Jane Austen : Stolz und Vorurteil

Stolz und Vorurteil
Originalausgabe: Pride and Prejudice, 1813 Stolz und Vorurteil. Übersetzungen von Karin von Schwab (Anaconda, Köln 1939, Neubearbeitung: Isabelle Fuchs, 2011) Ilse Krämer (Manesse, Zürich 1948) Margarete Rauchenberger (Schaffrath, Köln 1948) Werner Beyer (List, Leipzig 1965) Ursula und Christian Grawe (Reclam, Stuttgart 1977) Helga Schulz (dtv, München 1997) Andrea Ott (Manesse, Zürich 2003)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Als der neureiche Junggeselle Charles Bingley die älteste ihrer fünf Töchter umwirbt, hofft Mrs Bennet auf eine gute Partie. Aber Fitzwilliam Darcy rät seinem Freund Bingley von einer Heirat mit Jane ab. Elizabeth, die zweitälteste der Schwestern, ist zu stolz, um den Snobismus Darcys hinzunehmen, den wiederum seine Vorurteile gegenüber der nicht standesgemäßen Familie Bennet davon abhalten, sich seine Gefühle für Elizabeth einzugestehen ...
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Kritik

"Stolz und Vorurteil" ist ein lebendiger, heiterer, ironischer Bildungsroman im geistreichen Plauderton und besticht vor allem auch durch die geschliffenen Dialoge und Jane Austens Wortwitz.
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Mr Bennet lebt mit seiner etwas törichten Ehefrau und den fünf Töchtern auf seinem bescheidenen Landsitz in Hertfordshire. Als auf dem benachbarten Anwesen – Netherfield Park – der neureiche Junggeselle Charles Bingley als Mieter einzieht und seinen finanziell noch besser gestellten Freund, den standesbewussten Aristokraten Fitzwilliam Darcy, mitbringt, hofft Mrs Bennet auf eine gute Partie ihrer ältesten Töchter Jane.

Als erste der Schwestern erhält jedoch nicht Jane, sondern Elizabeth, die Zweitälteste, einen Heiratsantrag, und zwar von ihrem Cousin: Reverend William Collins. Sehr zum Missfallen ihrer Mutter will Elizabeth nichts von einer Eheschließung mit dem eingebildeten, selbstgerechten Geistlichen wissen, der sich daraufhin ihrer Freundin Charlotte Lucas zuwendet und diese schließlich heiratet.

Statt für Collins interessiert Elizabeth sich für Leutnant George Wickham. Als er Darcy schlecht macht, verstärkt sich Elizabeths Abneigung gegen den standesbewussten Aristokraten auf dem benachbarten Grundstück, der geringschätzig auf die Bennets herabschaut. Weil Elizabeth überzeugt ist, dass Darcy ebenso wenig von ihr hält wie sie von ihm, unternimmt sie nicht den geringsten Versuch, ihm zu gefallen, sondern brüskiert ihn unhöflich. Ungewollt beeindruckt sie ihn jedoch gerade durch ihr selbstbewusstes Verhalten.

Jane verliebt sich in Charles Bingley. Als dieser unerwartet Netherfield Park verlässt, ohne Jane einen Antrag zu machen, vermutet Elizabeth, Darcy habe ihm eingeredet, die Familie Bennet sei nicht gut genug für ihn.

Einige Zeit später besucht Elizabeth ihre Freundin Charlotte. In der Nähe wohnt auch Darcys hochnäsige Tante Lady Catherine de Bourgh. So kommt es, dass Elizabeth und Darcy sich wiedersehen. Der Aristokrat springt über seinen Schatten und macht Elizabeth einen Heiratsantrag, aber sie weist ihn entschieden zurück und verletzt ihn dadurch sehr. In einem Brief an Elizabeth versichert er, Wickhams Anschuldigungen gegen ihn seien haltlos. Der Offizier, der sich wegen seines Lebensstils in finanziellen Schwierigkeiten befinde, habe versucht, Darcys fünfzehnjährige Schwester Georgiana wegen ihres Geldes zu einer heimlichen Eheschließung zu überreden. Dass er Bingley von einer Verbindung mit Jane Bennet abriet, gibt Darcy zu, aber er beteuert, es sei nur geschehen, weil er an Janes Gefühlen gegenüber seinem Freund gezweifelt habe.

Während einer Reise mit Onkel und Tante im folgenden Sommer gerät Elizabeth in die Nähe von Pemberley, dem Landsitz von Fitzwilliam Darcy. Die Verwandten möchten das Anwesen besichtigen. Vorsichtshalber vergewissert Elizabeth sich, dass Darcy nicht da ist, denn sie will ihm unter keinen Umständen begegnen. Zufällig kehrt er jedoch gerade zurück. Wider Erwarten wird Elizabeth von Darcy freundlich behandelt.

Elizabeths launische, leichtsinnige Schwester Lydia lässt sich von Wickham überreden, mit ihm durchzubrennen. Darcy spürt die beiden auf und bringt den liederlichen Offizier mit einem beträchtlichen Geldbetrag dazu, Lydia Bennet zu heiraten. Lydias Eltern und Schwestern sollen von der Abmachung nichts erfahren, aber Elizabeth findet es heraus und ist Darcy dankbar für seine Hilfe. Endlich erkennt sie dessen Charakterstärke und gesteht sich ein, dass sie ihn liebt, aber aufgrund der Schande, die Lydia über die Familie brachte, wagt sie es nicht, auf eine Verbindung mit ihm zu hoffen.

Schließlich kehren Charles Bingley und Fitzwilliam Darcy nach Netherfield Park zurück. Während Bingley um Jane Bennet wirbt, verhält Darcy sich gegenüber Elizabeth fast abweisend.

Darcy hält sich in London auf, als Lady Catherine auftaucht: Aufgrund von Gerüchten befürchtet sie, ihr Neffe beabsichtige, sich mit Elizabeth Bennet zu vermählen, und das will sie in ihrem Standesdünkel verhindern. Elizabeth soll ihr zusagen, dass sie einen Antrag Darcys ablehnen werde, aber die junge Frau widersetzt sich diesem Ansinnen. Nach diesem Misserfolg sucht Lady Catherine ihren Neffen in London auf und versucht, ihn von seinen vermeintlichen Heiratsplänen abzuhalten, doch damit erreicht sie genau das Gegenteil: Darcy fragt Elizabeth, ob sie seine Frau werden wolle, und sie gibt ihm freudig ihr Ja-Wort.

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Elizabeth Bennet ist zu stolz, um den Snobismus Fitzwilliam Darcys hinzunehmen, den wiederum seine Vorurteile gegenüber der nicht standesgemäßen Familie Bennet davon abhalten, sich seine Gefühle für Elizabeth einzugestehen. Stolz und Vorurteil sind die Leitmotive dieses Romans von Jane Austen. Mit außergewöhnlicher Beobachtungsgabe hält sie der versnobten englischen Upper Class ihrer Zeit den Spiegel vor und kritisiert die Barrieren der Klassengesellschaft. Zugleich wendet sie sich gegen die um 1800 in vornehmen englischen Kreisen immer noch praktizierte Gepflogenheit, die Ehen der Töchter zu arrangieren.

„Stolz und Vorurteil“ ist ein lebendiger, heiterer, ironischer Bildungsroman im geistreichen Plauderton und besticht vor allem auch durch die geschliffenen Dialoge und Jane Austens Wortwitz.

Jane Austen (1775 – 1817) hatte 1796 mit der Arbeit an dem Roman begonnen und war dabei zunächst von einem Briefroman mit dem Titel „First Impressions“ ausgegangen. Der Augenmerk lag auf dem Unterschied zwischen den „ersten Eindrücken“ und einer sorgfältigeren Prüfung bei der Wahl eines Ehepartners. Im Jahr darauf beschloss sie, als auktoriale Erzählerin aufzutreten. In dieser Form erschien „Stolz und Vorurteil“ 1813 und wurde begeistert aufgenommen.

„Stolz und Vorurteil“ wurde mehrmals fürs Fernsehen verfilmt (z. B. 1979 von Cyril Coke mit Elizabeth Garvie und David Rintoul, 1995 von Simon Langton mit Jennifer Ehle und Colin Firth, 2003 von Andrew Black mit Kam Heskin und Orlando Seale). Fünfundsechzig Jahre nach der ersten Kinoadaptation von Robert Z. Leonard brachte Joe Wright die Geschichte 2005 erneut ins Kino: „Stolz und Vorurteil“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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