foucault) gegenübersitzt. Trotz der Aufregung arbeitet er sich bis zur Millionenfrage hoch. Die stammt aus der Kunst, und Bruno kann sie nicht beantworten. Aber er hat noch alle drei Joker. Mit dem ersten halbiert er die Zahl der vorgegebenen Antwortmöglichkeiten von vier auf zwei. Dann lässt er das Publikum abstimmen, aber das Ergebnis fällt mit 52 zu 48 unklar aus. Obwohl es Bruno schwerfällt, setzt er nun den Telefon-Joker ein und ruft François an. Der weiß erwartungsgemäß die richtige Antwort, und Bruno gewinnt die Million.

Ein Jahr später sitzt François mit Catherine, seiner Tochter Louise und einigen Bekannten in einem Restaurant und feiert seinen Geburtstag. Als er nach der Rechnung fragt, heißt es, die sei bereits beglichen. Da entdeckt François an einem der anderen Tische Bruno. Er geht zu ihm und fragt ihn, wie es ihm gehe. Bruno vergeudete die Million, weil er das viele Geld nicht gewohnt war und arbeitet nun wieder als Taxifahrer. Jean-Pierre Foucault habe nach der Sendung noch zu einem Empfang eingeladen, erzählt er, und da sei er über eine griechische Vase erstaunt gewesen, die genauso wie die von ihm zerschlagene aussah, obwohl François behauptet hatte, es handele sich bei der seinen um ein Unikat.

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Die Komödie „Mein bester Freund“ handelt von Einsamkeit und Freundschaft. Auch wenn es Patrice Leconte nicht wirklich um Gesellschaftskritik geht, kann man den Film als Satire auf die immer weniger von mitmenschlichen Gefühlen als von Geschäftsinteressen dominierte Welt verstehen, in der selbst aus Sorgen und Nöten Kapital geschlagen wird, etwa durch den Verkauf von Ratgebern und die Veranstaltung von Vorträgen.

Die Handlung wirkt konstruiert wie ein Lehrstück, und die Läuterung des egozentrischen Antiquitätenhändlers erfolgt ohne überzeugende Erklärung. Um Freundschaft zu beschreiben, zitiert Patrice Leconte den gezähmten Fuchs aus „Der kleine Prinz“. Leiser Humor macht „Mein bester Freund“ unterhaltsam, aber Patrice Leconte und Daniel Auteuil haben schon bessere Filme gedreht.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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