Hautnah

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Hautnah

Hautnah - Originaltitel: Closer - Regie: Mike Nichols - Drehbuch: Patrick Marber, nach seinem Theaterstück "Closer" - Kamera: Stephen Goldblatt - Schnitt: John Bloom und Antonia Van Drimmelen - Musik: Steven Patrick Morrissey - Darsteller: Natalie Portman, Jude Law, Julia Roberts, Clive Owen u.a. - 110; 2004 Minuten

Inhaltsangabe

Dan verliebt sich in Alice. Die beiden sind schon einige Zeit ein glückliches Paar, da lernt Dan Anna kennen und verliebt sich auch in sie. Doch Anna lässt sich – von Alice gewarnt – nicht auf eine Beziehung mit Dan ein und heiratet stattdessen Larry. Aber Dan kommt nicht los von Anna, und zwei Jahre nach ihrer ersten Begegnung gestehen Dan und Anna ihren Partnern, dass sie ein Verhältnis haben ...
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Kritik

"Hautnah" basiert auf einem Bühnenstück von Patrick Marber, der auch das Drehbuch schrieb. Mike Nichols blieb dicht an der literarischen Vorlage, minimierte die Zahl der Schnitte und beließ den Schwerpunkt auf den geschliffenen Dialogen. "Hautnah" ist großes Kino im Kammerspielformat.
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London. Mitten in der Menschenmenge fällt Dan (Jude Law) eine junge Frau (Natalie Portman) auf. Als sie die Straße überqueren will, schaut sie gewohnheitsmäßig zuerst nach links, denn sie ist Amerikanerin – und wird von einem Auto angefahren. Dan läuft zu der am Boden liegenden jungen Frau. Nach ein paar Sekunden schlägt sie die Augen auf. Offenbar ist sie nur leicht am Bein verletzt. Dan bringt sie ins Krankenhaus, wo sie verbunden wird. Anschließend begleitet sie ihn zu seiner Arbeitsstelle: Dan träumt zwar davon, Schriftsteller zu werden, aber er lebt davon, Nachrufe für eine Zeitung zu schreiben. Die Dreiundzwanzigjährige erzählt ihm, sie heiße Alice, habe in New York als Stripperin gearbeitet, sich gerade von ihrem Freund getrennt und sei nach London geflogen, um auf andere Gedanken zu kommen.

Ein Jahr später: Dan und Alice sind seit ihrer ersten Begegnung ein Paar. Was die abenteuerfreudige Alice erlebt hat, verarbeitet der eher introvertierte Dan in seinem ersten Roman. Der soll demnächst veröffentlicht werden. Deshalb soll die aus den USA stammende, in London verheiratete, aber getrennt von ihrem Mann lebende Fotografin Anna (Julia Roberts) eine Aufnahme von Dan für das Buch und die Werbung machen. Dan und Anna verlieben sich auf den ersten Blick und küssen sich, obwohl Dan auch Alice weiterhin liebt und gleich darauf von ihr abgeholt wird. Alice möchte sich ebenfalls von Anna fotografieren lassen und bittet Dan, in einem nahegelegenen Café auf sie zu warten. Sobald die beiden Frauen allein sind, sagt Alice, sie habe an Dans Gesichtsausdruck erkannt, dass zwischen ihm und der Fotografin etwas vorgefallen sei. Bestürzt versichert Anna, sie werde mit Dan keine Beziehung beginnen.

Bald darauf treffen Dan und der Dermatologe Larry (Clive Owen) in einem virtuellen Chatroom aufeinander. Dan gibt sich als Frau mit dem Namen Anna aus und verwickelt Larry in einen heißen erotischen Chat („Ich kann jetzt nur noch mit einer Hand weiterschreiben“), bis dieser ein Treffen vorschlägt. Sie verabreden sich im Aquarium, in dem sich die Fotografin Anna – wie Dan während des Fotoshootings erfahren hat – gern aufhält. Larry ist hingerissen von Anna: sie übertrifft alle seine Erwartungen. Aber zuerst ist sie von seinen lüsternen Anspielungen verwirrt, bis sich das Missverständnis aufklärt und Anna ahnt, dass es sich bei dem Chatpartner um Dan handelte.

Anna und Larry werden nicht nur ein Liebes-, sondern auch ein Ehepaar und lachen über Dan, den sie ihren Amor nennen.

Wieder vergeht ein Jahr. Dan und Alice besuchen eine Vernisage von Anna. Larry flirtet mit Alice, und Dan redet auf Anna ein.

Ein Jahr später gesteht Dan Alice, dass er seit dem Wiedersehen bei der Vernisage ein Verhältnis mit Anna habe und mit ihr zusammen leben möchte. Nach einer schmerzlichen Abschiedsszene verlässt Alice die Wohnung. Dan läuft ihr auf die Straße nach, aber sie ist nicht mehr zu sehen.

Fast zur gleichen Zeit kommt Larry von einem Dermatologenkongress nach Hause, beichtet seiner Frau, dass er mit einer Prostituierten im Bett war und lässt nicht locker, bis Anna zugibt, ihn seit einem Jahr mit Dan betrogen zu haben. Wie ein Inquisitor befragt er sie nach Details („Schmeckt sein Sperma besser als meines?“). Nach anfänglichem Zögern schreit Anna ihn an und konfrontiert ihn schonungslos mit Einzelheiten („Ja, wir haben gefickt, und ich kam. Zweimal! Erst lag ich auf ihm, und dann nahm er mich von hinten“). Voll Selbstmitleid schleicht Larry sich davon.

Beim Besuch eines Nachtlokals bemerkt Larry eine Stripperin, die wie Alice aussieht, obwohl sie eine lilafarbene Perücke trägt. Er zieht sich mit ihr in einen „Paradies“ genannten Raum zurück. Das Mädchen zeigt sich ihm zwar in allen gewünschten Positionen nackt, aber Berührungen sind nicht erlaubt, und in der Zimmerdecke befindet sich eine Überwachungskamera. Larry fragt sie nach ihren Namen. Sie wiederholt immer wieder, sie heiße Jane, aber er ist überzeugt, dass es Alice ist.

Erneuter Zeitsprung. Dan wartet in der Oper auf Anna, die inzwischen mit ihm zusammen ist. Die Vorstellung hat schon begonnen, als sie endlich kommt. Anna war mit Larry noch einmal zum Essen verabredet, um seine schriftliche Einwilligung in die angestrebte Ehescheidung zu bekommen. Larry unterschrieb, jedoch erst, nachdem Anna seine Bedingung erfüllt hatte und noch einmal mit ihm ins Bett gegangen war. Als Dan das von ihr erfährt, glaubt er, Anna nicht mehr lieben zu können und trennt sich von ihr.

Statt die Scheidung einzureichen, kehrt Anna zu Larry zurück: Der raffinierte Arzt hat sein Ziel erreicht.

Ohne Anna hält Dan es nicht lange aus. Verzweifelt sucht er Larry in dessen Sprechstunde auf und verlangt von ihm den Verzicht auf Anna. Larry rät ihm stattdessen, sich mit Alice zu versöhnen, und als Dan entgegnet, das Mädchen sei unauffindbar, verrät er ihm, in welchem Nachtklub er sie zufällig sah. Als Dan schon in der Tür ist, ruft Larry ihn noch einmal zurück – nur um ihm höhnisch mitzuteilen, dass er die ganze Nacht Sex mit Alice gehabt habe.

Kurz darauf. Dan hat Alice gefunden und ist bei ihr im Hotelzimmer. Sie sind glücklich, denn sie lieben sich noch immer. Aber Dan kann nicht anders, als Alice über ihre Begegnung mit Larry im Nachtklub auszufragen, und er insistiert, bis sie unwirsch sagt, sie seien nicht nur kurz, sondern die ganze Nacht zusammen gewesen. Sobald sie Larrys Behauptung bestätigt hat, hört Dan mit seinen Fragen auf – aber durch das penetrante Verhör ist die Liebe zerbrochen, die Alice für ihn empfand. Verzweifelt beteuert Dan, er liebe Alice, aber sie entgegnet ihm: „Wo ist diese Liebe? Ich kann sie nicht sehen. Ich kann sie nicht fühlen. Ich kann sie hören. Aber nur mit schönen Worten kann ich nichts anfangen!“ Sie schickt Dan endgültig fort. Wieder ist eine von Larry gelegte Zeitbombe explodiert.

Allein kehrt die Amerikanerin nach New York zurück. Bei der Einreise in die USA legt sie ihren Pass vor. Ihr Name lautet: Jane Rachel Jones.

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Ein Gefühl reicht nicht für die Liebe. Sind Offenheit und Ehrlichkeit die Fundamente wahrer Liebe? Vor allem die beiden Männer in „Hautnah“ bestehen in inquisitorischen Befragungen darauf, von ihren Partnerinnen auch schmerzliche Einzelheiten zu erfahren. „Weil die Wahrheit das Einzige ist, was uns von den Tieren unterscheidet“, behauptet Dan. Aber das Wissen kann auch verletzen und die Liebe zerstören. In „Hautnah“ geschieht das mehrmals. In dem Beziehungsdrama geht es um skrupellose Egoisten und den Kampf von zwei Männern, wobei Macht und Besitz über die Liebe und Loyalität einer Frau definiert werden.

„Closer“ („Hautnah“) basiert auf dem 1997 uraufgeführten gleichnamigen Bühnenstück von Patrick Marber, der auch das Drehbuch schrieb. Mike Nichols blieb dicht an der literarischen Vorlage, minimierte die Zahl der Schnitte und beließ den Schwerpunkt auf den geschliffenen, freizügigen Dialogen. Wie in einem Kammerspiel treten nur vier Schauspieler und keine Nebenfiguren auf. In einzelnen Episoden beleuchtet Mike Nichols die wechselnden Paarbeziehungen immer dann, wenn sie gerade beginnen oder scheitern.

„Hautnah“ ist großes Kino im Kammerspielformat.

Natalie Portman, Jude Law, Julia Roberts und Clive Owen verkörpern die vier grundverschiedenen Charaktere hervorragend. Clive Owen gehörte bereits 1997 zur Besetzung des Theaterstücks von Patrick Marber; auf der Bühne spielte er jedoch nicht Larry, sondern Dan. Julia Roberts sprang für Cate Blanchett ein, die wegen ihrer zweiten Schwangerschaft ausgefallen war.

Außer der Filmmusik von Steven Patrick Morrissey sind folgende Musikstücke in „Hautnah“ zu hören:

  • Liam Howlett: „Smack My Bitch Up“
  • Johnny Marr: „How Soon is Now?“
  • Wolfgang Amadeus Mozart: aus „Così fan tutte“
  • Damien Rice: „Cold Water“; „The Blower’s Daughter“
  • Gioacchino Rossini: aus „La Cenerentola“
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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Hape Kerkeling - Ich bin dann mal weg
"Ich bin dann mal weg" ist eine Mischung aus Tagebuch und Reisebericht. Hape Kerkeling schreibt humorvoll und unterhaltsam, selbstironisch, mitunter nachdenklich, erwähnt auch Zweifel, psychische und physische Schwierigkeiten. Die gewonnenen Einsichten sind allerdings nicht besonders tiefschürfend.
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