Public Enemy No. 1 – Todestrieb

Public Enemy No. 1 – Todestrieb

Public Enemy No. 1 – Todestrieb

Public Enemy No. 1, Todestrieb – Originaltitel: L'ennemi public n°1 – Regie: Jean-François Richet – Drehbuch: Abdel Raouf Dafri und Jean-François Richet, nach der Autobiografie "Der Todestrieb. Lebensbericht eines Staatsfeindes" von Jacques Mesrine – Kamera: Robert Gantz – Schnitt: Bill Pankow, Hervé Schneid – Musik: Marco Beltrami, Marcus Trumpp – Darsteller: Vincent Cassel, Ludivine Sagnier, Mathieu Amalric, Samuel Le Bihan, Gérard Lanvin, Olivier Gourmet, Georges Wilson, Michel Duchaussoy, Anne Consigny u.a. – 2008; 130 Minuten

Inhaltsangabe

1973 kehrt Jacques Mesrine nach Frankreich zurück. Kurz darauf wird er festgenmmen und zu 20 Jahren Haft verurteilt. Nach fünf Jahren bricht er aus. Erneut überfällt er Banken und Spielkasinos. Außerdem erpresst er Lösegeld. Es gefällt ihm, dass die Medien "L'ennemi public n°1" aus ihm gemacht haben. In seiner Autobiografie und in Interviews stilisiert sich der Gangster zum Revolutionär ...
Weiterlesen

Kritik

Obwohl die beiden Teile des Biopic zusammen vier Stunden dauern, wirken einige Passagen wie gehetzt. Erzählt wird hastig und stringent, nüchtern und realistisch. Der Ausgang ist von Anfang an bekannt, aber die Spannung bleibt bis zum Ende hoch.
Weiterlesen

Was bisher geschah: Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt

Anfang 1973 kehrt Jacques Mesrine (Vincent Cassel) nach Frankreich zurück. In Paris wird er im März verhaftet und zwei Monate später zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Vor einem weiteren Prozess im Juni 1973 in Compiègne gelingt es ihm, einen im Spülkasten einer Toilette versteckten Revolver in den Gerichtssaal zu schmuggeln. Während der Verhandlung bedroht er damit plötzlich seine Bewacher, zwingt sie, seine Handschellen aufzuschließen, nimmt den Richter (Alain Doutey) als Geisel und flieht aus dem Gebäude.

Einige Zeit später verkleidet er sich als Arzt und besucht seinen sterbenden Vater (Michel Duchaussoy) in der Klinik. Weinend gesteht er, weder ein guter Sohn noch ein guter Vater zu sein.

Während eines Banküberfall im September 1973 in Paris wird der auf Mesrine und seinen Komplizen wartende Fahrer Michel Ardouin (Samuel Le Bihan) von der Polizei verhaftet. Es kommt zu einer Schießerei. Jacques Mesrine entkommt zwar, aber kurz darauf umstellt Kommissar Broussard (Olivier Gourmet) sein Apartment mit einer Sondereinheit und verhaftet ihn aus dem Bett heraus.

Im Gefängnis ärgert sich Mesrine darüber, dass die Zeitungen über den Putsch des chilenischen Generals Augusto José Ramón Pinochet Ugarte statt über ihn berichten. Aufgebracht verlangt er eine Schreibmaschine und beginnt, seine Autobiografie zu tippen. Sie erscheint im März 1977 unter dem Titel „L’Instinct de Mort“. Seine Verteidigerin (Anne Consigny) ist entsetzt, denn in dem Buch behauptet ihr Mandant, er habe vierzig Menschen ermordet.

Zwei Monate später zieht Jacques Mesrine in der Gerichtsverhandlung eine eitle Show ab. Aber das hilft ihm nichts: Er wird erneut zu zwanzig Jahren Haft verurteilt und in das Pariser Hochsicherheitsgefängnis La Santé gesperrt.

Von dort bricht er im März 1978 mit zwei Mithäftlingen aus, von denen einer dabei erschossen wird.

Während François Besse (Mathieu Amalric) sich nach der Flucht als erstes mit einer Frau vergnügt, sitzt Jacques Mesrine vor dem Fersehgerät und verfolgt aufgeregt die Berichte über den spektakulären Ausbruch.

Die beiden Männer rauben das Spielkasino in Deauville aus. Auf der Flucht wird Besse durch einen Schuss am Bein verletzt. Sie verstecken sich auf einem Bauernhof und zwingen am nächsten Morgen den Bauern Daniel (Hervé Laudière) mit vorgehaltener Waffe, sie in seinem Wagen durch die im Zuge einer Großfahndung errichteten Straßensperren zu schmuggeln. Damit es für die Polizei wie ein harmloser Ausflug aussieht, muss Daniel seine Frau (Françoise Le Plénier) und die beiden Kinder mitnehmen. Die Bankräuber verstecken sich dagegen im Kofferraum. Zum Abschied drückt Mesrine dem Bauern großzügig ein Banknotenbündel in die Hand.

In Paris begegnet Jacques Mesrine der attraktiven jungen Prostituierten Sylvia Jeanjacquot (Ludivine Sagnier). An der Bar, wo sie auf Freier wartet, trinkt er mit ihr eine Flasche Champagner. Sie zieht zu ihm und wird seine neue Lebensgefährtin.

Es gefällt Jacques Mesrine, dass die Medien aus ihm „L’ennemi public
n°1″ (Staatsfeind Nr. 1) gemacht haben. Im Juli 1978 gibt er einer Journalistin (Laure Marsac) in einer Scheune ein Interview. Er kündigt an, er werde alle Hochsicherheitstrakte abschaffen und droht damit, sich wie die Mitglieder der RAF in Palästina ausbilden zu lassen. Als Sylvia die Ausgabe von „Paris Match“ mit dem Interview nach Hause bringt und daraus vorliest, schwillt ihrem Freund vor Stolz die Brust. François Besse versteht dagegen nicht, warum sein Komplize sich zum Revolutionär stilisiert, obwohl sie doch nur unpolitische Gangster sind.

Die beiden trennen sich. Bald darauf wird François Besse in Belgien verhaftet.

Im Juni 1979 klingelt Jacques Mesrine mit einem Komplizen im Departement Sarthe an der Tür des achtzigjährigen Immobilienbesitzers Henri Lelièvre (Georges Wilson) und gibt sich als Kommissar aus. Er behauptet, es lägen Mieterklagen vor und fordert den Greis auf, zur Klärung der Angelegenheit mit aufs Kommissariat zu kommen. Auf diese Weise bringen die zwei Gangster Henri Lelièvre in ihre Gewalt. Der gewiefte Geschäftsmann handelt die Lösegeldforderung von 10 Millionen Francs auf 6 Millionen in drei Raten herunter. Sicherheitshalber lässt Jacques Mesrine den Sohn des Opfers (Frédéric Constant), der das Geld übergeben soll, über eine Stunde am vereinbarten Ort warten und beobachtet ihn – bis die Polizei die Geduld verliert und aus den Verstecken kommt. Beim nächsten Mal übergibt der Sohn das Geld, ohne die Polizei einzuschalten, und Mesrine lässt Henri Lelièvre frei.

Von dem Geld kauft er einen BMW 528i. Und er beschenkt Sylvia mit Kleidern und Schmuck. Aber zu ihrem Kummer spielt der Hasardeur nach dem Motto „frei oder tot“ mit seinem Leben.

Jacques Mesrine nimmt Kontakt mit dem im Untergrund aktiven Kommunisten Charlie Bauer (Gérard Lanvin) auf und dient sich ihm als Revolutionär an. Er kämpfe mit Banküberfällen gegen den Kapitalismus, meint er. Bauer versucht ihm klarzumachen, dass ein Bankräuber nichts gegen das System ausrichtet und sich ihre politischen Ansichten deutlich unterscheiden. Aber die beiden Männer werden Freunde.

So kommt es, dass Charlie Bauer dem Gangster hilft, den Journalisten Jacques Dallier (Alain Fromager) in eine Falle zu locken, als sich Jacques Mesrine für einen kritischen Artikel in „Minute“ rächen will. Dallier glaubt, „L’ennemi public n°1“ hole ihn zu einem Exklusivinterview ab und steigt zu ihm und Charlie Bauer ins Auto. Sie fahren zu einer Höhle. Dort zwingt Mesrine den Journalisten, sich nackt auszuziehen. Dann schlägt er ihn zusammen, und als der Mann bereits fast besinnungslos am Boden liegt, tritt er brutal auf ihn ein, bis es Bauer zu viel wird. Daraufhin schießt Mesrine noch dreimal auf Dallier, bevor er von ihm ablässt. Zu seiner Verwunderung erfährt er später aus den Nachrichten, dass der Journalist die schweren Verletzungen überlebt hat.

Am 2. November 1979 beobachten die in verschiedenen Fahrzeugen versteckten Mitglieder eines von Kommissar Broussard geführten Sondereinsatzkommandos, wie Jacques Mesrine und Sylvia Jeanjacquot aus einem Mietshaus in Paris kommen, zu ihrem Auto gehen und wegfahren. Sie wollen die Wohnung wechseln. Unterwegs lässt Mesrine einem Kleinlastwagen Platz, damit dieser die Spur wechseln und sich vor ihn setzen kann. Plötzlich wird die Plane über der Ladefläche aufgerissen, und bevor Mesrine zur Waffe greifen kann, eröffnen Polizisten mit Gewehren das Feuer auf ihn. Die Windschutzscheibe zerbirst, Mesrine wird von Kugeln durchsiebt und sackt hinter dem Lenkrad zusammen. Sylvia schreit unter Schock, bis sie von Polizisten aus dem Wagen gezerrt und weggebracht wird. Als Kommissar Broussard hinzukommt und den verletzten kleinen Hund sieht, den Sylvia auf dem Schoß hatte, meint er: „Der Hund muss zum Tierarzt.“

Schaulustige drängen sich um das mitten in der Straße stehende Auto mit dem blutüberströmten Toten.

nach oben

In den Kinofilmen „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ und „Public Enemy No. 1 – Todestrieb“ porträtieren Abdel Raouf Dafri (Drehbuch) und Jean-François Richet (Regie) den französischen Gangster Jacques Mesrine (1936 – 1979).

In den vier Stunden, die beide Filme zusammen dauern, gibt es keine unnötige Szene; einige Passagen wirken eher wie gehetzt. Abdel Raouf Dafri und Jean-François Richet erzählen hastig und stringent, nüchtern und realistisch im Stil des Neo Noir. Obwohl der Ausgang von Anfang an bekannt ist, bleibt die Spannung bis zum Ende hoch. Die einzelnen Episoden vermitteln ein facettenreiches Bild von Mesrines Charakter. Er entwickelt sich in „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ vom desorientierten, unangepassten jungen Mann zum Bankräuber und verwendet in „Public Enemy No. 1 – Todestrieb“ immer mehr Energie darauf, sein öffentliches Image zu stilisieren.

Wie „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“, beginnt auch „Public Enemy No. 1 – Todestrieb“ mit dem Ende am 2. November 1979 in Paris: Schaulustige drängen sich um das mitten in der Straße stehende Auto und die blutüberströmte Leiche Jacques Mesrines. Ein Kommissar erklärt den herbeigeeilten Reportern, es sei nicht möglich gewesen, den Gangster zu verhaften, weil er Handgranaten im Auto gehabt habe.

Dann erzählen Abdel Raouf Dafri und Jean-François Richet in „Public Enemy No. 1 – Todestrieb“ chronologisch von 1973 (Rückkehr nach Frankreich) bis 1979 (Tod).

Jacques Mesrine gefällt es, dass die Medien ihn zum „L’ennemi public
n°1″ (Staatsfeind Nr. 1) gemacht haben, und er trägt eifrig dazu bei, sein Image zu verklären. Nicht als gemeiner Gangster, sondern als politisch handelnder Revolutionär will er wahrgenommen werden, und an einem Journalisten, der ihm dabei mit einem kritischen Artikel in die Quere kommt, rächt er sich brutal. Jean-François Richet zeigt, wie Jacques Mesrine zum Volkshelden stilisiert wird, während seine körperliche Verfassung sich verschlechtert. Mehr noch als in „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ wirkt Jacques Mesrine in „Public Enemy No. 1 – Todestrieb“ wie ein Hasardeur, der mit seinem Leben spielt.

Bei der Inszenierung der abschließenden Episode lässt Jean-François Richet sich viel Zeit. Und obwohl wir den Ausgang längst kennen („Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ beginnt ja damit), baut er dabei eine fast unerträgliche Spannung auf. Das ist meisterhaft.

Ein Wechsel im Schnitt und in der Filmmusik sorgt für stilistische Veränderungen gegenüber dem ersten der beiden Filme.

Die Rolle der Sylvia Jeanjacquot ist mit Ludivine Sagnier besetzt, aber sie wird von Vincent Cassel übertroffen, der Jacques Mesrine mit wechselnden Bärten und in verschiedenen Verkleidungen verkörpert und dabei einen komplexen, widersprüchlichen Charakter eindrucksvoll darstellt.

Deutsche Synchronstimmen in „Public Enemy No. 1 – Todestrieb“:
David Nathan (Jacques Mesrine), Anne Helm (Sylvia Jeanjacquot), Peter Reinhard (Kommissar Broussard), Klaus Sonnenschein (Richter), Stephan Hoffmann (Michel Ardouin) u.a. – Buch und Regie: Stephan Hoffmann

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

Jacques Mesrine (Kurzbiografie)
Jean-François Richet: Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt

Carson McCullers - Die Ballade vom traurigen Cafe
"Die Ballade vom traurigen Café" ist eine groteske Dreiecksgeschichte mit Zügen eines Schauermärchens. Die Sätze sind einfach. Aber gerade das trägt zu der dichten Atmosphäre dieser schwermütigen Novelle bei, deren Bann sich der Leser kaum entziehen kann.
Die Ballade vom traurigen Cafe

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.