Jane Austens Verführung

Jane Austens Verführung

Jane Austens Verführung

Jane Austens Verführung - Originaltitel: Persuasion - Regie: Roger Michell - Drehbuch: Nick Dear, nach dem Roman "Anne Elliot" von Jane Austen - Kamera: John Daly - Schnitt: Kate Evans - Musik: Jeremy Sams - Darsteller: Amanda Root, Ciaran Hinds, Susan Fleetwood, Corin Redgrave, Fiona Shaw, John Woodvine, Phoebe Nicholls, Emma Roberts u.a. - 1995; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Mit neunzehn wies Anne Elliot den mittellosen Marineoffizier Frederick Wentworth zurück und verleugnete dabei ihre Gefühle, weil er ihrer Familie nicht standesgemäß erschien. Acht Jahre später begegnen sie sich wieder. Aus Anne ist eine bescheidene junge Frau geworden; ihre Familie ist inzwischen verarmt, Captain Wentworth dagegen zu Ruhm und Vermögen gekommen.

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Kritik

Bei "Jane Austens Verführung" handelt es sich um eine werkgetreue Verfilmung von Jane Austens letztem, 1817 posthum veröffentlichtem Roman "Anne Elliot". Kritisiert wird der englische Landadel, der sich in seinem Standesdünkel von Vermögen und Einkommen verführen lässt und darüber Liebe und Leidenschaft zu ersticken droht.
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Sir Walter Elliot (Corin Redgrave), der vierundfünfzigjährige Besitzer von Kellynch Hall in Somersetshire, hat seit dem Tod seiner Frau aus Eitelkeit und Standesdünkel für seine Lebensführung mehr ausgegeben, als er sich leisten konnte.

The Kellynch property was good, but not equal to Sir Walter’s apprehension of the state required in its possessor. While Lady Elliot lived, there had been method, moderation, and economy, which had just kept him within his income; but with her had died all such right-mindedness, and from that period he had been constantly exceeding it.

1814 bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit seiner blasierten Tochter Elizabeth (Phoebe Nicholls) nach Bath umzuziehen und seinen Landsitz an Admiral Croft (John Woodvine) zu vermieten. Seine zweitälteste Tochter Anne (Amanda Root) soll zunächst einige Zeit bei ihrer jüngeren, hypochondrischen Schwester Mary und deren Ehemann Charles Musgrove in Upper Cross verbringen und später nachkommen.

Mrs Croft (Fiona Shaw) hat zwei Brüder: den verheirateten Pfarrer Edward Wentworth und den ledigen Marine-Captain Frederick Wentworth (Ciaran Hinds). Anne kennt beide. Vor gut acht Jahren warb Frederick um sie, doch Anne – sie war damals neunzehn – folgte dem Rat ihrer mütterlichen Freundin Lady Russell (Susan Fleetwood), keinen mittellosen Marineoffizier zu heiraten und wies ihn zurück, obwohl sie dabei ihre eigenen Gefühle verleugnete. Inzwischen ist Captain Wentworth im Krieg gegen Napoleon zu Ruhm und Vermögen gekommen, während Anne zu einer scheuen, unscheinbaren Frau geworden ist.

Die Landsitze Kellynch Hall und Upper Cross sind nicht weit voneinander entfernt. Frederick und Charles gehen gemeinsam zur Jagd. Man trifft sich bei Abendgesellschaften. Anne trauert ihrer Jugendliebe nach, aber Frederick beachtet sie kaum und gibt sich mehr mit den beiden albernen Schwestern von Charles ab, die ihn anhimmeln: Louisa (Emma Roberts) und Henrietta. Will er sich für die damalige Abweisung revanchieren, oder verhält er sich gegenüber Anne distanziert, um keine weitere Enttäuschung zu riskieren?

Nach einigen Monaten treffen sich alle im Kurort Bath wieder. Dort wird Anne von einem Gentleman namens Elliot mit exzellenten Manieren umworben, dessen Lebensstil auf großen Reichtum schließen lässt. Da gesteht Frederick ihr in einem hastig hingekritzelten Brief, er liebe sie noch immer und sei nur ihretwegen nach Bath gekommen.

„I am half agony, half hope. Tell me not that I am too late, that such precious feelings are gone for ever. I offer myself to you again with a heart even more your own than when you almost broke it, eight years and a half ago. Dare not say that man forgets sooner than woman, that his love has an earlier death. I have loved none but you. Unjust I may have been, weak and resentful I have been, but never inconstant. You alone have brought me to Bath.“

Kurz darauf hält der junge Mr Elliot bei einer Abendgesellschaft um Annes Hand an. In diesem Augenblick kommt Frederick zur Tür herein und bittet Sir Walter Elliot, den Hochzeitstag für Anne und sich zu bestimmen.

Es stellt sich heraus, dass der junge Mr Elliot ein Hochstapler ist, der sein Vermögen verlor und Anne wegen ihres Adelstitels heiraten wollte.

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Bei „Jane Austens Verführung“ handelt es sich um eine werkgetreue Verfilmung von Jane Austens (1775 – 1817) letztem, 1817 posthum veröffentlichtem Roman „Anne Elliot“.

Es geht um eine weniger bissige als ironisch-spöttische Kritik an der Arroganz des Landadels, der sich von Vermögen und Einkommen verführen lässt und darüber Liebe und Leidenschaft zu ersticken droht. Diesen Standesdünkel verkörpert vor allem Sir Walter Elliot auf beinahe schon groteske Weise. Ganz anders die lebensfrohe Mrs Croft, die selbst in Kriegszeiten nicht von der Seite ihres Mannes wich und bei ihm auf dem Schiff lebte. Den hohlen Werten der Upper Class stellt Captain Frederick Wentworth Echtheit, Lebenserfahrung und Weltgewandtheit entgegen.

Vor diesem Hintergrund zeigt Roger Michell in „Jane Austens Verführung“ auf subtile Weise den Selbstfindungsprozess einer jungen Frau, die sich vom Standesdünkel ihres Vaters frei machen muss, um ihre wahren Gefühle zeigen zu können. Vorsichtig beobachten Anne und Frederick sich nach ihrem Wiedersehen, bis sie sich ihrer gegenseitigen Gefühle gewiss sind und keine weitere Verletzung mehr zu befürchten brauchen.

Viele der Aufnahmen erinnern an Barockgemälde.

Die gelungene Literaturverfilmung „Jane Austens Verführung“ wurde zunächst fürs Fernsehen gedreht (BBC) und kam erst später auch ins Kino.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

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