Die syrische Braut

Die syrische Braut

Die syrische Braut

Die syrische Braut – Originaltitel: Ha kala ha surit. The Syrian Bride – Regie: Eran Riklis – Drehbuch: Eran Riklis, Suha Arraf – Kamera: Michael Wiesweg – Schnitt: Tova Asher – Musik: Cyril Morin – Darsteller: Hiam Abbass, Makram Khoury, Clara Khoury, Ashraf Barhoum, Eyad Sheety, Evelyne Kaplun, Julie-Anne Roth, Adnan Trabshi, Marlene Bajjali, Uri Gavriel, Alon Dahan, Robert Hoenig, Dirar Suleiman, Ranin Boulos, Hanna Abou-Manneh, Norman Issa, Loutof Mousser, Maisra Masri, Imad Jabarin, Ali Sliman, Melanie Peres, Valentin Solomeno u.a. – 2004; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Mona soll heute heiraten, aber sie kennt ihren Bräutigam, einen syrischen TV-Star, nur aus dem Fernsehen, denn sie lebt in einem Drusen-Dorf auf den von Israel besetzten Golanhöhen. Anlässlich der Hochzeit reisen auch ihre Brüder aus Russland und Italien an. Ihre Familie begleitet sie zur Grenze begleiten. Es wird ein Abschied für immer, denn sobald sie die Grenze überschritten hat, darf sie aufgrund der politischen Verhältnisse nicht mehr zurück.
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Kritik

"Die syrische Braut" ist ein bewegendes, tragikomisches Familiendrama vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse auf den Golanhöhen. Plot, Inszenierung und Darsteller sind überzeugend.
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Handlung:

Mona (Clara Khoury) soll heute heiraten. Am Morgen geht die Braut zum Friseur und zieht ihr weißes Hochzeitskleid an. Ihren von der Familie ausgesuchten Bräutigam kennt sie bisher nur aus dem Fernsehen: Es handelt sich um den syrischen TV-Star Tallel (Dirar Suleiman) aus Damaskus. Mona lebt nämlich in Majdal Shams, einem drusischen Dorf in dem von Israel besetzten Teil der Golanhöhen. Während Tallel ineinem Bus mit Freunden und Verwandten zur Grenze fährt, feiert Monas Familie ohne den Bräutigam in Majdal Shams.

Monas Vater Hammed (Makram Khoury) ist verhältnismäßig wohlhabend. Als prosyrischer Aktivist war er bereits im Gefängnis und steht noch unter Bewährungsauflagen. Die Dorfältesten warnen ihn davor, seinen ältesten Sohn wieder aufzunehmen, falls dieser zur Hochzeit seiner Schwester kommen sollte. Hattem (Eyad Sheety) wurde vor acht Jahren verstoßen, weil er eine Jüdin geheiratet hatte. Der Ausschluss aus der Gemeinschaft droht auch Hammed für den Fall seiner Versöhnung mit Hattem.

Als Hattem tatsächlich mit seiner Frau Evelyna (Evelyne Kaplun) und dem kleinen Sohn (Valentin Solomeno) eintrifft, tut sein Vater so, als wären sie gar nicht da. Nur seine Mutter (Marlene Bajjali), sein jüngerer Bruder Marwan (Ashraf Barhoum) und Amal (Hiam Abbass), die ältere der beiden Schwestern, begrüßen ihn herzlich. Vor allem zu Amal hat Hattem eine enge Beziehung: Mit ihr stand er auch während der letzten acht Jahre in Briefkontakt.

Amal ist eine selbstbewusste Frau, die jetzt, wo ihre beiden Kinder groß genug sind, dabei ist, sich von ihrem Mann Amin (Adnan Trabshi) zu emanzipieren: Sie hat sich gerade erfolgreich um einen Studienplatz in Tel Aviv beworben. Amin kann sie nicht länger davon abhalten, ihr Vorhaben zu verwirklichen, auch wenn ihn die anderen Männer verhöhnen werden, weil er seine Frau nicht im Griff hat. Um das Unglück voll zu machen, treibt seine Tochter sich mit einem Israeli herum.

Anders als Hattem, der Rechtsanwalt wurde und mit seiner Frau, einer russischen Ärztin, in deren Heimat eine Familie gründete, lebt Marwan in Italien, schlägt sich mit halbseidenen Geschäften durch und gibt sich als Weiberheld.

Schließlich ist der Zeitpunkt gekommen, Mona in einem Autokorso zum Grenzübergang Kuneitra zu bringen. Es wird ein Abschied für immer sein, denn sobald die Braut das von Israel besetzte Gebiet verlassen hat, kann sie nicht mehr zurück. Obwohl es Hammed verboten ist, sich der Grenze zu nähern, lässt er sich nicht davon abhalten, seine Tochter zu begleiten. Als der israelische Dorfgendarm ihn deshalb festnehmen will, stellt Hattem sich dem Beamten in den Weg und fordert ihn auf, zuerst einen Haftbefehl vorzuweisen. Andernfalls wäre eine Festnahme illegal. Der Polizist zieht sich daraufhin zurück.

Hinter den Schlagbäumen auf beiden Seiten der Grenze warten die beiden Hochzeitsgesellschaften darauf, dass die Braut zu ihrem Bräutigam darf. Aus Jerusalem ist eigens ein israelischer Beamter (Robert Hoenig) angereist, um Monas Pass abzustempeln. Die französische Rotkreuz-Helferin Jeanne (Julie-Anne Roth) geht damit zum syrischen Grenzposten (Norman Issa) hinüber. Als dieser den israelischen Stempel sieht, verweigert er die Einreise der Braut. Die Golanhöhen gehörten zu Syrien, erklärt er, die israelische Besetzung sei widerrechtlich. Ein halbes Dutzend Mal pendelt Jeanne zwischen dem israelischen und dem syrischen Grenzposten hin und her. Die Braut darf weder ins besetzte Gebiet zurück noch über die Grenze nach Syrien.

Mehrmals blickt Hammed seinen älteren Sohn und seine Schwiegertochter verstohlen an, dann legt er Hattem den Arm auf die Schulter und heißt auch Evelyna willkommen.

Die Familie achtet nicht darauf, dass von der syrischen Seite ein UN-Fahrzeug naht und der Schlagbaum für Mona geöffnet wird. Amal bemerkt als Erste, dass die syrische Braut auf dem Weg zu ihrem Bräutigam ist.

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Bei den Golanhöhen östlich des Sees Genezareth handelt es sich um ein strategisch wichtiges Gebiet, das die Israelis 1967 im Sechs-Tage-Krieg von Syrien eroberten und 1981 annektierten. Auf dem 1200 Quadratkilometer großen Territorium leben etwa 17 000 Drusen, Angehörige einer islamischen Sekte, die keine eigene Nationalität besitzen. Einige haben die israelische Staatsbürgerschaft angenommen. Die meisten halten zu Syrien und haben zwar von Israel ausgestellte Ausweispapiere, aber in der Rubrik „Staatsangehörigkeit“ heißt es: „ungeklärt“. Druse wird man übrigens nur durch die Geburt; man kann nicht zum Drusentum konvertieren. Wer dagegen eine nicht-drusische Person heiratet, wird aus der Gemeinschaft verstoßen.

„Die syrische Braut“ ist ein tragikomisches Familiendrama vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse auf den Golanhöhen. In den absurden Verhältnissen spiegelt sich der Nahost-Konflikt. Der israelische Regisseur Eran Riklis scheut sich aber auch nicht, patriarchalische Familienstrukturen kritisch zu beleuchten, einen schwachen Mann wie Amin mit einer starken Frau wie Amal zu konfrontieren und deren Emanzipation als vorbildlich darzustellen.

Eran Riklis und Suha Arraf haben aus ihrem anspruchsvollen Ansatz kein hölzernes Lehrstück gemacht, sondern sie erzählen eine bewegende Geschichte.

Auch wenn der Film „Die syrische Braut“ heißt und sich alles um Mona zu drehen scheint, stellt die Figur Amal das Kraftzentrum dar, und die Darstellerin Hiyam Abbass wird dieser Rolle vollkommen gerecht. Sie ist unter den allesamt überzeugenden Schauspielerinnen und Schauspielern an erster Stelle zu nennen.

Rührend, aber nicht kitschig, sentimental aber nicht versöhnlich, authentisch aber nicht naturalistisch. Ein Film, an den man sich noch nach Monaten mit Wohlgefallen erinnert, weil an der Geschichte einfach alles stimmt: der Plot, die Inszenierung, das Tempo, sogar das Wetter; noch die letzte Nebenrolle wurde perfekt besetzt. (Henryk M. Broder, Spiegel online, 21. März 2005)

Eran Riklis wurde 1954 in Jerusalem als Sohn eines Biochemikers geboren und wuchs in Kanada, den USA und in Brasilien auf. In England studierte er an einer Filmschule. Inzwischen dreht er in Israel Kino-Filme und Fernseh-Serien.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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