Der Gejagte

Der Gejagte

Der Gejagte

Der Gejagte – Originaltitel: The Affliction – Regie: Paul Schrader – Drehbuch: Paul Schrader, nach dem Roman "Der Gejagte" von Russell Banks – Kamera: Paul Sarossy – Schnitt: Jay Rabinowitz – Musik: Michael Brook – Darsteller: Nick Nolte, Willem Dafoe, Sissy Spacek, James Coburn, Mary Beth Hurt, Jim True-Frost, Holmes Osborne, Brigid Tierney, Sean McCann, Steve Adams u.a. – 1997; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Glen Whitehouse hält seine beiden Söhne Rolfe und Wade für jämmerliche Versager. Während Rolfe als Lehrer nach Boston ging, blieb Wade in seinem Heimatort im Norden von New Hampshire und wurde dort Hilfspolizist. Über die Tyrannei seines Vaters ist er nicht hinweggekommen: Er fühlt sich wie ein verprügelter Hund, der bisher nur geknurrt hat, aber bald zubeißen wird ...
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Kritik

"Der Gejagte" ist eine erschütternde Tragödie. Paul Schrader schrieb das Drehbuch nach dem gleichnamigen Roman von Russell Banks und inszenierte die düstere Geschichte mit exzellenten Schauspielern.
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Wade Whitehouse (Nick Nolte) arbeitet als Hilfspolizist in Lawford, einer Kleinstadt im Norden von New Hampshire, die er noch nie verlassen hat. Seit der Scheidung von seiner Ehefrau Lillian (Mary Beth Hurt) leidet er unter der Entfremdung von seiner neunjährigen Tochter Jill (Brigid Tierney) und greift häufiger zur Flasche.

Als Kinder wurden Wade und sein Bruder Rolfe (Willem Dafoe) – der inzwischen als Geschichtslehrer in Boston tätig ist – von ihrem alkoholkranken Vater Glen (James Coburn) tyrannisiert. Glen Whitehouse hält seine Söhne nach wie vor für jämmerliche Versager. Wade ist über die Demütigungen nicht hinweggekommen: Er fühlt sich wie ein verprügelter Hund, der bisher nur geknurrt hat, aber bald zubeißen wird.

Obwohl seine verständnisvolle Freundin Margie Fogg (Sissy Spacek) ihm davon abrät, beauftragt Wade einen Anwalt mit einer aussichtslosen Sorgerechtsklage.

Während Wade am Tag nach Halloween für den Bürgermeister Gordon LaRiviere (Holmes Osborne) Schnee schaufelt, begleitet sein Freund und Kollege Jack Hewitt (Jim True-Frost) den aus Massachusetts angereisten Gewerksschaftsfunktionär Evan Twombley (Sean McCann) zur Rotwildjagd. Nach ein paar Stunden alarmiert Jack die Polizei der nächsten Großstadt. Twombley liegt tot im Wald. Angeblich stürzte er an einem Abhang, und dabei – so Jack in seiner Aussage – müsse sich ein tödlicher Schuss aus seinem Gewehr gelöst haben.

Wade bezweifelt Jacks Darstellung, und als er erfährt, dass Twombley Kontakte zum organisierten Verbrechen gehabt haben soll, glaubt er, der Gewerkschaftsfunktionär sei ermordet worden, entweder von einer dritten Person oder von Jack gegen Geld.

Bei einem Besuch im Elternhaus findet Wade seine Mutter Sally (Joanna Noyes) tot im Bett vor: Sie ist offenbar erfroren, weil ihr betrunkener Mann die Heizung ausgehen ließ.

Als Wade herausfindet, dass Gordon LaRiviere zusammen mit dem ebenso arroganten wie einflussreichen Geschäftsmann Mel Gordon (Steve Adams) heimlich Land aufkauft, um ein gigantisches Sportzentrum bauen zu können, fühlt er sich in seinem Argwohn bestätigt: Twombley musste sterben, weil er dem Vorhaben von LaRiviere und Gordon im Weg stand. Immer tiefer verrennt Wade sich in die Verschwörungstheorie, die ihn von seinen eigentlichen Problemen ablenkt, bis er von Gordon LaRiviere im Streit entlassen wird und die Dinge vollends aus dem Ruder laufen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Seit Tagen wird Wade von Zahnschmerzen gequält. Weil der Zahnarzt kurzfristig keinen Termin frei hat, reißt Wade sich den schmerzenden Zahn selbst mit einer Zange aus.

Margie hält es mit ihm nicht mehr aus: Sie verlässt Wade.

Während einer heftigen Auseinandersetzung mit seinem Vater stößt Wade den alten Mann zurück. Dabei fällt Glen Whitehouse so unglücklich auf den Kopf, dass er sofort tot ist. Wade, der längst den Bezug zur Realität verloren hat, fackelt daraufhin das Haus ab.

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Oberflächlich betrachtet könnte man „Der Gejagte“ für einen Psyschothriller von Paul Schrader halten, aber es handelt sich im Kern um eine düstere, erschütternde Tragödie. Der durch einen tyrannischen Vater traumatisierte Verlierer Wade Whitehouse macht „den Eindruck eines wilden Tiers, das sich immer auswegloser im Netz verfängt, je verzweifelter es versucht, sich zu befreien“ (Anke Sterneborg, Süddeutsche Zeitung 12. Februar 1998). Er verliert den Bezug zur Realität und zu allen anderen Menschen einschließlich seiner verständnisvollen Freundin und seiner geliebten Tochter. Am Ende bleibt ihm nur ein Gewaltausbruch. Die Figur erinnert an Travis Bickle in „Taxi Driver“ (Drehbuch: Paul Schrader).

Paul Schrader (*1946) schrieb das Drehbuch zu „Der Gejagte“ („The Affliction“) nach dem gleichnamigen Roman von Russell Banks (*1940) aus dem Jahr 1989. Er lässt Rolfe Whitehouse teilweise aus dem Off als Erzähler auftreten und zeigt die Vorgeschichte in einigen wenigen Rückblenden (mit Brawley Nolte und Michael Caloz als Wade und Rolfe).

James Coburn wurde für seine Rolle in „Der Gejagte“ als „Bester Nebendarsteller“ mit einem „Oscar“ ausgezeichnet, und Nick Nolte erhielt eine Nominierung in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“.

Die Dreharbeiten fanden in Kanada statt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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