Bernward Vesper


Bernward Vesper wurde am 1. August 1938 in Frankfurt (Oder) als Sohn des Dichters Will Vesper (1882 – 1962) geboren.

Will Vesper, der aus einer protestantischen Bauernfamilie stammte, hatte in München Geschichte und Germanistik studiert. 1931 war er in die NSDAP eingetreten. Die von ihm seit 1923 herausgegebene Zeitschrift „Die schöne Literatur“ wurde unter dem neuen Titel „Die Neue Literatur“ zur führenden Literaturzeitschrift des NS-Regimes.

Will Vesper editierte sie bis 1943. Parallel dazu schrieb er selbst Prosa und Lyrik im Geist der Blut-und-Boden-Ideologie.

1938 heiratete Will Vesper die Witwe Rose Rimpau. Hans Rimpau hatte bei seinem Tod im Jahr 1936 das von ihm gegründete Gut Triangel bei Gifhorn aufgrund seines aufwändigen Lebensstils verschuldet hinterlassen. (Heute gehört Triangel zur Gemeinde Sassenburg.) Um Triangel zu retten, stieß Will Vesper die Hälfte des Besitzes ab, verkaufte das Herrenhaus und zog mit seiner Frau in ein Nebengebäude auf dem Anwesen.

Dort wuchs Bernward Vesper mit seiner älteren Halbschwester auf, bis diese 1944 heiratete. Sein Vater, der seine Überzeugungen nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes beibehalten hatte, indroktrinierte ihn so, dass er noch mit fünfzehn Jahren Wahlplakate für die Rechtskonservative Deutsche Reichspartei klebte. Nach dem Abitur in Gifthorn und einer Buchhändler-Lehre in Braunschweig fing Bernward an, in Tübingen, Germanistik und Soziologie zu studieren.

In Tübingen verlobte sich Bernward Vesper 1962 mit der zwei Jahre jüngeren Kommilitonin Gudrun Ensslin. Gemeinsam gründeten sie 1963 das „Studio neue Literatur“, einen Verlag, in dem dann allerdings nur zwei Bücher erschienen. 1965 arbeiteten sie in dem von Günter Grass zur Unterstützung des SPD-Wahlkampfes gegründeten „Wahlkontor der Schriftsteller“ mit, doch als die SPD mit der CDU/CSU zusammen 1966 die Große Koalition bildete, wandten sie sich enttäuscht von der Partei ab und engagierten sich in der APO.

Am 13. Mai 1967 brachte Gudrun Ensslin, die inzwischen in Berlin weiterstudierte, ihren gemeinsamen Sohn Felix Robert zur Welt. Kurze Zeit später lernte sie Andreas Baader kennen, und im Januar 1968 verließ sie Bernward Vesper. Ihr gut ein halbes Jahr altes Kind überließ sie Pflegeeltern auf der Schwäbischen Alb.

Während Gudrun Ensslin und Andreas Baader am 2. April 1968 in Frankfurt am Main zwei Kaufhäuser anzündeten und mit Ulrike Meinhof und anderen 1970 die RAF gründeten, distanzierte sich Bernward Vesper von der Eskalation der Gewalt.

Er brach sein Studium ab und begann den autobiografischen Roman „Die Reise“ zu schreiben, in dem er sich mit seiner Indoktrinierung durch seinen am 14. März 1962 gestorbenen Vater beschäftigte, über seine eigene politische Haltung nachdachte und über seine Erfahrungen mit halluzinogenen Drogen wie LSD berichtete.

Nachdem er im Februar 1971 die Wohnung von Freunden in München verwüstet hatte, wurde er in die Psychiatrische Klinik in Haar bei München eingeliefert. Von dort verlegte man Bernward Vesper ins Universitätskrankenhaus in Hamburg-Eppendorf. Während eines Spaziergangs besorgte sich der Zweiunddreißigjährige Schlaftabletten, die er am 15. Mai schluckte [Suizid].

In Krankenzimmer des Toten wurde eine rote Sammelmappe mit dem Manuskript „Die Reise“ gefunden. Jörg Schröder gab das Romanfragment 1977 im März Verlag heraus (Neuausgabe: Area-Verlag, Erftstadt 2005, ISBN 3-89996-343-1, 711 Seiten, 12.95 €). Das Buch wurde 1986 von Markus Imhoof verfilmt: „Die Reise“. Caroline Harmsen, Ulrike Seyer und Johannes Ullmaier editierten die Briefe, die Gudrun Ensslin und Bernward Vesper sich 1968/69 geschrieben hatten: „Notstandsgesetze von Deiner Hand“ (Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M 2009, ISBN: 978-3-518-12586-1, 250 Seiten, 12 €).

Felix Ensslin, der bei Pflegeeltern aufgewachsene Sohn von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper, studierte in den USA Philosophie. Danach arbeitete er als Autor, Dramaturg, Theaterregisseur und zwischendurch als Büroleiter des Bundestagsabgeordneten Rezzo Schlauch.

Andres Veiel drehte über Bernward Vesper und Gudrun Ensslin den Film „Wer wenn nicht wir“.

© Dieter Wunderlich 2008 / 2009

Andres Veiel: Wer wenn nicht wir
Markus Imhoof: Die Reise
Gudrun Ensslin (Kurzbiografie)
Andreas Baader (Kurzbiografie)

Heinrich Steinfest - Mariaschwarz
Die Auflösung des Kriminalfalls interessiert Heinrich Steinfest nicht, aber es entbehrt nicht einer gewissen Komik und Ironie, wie er den Roman "Mariaschwarz" gegen Ende zu in abstruse Bruchstücke zerfallen lässt.

Mariaschwarz

Heinrich Steinfest

Mariaschwarz

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.