Inside Man

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Originaltitel: Inside Man – Regie: Spike Lee – Drehbuch: Russell Gewirtz – Kamera: Matthew Libatique – Schnitt: Barry Alexander Brown – Musik: Terence Blanchard – Darsteller: Denzel Washington, Clive Owen, Jodie Foster, Christopher Plummer, Willem Dafoe, Chiwetel Ejifor, Kim Director, Peter Gerety, Peter Frechette, Jason Manuel Olazabal, Darryl Mitchell u.a. – 2006; 130 Minuten

Inhaltsangabe

Eine Bande überfällt eine Bank in Manhattan. Die 50 anwesenden Kunden und Angestellten werden zu Geiseln und müssen Overalls und Gesichtsmasken wie die Bankräuber tragen, sind also von ihnen nicht mehr zu unterscheiden. Detective Keith Frazier leitet die Verhandlungen mit dem Bandenchef Dalton Russell, und der CEO der Bank beauftragt die zwielichtige Anwältin Madeleine White, zu verhindern, dass die Bankräuber das Schließfach 392 öffnen ...
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Kritik

Der spannende und sarkastische Thriller "Inside Man" wurde von Spike Lee clever und fast schon ein wenig verspielt inszeniert. Plausibel ist die Geschichte allerdings nicht.

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Als Anstreicher verkleidet, dringen drei Männer und eine Frau in eine Bankfiliale an der Wall Street ein. Einer von ihnen setzt mit einem Gerät, das wie eine Taschenlampe aussieht, eine Überwachungskamera nach der anderen außer Betrieb. Plötzlich haben sie Schusswaffen in der Hand und nehmen die fünfzig gerade anwesenden Kunden und Angestellten als Geiseln. Nachdem die von Dalton Russell (Clive Owen) angeführten Bankräuber alle Schlüssel und Handys eingesammelt haben, zwingen sie die Geiseln, die mitgebrachten Gesichtsmasken und Overalls anzuziehen, sodass Täter und Opfer nicht mehr zu unterscheiden sind. Dann teilen sie die Geiseln in kleine Gruppen auf, bringen sie in verschiedene Räume und ändern immer wieder die Zusammensetzung der Gruppen.

Ein Streifenpolizist, dem auffällt, dass Rauch aus dem Portal der Bank quillt, blickt im nächsten Augenblilck in die Mündung einer Pistole, und einer der Bankräuber klärt ihn darüber auf, dass Geiseln genommen wurden.

Die Detectives Keith Frazier (Denzel Washington) and Bill Mitchell (Chiwetel Ejiofor) werden auf den Fall angesetzt. Nach kurzem Geplänkel stellt der Afroamerikaner Frazier klar, dass auch der weiße Leiter des zuständigen Polizeireviers, Captain John Darius (Willem Dafoe) auf sein Kommando hört.

Während Polizeieinheiten die Straße vor der Bank abriegeln und Scharfschützen postiert werden, erhält auch Arthur Case (Christopher Plummer), der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Bank, die Nachricht von dem Überfall. Er beauftragt die zwielichtige Anwältin Madeleine White (Jodie Foster), zu verhindern, dass die Bankräuber das Schließfach 392 öffnen. Der Inhalt sei älter als Madeleine, erklärt er, und für ihn äußerst wertvoll.

Als die Bankräuber Wasser und Nahrung für die fünfzig Geiseln anfordern, versteckt die Polizei Abhörmikrofone in den Pizza-Kartons, aber was Frazier zu hören bekommt, versteht er nicht. Jemand hält die Sprache für Albanisch. Weil es vier Wochen dauern würde, auf dem Dienstweg einen albanischen Dolmetscher zu bekommen, lässt Frazier die albanische Ehefrau eines Schaulustigen holen. Sie bringt eine Tragetasche voller Strafzettel wegen Falschparkens mit, und nachdem Frazier ihr zugesagt hat, dass sie keine Bußgelder zu bezahlen brauche, klärt sie ihn darüber auf, dass es sich um eine Rede des 1985 verstorbenen albanischen Staatschefs Enver Hodscha handelt, also um eine Tonbandaufnahme.

Madeleine White wendet sich an den Bürgermeister von New York (Peter Kybart), der ihr offenbar noch einen Gefallen schuldet. Widerstrebend fährt er mit ihr zu der überfallenen Bank und fordert Frazier auf, die Anwältin mit den Geiselnehmern verhandeln zu lassen. Als Gegenleistung verlangt Frazier seine Beförderung und die Einstellung der polizeiinternen Untersuchung gegen ihn wegen einer angeblichen Unterschlagung von Geldern aus einem Kokain-Deal.

Russell erlaubt Madeleine White, das Gebäude zu betreten. Als sie ihm erklärt, sie wolle zu den Schließfächern, zeigt er ihr Papiere, die er bereits selbst dem Schließfach 392 entnahm: Die Dokumente beweisen, dass Arthur Case während des Zweiten Weltkriegs mit den Nationalsozialisten kollaborierte, sich an den Hinterlassenschaften ermordeter Juden [Holocaust] bereicherte und mit dem Geld 1948 die Bank in New York gründete. Madeleine White stellt Russell 2 Millionen Dollar in Aussicht, aber der Bankräuber ist nicht daran interessiert und behält die Dokumente.

Während die Polizei die Bankräuber bisher hinzuhalten versuchte, vermutet Frazier nun, dass Russell selbst Zeit zu gewinnen versucht und deshalb die unerfüllbare Forderung nach einem Flugzeug stellte. Um seinem Verdacht nachzugehen, behauptet er in einem Telefongespräch mit Russell, der Jet stehe bereit. Bevor er die Bankräuber gehen lasse, wolle er sich nur noch vergewissern, dass alle Geiseln leben. Russell führt ihn durch die Räume. Auf der Treppe zum Ausgang versucht Frazier, dem Anführer der Bankräuber die Maske vom Gesicht zu reißen, wird aber von einem Kumpan Russells daran gehindert. Dass die Gangster ihn trotz des Angriffs nicht erschießen, sondern gehen lassen, überzeugt Frazier davon, dass sie jedes Blutvergießen vermeiden wollen.

Kurz darauf wird er eines Besseren belehrt: Hinter einem der Fenster des Bankgebäudes ist zu sehen, wie eine Geisel erschossen wird.

Daraufhin wird Frazier von Darius als Einsatzleiter abgelöst. Der beschließt, das Gebäude zu stürmen. Während die Aktion anläuft, findet Frazier heraus, dass Russell die Einsatzzentrale der Polizei abhört. Er will Darius zurückhalten, aber der Captain ignoriert die Warnung.

Die Gangster, denen auch das Telefongespräch von Frazier und Darius nicht entgeht, zünden Rauchbomben, treiben die Geiseln ins Freie und mischen sich – bis auf Russell – unter sie. Weil sie alle gleich angezogen sind, lassen sich Geiseln und Gangster nicht unterscheiden. In dem Chaos fordert die Polizei alle auf, sich auf den Boden zu legen, fesselt sie und bringt sie mit Bussen weg.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Weder bei der Stürmung noch bei der sorgfältigen Durchsuchung des Gebäudes findet die Polizei eine Leiche: Die Erschießung der Geisel wurde offenbar vorgetäuscht. Bei den sichergestellten Waffen handelt es sich um Attrappen. Und von den Wertsachen im Banktresor scheint nichts zu fehlen.

Obwohl jede Person, die aus der Bank kam, verhört wird, gelingt es der Polizei nicht, die Gangster zu identifizieren, und von Dalton Russell fehlt jede Spur.

Madeleine White unterrichtet Arthur Case darüber, dass Russell die Dokumente aus dem Schließfach 392 mitnahm. An der Reaktion des Bankdirektors merkt sie, dass in dem Schließfach noch etwas sehr viel Wertvolleres war, und er gesteht ihr schließlich, es handele sich um einen Diamantring aus Paris. Der gehörte einem jüdischen Freund, den er an die Nationalsozialisten verriet, um in den Besitz des kostbaren Juwels zu kommen. Um seine Schuld wiedergutzumachen, spendet er seit Jahren viel Geld für wohltätige Zwecke.

Der Polizeidirektor will den Fall abschließen. Weil das angeblich von Frazier unterschlagene Geld wieder auftaucht, stellt die Revision die Ermittlungen gegen ihn ein, und er wird befördert.

Trotzdem setzt Frazier seine Ermittlungen fort, prüft die Bankunterlagen und findet heraus, dass für das Schließfach 392 keine Karteikarte existiert. Daraufhin besorgt er sich einen richterlichen Durchsuchungsbefehl. Während er die Bank betritt, warten Russells Komplizen in einem am Straßenrand geparkten Auto auf ihren Anführer. Per Telefon warnen sie ihn vor Frazier. Russell, der sich hinter einer Scheinwand in der Bank versteckt hatte, durchquert daraufhin den Schalterraum und rempelt auf dem Weg zum Ausgang den Polizisten an, der ihm entgegenkommt. Frazier entschuldigt sich, ohne ihn zu erkennen und lässt das verdächtige Schließfach öffnen. Darin findet er einen Diamantring von Cartier und einen Zettel, auf dem „Folgen Sie dem Ring“ steht.

Er wird den Fall der für die Untersuchung von Kriegsverbrechen zuständigen Behörde übergeben.

Zu Hause findet Frazier in der Tasche seines Jacketts einen Diamanten. Den muss ihm der Mann zugesteckt haben, der ihn anrempelte. Frazier begreift, dass es sich dabei um Dalton Russell handelte, der während der Geiselnahme angekündigt hatte, er werde die Bank durch die Vordertür verlassen.

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Zu Beginn des Thrillers „Inside Man“ sitzt Dalton Russell (Clive Owen) in einem engen Raum und spricht zu uns Zuschauern über den perfekt geplanten Banküberfall, den wir anschließend beobachten. Erst im weiteren Verlauf verstehen wir, dass die Eröffnungsszene nach dem Banküberfall in Russells Versteck spielt. Während des Banküberfalls sehen wir in mehreren kurzen Flash Forwards, wie die Detectives Keith Frazier (Denzel Washington) and Bill Mitchell (Chiwetel Ejiofor) die Personen vernehmen, die am Ende aus dem Bankgebäude kamen, um festzustellen, wer von ihnen an dem Überfall beteiligt war. Ansonsten zeigen Spike Lee (Regie) und Russell Gewirtz (Drehbuch) die Handlung chronologisch.

Vordergründig geht es in „Inside Man“ um einen merkwürdigen Banküberfall und die geistige Auseinandersetzung zwischen drei hochintelligenten Personen: dem Anführer der Bankräuber, dem Einsatzleiter des NYPD und einer Anwältin, die im Auftrag des Bankdirektors eingreift. „Inside Man“ handelt jedoch auch von Menschen, die sich auf Kosten anderer bereichern, zum Beispiel von den Nationalsozialisten ermordeter Juden. Das Thema Rassenhass spielt eine Rolle, etwa in der Beziehung zwischen dem Afroamerikaner Keith Frazier und seinem weißen Kollegen John Darius, aber auch in dem Bericht des weißen Streifenpolizisten, der vor einiger Zeit von einem schwarzen Jugendlichen angeschossen wurde. Die durch den Terroranschlag vom 11. September 2001 verschärften Vorurteile gegen Araber kommen zum Tragen, als ein in der Bank angestellter Sikh der Polizei die Forderungen der Bankräuber überbringt. Den Anblick der gleich angezogenen Geiseln sollen wir vielleicht mit den Gefangenen in Guantanamo assoziieren. Außerdem kritisieren Spike Lee und Russell Gewirtz Gewaltspiele wie das des afroamerikanischen Jungen, der sich mit seinem Vater unter den Geiseln befindet und auf seinem Game Boy Punkte dafür sammelt, dass er „Nigger“ abknallt.

Von geschäftlichen Beziehungen zwischen den Familien Bush und Bin Laden wurde spätestens seit dem 11. September 2001 gemunkelt [„Fahrenheit 9/11“], aber Spike Lee erfuhr erst nach den Dreharbeiten für „Inside Man“, dass der Großvater des für Guantanamo verantwortlichen US-Präsidenten George W. Bush Geschäfte mit den Nationalsozialisten gemacht haben soll. Diese Parallele zur Figur des Bankiers Arthur Case ergab sich also zufällig.

„Inside Man“ wurde clever und fast schon ein wenig verspielt inszeniert. In den Dialogen blitzt Sarkasmus auf. Der Thriller ist spannend und überrascht die Zuschauer mit unerwarteten Wendungen. Plausibel ist die Geschichte allerdings nicht. Beispielsweise müssten geschulte Kriminalbeamte des NYPD zwischen der Rede eines albanischen Staatschefs und der Unterhaltung mehrerer Bankräuber unterscheiden können, auch ohne die albanische Sprache zu verstehen.

Übrigens beginnt und endet „Inside Man“ mit dem Song „Chaiyya Chaiyya“ aus dem Booywood-Film „Von ganzem Herzen“ von Mani Ratnam („Dil Se“, 1998).

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2009

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