Fahrenheit 451

Fahrenheit 451

Fahrenheit 451

Fahrenheit 451 – Originaltitel: Fahrenheit 451 – Regie: François Truffaut – Drehbuch: François Truffaut und Jean-Louis Richard, nach dem Roman "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury – Kamera: Nicolas Roeg – Schnitt: Thom Noble – Musik: Bernard Herrmann – Darsteller: Oskar Werner, Julie Christie, Cyril Cusack, Anton Diffring, Jeremy Spenser, Bee Duffell, Alex Scott u.a. – 1966, 110 Minuten

Inhaltsangabe

In einem totalitären Staat, in dem Bücher verboten sind, hat die Feuerwehr die Aufgabe, die letzten Exemplare aufzuspüren und zu verbrennen. Gefördert wird dagegen das staatlich kontrollierte Fernsehen. Guy Montag, einer der Feuerwehrmänner, beginnt durch die Begegnung mit einer unangepassten Lehrerin, am Sinn seiner Tätigkeit zu zweifeln und steckt bei den Einsätzen heimlich Bücher ein ...
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Kritik

François Truffaut verfilmte den Roman "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury fürs Kino. Es handelt sich um eine Hommage an die Literatur und ein Plädoyer für die Freiheit und Selbstbestimmung des Einzelnen.
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Wir befinden uns in einem totalitären Staat der Zukunft, in dem die Häuser feuersicher gebaut werden und die Feuerwehr nicht mehr die Aufgabe hat, Brände zu löschen, sondern die letzten Bücher aufzuspüren und zu verbrennen. Bücher sind nämlich strengstens verboten, weil die Lektüre unglücklich machen könnte und sich Buchautoren von ihren Mitmenschen abheben, also gegen die Gleichheit in dieser Gesellschaft verstoßen, in der jede Individualität und jedes eigenständige Denken unterdrückt wird.

Guy Montag (Oskar Werner) arbeitet seit fünf Jahren für die Feuerwehr 451. Sein Captain (Cyril Cusack) kündigt ihm eine bevorstehende Beförderung an. Während Montag mit seinen Kollegen Dienst tut und zu Einsätzen ausrückt, liegt seine Ehefrau Linda (Julie Christie) zu Hause vor einer Bildwand auf dem Sofa, verfolgt das staatlich kontrollierte Fernsehprogramm und nimmt Psychopharmaka [Drogenmissbrauch]. Eines Abends findet Montag sie bewusstlos auf dem Boden liegend vor: Sie hat versehentlich zu viele Tabletten geschluckt. Santäter pumpen ihr den Magen aus. Am anderen Morgen fühlt Linda sich wieder wohl und ahnt nichts von dem Geschehen am Vorabend. Sie lebt ausschließlich in der Gegenwart und vermag sich beispielsweise auch nicht an ihre erste Begegnung mit Guy Montag zu erinnern.

Mit einer Schwebebahn fährt Montag jeden Tag zur Feuerwehrwache und zurück. Wie alle anderen Fahrgäste steht er schweigend im Waggon – bis ihn eines Tages während der Heimfahrt eine Nachbarin anspricht und ihn auf dem Fußweg von der Bahnstation zu den Häusern begleitet. Clarisse (Julie Christie) möchte wissen, ob er die Bücher vor dem Verbrennen lese. „Nein“, antwortet er, „erstens würden sie ihn nicht interessieren und zweitens ist es verboten.“

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Die Frage lässt Montag jedoch keine Ruhe. Beim nächsten Einsatz steckt er heimlich eines der Bücher ein. Nachts liest er es. Heimlich hortet er in seinem Haus immer mehr Bücher. Er merkt, wie eintönig sein Leben ist, befreit sich aus seiner Lethargie, liest eifrig und beginnt, nach Selbstbestimmung zu streben.

Als Clarisse ihm erzählt, sie sei an dem Tag, an dem sie ihn ansprach, als Lehrerin abgelehnt worden, drängt er sie, nach den Gründen zu fragen. Damit er sie zur Schule begleiten kann, ruft Clarisse seinen Captain an, gibt sich als Linda aus und meldet ihn für den Tag krank.

Bei einem der nächsten Einsätze wird im Haus einer älteren Frau (Bee Duffell) eine Privatbibliothek entdeckt. Nachdem die Feuerwehrmänner die Bücher auf einen Haufen geworfen und die Vernichtung vorbereitet haben, fordern sie die Besitzerin auf, das Haus zu verlassen, aber sie weigert sich und verbrennt lieber mit den Büchern, als ohne sie weiterzuleben.

Weil der Feuerwehrmann Fabian (Anton Diffring) seinem Kollegen Montag die angekündigte Beförderung nicht gönnt, beobachtet er ihn argwöhnisch und meldet schließlich dem Captain, dass Montag heimlich Bücher mitnimmt. Zur gleichen Zeit denunziert Linda ihren Mann. Montag, der nichts davon ahnt, will kündigen, um nicht länger Bücher verbrennen zu müssen, aber sein Captain verlangt, dass er zu einem letzten Einsatz mit ausrückt: Die Feuerwehreinheit fährt zu Montags Haus, um es zu durchsuchen, die Bücher zu verbrennen und ihn festzunehmen. Doch es gelingt ihm, zu entkommen.

Clarisse, die ihrer eigenen Verhaftung ebenfalls im letzten Augenblick entging, erzählte ihm von so genannten Büchermenschen, die sich im Wald verstecken. Dorthin flieht Montag. Jeder der Dissidenten hat ein Buch auswendig gelernt, um es für die Nachwelt zu bewahren. Montag nimmt sich „Unheimliche Geschichten“ von Edgar Allan Poe vor.

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Auf einer Münzschreibmaschine in der Bibliothek der University of California in Los Angeles tippte Ray Bradbury (* 1920) 1950 die Kurzgeschichte „The Fire Man“, die er nach dem Abdruck zu dem 1953 veröffentlichten Roman „Fahrenheit 451“ ausbaute. (Eine Neuausgabe der deutschen Übersetzung des Buches von Fritz Güttinger aus dem Jahr 1955 erschien 2001 bei Heyne.) Nach eigener Aussage ging es Ray Bradbury in „Fahrenheit 451“ nicht um die Kritik an repressiven, totalitären Regimen, sondern er wollte vor dem Fernsehen warnen.

Der Titel bezieht sich auf die Temperatur, die erforderlich ist, um Papier zu entzünden: 451 Grad Fahrenheit (232,78 °C).

Bei der Verfilmung wich François Truffaut in einigen Punkten von der literarischen Vorlage ab: Montags Ehefrau heißt nun Linda statt Mildred, und Clarisse ist eine Lehrerin Mitte zwanzig, nicht eine Siebzehnjährige, die mit ihrer Familie ums Leben kommt. Die Figur des ehemaligen Wissenschaftlers Faber fehlt im Film ebenso wie der Bücher aufspürende Roboterhund und die Zerstörung der Stadt durch eine atomare Explosion.

„Fahrenheit 451“ ist eine Hommage an die Literatur und ein Plädoyer für die Freiheit und Selbstbestimmung des Einzelnen. Das Fernsehen wird – wie in „1984“ und „Equilibrium“ – als Instrument eines totalitären Regimes dargestellt. Während das Fernsehen zur Konformität beiträgt, assoziiert François Truffaut Bücher mit Individualität, Erinnerungen, Emotionen und kritischem Denken.

Viel Hoffnung macht der Film „Fahrenheit 451“ nicht, denn die Büchermenschen, die nur noch damit beschäftigt sind, ein Buch auswendig zu behalten, laufen im Wald aneinander vorbei, ohne zu kommunizieren. Was sie tun, scheint sinnlos zu sein. Immerhin sehen sie frei und zufrieden aus.

Ungeachtet des pessimistischen Inhalts ist „Fahrenheit 451“ kein düsterer Film. Dafür sorgen nicht zuletzt altmodische Accessoires wie die aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammenden Telefonapparate. François Truffaut erzählt die Geschichte chronologisch und unkompliziert. Allerdings wirkt „Fahrenheit 451“ spröd, konstruiert und artifiziell.

Folgende Bücher sind in „Fahrenheit 451“ zu sehen: Jane Austen: Stolz und Vorurteil; Samuel Beckett: Warten auf Godot; Brendan Behan: Bekenntnisse eines irischen Rebellen; Ray Bradbury: Die Mars-Chroniken; Lewis Carroll: Alice im Wunderland; Miguel de Cervantes: Don Quijote de la Mancha; Carlo Collodi: Die Abenteuer von Pinocchio; Bildband über Salvador Dalì; Daniel Defoe: Robinson Crusoe; Charles Dickens: David Copperfield; Gustave Flaubert: Madame Bovary; Jean Genet: Tagebuch eines Diebes; Johann Wolfgang von Goethe: Faust; Adolf Hitler: Mein Kampf; Gotthold Ephraim Lessing: Minna von Barnhelm; Niccolò Machiavelli: Der Fürst; William Somerset Maugham: Silbermond und Kupfermünze; Herman Melville: Moby Dick; Henry Miller: Plexus; Vladimir Nabokov: Lolita; Platon: Der Staat; Edgar Allan Poe: Unheimliche Geschichten; Donatien Alphonse-François Marquis de Sade: Justine; Jean-Paul Sartre: Die Judenfrage; William Shakespeare: Othello. Der Moor von Venedig; Stendhal: Leben des Henry Brulard; William Makepeace Thackeray: Vanity Fair; Iwan Sergejewitsch Turgenjew: Väter und Söhne; Mark Twain: Tom Sawyers Abenteuer; u. a.

Oskar Werner, der sich in der deutschsprachigen Version selbst synchronisiert, soll während der Dreharbeiten immer wieder mit François Truffaut darüber gestritten haben, wie die Rolle zu spielen sei. Angeblich zerbrach darüber ihre Freundschaft.

Bei der im Film zu sehenden Schwebebahn handelte es sich um Aufnahmen von einer 1960 bei Châteauneuf-sur-Loire errichteten Teststrecke.

Inzwischen gilt „Fahrenheit 451“ längst als Klassiker der Science Fiction.

Ohne den Autor Ray Bradbury um Erlaubnis zu fragen, wählte Michael Moore für einen seiner Filme den Titel „Fahrenheit 9/11“ („the temperature where freedom burns“).

Für 2010 ist eine Neuverfilmung von „Fahrenheit 451“ geplant (Regie und Drehbuch: Frank Darabont).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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