Eine unbequeme Wahrheit

Eine unbequeme Wahrheit

Eine unbequeme Wahrheit

Eine unbequeme Wahrheit – Originaltitel: An Inconvenient Truth – Regie: Davis Guggenheim – Kamera: Davis Guggenheim, Bob Richman – Schnitt: Jay Cassidy, Dan Swietlik – Musik: Michael Brook – Darsteller: Al Gore – 2006; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Al Gore versucht, mit einer Multimedia-Präsentation möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass eine Klimakatastrophe droht und es unsere moralische Verpflichtung ist, sie abzuwenden. Mit Videos und dynamischen Diagrammen veranschaulicht er seine Ausführungen über die Wirkung der Treibhausgase, die globale Erwärmung, das Abschmelzen der polaren Eiskappen und die dadurch verursachten Klimaveränderungen.
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Kritik

"Eine unbequeme Wahrheit" ist ein Mitschnitt aus einer Multimedia-Präsentation, mit der Al Gore um die Welt reiste. Es handelt sich um einen eindringlichen Appell.

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Wenn man einen Globus mit einer Lackschicht überziehe, erklärt Al Gore, entspreche das dem Verhältnis von Erde und Atmosphäre. Vom All aus ist deutlich zu sehen, wie dünn die Erdatmosphäre ist. Wenn jemand glaubt, wir könnten die Atmosphäre nicht verändern und auf die Größe der Erde hinweist, verhält er sich wie jemand, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht glauben wollte, dass es eine Plattentektonik gibt, weil die Kontinente so groß sind.

Seit beginn der Aufzeichnungen (1957) steigt der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre. Dadurch verändert sich die Wärmebilanz: Das Treibhausgas hält einen zunehmenden Teil der Infrarotstrahlung zurück, mit der die Erde Wärme abgibt. Bohrungen in der Arktis zeigen, dass der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre in den letzten 650 000 Jahren um einen Mittelwert schwankte, seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts jedoch explosionsartig in die Höhe schießt.

Al Gore zeigt auf Fotos, die das dramatische Abschmelzen bestimmter Gletscher in den letzten Jahrzehnten dokumentieren. Messungen der amerikanischen Marine ergaben, dass die Eisdecke in der Arktis seit 1970 um vierzig Prozent dünner wurde. Immer häufiger findet man ertrunkene Eisbären. Die Sonnenstrahlung wird von der Polkappe weitgehend reflektiert; verkleinert sich die Eisfläche, nimmt dieser Spiegelungseffekt ab, und die Wärme wird vom Meerwasser aufgenommen.

Die Erwärmung der Meere gehe mit häufigeren und heftigeren Unwettern einher, behauptet Al Gore, und führt den Hurrikan „Katrina“ als Beispiel an. Durch die Temperaturveränderungen in den Weltmeeren könnte der Golfstrom versiegen – was dramatische Klimaveränderungen verursachen würde.

In der Antarktis brechen gewaltige Mengen Eis ab, und auch der grönländische Eisschelf schrumpft. Würde die Hälfte des Eises in Grönland und in der Antarktis schmelzen, stiege der Meeresspiegel um sechs Meter. Das geplante Denkmal auf Ground Zero in Manhatten stünde dann unter Wasser; weltweit verlören 100 Millionen Menschen ihre Behausungen.

Als Al Gore geboren wurde, lebten 2 Milliarden Menschen auf der Erde; jetzt sind es 6,6 Milliarden und er kann damit rechnen, die Überschreitung der 9-Milliarden-Marke noch zu erleben. Diese Menchen benötigen Nahrung, sie wollen heizen und immer mehr von ihnen fahren Auto: Die Bevölkerungsexplosion multipliziert sich mit einem zunehmenden Pro-Kopf-Verbrauch an Energie. Am Beispiel Kriegsführung und Atombomben weist Al Gore darauf hin, welche verheerenden Folgen die Kombination von überkommenen Gewohnheiten und neuartigen Technologien haben kann.

Weil die ökologischen Veränderungen während eines Menschenlebens bisher nicht gewaltig waren, reagiert das kollektive Nervensystem der Menschheit nicht darauf. Stattdessen müssen wir uns von der Vernunft leiten lassen.

Jeder Einzelne kann zur Reduzierung der Treibhausgase beitragen.

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Bereits im Studium interessierte Al Gore sich für das Thema Erderwärmung. 1992 veröffentlichte er den Bestseller „Earth in the Balance“ („Wege zum Gleichgewicht“). Seit seiner Niederlage im Wahlkampf um das Amt des US-Präsidenten gegen Brambilla_demolition_man.htm George W. Bush im Jahr 2000 reist Al Gore durch die Welt und versucht, mit einer Multimedia-Präsentation möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass eine Klimakatastrophe droht und es unsere moralische Verpflichtung ist, sie abzuwenden. Mehr als tausend Mal hatte Al Gore diesen Vortrag gehalten, bis die Filmproduzenten Laurie David und Lawrence Bender nach der Premiere des Films „The Day after Tomorrow“ in New York unter seinen Zuhörern saßen und so fasziniert waren, dass sie eine Verfilmung vorschlugen.

„Eine unbequeme Wahrheit“ ist ein Mitschnitt aus der Präsentation von Al Gore. Ein Dokumentarfilm, in dem eineinhalb Stunden lang ein Redner auf einer Bühne zu sehen ist: Da befürchtet man Langeweile – und wird angenehm überrascht. Erst einmal ist die Multimedia-Präsentation mit Videos und dynamischen Diagrammen auf überdimensionalen Bildschirmen perfekt gestaltet. Einmal fährt Al Gore mit einer Hebebühne nach oben, weit über die zu sehende Grafik hinaus, um zu zeigen, wie die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre innerhalb der nächsten Jahrzehnte zunähme, wenn wir es nicht verhindern würden. Ein paar Einlagen entsprechen eher der amerikanischen Vorliebe für Gimmicks, aber davon abgesehen handelt es sich um eine vorbildliche Präsentation. Zur Auflockerung haben die Filmemacher ein paar andere Szenen eingestreut: Nachdem Al Gores Schwester an Lungenkrebs starb, beendet sein Vater den Tabakanbau; Al Gore sorgt sich um seinen bei einem Verkehrsunfall schwer verletzten Sohn; Präsidentschaftswahl 2000 und immer wieder: Al Gore im Auto bzw. im Flugzeug.

Al Gore inszeniert sich sowohl in seinem „Dia-Vortrag“, wie er es nennt, als auch in „Eine unbequeme Wahrheit“ selbst. Kritiker werfen ihm deshalb Eitelkeit vor und mutmaßen, er kompensiere damit die traumatische Niederlage gegen George W. Bush. Das mag sein, doch ohne Zweifel geht es Al Gore um ein ernstes Anliegen, und das trägt er auf packende Weise vor. Auch wenn einzelne Argumente strittig sind und wir bei einzelnen Diagrammen nicht erfahren, welche Werte da eigentlich gezeigt werden, handelt es sich bei „Eine unbequeme Wahrheit“ um einen eindringlichen Appell.

In den Kategorien „bester Dokumentarfilm“ und „bester Filmsong“ (Melissa Etheridge: „I need to wake up“) gab es für „Eine unbequeme Wahrheit“ je einen „Oscar“.

Um noch mehr Menschen aufzurütteln, initiierte Al Gore ein globales 24-Stunden-Konzert – „Live Earth“ –, das am 7. und 8. Juli 2007 stattfand und in aller Welt im Fernsehen übertragen wurde. Es begann in Sydney und setzte sich dann in Tokio, Istanbul, Johannesburg, Hamburg, London, Rio de Janeiro und New York fort.

Für die Erfolge bei der weltweiten Aufmerksamkeitssteigerung für die Gefahren der Klimaveränderung wurde Al Gore und dem Klimarat der Vereinten Nationen (International Panel on Climate Change, IPCC) der Friedensnobelpreis für das Jahr 2007 verliehen.

Literaturhinweise:

  • Al Gore: Wege zum Gleichgewicht. Ein Marshallplan für die Erde (Earth in the Balance; Übersetzung: Frank Hörmann und Walter Brumm, Frankfurt/M 1992, 383 Seiten, ISBN: 3-10-027200-5)
  • Bill Clinton und Al Gore: Weil es um die Menschen geht. Politik für ein neues Amerika (Putting People First; Übersetzung. Armin Gontermann, Düsseldorf / Wien 1993, 291 Seiten, ISBN: 3-612-26077-4)
  • Al Gore: Eine unbequeme Wahrheit. Die drohende Klimakatastrophe und was wir dagegen tun können (An Unconvenient Truth; Übersetzung: Richard Barth und Thomas Pfeiffer, München 2006, 325 Seiten, ISBN: 978-3-570-50078-1)
  • Al Gore: Angriff auf die Vernunft (The Assault on Reason; Übersetzung: Friedrich Pflüger und Enrico Heinemann, München 2007, 383 Seiten)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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