Die beiden Freundinnen

Die beiden Freundinnen

Die beiden Freundinnen

Originaltitel: Die beiden Freundinnen – Regie: Axel Corti – Drehbuch: Knut Boeser, nach dem Bericht "Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord" von Alfred Döblin – Kamera: Gernot Roll – Schnitt: Inga Sauer – Darsteller: Ulrike Bliefert, Erika Skrotzki, Stefan Wigger, Brigitte Mira, Ursula Diestel, Dietrich Lehmann, Heinz Rabe, Susanne Wisten u.a. – 1978; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Gleich nach dem Ersten Weltkrieg lernt die lebenslustige Elli in Berlin den schüchternen, bodenständigen Tischler Karl kennen. Sie werden ein Paar. Elli liebt Karl und küsst ihn ungestüm, aber sie ist nicht in der Lage, sich ihm hinzugeben. Ein halbes Jahr nach der Hochzeit vergewaltigt Karl sie. Immer häufiger kommt es zum Streit, und Karl beginnt seine Frau zu schlagen. Die ersehnte Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit findet Elli erst bei ihrer neuen Freundin Grete ...
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Kritik

Axel Corti verfilmte einen Bericht, den Alfred Döblin 1924 unter dem Titel "Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord" veröffentlicht hatte. Es ist ein ergreifendes Psychogramm über das Scheitern einer Ehe zwischen einem bodenständigen Tischler und einer lebenslustigen Frau.
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Gleich nach dem Ersten Weltkrieg verlässt Elli (Ulrike Bliefert) ihr Elternhaus auf dem Land und fährt nach Berlin, um sich eine Arbeitsstelle zu besorgen. Obwohl sie im Zug von Mitreisenden vor dem Großstadtleben gewarnt wird, bleibt sie zuversichtlich, und tatsächlich stellt ein Friseur sie als Aushilfe in seinem Salon ein.

Bei einem Tanzabend spricht Elli den schüchternen Tischler Karl Link (Stefan Wigger) an. Sie werden ein Paar. Nach der Hochzeit zieht Elli zu ihrem Mann und dessen Mutter (Brigitte Mira). Während Karl tagsüber arbeitet und abends Veranstaltungen der kommunistischen Partei besucht, wird Elli von ihrer Schwiegermutter tyrannisiert. Am Wochenende will Karl mit seiner Ehefrau mehr als Küsse austauschen, aber sie bittet ihn immer wieder um Geduld – bis er sie nach einem halben Jahr vergewaltigt.

Einige Monate später hält Elli es nicht mehr aus und kehrt zu ihren Eltern (Heinz Rabe, Susanne Wisten) zurück. Ihr Vater kann jedoch nicht verstehen, dass sie sich von dem fleißigen, rechtschaffenen Tischler trennen will. So schlimm könne Karl gar nicht sein, meint er, sonst würde ihn die kommunistische Partei nicht in ihren Reihen dulden. Er überredet Elli, wieder nach Berlin zu fahren.

In der Nacht nach dem Wiedersehen gibt Elli sich Karl hin. Der verschläft am anderen Morgen und wird von seiner Mutter geweckt. Kaum sei Elli wieder zurück, fange der Ärger auch schon wieder an, schimpft Karl und wirft ihr vor, dass sie im Bett auch nichts tauge.

Schließlich zieht das Ehepaar in eine eigene Wohnung. Aber die Hoffnung auf einen Neuanfang erfüllt sich nicht.

Eines Tages nimmt Karl seine Frau mit zu einer Verabredung mit einem Bekannten und dessen Frau: Willi und Grete Bende (Dietrich Lehmann, Erika Skrotzki). So lernen Elli und Grete sich kennen. Während die beiden Männer über Bettler und Homosexuelle herziehen, wird Elli von Grete zum Kaffee eingeladen.

Bald besucht Elli Grete und deren Mutter (Ursula Diestel) häufiger. Willi ist selten zu Hause, denn er hat eine Geliebte. Die beiden jungen Frauen werden enge Freundinnen.

Als Karl Ellis Kanarienvogel tötet, weil ihm das „Gepiepe“ auf die Nerven ging, kommt es zu einem heftigen Streit, und Karl verprügelt seine Frau. Daraufhin mietet Elli ein Zimmer in der Wohnung von Frau Hintze und beauftragt einen Rechtsanwalt mit der Ehescheidung. Karl wendet sich an seine Schwiegereltern und erreicht, dass Ellis Vater nach Berlin reist und seine Tochter dazu bringt, den Scheidungsantrag zurückzuziehen und zu ihrem Mann zurückzukehren.

Einige Zeit später findet Karl einen Liebesbrief von Grete an Elli. Erneut schlägt er seine Frau. Danach versucht er, sich zu erhängen, aber Elli schneidet noch rechtzeitig den Strick durch.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Elli und Grete, die inzwischen auch miteinander schlafen, beschließen, ihre Männer umzubringen, um sich von ihnen zu befreien. Mit Wissen von Grete und deren Mutter besorgt Elli sich 15 Gramm Arsen und mischt Karl mehrmals etwas davon ins Essen. Grete will mit der Ermordung Willis noch warten, weil ein gleichzeitiger Tod beider Ehemänner zu auffällig wäre. Karl wird krank und bettlägerig. Schließlich lässt Elli ihn ins Krankenhaus bringen. Sie jubelt, als er tot ist.

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Ein Mordfall in Berlin sorgte 1922/23 für Schlagzeilen: Um sich von ihrem gewalttätigen Ehemann zu befreien und mit ihrer lesbischen Freundin zusammenleben zu können, vergiftete eine junge Frau ihren Mann mit Arsen. Ein Jahr lang dauerten die Ermittlungen in dem Mordfall. Am 16. März 1923 wurden die Urteile verkündet: vier Jahre Gefängnis für Elli Klein, eineinhalb Jahre Zuchthaus für Grete Nebbe (so die richtigen Namen), Freispruch für Gretes Mutter.

Alfred Döblin verfolgte den Prozess und verfasste dann einen „Bericht“, der 1924 in Berlin unter dem Titel „Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord“ veröffentlicht wurde. (Neuere Ausgabe, mit einem Nachwort von Jochen Meyer: Artemis und Winkler, Düsseldorf 2007, 120 Seiten, ISBN: 978-3-538-06331-0; gekürzte Hörbuch-Fassung, gelesen von Dieter Mann, Regie: Karin Lorenz, Patmos Verlag, Düsseldorf 2002) Alfred Döblin arbeitete in seiner lakonischen Darstellung der Vorgeschichte, der Tat und des Gerichtsverfahrens die erschreckende Zwangsläufigkeit der Ereignisse heraus und zeigte, wie fragil die Grenze zwischen einer berechtigten Auflehnung gegen gewaltsame Unterdrückung und einem abscheulichen Verbrechen ist.

1978 verfilmte Axel Corti den Bericht von Alfred Döblin unter dem Titel „Die beiden Freundinnen. Ein Plädoyer“. Es ist ein ergreifendes Psychogramm über das Scheitern einer Ehe zwischen einem bodenständigen Tischler und einer lebenslustigen Aushilfe in einem Friseursalon, die erst in der lesbischen Beziehung mit einer anderen verheirateten Frau die ersehnte Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit findet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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Jan Graf Potocki - Die Handschrift von Saragossa
Jan Graf Potocki kommt es darauf an, im Geist der Aufklärung zu zeigen, dass es keine überirdischen Erscheinungen gibt und auch die so genannten Offenbarungsreligionen nicht auf göttliche Eingebungen, sondern auf ältere Traditionen zurückzuführen sind.
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