Steve Jobs

Steve Jobs

Steve Jobs

Steve Jobs – Originaltitel: Steve Jobs – Regie: Danny Boyle – Drehbuch: Aaron Sorkin nach dem Buch "Steve Jobs" von Walter Isaacson – Kamera: Alwin H. Küchler – Schnitt: Elliot Graham – Musik: Daniel Pemberton – Darsteller: Michael Fassbender, Kate Winslet, Seth Rogen, Katherine Waterston, Jeff Daniels, Sarah Snook, Michael Stuhlbarg, John Ortiz u.a. – 2015; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Aaron Sorkin und Danny Boyle erzählen nicht Steve Jobs' Lebensgeschichte, sondern sie porträtieren ihn bei drei legendären Produktpräsentationen in den Jahren 1984 (Macintosh), 1988 (NeXT) und 1998 (iMac). Weil es weniger um die Innovationen, als um eine Charakter­studie geht, sehen wir Steve Jobs nicht auf, sondern hinter der Bühne, in fiktiven Konfrontationen u. a. mit Steve Wozniak, Andy Hertzfeld, John Sculley, Chrisann und Lisa Brennan ...
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Kritik

Die für ein Biopic ungewöhnliche Konzentration auf drei Akte wirkt überzeugend. Die Kamera bewegt sich ebenso hyperaktiv wie Steve Jobs, der als verkorkster Charakter dargestellt und von Michael Fassbender eindrucksvoll verkörpert wird.

Am 24. Oktober 2011 veröffentlichte der Verlag Simon & Schuster in New York die von Walter Isaacson (* 1952) geschriebene und von Steve Jobs kurz vor seinem Tod am 5. Oktober 2011 autorisierte Biografie „Steve Jobs“. 2004 hatte Steve Jobs bereits Kontakt mit Walter Isaacson aufgenommen, aber der Schriftsteller war zunächst nicht daran interessiert, eine Biografie des damals 49-jährigen Apple-Gründers zu schreiben, weil er davon ausging, dass dessen Karriere noch lange nicht abschließend erzählt werden könne. Nach einem weiteren Telefongespräch Ende 2009 führte Walter Isaacson dann doch ein ungefähr 40-teiliges Interview mit Steve Jobs und sprach mit zahlreichen Weggefährten des visionären Unternehmers.

Schon im Oktober 2011 erwarb Sony Pictures die Filmrechte an Walter Isaacsons Biografie „Steve Jobs“. Aaron Sorkin, der auch für das Script von „The Social Network“ (2010; Regie: David Fincher) über Mark Zuckerberg und Facebook verantwortlich ist, schrieb nach der Vorlage von Walter Isaacson ein Drehbuch. Das war Anfang 2014 fertig. David Fincher sollte den Film drehen. Weil er sich jedoch nicht mit der Filmgesellschaft über die Konditionen einigen konnte, führte schließlich Danny Boyle Regie. Als Hauptdarsteller wurden zunächst Christian Bale und Leonardo DiCaprio gehandelt, bis die Wahl auf Michael Fassbender fiel. Im November 2014 übernahm Universal Pictures das Filmproject von Sony. Die Dreharbeiten für „Steve Jobs“ fanden vom 16. Januar bis 10. April 2015 in Kalifornien statt.

Walter Isaacsons Buch „Steve Jobs“ beginnt mit „Kindheit: Verlassen und auserwählt“ und endet mit „Vermächtnis: The Brightest Heaven of Invention“. Aaron Sorkin und Danny Boyle greifen nur drei Situationen heraus. Sie erzählen nicht Steve Jobs‘ Lebensgeschichte, sondern porträtieren ihn bei drei Produktpräsentationen:

  • Cupertino/Kalifornien, De Anza College, Flint Center, 24. Januar 1984: Macintosh
  • San Francisco War Memorial & Performing Arts Center, Louise M. Davies Symphony Hall, 12. Oktober 1988, NeXT Cube („the introduction to the NeXT generation of computers for education“)
  • Cupertino/Kalifornien, De Anza College, Flint Center, 6. Mai 1998: iMac

Alwin H. Küchler betont die Gliederung in drei Akte, indem er unterschiedliche Techniken verwendet: (1) 16-Millimeter-Film, (2) 35-Millimeter-Film, (3) hochauflösende Alexa-Digitalkamera von ARRI.

Abgesehen von einer kurzen Szene auf dem Parkplatz vor dem Flint Center in Cupertino und ein paar Rückblenden spielen die drei Akte in geschlossenen Räumen. „Steve Jobs“ ließe sich deshalb ohne weiteres auf eine Theaterbühne bringen, zumal es in dem Stück besonders auf die Dialoge ankommt.

Wir sehen Steve Jobs (Michael Fassbender) nicht auf, sondern hinter der Bühne, jeweils in der Stunde vor seinem Auftritt, in fiktiven Szenen. Der Film von Danny Boyle und Aaron Sorkin dreht sich nicht um die innovativen Produkte von Apple bzw. NeXT, sondern um die Persönlichkeit Steve Jobs. Unterstützt von der Marketing-Chefin Joanna Hoffman (Kate Winslet) gibt er letzte Anweisungen. Er trägt nicht nur Konflikte mit Steve Wozniak (Seth Rogen), Andy Hertzfeld (Michael Stuhlbarg), John Sculley (Jeff Daniels) und anderen Weggefährten aus, sondern streitet auch mit seiner früheren Geliebten Chrisann Brennan (Katherine Waterston) bzw. seiner Tochter Lisa.

1984 in Cupertino ist geplant, dass der Macintosh das Publikum mit einem hörbaren „Hello“ begrüßt. 40 Minuten vor dem Beginn der Präsentation funktioniert das noch immer nicht, und Andy Hertzfeld rät deshalb, darauf zu verzichten. Steve Jobs wirft ihm vor, drei Wochen Zeit gehabt zu haben, obwohl Gott die Welt in nur einer Woche erschaffen habe. Darauf spöttelt Andy Hertzfield, Steve Jobs müsse ihm mal verraten, wie er das gemacht habe (Anspielung auf Steve Jobs‘ späteren Spitznamen iGod). Obwohl der autoritäre Firmenchef droht, Andy Hertzfeld auf der Bühne anzuprangern, ist der Macintosh nicht rechtzeitig in der Lage, „hello“ zu sagen. Steve Jobs lässt das „Hello“ des neuen PC deshalb zu Beginn der Präsentation von einer anderen Quelle einspielen, also vortäuschen.

Nachdem Steve Jobs 1985 vom CEO John Sculley verdrängt wurde und das Konkurrenzunternehmen NeXT gründete, stellt er 1988 in San Francisco einen neuen würfelförmigen PC vor, an dessen Design er akribisch gefeilt hat. Einem Journalisten vertraut Steve Jobs off the records an, dass das Operating System für den neuen Computer noch gar nicht fertig sei.

Bei Apple setzt John Sculley auf PDAs (Personal Digital Assistant) mit dem Betriebssystem Newton. Aber der Marktanteil des Unternehmens sinkt von 30 auf 3 Prozent – und dieser Niedergang kostet John Sculley den Job. Als Retter in der Not wird Steve Jobs zurückgeholt. Und der leitet 1998 mit dem iMac eine neue Ära mit beispiellosen Innovationen und Erfolgen ein. „Think Different“, lautet sein Credo.

Steve Wozniak beschwert sich darüber, Ringo statt John sein zu müssen [The Beatles]. Er kann nicht verstehen, dass Steve Jobs als Genie gefeiert wird, obwohl der Firmenchef im Unterschied zu ihm oder Andy Hertzfeld nie etwas selbst erfunden, entwickelt, konstruiert oder programmiert hat. Steve Jobs vergleicht daraufhin die Entwickler mit Musikern und erklärt ihm, er selbst spiele kein Instrument, sondern das Orchester.

Andy Hertzfeld, der von 1979 bis 1984 für Apple arbeitete und mit dem von ihm geführten Apple-II-Team entscheidend zur Entwicklung der grafischen Benutzeroberfläche beitrug, drängt Steve Jobs immer wieder, das Team endlich bei einer Präsentation öffentlich zu würdigen. Aber der ebenso selbstgerechte wie gegenüber seinen Mitarbeitern unfaire Egomane lehnt es kategorisch ab.

John Sculley fragt ihn einmal, ob er sich verstoßen fühle, weil ihn seine Eltern zur Adoption freigaben oder auserwählt, weil ihn die Adoptiveltern aufnahmen. Steve Jobs antwortet, weder das eine noch das andere; traumatisiert habe ihn die Erkenntnis, dass er den Vorgängen machtlos ausgesetzt war. Das erklärt seine Angst vor einem Kontrollverlust.

Vor der Präsentation des Macintosh in Cupertino wird Steve Jobs von Chrisann Brennan aufgefordert, endlich die Vaterschaft für die Tochter Lisa (Makenzie Moss) anzuerkennen. Aber er weist darauf hin, dass der durchgeführte DNA-Vergleich keine absolut sicheren Ergebnisse liefere. Chrisann Brennan klagt, sie sei auf Sozialhilfe angewiesen, während sein Vermögen auf 400 Millionen Dollar geschätzt werde. Erst als das fünfjährige Kind ohne Anleitung mit dem Programm MacPaint ein paar Striche auf den Bildschirm eines Macintosh malt, beginnt er sich für Lisa zu erwärmen und verspricht Chrisann Brennan, zukünftig mehr als die gerichtlich angeordneten 380 Dollar pro Monat zu zahlen.

Vor der NeXT-Präsentation in San Francisco taucht Chrisann Brennan erneut mit ihrer Tochter hinter der Bühne auf. Lisa (Ripley Sobo) argwöhnt, dass sie nach dem 1983/84 von Apple angebotenen PC benannt wurde, aber Steve Jobs versichert ihr, die Namensgleichheit sei reiner Zufall, bei der Computer-Bezeichnung handele es sich um eine Abkürzung von „Local Integrated System Architecture“.

Vor der iMac-Präsentation in Cupertino kommt die inzwischen 19-jährige Lisa (Perla Haney-Jardine) allein und wirft ihrem Vater vor, ihre Mutter schäbig zu behandeln. Wenn Andy Hertzfeld nicht für die Gebühren aufgekommen wäre, hätte sie nicht mit ihrem Studium in Harvard anfangen können.

Steve Jobs rechtfertigt sich damit, dass er Chrisann Brennan ein Haus übereignet habe. Er sei nicht dafür verantwortlich, dass sie es verkaufte und den Erlös anderweitig verwendete. Er verspricht zwar, Andy Hertzfeld die Auslagen zu ersetzen und die Studiengebühren nun zu übernehmen, aber Lisa rennt aufgebracht aus dem Gebäude. Obwohl das Publikum bereits klatscht und Steve Jobs auf der Bühne erwartet, folgt er ihr zum Parkplatz. Er gibt zu, dass der PC Lisa nach ihr benannt wurde und kündigt an, dass er ihr bald 500 bis 1000 Songs in die Tasche stecken werde, weil er ihren unförmigen Walkman nicht mehr länger anschauen könne. Zur Entschuldigung seines Verhaltens sagt er: „Ich war falsch programmiert.“ Lisa versöhnt sich mit ihm und begleitet ihn auf dem Weg zur Bühne. Aus den Kulissen schaut sie zu, wie ihr Vater das Publikum begrüßt.

Steve Jobs ist gedanklich ständig unterwegs. Ebenso hyperaktiv fährt, schwenkt und zoomt die Kamera, und hektische Schnittfolgen verstärken die Dynamik.

Michael Fassbender spielt diesen verkorksten Charakter, verkörpert ihn in seiner Hybris und Arroganz, seiner Einsamkeit, seinem miesen Verhalten gegenüber Lisa und Chrisann Brennan und seiner Läuterung durch Lisa. Die Rolle in „Steve Jobs“ brachte Michael Fassbender eine „Oscar“-Nominierung in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ ein. Überzeugend sind auch die schauspielerischen Leistungen der Nebendarsteller, allen voran Kate Winslet, die dafür ebenfalls eine „Oscar“-Nominierung bekam.

Den im Film zu sehenden Cover des Time Magazine gab es tatsächlich, allerdings ein Jahr früher als dargestellt, am 3. Januar 1983: „Machine of the Year – The Computer Moves In“.

Deutsche Synchronstimmen in „Steve Jobs“ (Buch: Klaus Bickert, Regie: Axel Malzacher): Norman Matt (Steve Jobs), Ulrike Stürzbecher (Joanna Hoffman), Tobias Kluckert (Steve Wozniak), Axel Malzacher (Andy Hertzfeld), Wolfgang Condrus (John Sculley), Yvonne Greitzke (Chrisann Brennan) u.a.

Vor Danny Boyle hatte bereits Joshua Michael Stern einen Film über Steve Jobs gedreht, und zwar mit Ashton Kutcher in der Titelrolle. „Jobs“ schaffte es allerdings nicht in die deutschen Kinos; eine deutschsprachige Fassung gibt es nur auf DVD bzw. Blu-ray.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

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