Marias letzte Reise

Marias letzte Reise

Marias letzte Reise

Originaltitel: Marias letzte Reise - Regie: Rainer Kaufmann - Drehbuch: Ariela Bogenberger - Kamera: Klaus Eichhammer - Musik: Annette Focks - Darsteller: Monica Bleibtreu, Nina Kunzendorf, Günther Maria Halmer, Michael Fitz, Philipp Moog, Gundi Ellert, Hubert Mulzer u.a. - 2004; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Maria Stadler lehnt es ab, sich einer dritten Chemotherapie zu unterziehen. Gegen den Rat des Arztes verlässt die resolute Bäuerin das Krankenhaus, um ihre letzten Tage auf ihrem Bauernhof am Staffelsee zu verbringen. Die Krankenschwester Andrea betreut sie und verändert in der Konfrontation mit der todkranken Patientin ihre Einstellung gegenüber dem Sterben.
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Kritik

Die anrührende, tragikomische Geschichte wird mit viel Einfühlungsvermögen und feinem Humor erzählt. Monica Bleibtreu spielt die sterbende Bäuerin sehr überzeugend: "Marias letzte Reise".
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Beim ersten Rundgang früh am Morgen stellt eine Krankenschwester fest, dass eine der Patientinnen während der Nacht verstorben ist. Nachdem der Arzt den Totenschein ausgestellt hat, verständigt Schwester Andrea (Nina Kunzendorf) durch einen kurzen Telefonanruf die Angehörigen und schiebt das Bett mit der Leiche aus dem Zimmer. Andrea hat an diesem Tag Geburtstag. Deshalb überraschen die Kollegen sie mit einem fröhlichen „Happy Birthday“. Dann geht der Betrieb weiter, und Andrea bringt die Tote in den Keller.

Auf dem Korridor begegnet sie der kahlen Krebspatientin Maria Stadler (Monica Bleibtreu), die sich über die Betreuung und das schlechte Frühstück beschwert. Sie lässt sich nicht aufhalten, geht zum Chefarzt Dr. Fritz Osterhahn (Günther Maria Halmer) und erklärt ihm, sie werde jetzt auf ihren Hof zurückkehren und zu Hause sterben, statt sich einer weiteren Chemotherapie zu unterziehen. „Vor sieben Jahren hast du etwas von einem kleinen Eingriff erzählt. Seit drei Jahren nun das volle Programm. – Mach dir doch selbst eine kleine Chemo, zum Frühstück!“ Da kommt auch schon Marias Sohn Simon (Michael Fitz), den sie bereits um 5 Uhr morgens anrief, damit er sie abholt. Der junge Bauer weiß nicht, wie er sich bei der vielen Arbeit auch noch um seine Mutter kümmern soll, aber Dr. Osterhahn verspricht dem Sohn seines verstorbenen Firmpaten, dass er Schwester Andrea mit der Pflege beauftragt. „Es ist ohnehin nur für drei, vier Tage, dann wird Maria merken, dass es zu Hause nicht geht.“

Auf dem Hof am Staffelsee versucht Andrea, so viel wie möglich von der gelernten Krankenhausroutine einzuführen, aber damit stößt sie auf den entschlossenen Widerstand der resoluten Krebspatientin. Als Andrea an einem der nächsten Tage wieder zum Hof der Stadlers radelt, stellt sie entsetzt fest, dass Maria wegen der Schmerzen einen Heilpraktiker gerufen hat: Dr. Xaver Wurmbichler (Nikolaus Paryla) hat Erfahrung im Umgang mit Sterbenden, denn er arbeitet in einem Hospiz. Schließlich lassen sich die Schmerzen nicht mehr mit im Tee verrührten Medikamenten unterdrücken, und Dr. Wu – so wird der Heilpraktiker wegen seiner Studien in China genannt – gibt Maria deshalb im Beisein Andreas verbotenerweise eine Morphinspritze.

Dr. Osterhahn tobt, als er es von Andrea erfährt, unternimmt jedoch nichts. Obwohl er Familienvater ist, hat er ein Verhältnis mit der Krankenschwester. Zu seinem Geburtstag überrascht Andrea ihn mit einer Wienreise, aber er kann nicht fort, weil seine Frau eine Geburtstagsparty für ihn gibt.

Marias extravertierte Schwester Rosa (Gundi Ellert) kommt mit ihrem verschüchterten Ehemann Günther (Hubert Mulzer) zu Besuch. Um Marias kahlen Schädel nicht anschauen zu müssen, nimmt Rosa ihre schwarze Perücke ab und zieht sie ihrer Schwester über den Kopf, aber dann merkt sie, dass Maria damit unmöglich aussieht. Rosa und Günther schenken der Kranken einen Gutschein für eine Behandlung bei einem Wunderheiler in München, bei dem auch Maria Schell und Rudolf Moshammer gewesen sein sollen. Simon und Andrea fahren mit Maria hin. Das Honorar für die Sitzung ist mit 300 Euro noch etwas höher als der Betrag auf dem Gutschein. Auf der Rückfahrt sagt Maria schmunzelnd, die Behandlung sei zwar ein Blödsinn gewesen, aber das Handauflegen und Streicheln habe gut getan. Obwohl Simon sich eigentlich um die Salatanpflanzung kümmern müsste, lässt er sich von seiner Mutter überreden, einen Abstecher zu einer Alm hinauf zu machen.

Marias Tochter Antonia kam vor fünfzehn Jahren im Alter von vierunddreißig Jahren ums Leben, als sie einem anderen Autofahrer auswich, der überholte und ihr entgegenkam. Ihr Sohn Hans (Philipp Moog) zog vor zehn Jahren nach Australien – mit Simons großer Liebe Sandra. Seither haben die Brüder kein Wort mehr gewechselt.

Hans reist mit seiner Frau Sandra (Franziska Schlattner) und der Tochter Julia (Natalie Szeterlak) aus Australien an. Während die Brüder heftig streiten, bricht Maria nebenan zusammen. Zufällig kommt Andrea gerade vorbei und findet die Bewusstlose auf dem Fußboden. Sofort ruft sie die Sanitäter. Im letzten Augenblick kann Maria noch einmal ins Leben zurückgeholt werden. Jetzt glaubt sie selbst, dass es besser für sie wäre, im Krankenhaus zu bleiben. Aber Andrea gibt ihr ohne viele Worte ein Formular: Maria soll unterschreiben, dass sie auf eigenes Risiko handelt. Dann packt die Krankenschwester die Sachen der Patientin und bringt sie wieder auf den Hof zurück.

Andrea hat verstanden, warum Maria nicht in der Klinik, sondern zu Hause sterben möchte. Dr. Wu vermittelt ihr ein Gespräch mit Frau Dr. Lenz (Agathe Taffertshofer), der Leiterin des Hospizes, in dem er beschäftigt ist. Bei ihr holt Andrea sich Rat.

Nicht nur zwischen Maria und Andrea sind unmerklich Respekt und Vertrauen entstanden; auch Simon und Andrea finden sich immer stärker zueinander hingezogen.

Schließlich trifft der frühere Musiker Edwin (Philipp Sonntag) auf dem Hof ein. Er hatte Maria einmal umworben, war jedoch von ihr zurückgewiesen worden. „Das habe ich doch nur so gesagt“, klagt Maria jetzt. „Man ist halt blöd als Mensch.“

Hans entschuldigt sich bei seinem Bruder für sein damaliges Verhalten, gibt jedoch auch zu bedenken, er habe nichts von Simons Gefühlen für Sandra ahnen können, und dieser habe auch gar nicht versucht, die Frau zurückzuhalten.

Simons Abneigung gegen Hans geht nicht zuletzt darauf zurück, dass Maria ihm seinen Bruder stets vorgezogen hat. Andrea versteht das und drängt Maria, Simon besser zu behandeln. Daraufhin lässt Maria ihn rufen und erklärt ihm, dass sie den Hof nach dem Tod seines Vaters ohne ihn nicht hätte halten können.

Kurz darauf stirbt sie.

Nach der Beerdigung verabschiedet Andrea sich mit einem flüchtigen Wangenkuss von Fritz Osterhahn und mit einem herzlichen Kuss auf den Mund von Simon Stadler.

In einem Brief findet sie Marias Dank.

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Maria, eine unheilbar kranke Krebspatientin, hält es in Krankenhaus nicht mehr aus. Der Chefarzt lässt sich in erster Linie von der Sorge leiten, nichts zu tun oder zu unterlassen, womit er sich strafbar machen würde. Die Krankenschwestern lassen das Leiden der Patienten nicht an sich heran und arbeiten so routiniert, dass sie sich an einem Totenbett ungerührt wie bei einer Fließbandarbeit über ihre Reisepläne unterhalten. Und die hilflosen Besucher retten sich in hohle Floskeln wie: „Du siehst schon besser aus.“ Maria setzt durch, dass man sie zu Hause auf ihrem Bauernhof sterben lässt. Durch die Konfrontation mit der resoluten Frau versteht die Krankenschwester Andrea, wie wichtig es ist, unheilbar Kranken ein würdiges Sterben zu ermöglichen und sie dabei nicht nur pflegerisch, sondern auch mitmenschlich zu begleiten.

Mit sehr viel Einfühlungsvermögen und feinem Humor erzählen Ariela Bogenberger (Drehbuch) und Rainer Kaufmann (Regie) diese anrührende, tragikomische Geschichte. Die Dialoge sind kraftvoll und gegen den Strich gebürstet, wie man es von der störrischen Hauptfigur erwarten würde, die von Monica Bleibtreu großartig gespielt wird.

Am 31. März 2006 wurde Monica Bleibtreu für ihre Rolle in „Marias letzte Reise“ mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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