Charles de Gaulle


Charles de Gaulle wurde am 22. November 1890 als Sohn eines Gymnasiallehrers in Lille geboren. Im Alter von einundzwanzig Jahren trat der Absolvent der berühmten Offiziersschule St. Cyr als Infanterieoffizier in die französische Armee ein. Im Ersten Weltkrieg wurde er verwundet und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. In den Zwanzigerjahren hielt er sich einige Zeit als Offizier in Polen und im Deutschen Reich auf. Von 1932 bis 1936 war er Generalsekretär des Nationalen Verteidigungsrats. Am 19. Mai 1940 wurde der Neunundvierzigjährige zum General befördert.

Vier Tage vor der Unterzeichnung des deutsch-französischen Waffenstillstands durch General Charles Huntziger am 22. Juni 1940 in Compiègne rief Charles de Gaulle seine Landsleute über den britischen Rundfunk aus London dazu auf, den Krieg gegen das Deutsche Reich fortzusetzen. Am 25. Juni 1940 gründete er in London das Komitee „Freies Frankreich“. Von der Regierung in Vichy in Abwesenheit zum Tod verurteilt, rief General de Gaulle im Juni 1942 das „Comité Français de Libération Nationale“ ins Leben, das sich zwei Jahre später in Algier zur provisorischen Regierung der französischen Republik proklamierte. Nach der Ausschaltung seiner Rivalen betrachtete Charles de Gaulle sich ab Frühjahr 1944 als Oberbefehlshaber und Regierungschef. Am 25. August 1944 marschierte er an der Spitze seiner Truppen feierlich durch den Arc de Triomphe und über die Champs Elysées in Paris ein. Eine konstituierende französische Nationalversammlung bestätigte ihn am 13. November 1945 im Amt des Ministerpräsidenten, von dem er jedoch zwei Monate später aus Protest gegen die Verfassung der 4. Republik zurücktrat. Nach der Wahlniederlage und der Auflösung der von ihm gegründeten Partei „Rassemblement du Peuple Français“ (RPF) zog er sich 1953 aus dem politischen Leben zurück.

Am 1. November 1954 begann der Krieg der algerischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die französische Kolonialmacht (Algerienkrieg). Frankreich bekämpfte die Aufständischen militärisch und mit Terrormaßnahmen. Um die Unabhängigkeit Algeriens zu verhindern, putschten französische Generäle am 13. Mai 1958 in Algier und stürzten die 4. französische Republik (1946 – 1958). Staatspräsident René Coty (1882 – 1962) beauftragte daraufhin am 29. Mai General Charles de Gaulle, erneut eine Regierung zu bilden, und nachdem dieser eine neue Verfassung nach seinen eigenen Vorstellungen durchgesetzt hatte (5. Republik), ließ er sich am 21. Dezember 1958 in das Amt des Staatspräsidenten wählen.

Als de Gaulle immer mehr zu einer Verhandlungslösung neigte und sich seine Algerienpolitik am 8. Januar 1961 durch einen Volksentscheid bestätigen ließ, bildeten nationalistische französische Generäle wie Raoul Salan und rechtsextreme Politiker die „Organisation de l’Armée Secrète“ (OAS), aber sie konnten nicht verhindern,

dass die französische Regierung am 18. März 1962 in Evian am Genfer See ein Waffenstillstandsabkommen mit Vertretern der algerischen Unabhängigkeitsbewegung FLN (Front de Libération Nationale) und der provisorischen Exilregierung der Algerischen Republik (Gouvernement Provisoire de la République Algérienne, GPRA) schloss. Bei einer Volksabstimmung am 8. April sprachen sich mehr als 90 Prozent der französischen Wähler für de Gaulles Vorschlag aus, die Unabhängigkeit Algeriens anzuerkennen. Die OAS kämpfte gegen diese Entwicklung mit einer neuen Anschlagswelle, aber am 3. Juli 1962 erkannte Staatspräsident de Gaulle die Unabhängigkeit Algeriens feierlich an. Sieben Attentate verübte die OAS 1962/63 auf de Gaulle, aber sie scheiterten alle.

Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer hatten sich am 14. September 1958 in Colombey-les-deux-Églises und am 26. November desselben Jahres in Bad Kreuznach erstmals getroffen. Vom 2. bis 6. Juli 1962 hielt Konrad Adenauer sich zu einem Staatsbesuch in Frankreich auf, den Charles de Gaulle vom 4. bis 9. September 1962 erwiderte. Am 19. September 1962 legte die französische Regierung den Entwurf eines deutsch-französischen Abkommens vor, und nachdem sich deutsche und französische Experten auf die endgültige Formulierung geeinigt hatten (17. Dezember), reiste Adenauer am 20. Januar 1963 nach Paris, um zwei Tage später gemeinsam mit de Gaulle den „Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit“ zu unterzeichnen. Die beiden Nachbarstaaten vereinbarten, sich vor jeder bedeutenden Entscheidung gegenseitig zu konsultieren, besonders in auswärtigen Angelegenheiten, im Bereich der Verteidigung sowie in Erziehungs- und Jugendfragen. Der deutsch-französische Vertrag trat am 2. Juli 1963 in Kraft.

Staatspräsident de Gaulle grenzte sich immer wieder gegen die USA ab und trieb die Entwicklung einer französischen Atomstreitmacht voran, um seinen Machtanspruch zu untermauern. Am 21. Februar 1966 forderte er in einer Fernsehansprache die Unterstellung aller ausländischen Militäreinrichtungen unter seinen Oberbefehl, und als die NATO-Partner nicht darauf eingingen, ordnete er am 1. Juli den Abzug der französischen Offiziere aus den integrierten Stäben an.

Die Studentenunruhen im Mai 1968 offenbarten eine Krise des Regimes und stellten für Charles de Gaulle eine ernste Herausforderung dar, aber er konnte sich noch einmal behaupten.

Als er am 27. April 1969 bei einem Referendum keine Mehrheit für seine Politik bekam, trat er noch in der Nacht vom Amt des Staatspräsidenten zurück.

Charles de Gaulle starb am 9. November 1970 – wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag – auf seinem Landsitz in Colombey-les-deux-Églises.

© Dieter Wunderlich 2004

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