Die blaue Dahlie

Die blaue Dahlie

Die blaue Dahlie

Die blaue Dahlie – Originaltitel: The Blue Dahlia – Regie: George Marshall – Drehbuch: Raymond Chandler – Kamera: Lionel Lindon – Schnitt: Arthur P. Schmidt – Musik: Victor Young – Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake, William Bendix, Hugh Beaumont, Howard Da Silva, Doris Dowling, Will Wright, Tom Powers, Don Costello u.a. – 1946; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Als Johnny Morrison aus dem Krieg nach Hause kommt, stellt er fest, dass seine Ehefrau Helen ihn betrogen hat und schuld am Tod des Sohnes ist. Nach einem heftigen Streit verlässt er sie. Ein Hoteldetektiv beobachtet nicht nur den Streit, sondern auch, dass Helen Morrison nacheinander von zwei Männern besucht wird: ihrem Lieb­haber Eddie Harwood und Johnnys Freund Buzz Wanchek. Am nächsten Morgen liegt Helen erschossen in ihrem Hotel­bungalow, und die Polizei fahndet nach ihrem mordverdächtigen Witwer ...
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Kritik

Obwohl Raymond Chandler das für einen "Oscar" nominierte Drehbuch schrieb, wirken einige Zusammen­hänge konstruiert und andere sind unplausibel. Dennoch handelt es sich bei dem film noir "Die blaue Dahlie" um einen sehenswerten Klassiker.
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Johnny Morrison (Alan Ladd), Buzz Wanchek (William Bendix) und George Copeland (Hugh Beaumont) kehren aus dem Kriegseinsatz zurück nach Los Angeles. Während Johnny nach einem Abschiedsdrink in einer Kneipe zu seiner Ehefrau Helen (Doris Dowling) geht, suchen seine beiden Freunde ein Hotelzimmer.

Helen wohnt in einem Hotelbungalow und feiert gerade eine Party, als ihr Mann unerwartet in der Tür steht. Dass Eddie Harwood (Howard Da Silva) nicht nur ein Gast, sondern auch Helens Geliebter ist, durchschaut Johnny rasch. Nachdem er seinem Rivalen einen Kinnhaken verpasst hat, wirft Helen auch die übrigen Gäste hinaus. Im Streit mit ihrem Mann klärt sie ihn darüber auf, dass ihr Sohn Dickie nicht an Diphtherie gestorben sei, wie sie ihm schrieb, sondern durch einen Unfall, während sie nicht auf ihn aufpasste, weil sie zu viel getrunken hatte. Daraufhin zieht Johnny seine Pistole und zielt auf Helen. Er drückt jedoch nicht ab, sondern wirft die Waffe auf einen Sessel. Er verlässt seine Frau und nimmt außer seinem Koffer nur ein gerahmtes Foto Dickies mit.

Helen ruft eine von Johnny notierte Telefonnummer an. Es ist die des Hotelzimmers, in dem Buzz und George wohnen. Sie erzählt Buzz von dem heftigen Streit. Der Kriegsveteran sucht deshalb nach Johnny und spricht dabei an einer Hotelbar mit Helen, ohne zu wissen, dass es sich um die Ehefrau seines Freundes handelt. Sie nimmt ihn mit in ihren Bungalow. Später kommt er vom Regen durchnässt zu George zurück und behauptet, sich verlaufen zu haben. Weil Buzz seit einer Kriegsverletzung am Kopf immer wieder unter mentalen Störungen leidet, wundert George sich nicht weiter über die Verwirrtheit des Freundes.

Inzwischen ruft Helen ihren Geliebten an. Eddie, der Besitzer des Nachtklubs „Die blaue Dahlie“, ist ihrer überdrüssig und hat keine Lust, sich ihretwegen mit dem Ehemann anzulegen. Er folgt ihrer Aufforderung, zu ihr zu kommen – allerdings nur, um die Affäre zu beenden.

Der Hoteldetektiv „Dad“ Newell (Will Wright) beobachtet sowohl den Streit Helens mit Johnny als auch die Besuche von Buzz und Eddie.

Johnny will fort. Im strömenden Regen hält ein Auto neben ihm. Die Fahrerin fordert ihn zum Einsteigen auf. Johnny nennt einen falschen Namen, und die Blondine stellt sich gar nicht vor. Bei ihr handelt es sich um Joyce Harwood (Veronica Lake). Sie hat ihren untreuen Ehemann Eddie verlassen. Johnny ahnt allerdings nicht, wer sie ist.

Am nächsten Morgen findet ein Zimmermädchen Helen Morrison tot vor. Eine Pistole liegt am Boden, und es sieht so aus, als sei ihr die Waffe aus der Hand gefallen.

Captain Hendrickson (Tom Powers), der die Ermittlungen leitet, kommt rasch zu dem Schluss, dass es sich um Mord handelte und ein Suizid nur vorgetäuscht wurde.

Aus den Radionachrichten erfährt Johnny, dass Helen erschossen wurde und die Polizei nach ihm fandet, weil sie, wie üblich, den Ehemann als Mörder verdächtigt. Er könnte sich stellen, befürchtet jedoch, dass die Polizei dann nicht mehr weiter nach dem tatsächlichen Mörder suchen würde und er sich mit ungewissem Ausgang vor Gericht verantworten müsste. Ohne sich von Joyce zu verabschieden, mit der er gerade noch in einem Hotel frühstückte, versucht Johnny unterzutauchen. Joyce sieht ihn am Ausgang, und weil sie die Nachrichten ebenfalls gehört hat, vermutet sie, dass er der Witwer der Ermordeten ist.

Vergeblich sucht Johnny nach einem anderen freien Hotelzimmer. Ein Mann (Frank Faylen), der ihn auf der Straße anspricht, bringt ihn gegen eine Provision zu einem schäbigen Hotel, das noch Zimmer frei hat.

Bald darauf ertappt Johnny den zwielichtigen Hotelier Corelli (Howard Freeman) beim Durchsuchen seines Koffers. Corelli, der die Identät des Gasts durchschaut hat, will den mutmaßlichen Mörder erpressen, aber Johnny schlägt ihn nieder. Dabei geht das gerahmte Bild seines Sohnes zu Bruch. Auf der nun sichtbaren Rückseite des Fotos liest er in Helens Handschrift, Eddie Harwood habe unter dem Namen Bauer in New Jersey einen Mann ermordet.

Weil Johnny daraufhin Helens Geliebten für den Mörder hält, sucht er ihn auf, um ihn zur Rede zu stellen. Überraschend kommt Joyce, um trotz der Trennung mit ihrem Ehemann auszugehen. Auf diese Weise begreift Johnny, wer die Blondine ist, deren Namen er bisher nicht kannte. Er verlässt das Haus, ohne sich Gewissheit über den Mörder verschafft zu haben.

Vor Johnny war bereits der Hoteldetektiv Newell bei Eddie, um ihn wegen des Besuchs bei Helen Morrison zur Tatzeit zu erpressen. Der ältere Mann versucht auch, von Buz und George Geld zu bekommen.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Corelli ruft Leo (Don Costello) an, den Geschäftsführer des Nachtklubs „Die blaue Dahlie“, und berichtet ihm, dass Johnny Morrison bei ihm übernachtete. Leo, der befürchtet, dass die illegalen Geschäfte auffliegen könnten, die er und Eddie am Laufen haben, entführt Johnny. Sein Komplize findet bei dem Gefesselten das Foto und liest die Zeilen über Eddie Harwood auf der Rückseite. Das entgeht Leo nicht, und um einen Mitwisser zu beseitigen, schlägt er ihm von hinten den Schädel ein. Kurz darauf springt Johnny auf, wirft ihm die gefesselten Arme von hinten über den Kopf und versucht ihn zu erdrosseln.

Da kommt Eddie angefahren und sieht Leo und dessen Kumpan leblos am Boden liegen. Johnny taucht in der Tür auf. Eddie weiß, dass er ausgespielt hat und gesteht Johnny den Mord vor 15 Jahren, beteuert allerdings, Helen nicht getötet zu haben. Außerdem unterrichtet er Johnny darüber, dass Buzz Wanchek verhaftet wurde und bereits gestand, Helen Morrison erschossen zu haben.

Leo kommt zu sich, schießt auf Johnny, tötet damit jedoch versehentlich Eddie und wird im nächsten Augenblick von Johny erschossen.

Johnny fährt zum Nachtklub „Die blaue Dahlie“, wo Captain Hendrickson gerade Buzz Wanchek im Beisein von George Copeland, Joyce Harwood und „Dad“ Newell vernimmt. Buzz glaubt, Helen ermordet zu haben, bis Johnny mit ihm spricht und er sich wieder daran erinnern kann, dass Helen noch lebte, als er sie verließ. Hendrickson schließt inzwischen auch Johnny Morrison als Täter aus, denn der Witwer hat ein Alibi: Zur Tatzeit war er mit Joyce Harwood zusammen.

Als Newell den Raum verlassen will, ruft Hendrickson ihn zurück und konfrontiert ihn mit der Beschuldigung, Helen Morrison mit kompromittierendem Wissen erpresst zu haben. Als er nach der Rückkehr ihres Ehemanns aus dem Krieg befürchten musste, diese Einnahmequelle zu verlieren, ermordete er sie und versuchte auf diese Weise, sich neue Erpressungsopfer zu verschaffen. Plötzlich zieht der Mörder eine Waffe. Aber Hendrickson ist schneller. Newell bricht tödlich getroffen zusammen.

Johnny und Joyce halten ihre zufällige Begegnung für schicksalshaft. Sie werden gemeinsam ein neues Leben anfangen.

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Bei „Die blaue Dahlie“ handelt es sich um einen hervorragend restaurierten Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahr 1946. George Marshall führte Regie. Das Drehbuch von Raymond Chandler wurde für einen „Oscar“ nominiert. Eigentlich hatte Raymond Chandler den Plot als Roman ausarbeiten wollen, aber dann machte er daraus sein einziges Drehbuch. Allerdings heißt es, er habe weder von George Marshall noch von Veronica Lake viel gehalten.

Dass in „Die blaue Dahlie“ die Problematik von Kriegsheimkehrern berührt wird, war zumindest damals in Hollywood ungewöhnlich. Bemerkenswert sind auch die Rollen Helen Morrison und Joyce Harwood: Männer begehren diese Frauen – und weichen zugleich vor ihrer Eigenständigkeit zurück.

Obwohl Raymond Chandler das Drehbuch des hard boiled Thrillers schrieb, wirken einige Zusammenhänge sehr konstruiert und andere sind unplausibel.

James Ellroy veröffentlichte 1987 den Roman „The Black Dahlia“ / „Die schwarze Dahlie“ über die Ermordung der 22-jährigen Elizabeth Short im Januar 1947 in Los Angeles. (Der Roman wurde 2006 von Brian De Palma verfilmt: „Die schwarze Dahlie“.) James Ellroy soll selbst zugegeben haben, dass er bei der Wahl des Titels an „Die blaue Dahlie“ dachte. Der Name der Hauptdarstellerin in „Die blaue Dahlie“ taucht ebenfalls in einem seiner Bücher auf: die Romanfigur Lynn Margaret Bracken in „L. A. Confidential“ ähnelt dem Filmstar Veronica Lake. (Verfilmung durch Curtis Hanson: „L. A. Confidential“).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

George Marshall: Der große Bluff

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