Requiem for a Dream

Requiem for a Dream

Requiem for a Dream

Requiem for a Dream – Originaltitel: Requiem for a Dream – Regie: Darren Aronofsky – Drehbuch: Hubert Selby, Darren Aronofsky nach dem Roman "Requiem for a Dream" von Hubert Selby – Kamera: Matthew Libatique – Schnitt: Jay Rabinowitz – Musik: Clint Mansell – Darsteller: Ellen Burstyn, Jared Leto, Jennifer Connelly, Marlon Wayans, Christopher McDonald, Mark Margolis, Sean Gullette, Keith David u.a. – 2000; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Harry, sein Freund Tyrone und seine Freundin Marion sind heroinsüchtig. Immer stärker geraten sie in die Abhängigkeit. Der Absturz scheint unausweichlich. Schließlich prostituiert Marion sich, um an Geld bzw. Drogen zu kommen. Währenddessen träumt Harrys Mutter Sara von einem Auftritt in der Tappy Tibbons' Show, die sie täglich sieht. Und weil sie dabei ein enges rotes Kleid tragen möchte, schluckt sie Appetithemmer, bis sie unter Wahnvorstellungen leidet ...
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Kritik

"Requiem for a Dream" – die Verfilmung eines Romans von Hubert Selby – veranschaulicht die Folgen einer Sucht. Darren Aronofsky setzt dabei optische Effekte ein, aber nicht als l'art pour l'art, sondern um etwas Bestimmtes zu zeigen.
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Seit ihr Mann starb und ihr Sohn fortzog, wohnt Sara Goldfarb (Ellen Burstyn) allein in einer Mietwohnung in Brighton Beach auf Coney Island. Sie schlägt die Zeit tot, indem sie regelmäßig Tappy Tibbons‘ (Christopher McDonald) Fernsehshow anschaut.

Eines Tages teilt ihr ein Anrufer im Auftrag einer Medienagentur mit, dass sie in die engere Wahl von Kandidatinnen für die Tappy Tibbons‘ Show gekommen sei und damit rechnen könne, bald vor den Fernsehkameras auf der Bühne zu stehen. Freudig überrascht nimmt Sara das rote Kleid aus dem Schrank, das ihrem Mann so gut gefiel. Aber sie kriegt den Reißverschluss nicht mehr zu. Um abzunehmen, fängt sie eine Diät an. Weil der Erfolg allerdings zu wünschen übrig lässt, konsultiert sie ihren Arzt, der ihr Pillen verschreibt, ohne sie auch nur angesehen zu haben.

Ihr Sohn Harry (Jared Leto) kommt nur vorbei, wenn ihm das Geld für Drogen ausgegangen ist. Dann holen er und sein afroamerikanischer Freund Tyrone C. Love (Marlon Wayans) Saras Fernsehgerät und bringen es zum Pfandleiher Rabinowitz (Mark Margolis), bei dem Sara es kurz darauf wieder auslöst.

Harry drängt seine Freundin Marion Silver (Jennifer Connelly), eine Modeboutique zu eröffnen, aber dafür fehlt ihr das Startkapital.

Um aus der finanziellen Klemme herauszukommen, beschließen Harry und Tyrone, sich eine über den Eigenbedarf hinausgehende Menge Heroin zu besorgen, es zu strecken und weiterzuverkaufen. Obwohl sie den Stoff des Öfteren „testen“, sparen Sie einiges an Geld zusammen.

Schließlich reicht das Geld, um für Sara ein neues Fernsehgerät zu kaufen. Harry besucht sie und kündigt ihr die Lieferung an. Aufgrund seiner Andeutungen glaubt Sara, er sei inzwischen als selbstständiger Unternehmer erfolgreich, und das freut sie ungemein. Harry macht sich allerdings Sorgen, denn seine Mutter wirkt überdreht und ruhelos. Als er erfährt, dass sie Appetitzügler schluckt, von denen er weiß, dass sie Amphetamine enthalten und abhängig machen, rät er ihr dringend von der Einnahme ab, aber sie hört nicht auf ihn, denn sie träumt von ihrem Auftritt im engen roten Kleid in der Tappy Tibbons‘ Show. Ohne dieses Ziel lohne es sich für sie nicht, morgens aufzustehen, erklärt sie Harry.

Tyrone gerät bei dem Versuch, Nachschub zu beschaffen, in eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen zwei Banden und wird von der Polizei verhaftet. Um die Kaution für die Freilassung seines Freundes bis zur Gerichtsverhandlung entrichten zu können, setzt Harry die gesamten Ersparnisse ein.

Danach stehen Harry, Tyrone und Marion wieder vor dem Nichts. Vor allem Marion macht die Drogensucht zu schaffen. Aber ohne Geld gibt es auch keine Drogen. Je größer die Not, desto stärker die Sucht: eine Teufelsspirale!

Als Harry von einer Gelegenheit erfährt, eine größere Menge Heroin zu kaufen, drängt er Marion, sich zu prostituieren. Frustriert beschimpft sie ihn als Loser, aber dann verführt sie widerwillig ihren Psychiater Arnold (Sean Gullette) und verlangt dafür Geld von ihm.

In der Hoffnung, schneller abzunehmen, schluckt Sara eine immer größere Menge von Schlankheitspillen. Das führt zu Wahnvorstellungen. Beispielsweise bildet sie sich ein, Tappy Tibbons sei bei ihr in der Wohnung, mache sich über sie lustig und das werde im Fernsehen übertragen. Um diesem Albtraum zu entkommen, rennt sie auf die Straße, fährt mit der U-Bahn zum Fernsehsender und verlangt zu wissen, wann sie endlich ihre Einladung für die Show bekomme. Die Angestellten rufen den Notdienst und lassen die verwirrte Frau abholen. Man bringt sie in die Psychiatrie.

Um an Heroin zu kommen, erfüllt Marion dem schwarzen Drogendealer Big Tim (Keith David) den Wunsch nach Fellatio. Danach übergibt sie sich.

Harry und Tyrone brechen nach Florida auf, denn sie hoffen, dort Heroin aufzutreiben.

Unterwegs entdeckt Tyrone die schwere Infektion in der Ellbogenbeuge seines Freundes. Gegen seinen Rat benutzt Harry die Stelle weiter, um sich Heroin zu spritzen, bis er die Schmerzen nicht länger erträgt und deshalb ein Krankenhaus in South Carolina aufsucht. Nachdem der Arzt den Arm gesehen hat, ruft er die Polizei. Harry und Tyrone werden festgenommen. In einem Gefängniskrankenhaus amputieren die Ärzte Harrys Unterarm.

An Sara werden inzwischen immer stärkere Psychopharmaka ausprobiert. Zwei Pfleger schnallen sie fest und füttern sie, während sie miteinander plaudern, ohne weiter auf die Patientin zu achten. Schließlich behandeln die Ärzte Sara mit Elektroschocks.

Um von Big Tim weiter Heroin und Geld zu bekommen, nimmt Marion an einer widerlichen, entwürdigenden Sexparty teil.

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Darren Aronofsky verfilmte den 1978 von Hubert Selby veröffentlichten Roman „Requiem for a Dream“ („Requiem für einen Traum“, Übersetzung: Kai Molvig, Rowohlt Verlag, Reinbek 1981, ISBN 3-499-15512-5, 315 Seiten). Das Drehbuch erarbeitete er mit dem Schriftsteller gemeinsam, der übrigens in einem Cameo-Auftritt als Gefängniswärter zu sehen ist.

Am Beispiel einer älteren Frau und von drei jungen Menschen zeigen Hubert Selby und Darren Aronofsky in „Requiem for a Dream“ die möglichen Folgen einer Sucht. Sie lässt sich nicht unter Kontrolle halten, sondern führt zu einer immer stärkeren Abhängigkeit, die psychische und körperliche Schäden, Entwürdigung und Eingesperrtsein verursacht.

Gegliedert ist „Requiem for a Dream“ in drei Teile: Summer, Fall, Winter. Einen Frühling gibt es nicht; es geht nur abwärts. Das amerikanische Wort „Fall“ bedeutet hier Herbst und Absturz zugleich.

„Requiem for a Dream“ ist eine Warnung vor der Sucht ohne erhobenen Zeigefinger. Hubert Selby und Darren Aronofsky kritisieren aber auch die Gesellschaft, indem sie Perspektivlosigkeit, Vereinsamung und Teilnahmslosigkeit thematisieren.

Als Sara ihre Diät beginnt, blicken wir mit ihr zusammen auf das Frühstück: eine Tasse Kaffee, ein Ei und eine halbe Grapefruit. Dann folgen drei mit entsprechenden Geräuschen unterlegte Aufnahmen: Grapefruit ausgelöffelt, Teller mit Bruchstücken der Eierschalen, leere Tasse. Es gibt in „Requiem for a Dream“ noch viele Hip-Hop-Montagen wie diese. Schätzungsweise um die zehnmal wiederholt Darren Aronofsky eine Abfolge von Bildern über das Aufkochen des Heroins, das Injizieren und die Pupillenerweiterung. Die entsprechende Bilderfolge bei Sara: Öffnen der Pillenschachtel, Pillen in der Hand, Einnahme. Diese optischen Effekte sind in „Requiem for a Dream“ kein l’art pour l’art, sondern sie veranschaulichen, wie die Sucht zum Mechanismus wird. Ein weiteres Beispiel für den sinnvollen Einsatz visueller Techniken: Harry und Marion liegen nebeneinander auf dem Bett, gestehen sich ihre Liebe und streicheln sich gegenseitig. Wir sehen dies in einem Split Screen, der die beiden Liebenden trennt.

Die Wirkung des Films wird außerdem durch akzentuierte Geräusche und die Musikuntermalung von Clint Mansell verstärkt. Dessen Song „Lux Aeterna“ wurde auch unabhängig von „Requiem for a Dream“ populär und beispielsweise in einer neu orchestrierten Fassung unter dem Titel „Requiem for a Tower“ für „Der Herr der Ringe. Die zwei Türme“ verwendet.

Ellen Burstyn wurde für ihre Rolle in „Requiem for a Dream“ für einen „Oscar“ nominiert.

Einmal nimmt die Kamera die in der Badewanne kauernde Marion von oben auf. Dann sehen wir Marions Gesicht unter Wasser, und sie schreit. Dabei handelt es sich um eine Hommage an den Anime-Film „Perfect Blue“ von Satoshi Kon.

Perfect Blue – Originaltitel: Perfect Blue – Regie: Satoshi Kon – Drehbuch: Sadayuki Murai – Kamera: Hisao Shirai – Schnitt: Harutoshi Ogata – Musik: Masahiro Ikumi – 1997; 80 Minuten

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

Darren Aronofsky (kurze Biografie / Filmografie)

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