Insomnia. Schlaflos

Insomnia. Schlaflos

Insomnia. Schlaflos

Insomnia. Schlaflos – Originaltitel: Insomnia – Regie: Christopher Nolan – Drehbuch: Hillary Seitz, nach dem Drehbuch von Nikolaj Frobenius und Erik Skjoldbjærg für den Film "Insomnia" – Kamera: Wally Pfister – Schnitt: Dody Dorn – Musik: David Julyan – Darsteller: Al Pacino, Robin Williams, Hilary Swank, Martin Donovan, Maura Tierney, Nicky Katt, Paul Dooley, Jonathan Jackson, Larry Holden, Katherine Isabelle u.a. - 2002; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Handlung:
Die Detectives Will Dormer und Hap Eckhart aus Los Angeles werden nach Alaska beordert, um bei der Aufklärung eines Mordfalls zu helfen. Rasch kommen sie dem Täter auf die Spur, doch er kann fliehen. Bei der Verfolgung im Nebel erschießt Will seinen Kollegen Hap. Will lügt, der entkommene Mörder habe Hap erschossen. Der Gesuchte kennt allerdings die Wahrheit und versucht, damit den Detective zu erpressen ...
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Kritik

Das Remake von "Todesschlaf" ist zwar stilistisch konventionell, aber es handelt sich um eine spannende Mischung aus Drama und Psychothriller mit exzellenten Darstellern: "Insomnia. Schlaflos".
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Die zum Police Department von Los Angeles gehörenden Detectives Will Dormer (Al Pacino) und Hap Eckhart (Martin Donovan) werden nach Alaska beordert, um Chief Charlie Nyback (Paul Dooley) und Detective Ellie Burr (Hilary Swank) bei der Aufklärung eines Mordfalls zu unterstützen: Auf einer Müllkippe der Kleinstadt Nightmute wurde die Leiche von Kay Connell (Crystal Lowe) gefunden. Der Mörder hatte die siebzehnjährige Schülerin offenbar erschlagen, sie dann ohne Hast entkleidet, ihr die Haare gewaschen und die Fingernägel geschnitten, um Spuren zu beseitigen. Hinweise auf ein Sexualverbrechen gibt es nicht. Zeugen zufolge hatte Kay nach einem heftigen Streit mit ihrem gleichaltrigen Freund Randy Stetz (Jonathan Jackson) mitten in der Nacht ein Lokal allein verlassen. In ihrem Zimmer hängen teure Kleider. Dormer vermutet, dass es sich um Geschenke eines älteren Verehrers handelt, aber Kays Mutter (Tasha Simms) kann ihm dazu nichts sagen.

Vor eineinhalb Jahren nahmen Will und Hap einen Mann fest, den sie verdächtigten, einen Schuljungen entführt, drei Tage lang eingesperrt, missbraucht und zu Tode gefoltert zu haben. Nachdem der Angeklagte aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden war, verschaffte sich Will etwas von einer Blutprobe des Opfers und legte damit in der Wohnung des Verdächtigen eine neue Spur, die dann prompt zu dessen Verurteilung führte. Inzwischen ermittelt in diesem Fall allerdings die Dienstaufsicht. Als Hap am ersten Abend in Nightmute Will darüber aufklärt, dass er beschlossen habe, auf einen von der Dienstaufsicht vorgeschlagenen Deal einzugehen, kommt es zum Streit zwischen den beiden Kollegen, denn Will befürchtet, dass in diesem Fall nicht nur seine erfolgreiche Karriere zu Ende wäre, sondern auch die Verfahren gegen alle von ihm überführten Täter neu aufgerollt würden.

Schlaflos wälzt er sich in seinem Hotelzimmer herum. Schuld daran ist nicht nur die Mitternachtssonne, sondern auch seine innere Zerrissenheit wegen der Manipulation in dem Fall des Kindermörders und die Sorge vor den Konsequenzen des Deals, den Hap mit der Dienstaufsicht schließen will.

Als Kays Rucksack bei einer Fischerhütte gefunden wird, lässt Will dem Täter eine Falle stellen: Im Fernsehen wird angedeutet, die Polizei suche nach dem Rucksack der Toten und vermute darin Hinweise auf den Mörder. Will, Hap und Ellie legen sich mit weiteren Polizisten auf die Lauer. Ein Mann nähert sich und betritt die Hütte. Mehrmals fordert Will ihn auf, sich zu ergeben und herauszukommen. Dann dringen er und die Kollegen in die Hütte ein. Dort stoßen sie auf ein Loch im Boden und einen unterirdischen Gang, durch den der Verdächtige geflohen ist. Die Polizeibeamten verteilen sich und suchen das felsige Ufergelände ab. Dichter Nebel behindert die Sicht. Neben Will wird der Polizist Farrell (Larry Holden) durch einen Schuss des Flüchtigen verletzt. Will macht allein weiter, hebt die vom Täter weggeworfene Pistole auf und steckt sie ein. Schemenhaft sieht er einen Mann und schießt mit seiner eigenen Waffe. Der Getroffene bricht zusammen und bleibt liegen. Will läuft hin und dreht ihn auf den Rücken. Es ist Hap! Im Sterben beschuldigt dieser seinen Kollegen, ihn absichtlich erschossen zu haben.

Will ruft die anderen Polizeibeamten herbei und behauptet, der Flüchtige habe nicht nur Farrell angeschossen, sondern auch Hap getötet. Die gefundene Pistole erwähnt er nicht.

Charlie Nyback beauftragt Ellie, einen Untersuchungsbericht über den Tod des Detectives aus Los Angeles und die Schussverletzung Farrells auszuarbeiten. Will weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie herausfindet, dass die Projektile aus zwei verschiedenen Waffen stammen. Deshalb schießt er mit der Waffe des Geflüchteten in den Kadaver eines Hundes, schneidet die Kugel aus dem Fleisch, säubert sie und tauscht sie gegen das Geschoss aus seiner eigenen Waffe bei den Asservaten aus.

Mitten in der Nacht erhält Will einen anonymen Anruf des Geflohenen, der behauptet, gesehen zu haben, wie Will seinen Kollegen erschoss.

Bei der Beerdigung der ermordeten Schülerin fällt Will auf, dass Randy Stetz seine Hände nicht von Tanya Francke (Katharine Isabelle), der besten Freundin Kays, lassen kann. Als er Tanya im Auto mitnimmt, lässt sie den Rock hochrutschen und versucht, ihn anzumachen. Widerwillig bestätigt sie seinen Verdacht, dass ihr Verhältnis mit Randy den Streit zwischen Kay und deren Freund ausgelöst hatte. Randy kann jedoch nicht der Täter sein, denn zur Tatzeit war Tanya mit ihm zusammen. Kay habe ihr von einem älteren Verehrer erzählt, sagt Tanya, aber nicht verraten, um wen es sich handelte.

Ein Kriminalroman bei Kays Sachen bringt Will auf die Spur des Autors Walter Finch in Umkumiut. Ohne sich mit Ellie abzusprechen, fährt er hin und dringt in das Apartment ein. Als Finch nach Hause kommt, schöpft er Verdacht und flieht. Bei der Verfolgung über Treibholz rutscht Will ab und wäre beinahe ertrunken. Danach kehrt er in die Wohnung des Schriftstellers zurück und versteckt dessen Waffe in einem Lüftungsschacht.

Kurz darauf verabredet Finch sich telefonisch mit dem übermüdeten Detective auf einer Fähre. Er habe Kay nicht töten wollen, behauptet er. Es sei ein Unfall gewesen. Kay hatte alle seine Kriminalromane gelesen, war eine Verehrerin von ihm und ließ sich Schmuck und Kleider von ihm schenken. Es handelte sich um eine platonische Beziehung. Nach dem Streit mit Randy rief sie ihn an und traf sich mit ihm in der Hütte. Dort wollte Finch sie trösten, doch als sie merkte, dass ihn der enge Körperkontakt sexuell erregte, lachte sie ihn aus. Da habe er sie geschlagen und sei in Panik geraten. Er drängt Will, Randy als Sündenbock zu akzeptieren und nach Los Angeles zurückzukehren. Dann werde niemand erfahren, dass er seinen Kollegen erschossen hat.

Weil auch Ellie herausfindet, dass Kay mit Finch befreundet war, bittet sie den Autor zum Verhör. Geschickt lenkt Finch den Verdacht auf Randy, von dem auch die Polizei inzwischen weiß, dass er Kay mehrmals verprügelte. Finch behauptet, von Kay zu wissen, dass Randy sich aus Eifersucht eine Pistole besorgt hatte. Da ahnt Will, dass Finch die im Luftschacht versteckte Pistole entdeckte und sie bei Randy versteckte. Er kann nicht verhindern, dass sie bei einer Hausdurchsuchung in Randys Wohnung gefunden wird. Unter dem Verdacht, Kay erschlagen, einen Detective erschossen und einen weiteren Polizeibeamten verletzt zu haben, wird Randy verhaftet.

An der Stelle, an der Hap erschossen wurde, findet Ellie bei einer nochmaligen Suche eine zuvor übersehene Patronenhülse. Sie stammt aus einer 9-mm-Pistole, wie Will sie verwendet.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Bevor sie Will zur Rede stellt, fährt Ellie zu Finch, um ein paar von ihm versprochene Briefe Kays abzuholen. Finch lockt sie ins Haus und schlägt sie nieder.

Wenige Minuten später taucht auch Will bei Finch auf. Es kommt zum Kampf. Nach sechs schlaflosen Nächten ist Will so übermüdet, dass er dem Schriftsteller nicht gewachsen ist. Ellie kommt wieder zu sich und hört, wie Finch davon redet, dass Will seinen Kollegen erschoss. Finch rennt weg, verbarrikadiert sich in einem Nebengebäude und schießt mit einem Gewehr auf Ellie und Will, sobald diese sich an einem Fenster zeigen. Will gelingt es jedoch, aus dem Haus zu kommen und Finch von hinten zu überraschen. Finch schießt auf Will, bevor er selbst von dem Detective erschossen wird.

Ellie kniet sich neben ihren schwer verletzten Kollegen und will ihm Mut machen, indem sie ihm verspricht, niemandem zu verraten, wie Hap wirklich ums Leben kam. Sie nimmt die Patronenhülse aus der Manteltasche, um sie wegzuwerfen, aber der Sterbende hält sie davon ab, Beweismaterial zu vernichten. Ellie soll weiter auf dem geraden Weg gehen.

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Das Remake von „Insomnia“ – deutsch: „Todesschlaf“ – ist im Gegensatz zur Vorlage auf eine moralische Botschaft gerichtet: Es ist eine Absage an illegale Manipulationen bei polizeilichen Ermittlungen, auch wenn sie vorgenommen werden, um jemanden zu überführen, von dessen Schuld der Polizeibeamte überzeugt ist. Stärker als in dem Film von Erik Skjoldbjaerg konzentrieren sich Hillary Seitz (Drehbuch) und Christopher Nolan (Regie) in ihrer Version auf das Psycho-Duell des Polizeibeamten und des Schriftstellers, die von Al Pacino und Robin Williams überzeugend dargestellt werden. „Insomnia. Schlaflos“ ist eine spannende Mischung aus Drama und Psychothriller.

Schon zu Beginn, wenn Will Dormer und Hap Eckhart mit einem kleinen Wasserflugzeug über einen gigantischen Gletscher fliegen, wird das Geschehen in einen Vergleich mit der grandiosen Natur gestellt. Gigantische Wasserfälle, steinige Ufer im Nebel und ein von Treibholz bedeckter Fluss sorgen auch im weiteren Verlauf des Films dafür, dass diese Relation nicht verloren geht.

Stilistisch ist „Insomnia. Schlaflos“ konventionell. Bemerkenswert sind allenfalls die extrem kurzen Flashbacks, die hier durchaus Sinn machen, weil sie vermitteln, wie der schlaflose und innerlich zerrissene Detective von der Gewalt der Erinnerungen heimgesucht wird.

Dessen Name ist wohl kein Zufall: Dormer erinnert an dormir (schlafen).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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