Central Station

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Central Station - Originaltitel: Central do Brasil - Regie: Walter Salles - Buch: Martine De Clermont-Tonnerre, João Emanuel Carneiro und Marcos Bernstein, nach einer Idee von Walter Salles - Kamera: Walter Carvalho - Schnitt: Isabelle Rathery und Filipe Lacerda - Musik: Antonio Pinto und Jaques Morelembaum - Darsteller: Fernanda Montenegro, Vinicius de Oliveira, Marilia Pêra, Sôia Lira u.a. - 1997; 100 Minuten

Inhaltsangabe

"Central Station" handelt von einer verbitterten alten Brasilianerin, die sich zunächst aus Berechnung, dann widerwillig und schließlich aus Liebe um einen neunjährigen Jungen kümmert, dessen Mutter bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.
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Kritik

Das Road Movie "Central Station" wirkt zwar ein wenig altmodisch, sentimental und klischeehaft, aber die brasilianische Theater-schauspielerin Fernanda Montenegro macht es sehenswert.
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Die pensionierte Grundschullehrerin Dora (Fernanda Montenegro) bessert ihre Rente ein wenig auf, indem sie jeden Tag im Hauptbahnhof von Rio de Janeiro sitzt und sich von Analphabeten Briefe diktieren lässt. Zu Hause entscheidet sie dann mit ihrer Nachbarin Irene (Marilia Pêra), welche der Briefe sie zerreißen und welche sie noch eine Weile in einer Schublade aufheben. Was hätte es für einen Sinn, die Briefe zu verschicken? Die Menschen enttäuschen sich doch ohnehin nur gegenseitig! Durch Not und Einsamkeit ist Dora hart geworden, und die immer gleichen Geschichten, die sie aus den Diktaten erfährt, haben sie vollends desillusioniert.

Eine Frau (Sôia Lira), die ihren neunjährigen Sohn Josué (Vinicius de Oliveira) bei sich hat, diktiert Dora einen Brief an ihren Mann, der sie verließ und in den Norden Brasiliens zog, als sie schwanger war. Josué wolle ihn kennen lernen, lässt sie ihm schreiben und fügt hinzu, dass sie ihn auch gern wiedersehen würde.

Vor dem Bahnhof überquert Ana – so heißt die Frau – mit ihrem Jungen die Straße. Josué reißt sich von ihr los und läuft ein paar Schritte zurück, um seinen zu Boden gefallenen Kreisel aufzuheben. Seine Mutter bleibt stehen und dreht sich um. Vor den Augen ihres Sohnes wird sie von einem Omnibus totgefahren.

Traurig streunt Josué den ganzen Tag lang in der Bahnhofshalle herum. Ob er keine Verwandten in der Stadt habe, fragt ihn Dora. Er schüttelt den Kopf. Schließlich nimmt sie den Jungen mit nach Hause. Am anderen Tag fährt sie mit ihm zu einer Adresse, die ihr der Bahnhofshändler Pedrao (Otavio Augusto) genannt hat. Dort stellt Pedrao sie Yolanda (Stela Freitas) vor, die Dora und dem Vermittler je 1000 Dollar zahlt und Josué dabehält. In ihrer Wohnung sieht Dora noch andere Kinder. Sie sollen alle ausländische Adoptiveltern bekommen.

Von dem Geld kauft Dora sich ein neues Fernsehgerät. Irene, die ihr nicht glaubt, dass sie Josué der Fürsorge übergeben hat, ist entsetzt, als sie die Wahrheit erfährt. Von ihrem schlechten Gewissen getrieben, fährt Dora noch einmal zu Yolanda, lenkt sie ab und entführt Josué.

Sie macht sich mit ihm auf den Weg zu seinem Vater. Bei einem Halt schärft sie dem Busfahrer ein, wohin der Junge will und gibt ihm Geld dafür, dass er auf ihn aufpasst. Von ihrem letzten Geld kauft sie sich eine Rückfahrkarte nach Rio de Janeiro. Josué merkt, was sie vorhat und steigt ebenfalls aus. Der LKW-Fahrer Cesar (Othon Bastos) nimmt sie mit und bezahlt in einer Raststätte sogar das Essen für sie, aber als Dora von einer gemeinsamen Zukunft zu träumen beginnt, stiehlt er sich davon.

In dem Haus, dessen Adresse Josués Mutter auf das Briefkuvert schrieben ließ, wohnt längst eine andere Familie. Josués Vater soll ein Haus in einer Lotterie gewonnen, aber alles versoffen haben. Auch unter der Adresse, die Dora und Josué genannt wird, finden sie seinen Vater nicht, und die Bewohner wissen nichts von ihm.

Unvermittelt wird Dora von einem Handwerker namens Isaias (Matheus Nachtergaele) angesprochen. Er habe gehört, dass Leute von auswärts nach seinem Vater suchen, sagt er und lädt die beiden in das Haus ein, das er zusammen mit seinem Bruder Moises (Caio Junqueira) bewohnt. Die beiden haben sich eine Tischlerwerkstatt eingerichtet. Der Vater ist verschwunden, aber sie hoffen, dass er irgendwann einmal wiederkommt. Vor sechs Wochen erhielten sie einen Brief von ihm, den Dora ihnen nun vorlesen soll. Er teilte ihnen mit, dass er nach Rio de Janeiro gereist sei, um nach einer früheren Freundin namens Ana zu suchen.

Isaias und Moises laden Dora und Josué ein, bei ihnen zu übernachten. Josué schläft bei ihnen, und Dora im verwaisten Zimmer des Vaters. Nachts steht sie leise auf, schaut die Brüder an, die nebeneinander in einem großen Bett schlafen, legt Anas Brief an den Vater der drei Jungen auf ein Sideboard und geht zum Busbahnhof.

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„Central Station“ handelt von einer verbitterten alten Frau, die sich zunächst aus Berechnung, dann widerwillig und schließlich aus echter Sorge um einen neunjährigen Jungen kümmert, dessen Mutter bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Sie sucht mit ihm gemeinsam nach seinem Vater, und als sie die beiden Halbbrüder des Kindes gefunden hat, verzichtet sie aus Liebe auf den Jungen, der ihr inzwischen ans Herz gewachsen ist. In dieser Odyssee wird eine durch die Zivilisationsgesellschaft verdorbene Erwachsene durch ein Kind geläutert.

Das Road Movie wirkt zwar ein wenig altmodisch, sentimental und klischeehaft, aber die brasilianische Theaterschauspielerin Fernanda Montenegro macht es sehenswert. Sie wurde dafür mit einem „Oscar“ und einem „Silbernen Bären“ ausgezeichnet. Einen „Goldenen Bären“ und einen weiteren „Oscar“ gab es für den Film als solchen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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