Marion Rosenkranz : Das Mädchen mit den Zauberhänden

Das Mädchen mit den Zauberhänden

Marion Rosenkranz

Das Mädchen mit den Zauberhänden

Das Mädchen mit den Zauberhänden Illustrationen: Valeska Peschke Originalausgabe: Literareon im Herbert Utz Verlag, München 2014 ISBN: 978-3-8316-1703-6, 225 Seiten Seiten, 25 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Dass die Eltern mit ihr umziehen, macht Maja zunächst traurig, aber sie lernt, dass sie in Situationen, die sie nicht zu ändern vermag, zumindest ihre Wahrnehmung der Gegebenheiten beeinflussen kann. Mit Hilfe einer sprechende Eule und ihres Großvaters gelingt es Maja, einem Lichtwesen zu begegnen, das ihre Hände in heilende Zauberhände verwandelt. Doch als Maja sich über den garstigen Nachbarjungen ärgert, verlieren sie die Zauberkraft. Maja ist auch gar nicht mehr darauf angewiesen ...
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Kritik

Marion Rosenkranz vermittelt ihre Lehren nicht nur indirekt über die Handlung, sondern auch explizit. Dass sie in "Das Mädchen mit den Zauberhänden" kurze Hauptsätze aneinanderreiht, erleichtert Kindern vermutlich die Lektüre.
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Als Maja von ihrer Mutter erfährt, dass sie in einem halben Jahr in ein 1000 Kilometer entferntes Haus umziehen werden, ist sie traurig, weil sie dann nicht mehr mit ihrer Freundin Lilli zusammen sein kann. Der Gedanke an die geplante Veränderung wirkt auf Maja zunächst wie eine dunkle, gesichtslose Gestalt. In den verbleibenden Monaten lernt sie jedoch mit Hilfe ihrer Mutter, nicht immer nur an den bevorstehenden Verlust zu denken, sondern ihre Gedanken auf die positiven Folgen der Ortsveränderung zu richten. Maja entwickelt sich dadurch zu einer „Gedankenbeherrscherin“.

Großvater Bertold, den Maja „Seebert“ nennt, weil es sich um einen pensionierten Schiffskapitän handelt, wird mit Maja und deren Eltern mitkommen. Aber die Großmutter unternimmt erst einmal eine Forschungsreise in ein fernes Land.

Das Haus, das Majas Eltern gekauft haben, gehörte einer alten, vor einigen Monaten gestorbenen Frau namens Violetta Avir, deren Kinder im Ausland leben. Frau Avirs ehemaliger Butler James übergibt der Familie die Schlüssel.

Maja darf sich ein Zimmer aussuchen und wählt eines im Turm des Hauses. Obwohl es mühevoll ist, tragen die Möbelpacker ihre Sachen ohne Murren über die Wendeltreppe hinauf.

In der ersten Nacht empfindet Maja die fremden Schatten an den Wänden ihres neuen Zimmers als bedrohlich. Deshalb schaltet sie das Licht noch einmal ein. Nachdem sie sich vergewissert hat, dass sich die Schatten bei Licht auflösen, überwindet sie ihre Angst und schläft beruhigt ein.

An einem der nächsten Tage entdeckt sie eine Libelle. Maja findet das Tier eklig, aber als sie sich in einem Gedankenspiel ausmalt, wie sie selbst als Libelle herumschwirren würde, ändert sie ihre Meinung.

Ihre Erlebnisse und Erkenntnisse hält Maja in einem Tagebuch fest, das ihr die Mutter geschenkt hat.

Im Treppenhaus fällt ihr auf, dass der Rahmen eines Ölgemäldes in halber Höhe abgegriffen ist. Neugierig betastet sie ihn – und entdeckt auf diese Weise eine Geheimtüre. Eine zweite Treppe führt zum Dachboden, den Maja „Hut der Zauberin“ nennt. Dort trifft sie auf eine sprechende männliche Eule, die sich als ESIEW vorstellt und behauptet, sie sei vor hundert Jahren in einem fernen Land geboren worden. „Sir“ ESIEW erzählt Maja, wie er aus dem Nest fiel, als er noch nicht fliegen konnte, und von einem Mädchen namens Violetta gerettet wurde. Sie pflegte ihn und ließ ihn frei, aber jeden Tag zur goldenen Stunde kehrte er zu ihr zurück, bis sie vor einigen Monaten an ihrem 111. Geburtstag starb.

Im „Hut der Zauberin“ findet Maja ein Buch mit dem Titel „Das Geheimnis des grünen Sees“. Darin geht es um eine von Lichtwesen bevölkerte Welt, in der es nur das Gute, Harmonie und Schönheit gibt. Den Zugang, so schreibt der Autor, habe allerdings bisher niemand finden können.

Kurz darauf beobachtet Maja, dass sich oben auf dem Bücherschrank etwas bewegt. Sie stellt eine Leiter an das Bücherregal und zieht ein Buch mit dem Titel „Feuerwesen, die wahren Mächte“ heraus. Als sie von der letzten Sprosse abrutscht und im Fallen das Buch in die Luft schleudert, huscht etwas heraus und ist fort, bevor Maja es richtig sehen kann.

Zum Geburtstag bekommt Maja einen Hundewelpen geschenkt, den sie „Luna“ nennt.

In einer Truhe im „Hut der Zauberin“ findet Maja Violettas Tagebücher und darin Hinweise auf die Welt der Lichtwesen. Sie bittet ihren Großvater, ihr bei der Suche nach dem Zugang zu helfen, und er fährt mit ihr und Luna im Beiwagen seines Motorrads zum grünen See. Nachdem sie ein Bootshaus mit der Inschrift „Violetta“ und darin ein Boot entdeckt haben, rudert Seebert sie damit über den See zu einer Höhle, deren Eingang so niedrig ist, dass sie sich bücken müssen. Darin ist alles voller spitzer weißer Zähne. Maja fürchtet sich zunächst, aber der Großvater erklärt ihr, dass es sich um eine Tropfsteinhöhle handele und sie keine Angst zu haben brauche.

Von ESIEW, den sie jeden Tag zur goldenen Stunde im „Hut der Zauberin“ trifft, erfährt Maja, dass sie den Zugang zu den Lichtwesen finden und öffnen kann. Der Mund der Felsenfrau öffnet sich jedoch nur, wenn sie deren grüne Augen wieder einsetzt. Violetta hatte sie herausgenommen, um sie vor den Feuerwesen in Sicherheit zu bringen, die danach trachten, den Zugang zu den Lichtwesen für immer zu verschließen. Maja erhält die beiden grünen Augen von James und legt jedes davon in eine eigene Schatulle. Erneut rudert der Großvater mit ihr zu der Tropfsteinhöhle, in deren Hintergrund sich der Mund der Felsenfrau befindet. Maja klettert auf seine Schultern und setzt das erste Auge ein. Aber als sie die zweite Schatulle öffnet, ist diese leer!

ESIEW weiß, wer das grüne Auge stahl, während Maja das andere einsetzte: Drielex, ein Feuerwesen in Gestalt einer schwarzen Echse. Ursprünglich gehörte Drielex zu den Lichtwesen, aber es hielt sich für das mächtigste Wesen der Welt und schloss sich durch den Größenwahn selbst aus der Gemeinschaft aus. Eines Tages fand Drielex sich vor dem verschlossenen Mund der Steinfrau wieder.

Als Maja und ihr Großvater zu James fahren, sehen sie gerade noch, wie der Butler sich in einen gewaltigen Adler namens Semaj verwandelt. Der Greifvogel fordert Maja auf, sich auf ihn zu setzen und sich in seinem Gefieder festzuhalten. Dann fliegt er los, um Drielex zu jagen. Nachdem sie ihm das gestohlene grüne Auge abgenommen haben, lässt Semaj den Dieb in eine Felsgrube fallen.

Seebert rudert zum dritten Mal mit Maja über den See. Sobald beide Augen der Felsenfrau eingesetzt sind, öffnet sich ihr Mund. Der Großvater bleibt zurück, während Maja mit Luna hindurchgeht. Tatsächlich begegnet sie einem Lichtwesen. Das verwandelt ihre Hände in Zauberhände, die alles, was sie berühren, heil werden lassen – aber nur so lange, wie Majas Gedanken gut und schön bleiben.

Einige Zeit später zieht im Nachbarhaus ein Paar mit einem Jungen ein, der nicht nur eine leere Dose nach Maja wirft, sondern sie auch noch beschimpft. Maja ärgert sich darüber – und verliert dadurch die Zauberkraft ihrer Hände.

Ihre Mutter trifft die neue Nachbarin beim Einkaufen. Sie heißt Christine und ist im siebten Monat schwanger. Der Junge – Léon – ist der Sohn ihres Lebensgefährten. Mit seinem ungebührlichen und streitsüchtigen Betragen macht er ihr Sorgen.

Nach dem Verlust der Zauberhände hofft Maja auf eine Zauberblume, von der es heißt, dass sie ihr wieder die Möglichkeit verschaffe könnte, Gutes zu tun. Sie vertraut ihrer Mutter an, was sie bisher erlebte, und sie fahren zusammen mit Rädern los, um nach der Zauberblume zu suchen. Sie finden diese zwar nicht, aber es ist ein schöner Tag.

Es war ein toller Mama-Tochter-Tag! Maja ist dankbar und glücklich, auch ohne Zauberhände und ohne Zauberblume. Sie weiß, dass sie wie vorher auch ohne Zauberhände und -blume Gutes tun kann. Außerdem hat sie von Ma gelernt, wie sie ein „Gedankenbeherrscher“ sein kann. Es bedeutet: An einer Situation kann sie nichts ändern, aber sie kann ihr Denken über die Situation ändern! Sie kann Möglichkeiten und Chancen erkennen, und sie kann an das denken, was ihr Freude macht und ihr guttut.

Maja nimmt sich vor, furchtlos auf den Nachbarjungen zuzugehen und Verständnis für ihn aufzubringen. Als sie das tut, entdeckt sie an ihm einen Lichtpunkt, der sich vergrößert und zur Blume entfaltet. Damit erfüllt sich ESIEW Prophezeiung: „Wenn du sie gefunden hast, wirst du dich wundern, wo du sie gefunden hast!“

„Ma, ich habe die Zauberblume gefunden! Sie ist nicht da, wo Blumen wachsen. Sie ist in jedem Menschen, denn in jedem, dem ich begegne, kann ich etwas Gutes und Schönes entdecken, auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so aussieht!“

Von da an verbringen Maja und Léon viel Zeit miteinander. Sie bauen sich ein Baumhaus, und der Nachbarjunge gesteht seiner neuen Freundin, warum er so aggressiv war. Seine Mutter ging mit seiner Schwester Sophie und dem Hund Carlos nach einem Streit mit seinem Vater fort. Der Vater ist geschäftlich viel unterwegs, und wenn er zu Hause ist, umsorgt er vor allem seine neue und inzwischen schwangere Lebensgefährtin Christine. Aus Wut darüber warf Léon einen Modellhubschrauber, den der Vater mit ihm zusammen gebastelt hatte, aus dem Fenster.

Durch den Umgang mit Maja überwindet Léon seine Frustration. Er versöhnt sich mit seinem Vater, und gemeinsam reparieren sie den kaputten Modellhubschrauber. Maja erklärt ihrem neuen Freund:

„Jeder Gedanke, der dich traurig macht, ist wie ein kaputtes Teil deines Hubschraubers, was ausgetauscht werden kann gegen ein neues, heiles Teil. Es sieht mühevoll aus, aber wenn du alle ‚kaputten Teile‘ – traurige Gedanken – gegen ’neue Teile‘ – Gedanken, die dich froh machen – getauscht hast, fliegt dein Hubschrauber – fliegst du – über das, was dich traurig macht, hinweg.“

Bald darauf hört Maja auf dem benachbarten Anwesen einen Hund bellen. Léon kommt herüber und berichtet ihr freudestrahlend, seine Mutter sei mit Sophie gekommen und habe ihm Carlos gebracht. Nach dem Streit hatte sie sich in eine Berghütte zurückgezogen. Inzwischen wohnt sie mit Sophie in einem gemieteten Haus in der Nähe ihrer Eltern und hält ein Zimmer frei, in dem Léon schlafen kann, wenn er sie besucht.

Als die Sommerferien zu Ende gehen, verabschiedet sich ESIEW von Maja. Es sei Zeit für ihn, Violetta in den Zauberwald zu folgen, sagt er. Maja ist zwar traurig, hat jedoch inzwischen gelernt, dass jeder Abschied auch ein Neuanfang ist. Und sie begreift, dass ESIEW rückwärts gelesen WEISE heißt.

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Die Protagonistin Maja lernt, dass sie in Situationen, die sie nicht zu ändern vermag, zumindest ihre Wahrnehmung der Gegebenheiten beeinflussen kann. Die Handlung von „Das Mädchen mit den Zauberhänden. Ein Märchen- und Metaphernbuch“ spielt in einer heilen Welt, in der nur ein einziges böses Wesen auftritt, ein Fabelwesen in Gestalt einer schwarzen Echse mit gespaltener Zunge. Die Menschen streiten sich zwar, versöhnen sich jedoch wieder, und ein Junge, der frustriert auf seine vermeintliche Vernachlässigung durch die Eltern reagiert, legt sein aggressives Verhalten rasch wieder ab, als Maja sich ihm widmet. Auch wenn es in der realen Welt sehr viel schwieriger ist, beim positiven Denken zu bleiben, soll das Märchen, das Marion Rosenkranz in dem Kinderbuch „Das Mädchen mit den Zauberhänden“ erzählt, dazu anleiten, Ängste zu überwinden und Selbstvertrauen zu entwickeln, mehr auf das Positive als auf das Negative zu achten und verständnisvoll auf andere Menschen zuzugehen. Wer es vermeidet, sich als Opfer von Umständen zu sehen, beginnt, sich selbstbestimmt zu entwickeln und die eigene Welt zu gestalten.

Marion Rosenkranz vermittelt die Lehren nicht nur indirekt über die Handlung, sondern auch explizit. Dass sie in „Das Mädchen mit den Zauberhänden“ Schachtelsätze vermeidet, erleichtert Kindern vermutlich die Lektüre, aber es klingt so:

Maja sitzt in ihrem Turmzimmer auf dem lila Schaukelstuhl und schaukelt langsam hin und her. Der Schaukelstuhl steht schräg vor ihrem geöffneten Fenster. Nach einem langen Regentag dringt die feuchte, kühle Luft in ihr Zimmer. Sie schaut aus dem Fenster auf den dicken, wabernden Nebel, der das Tal und die Berge bis auf ihre Spitzen verhüllt. Das warme Sonnenlicht des späten Nachmittags lässt die hellen Bergspitzen und den Nebel goldgelb leuchten. Ein faszinierender Anblick.
Es ist still. Nur ein Vogel zwitschert leise. Erfüllt von der Schönheit des Augenblicks, gehen Majas Gedanken auf die Reise.

Ma hat sie für das ordentliche Einräumen ihres Zimmers gelobt. Besonders hat sich ihre Mutter darüber gefreut, dass sie sogar daran gedacht hat, die leeren Kartons und das Verpackungsmaterial nach unten in den Müllcontainer zu bringen. Sie haben ihre Kuscheldecke eingeweiht. Maja hat den kleinen Tisch feierlich gedeckt und eine kleine Glasvase mit einem Strauß Gänseblümchen darauf gestellt. Die dünnen, weißen japanischen Servietten hat sie zu kleinen Fächern gefaltet und sie an Kuchengabeln befestigt. Sie haben sich nebeneinander auf zwei dicke Sitzkissen gesetzt.
Die selbst gepflückten Erdbeeren mit Sahne sind sehr lecker gewesen. Beide haben diesen Snack genossen. Eine gemeinsame Teestunde mit Ma hat so gut getan! Sie sind ausgelassen gewesen und haben viel Spaß gehabt.

Obwohl man vor allem auf das Positive achten soll, möchte ich erwähnen, dass eine sorgfältige und sachkundige Lektorierung einige kleine Sprachschnitzer korrigiert hätte. Vielleicht wäre dann auch der der mehrmalige Gebrauch einer kitschigen Stilfigur unterblieben:

Die Tür scheint zu rufen: „Maja, komm und öffne mich!“ (Seite 26)
Aber es ist so, als riefe ihr Tagebuch ihr zu […] (Seite 45)
Maja hatte das Gefühl, als ob es [ein Buch] riefe: „Komm, öffne mich!“ (Seite 55)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014
Textauszüge: © Marion Rosenkranz

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