Männer, die auf Ziegen starren

Männer, die auf Ziegen starren

Männer, die auf Ziegen starren

Männer, die auf Ziegen starren – Originaltitel: The Men Who Stare at Goats – Regie: Grant Heslov – Drehbuch: Peter Straughan, nach dem Buch "Männer, die auf Ziegen starren" von Jon Ronson – Kamera: Robert Elswit – Schnitt: Tatiana S. Riegel – Musik: Rolfe Kent – Darsteller: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick, Waleed Zuaiter, Stephen Root u.a. – 2009; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Als ihn seine Ehefrau verlässt, will der Journalist Bob Wilton als Kriegsreporter in den Irak und fliegt nach Kuwait. Dort sitzt er wochenlang fest, bis ihn der angebliche Geschäftsmann Lyn Cassady im Auto mit über die Grenze nimmt. Lyn gehörte früher einer Spezialeinheit der US Army an, die esoterische und parapsychologische Kampfmethoden entwickelte. Er demonstriert Bob, wie er durch bloßes Anstarren eine Wolke sprengt, übersieht dabei jedoch einen Felsen und fährt den Wagen zu Schrott ...
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Kritik

"Männer, die auf Ziegen starren", die Verfilmung eines Sachbuchs von Jon Ronson durch Grant Heslov, ist für eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Thema zu oberflächlich und andererseits zu wenig witzig, um als Satire auf das US-Militär zu funktionieren.
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Bob Wilton (Ewan McGregor), der als Journalist bei einer kleinen Zeitung in Ann Arbor/Michigan arbeitet, interviewt im Herbst 2002 einen etwa 50 Jahre alten Mann namens Gus Lacey (Stephen Root), der noch bei seiner Mutter (Elsa Villafane) wohnt und behauptet, er könne durch Gedankenkraft überall hinreisen und Wände durchdringen. Das habe er beim Militär gelernt. Gerade habe er das Ungeheuer im Loch Ness beobachtet und festgestellt, dass es sich um den Geist eines Dinosauriers handelt. Seinen Hamster will Lacey allein durch Anstarren getötet haben. Der Reporter hält ihn für einen Spinner.

Im Jahr darauf wird Bob von seiner Ehefrau Debora (Rebecca Mader) verlassen. Sie vertauscht ihn mit dem Chefredakteur. Um ihr zu beweisen, dass er ein ganzer Kerl ist, will Bob als Kriegsreporter in den Irak und fliegt nach Kuwait. Als er dort bereits vier Wochen vergeblich auf eine Einreisegenehmigung gewartet hat, kommt er in der Hotelhalle mit einem angeblichen Geschäftsmann ins Gespräch, der sich Lyn Cassady (George Clooney) nennt. Diesen Namen hörte Bob bereits von Gus Lacey. Deshalb weiß er, dass sein Gegenüber früher bei einer in den Siebzigerjahren gegründeten New-Age-Einheit der US Army war, die parapsychologische Kampftechniken entwickelte. Endlich eine Story! Lyn Cassady lehnt zwar das erbetene Interview ab, aber als er am nächsten Tag aufbricht, um in den Irak zu fahren, drängt Bob sich ihm als Begleiter auf.

Obwohl Lyn der New-Age-Einheit nicht mehr angehört, fühlt er sich noch immer als „Jedi“. So bezeichneten sich die Mitglieder dieser Elitetruppe, die über besondere Fähigkeiten verfügten. Er erzählt seinem Begleiter vom Gründer der Spezialeinheit:

Bill Django (Jeff Bridges) stürzte während eines Einsatzes im Vietnam-Krieg aus einem Hubschrauber, verletzte sich aber nicht ernsthaft. Als er anschließend eine Nordvietnamesin (MinhTu Van) entdeckte, befahl er seinen Männern, zu schießen, aber sie zielten alle absichtlich zu hoch. Dann blieb die Vietcong plötzlich stehen, richtete ihr Gewehr auf Bill und traf ihn in die Brust.

Als Bill im Lazarett zu sich kam, erinnerte er sich an die Nahtoderfahrung und begann darüber nachzudenken, wie man bei der Kriegsführung Schuss- und Vernichtungswaffen durch parapsychologische Mittel ersetzen könnte. Sobald er genesen war, besuchte er Hippie-Kommunen, sammelte Erfahrung mit LSD und beschäftigte sich mit Fernwahrnehmung, Hellsehen und telepathischer Gedankenbeeinflussung.

Bei der Armee sammelte er einen Kreis Gleichgesinnter um sich. Dadurch wurde der Brigadegeneral Dean Hopgood (Stephen Lang) 1983 in Fort Bragg/North Carolina auf ihn aufmerksam. Begeistert ernannte Hopgood, der als Science-Fiction-Autor gescheitert war, den Hippie-Offizier mit dem Zopf zum Kommandanten einer neuen Einheit, deren Aufgabe es war, parapsychologische Kampftechniken zu entwickeln und zu trainieren. Dazu gehörte schließlich auch, durch Anstarren Tiere zu töten und Wände zu durchqueren. Um zu demonstrieren, welche Schmerzen sich durch Willenskraft ertragen lassen, ließ sich der Vietnam-Kriegsveteran Ben Echmeyer (Morse Bicknell) während des Trainings einen Sandsack an die Hoden hängen.

General Hopgood war fest von der Wirksamkeit der neuartigen Methoden überzeugt. Als Jedi glaubte er, eine Mauer könne ihn nicht aufhalten, aber als er mit Anlauf gegen die Bürowand rannte, prallte er davon ab und stürzte zu Boden.

Lyn erhielt einmal die Aufgabe, eine Ziege durch Anstarren zu töten. Dass das möglich wäre, glaubte er selbst nicht, und als die Ziege plötzlich tot umfiel, war er schockiert.

Schließlich kam der Rekrut Larry Hooper (Kevin Spacey) zur New-Age-Einheit. Er mischte dem Kameraden Norm Pendlleton (Arron Shiver) heimlich Drogen ins Essen. Im Drogenrausch lief Norm splitternackt auf den Exerzierplatz, und als er merkte, wie er sich lächerlich gemacht hatte, erschoss er sich [Suizid].

Weil Lyns parapsychologische Fähigkeiten die aller Kameraden übertrafen, beneidete Larry ihn und sorgte durch eine Intrige dafür, dass Lyn unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde.

Während der Fahrt vertraut Lyn, der den Wagen lenkt, seinem Begleiter an, dass er die Geschäftstätigkeit nur zur Tarnung ausübe. In Wirklichkeit sei er aus dem Ruhestand geholt worden und habe im Irak eine geheime Mission zu erfüllen. Dann demonstriert er Bob seine Gedankenkräfte, indem er eine Wolke durch Anstarren zersprengt, während sie eine Wüste durchqueren. Dabei übersieht er allerdings den weit und breit einzigen Felsbrocken und fährt das Auto zu Schrott. Zum Glück bleiben Lyn und Bob unverletzt, und nach kurzer Zeit nähert sich ein Pick-up. Sie halten ihn an, bitten die drei Iraker (Hrach Titizian, Shafik N. Bahou, Christopher Maher) darum, mitgenommen zu werden und freuen sich, auf die Ladefläche klettern zu dürfen. Aber die Männer sind keine Wohltäter, sondern sie entführen die beiden Amerikaner in der Absicht, sie als Geiseln an Aufständische zu verkaufen.

Bei der geplanten Übergabe gelingt Bob, Lyn und einer weiteren Geisel namens Mahmud Daash (Waleed Zuaiter) die Flucht. Der Manager einer amerikanischen Sicherheitsfirma nimmt sie mit. An einer Tankstelle passieren die beiden im Konvoi fahrenden Geländewagen eine lange Warteschlange. Dann verschaffen sich die Männer des Sicherheitsunternehmens gewaltsam Zugang zur Zapfsäule. Während sie noch eines der Autos betanken, geraten sie in eine Schießerei mit Angehörigen einer konkurrierenden Sicherheitsfirma. Bob, Lyn und Mahmud laufen davon und retten sich in das Haus des Irakers.

Der leiht den beiden Amerikanern sogar sein Auto. Aber Lyn und Bob geraten damit in eine Sprengstofffalle mitten in der Wüste. Leicht verletzt schleppen sie sich zu Fuß weiter. Sie sind fast verdurstet, als eine Ziege an ihnen vorbeiläuft. Die beiden Männer folgen ihr und finden auf diese Weise eine Wasserstelle. Kurz darauf werden sie von einem amerikanischen Militärhubschrauber entdeckt und geborgen. Man bringt sie ins Lazarett einer US-Militärbasis.

Obwohl sie beide noch am Tropf hängen und Krankenhaus-Nachthemden tragen, schauen sich Lyn und Bob auf dem Gelände um. Dabei stoßen sie auf Larry Hooper. Er ist hier der Kommandant und entwickelt neue psychologische Foltermethoden. Beispielsweise werden gefangene Iraker in ihrer Einzelzelle mit Musikbeschallung und stroboskopischer Beleuchtung zermürbt. Auch Bill Django ist hier. Er unterstützt seinen früheren Rivalen bei Experimenten mit Ziegen.

Entsetzt über die Mutation der New-Age-Armee zu einer Kriegsgefangene folternden Militäreinheit, beschließt Lyn zu sterben.

Bob und Bill mischen eines Morgens heimlich LSD ins Rührei und ins Trinkwasser. Nach dem Frühstück bricht deshalb ein Chaos aus. Bob und Lyn, der nun doch weiterleben will, nutzen das Durcheinander, um sowohl die Kriegsgefangenen als auch die Ziegen zu befreien. Larry stellt sich ihnen mit einer Pistole in der Hand in den Weg, richtet die Waffe dann gegen sich selbst, aber statt abzudrücken, sucht er sich etwas zu essen, weil er plötzlich Hunger bekommen hat.

Lyn und Bill klettern in einen Hubschrauber. Bob lassen sie zurück und beauftragen ihn, über alles zu berichten. Sie werden nie wieder gesehen. Es heißt, der Hubschrauber sei abgestürzt.

Bob kehrt nach Ann Arbor zurück und schreibt eine Enthüllungsstory über die New-Age-Armee und ihre Umfunktionierung zur Entwicklung von Foltermethoden. Aber niemand wagt es, den Artikel zu veröffentlichen.

Da beschließt Bob, Bill Djangos und Lyn Cassadys Bemühungen fortzusetzen. Er nimmt Anlauf und rennt durch die Wand des Büros.

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Der britische Journalist Jon Ronson (* 1967) behauptet in seinem 2004 veröffentlichten Sachbuch „The Men Who Stare at Goats“, in der US Army habe es ein sogenanntes First Earth Battalion gegeben, eine Spezialeinheit, in der esoterische und parapsychologische Experimente durchgeführt wurden. Initiator soll Oberstleutnant Jim Channon gewesen sein, ein Veteran des Vietnam-Kriegs. Wenn wir Jon Ronson glauben, schrieb Jim Channon 1979 ein Handbuch für die Männer des Bataillons, die sich als Kriegsmönche fühlten und wie die Hippies an „Rainbow Power“ glaubten. Statt Schuss- und Vernichtungswaffen wollten sie den Feind mit geistigen Kräften des New Age zum Frieden zwingen.

Jon Ronsons Darstellung lässt sich nicht überprüfen. Sicher ist wohl nur, dass US-Militärs Methoden der Bewusstseinsveränderung (Gehirnwäsche) ausprobierten und psychologische Foltermethoden wie zum Beispiel die Beschallung mit Musik anwandten.

In Deutschland kam das Buch zunächst mit dem Titel „Durch die Wand. Die US-Armee, absurde Experimente und der Krieg gegen den Terror“ (Übersetzung: Martin Jaeggi, Salis Verlag, Zürich 2008, 239 Seiten, ISBN 978-3-905801-16-3) auf den Markt. Seit der Verfilmung trägt es den Titel: „Männer, die auf Ziegen starren. Die US-Armee, absurde Experimente und der Krieg gegen den Terror“.

Für das Drehbuch wählte Peter Straughan eine Reihe skurriler Episoden aus der Vorlage von Jon Ronson und bettete diese in einen Plot ein, den er sich selbst ausdachte. In der Figur des von Jeff Bridges gespielten Offiziers Bill Django erkennen wir Jim Channon wieder.

„Männer, die auf Ziegen starren“ ist allerdings für eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Thema zu oberflächlich und andererseits zu wenig witzig, um als Satire auf das US-Militär zu funktionieren. Immerhin gelingt es George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey und Stephen Lang, aus den Figuren mehr als bloße Karikaturen zu machen.

Grant Heslov (Regie) und Peter Straughan (Drehbuch) erzählen die Geschichte aus der Perspektive des Journalisten Bob Wilton, der zusammen mit dem Geheimagenten Lyn Cassady in den Irak reist. Wie die New-Age-Einheit von Bill Django und Dean Hopgood gegründet wurde, erfahren wir in eingestreuten Rückblenden, die Lyn Cassadys Berichte darüber veranschaulichen.

Der Begriff „Jedi“ stammt übrigens aus „Star Wars. Krieg der Sterne“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

Liz Jensen - Die da kommen
Dass "Die da kommen" als Thriller verkauft wird, ist irreführend. Wer am Ende eine Auflösung, eine überraschende Erklärung der geschilderten Ereignisse erwartet, wird das Buch enttäuscht zuklappen.
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