Fahrenheit 9/11

Fahrenheit 9/11

Fahrenheit 9/11

Fahrenheit 9/11 - Originaltitel: Fahrenheit 9/11 - Regie: Michael Moore - Buch: Michael Moore - Kamera: Mike Desjarlais - Schnitt: Kurt Engfehr, Todd Woody Richman und Chris Seward - Musik: Jeff Gibbs und Bob Golden - 2004; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Michael Moore versucht, US-Präsident George W. Bush lächerlich zu machen und wirft ihm vor, die Terroranschläge vom 11. September 2001 als Vorwand benutzt und die Furcht vor dem internationalen Terrorismus geschürt zu haben, um die Freiheitsrechte der US-Bürger einschränken und Krieg gegen den irakischen Staatschef Saddam Hussein führen zu können.
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Kritik

Bei "Fahrenheit 9/11" handelt es sich um einen Zusammenschnitt verschiedener Fernsehbilder zu einem skrupellos polemischen, oberflächlichen "Dokumentarfilm", mit dem Michael Moore die Wiederwahl von Georg W. Bush verhindern wollte.
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In dem Film „Fahrenheit 9/11“ wird George W. Bush zunächst als gescheiterter Unternehmer vorgeführt: Der Sohn einer überaus reichen Familie gründete 1978 ein Unternehmen (Arbusto Energy), das 1982 den Namen „Bush Exploration Oil Co.“ erhielt und zwei Jahre später mit der Ölfirma Spectrum 7 fusionierte. Die finanziell angeschlagene Gesellschaft wurde 1987 von der Harken Energy Co. aufgekauft. Einige Wochen vor der irakischen Invasion in Kuwait (August 1990) stieß George W. Bush zwei Drittel seiner Anteile ab – und vermied auf diese Weise einen Verlust mehrerer Millionen Dollar. Der Verdacht, er habe von seinem gleichnamigen Vater – der damals US-Präsident war – rechtzeitig einen Insidertipp erhalten, konnte weder bestätigt noch widerlegt werden.

Ausführlich beschäftigt Michael Moore sich mit den finanziellen Beziehungen zwischen der Familie Bush und saudi-arabischen Investoren, zu denen auch Verwandte von Osama Bin Laden gehörten, etwa dessen Schwager Scheich Khaled Bin Mafouz und Salem Bin Laden, der von 1976 bis zu seinem tödlichen Flugzeugabsturz im Jahr 1988 eine der bedeutendsten Baufirmen Saudi-Arabiens leitete sowie dessen Nachfolger Bakr Bin Laden, ein Halbbruder des Terroristenführers. Beide Familien beteiligten sich an der 1988 gegründeten Carlyle Group. Die Carlyle Group habe von den Kriegen in Afghanistan und im Irak profitiert, meint Michael Moore, ohne die so angedeutete Verschwörungstheorie weiter zu vertiefen. Dann erwähnt er die bekannte Tatsache, dass 15 der 19 Flugzeugentführer aus Saudi-Arabien stammten und 24 Mitglieder der Familie Bin Laden unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die USA verlassen durften.

Nach jahrelanger Vorbereitung kaperten 19 junge Araber am 11. September 2001 vier amerikanische Passagierflugzeuge mit insgesamt 266 Menschen an Bord. Eine Maschine zerschellte bei Pittsburgh; mit den anderen drei Boeing-Jets rasten die Attentäter ins Pentagon und in die beiden 420 m hohen Türme des World Trade Centers. Dabei starben mehr als 3000 Menschen.

Kurz beschäftigt Michael Moore sich mit der Präsidentenwahl am 7. November 2000, die erst nach einem fünfwöchigen juristischen Tauziehen zugunsten von George W. Bush entschieden wurde. Trotz einiger Unklarheiten gab am Ende eine Mehrheit von 537 Stimmen in dem von Bushs Bruder Jeb regierten Bundesstaat Florida den Ausschlag, und am 13. Dezember akzeptierte Al Gore seine Niederlage.

Um die Abhängigkeit George Bushs von seinen Beratern zu demonstrieren, führt Michael Moore vor, wie der US-Präsident am 11. September 2001 während eines Besuchs bei einer Schulklasse in Florida von den Anschlägen auf das World Trade Center in New York unterrichtet wird und danach noch sieben Minuten vor den Schülern sitzen bleibt und ins Leere starrt, ohne etwas zu unternehmen. Dazu fragt der Sprecher süffisant, was George W. Bush wohl denke. Hätte er häufiger zur Arbeit gehen und die Terrorwarnungen ernster nehmen sollen?

Auf einem Golfplatz sagt George W. Bush in die Fernsehkameras: „Wir müssen den Terror stoppen. Alle Nationen müssen alles unternehmen, um diese Killer aufzuhalten.“ Als ob das nur eine Nebensache wäre, fordert er die Reporter im nächsten Augenblick auf, sich seinen nächsten Schlag anzusehen.

Da der zum Superfeind aufgeblasene Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden von Afghanistan aus operierte, wollten die Amerikaner zunächst das Taliban-Regime in Kabul zerschlagen (Operation „Enduring Freedom“ ab 7. Oktober 2001), obwohl viele Muslime das als Beginn eines Kultur- und Religionskrieges auffassten. Dabei, kritisiert Michael Moore, dauerte es zwei Monate, bis die US-Truppen endlich in das Gebiet vorstießen, in dem Osama Bin Laden vermutet wurde. Und sie haben ihn bis heute nicht gefunden. Wichtiger als der Kampf gegen die Terroristen sei für Bush der Krieg gegen Saddam Hussein gewesen, den Mann, der beinahe seinen Vater getötet hätte, wie der Präsident einmal in einer Rede klagte. Dieser Krieg wurde mit erlogenen Argumenten zu rechtfertigen versucht: Saddam Hussein unterstütze Osama Bin Laden, bedrohe die Welt mit Massenvernichtungswaffen und werde in Kürze auch über Atomwaffen verfügen, hieß es. Die Fernsehansprache, mit der George W. Bush am 19. März 2003 den Beginn des Kriegs im Irak verkündete, umrahmt Michael Moore mit Aufnahmen des unmittelbar vor Sendebeginn lustig zwinkernden US-Präsidenten und Bildern aus dem Irak, die nichts von einem despotischem Regime zeigen, sondern Menschen in Straßencafés und Ball spielende Kinder auf den Straßen.

George W. Bush und sein Justizminister John Ashcroft nutzten die Anschläge vom 11. September 2001 auch, um den Ermittlungsbehörden weitere Zugriffsrechte auf persönliche Daten zu verschaffen („Patriot Act“: Provide Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism; 2005 vom Kongress um vier Jahre verlängert).

Mit Bildern verstümmelter Kriegsopfer und Filmaufnahmen über US-Marines, die in ein irakisches Privathaus eindringen und ungeachtet der weinenden und verzweifelt keifenden Frauen nach einem Verdächtigen suchen, versucht Michael Moore die Grausamkeit des Irak-Kriegs zu dokumentieren. In seiner Heimatstadt Flint, Michigan, filmte er eine um ihren im Irak gefallenen Sohn weinende Mutter.

In Washington, D. C., fragte Michael Moore Kongressabgeordnete auf der Straße, ob sie ihre Söhne nicht in den Irak schicken wollten. Nur ein einziger Soldat im Irak sei der Sohn eines amerikanischen Kongressabgeordneten, kritisiert er. Nicht die Elite, sondern die Arbeitslosen und Unterprivilegierten hielten wieder einmal den Kopf für ihr Land hin.

Zwischendurch erwähnt er, dass der Ölservice-Gigant Halliburton Inc. am Wiederaufbau des Irak besonders gut verdient – ausgerechnet ein Konzern, der ab 1995 von Dick Cheney geführt worden war, dem Mann, der Anfang 2001 vom Amt des CEOs in das des amerikanischen Vizepräsidenten wechselte und dem man nachsagt, er habe George W. Bush den Irak-Krieg eingeredet.

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Der Titel „Fahrenheit 9/11“ geht auf den 1953 veröffentlichten (und 1966 von François Truffaut verfilmten) Science-fiction-Roman „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury zurück, der von der Gleichschaltung der Medien in einem totalitären Staat handelt. Bei 451° Fahrenheit (232,78 °C) entzündet sich Papier. „9/11“ (nine eleven) bedeutet im Amerikanischen: 11. September. „Fahrenheit 9/11“ sei „die Temperatur, bei der die Freiheit verbrennt“, behauptet Michael Moore.

Bei „Fahrenheit 9/11“ handelt es sich um einen Zusammenschnitt verschiedener, aus dem Zusammenhang gerissener Fernsehbilder, deren Quellen nur im Abspann angegeben werden. Die Szenen lassen sich also vom Zuschauer kaum einordnen. Michael Moore ging es offenbar auch gar nicht um einen seriösen, objektiven Dokumentarfilm, sondern er drehte einen skrupellos polemischen Streifen, mit dem er die Wiederwahl von George W. Bush verhindern wollte. Komplexe Zusammenhänge reduzierte er auf simple, oberflächliche Dichotomien. Während er sich bei seinen verschwörungstheoretischen Ansätzen auf vage Andeutungen beschränkte, walzte er andere Passagen bis zum Überdruss des Kinobesuchers aus.

„Fahrenheit 9/11“ wurde bei den Filmfestspielen in Cannes 2004 mit der „Goldenen Palme“ und dem Kritikerpreis ausgezeichnet. Trotzdem fand Michael Moore in den USA keinen Filmverleih und musste mit einer kanadischen Firma vorlieb nehmen. Da es einen „Oscar“ nur für Filme gibt, die frühestens neun Monate nach der Uraufführung im Kino auch im Fernsehen ausgestrahlt werden, verzichtete Michael Moore auf die Nominierung in der Kategorie „bester Dokumentarfilm“, denn um die Präsidentschaftswahlen am 2. November 2004 beeinflussen zu können, zog er es vor, dass möglichst viele US-Bürger den Film vorher im Kino, Fernsehen und auf DVD zu sehen bekamen. „Fahrenheit 9/11“ sorgte international für großes Aufsehen und gilt als erfolgreichster Dokumentarfilm in der Geschichte des Kinos.

Der „Oscar“-Preisträger Michael Moore (*1954) kritisierte in seinen Filmen die rücksichtslose Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billig-Lohn-Länder durch profitorientierte Industrieunternehmen wie General Motors (Roger & Me, 1989), die Auswirkungen der liberalen Wirtschaftspolitik (The Big One, 1997) und die Verbreitung von Waffen in der US-Bevölkerung (Bowling for Columbine, 2002). Bei seinem nächsten Filmprojekt (Sicko) befasst er sich mit dem amerikanischen Gesundheitssystem. In seinen Bestsellern (Stupid White Men; Volle Deckung, Mr Bush; Verraten und verkauft) prangerte Michael Moore US-Präsident George W. Bush an.

Folgende Personen sind außer Michael Moore in „Fahrenheit 9/11“ zu sehen: Ben Affleck, John Ashcroft, James Baker III, James Bath, Khalil Bin Laden, Osama Bin Laden, Jon Bon Jovi, Tom Brokaw, Barbara Bush, George Bush, George W. Bush, Jeb Bush, Jenna Bush, Laura Bush, Tucker Carlson, Neil Cavuto, Richard („Dick“) Cheney, Bill Clinton, John Conyers, Katie Couric, Peter Damon, Tom Daschle, Robert De Niro, John T. Doolittle, Byron Dorgan, Al Gore, Tipper Gore, Katherine Harris, Abdul Henderson, Saddam Hussein, Lila Lipscomb, Jim McDermott, Colin Powell, Dan Rather, Condoleezza Rice, Donald Rumsfeld, Tim Russert, Britney Spears, John Tanner, Helen Thomas, Craig Unger, Maxine Waters, Paul Wolfowitz, Stevie Wonder.

Außer der Filmmusik von Jeff Gibbs und Bob Golden sind folgende Songs in „Fahrenheit 9/11“ zu hören:

  • Elmer Bernstein: „The Magnificent Seven Theme“
  • Charlotte Caffey, Kathy Valentine und Jane Wiedlin: „Vacation“
  • Henry Mancini: „Peter Gunn Theme“
  • Arvo Pärt: „Cantus in Memory of Benjamin Britten“
  • R. E. M.: „Shiny Happy People“
  • Neil Young: „Rockin‘ in the Free World“
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

George W. Bush (Kurzbiografie)

Michael Moore: Bowling for Columbine

Françoise Sagan - Bonjour tristesse
Die mit leichter Hand geschriebene Geschichte vermittelt eine ganz besondere Atmosphäre, in der sich das Lebensgefühl einer dem Existenzialismus nahe stehenden Jugend ausdrückt: "Bonjour tristesse".
Bonjour tristesse

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