Liebesleben

Liebesleben

Liebesleben

Originaltitel: Liebesleben – Regie: Maria Schrader – Drehbuch: Maria Schrader, Laila Stieler, nach dem Roman "Liebesleben" von Zeruya Shalev – Kamera: Benedict Neuenfels – Schnitt: Antje Zynga – Darsteller: Neta Garty / Netta Garti, Rade Serbedzija / Rade Sherbedgia, Tovah Feldshuh, Stephen Singer, Ishai Golan, Aryeh Moskona, Caroline Sihol, Assi Dayan, Clara Khoury u.a. – 2007; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Ja'ara ist seit 5 Jahren mit Joni verheiratet. Als sie Arie begegnet, einem Jugendfreund ihres Vaters, der jahrezehntelang im Ausland lebte, wird sie aus der Bahn geworfen: Sie verfällt dem älteren Mann. Der Egozentriker schläft mit ihr, scheint sich aber nichts daraus zu machen, und obwohl er Ja'ara immer wieder demütigt, kommt sie nicht von ihm los. Ihre Ehe, ihre Abschlussarbeit an der Universität, ihre Zukunftspläne – das alles zählt nicht mehr für sie ...
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Kritik

"Liebesleben" – die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Zeruya Shalev durch Maria Schrader – ist v.a. aufgrund einer dichten, beklemmenden Atmosphäre und optischer Qualitäten sehenswert.
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Ja’ara (Neta Garty / Netta Garti) studiert in Jerusalem Bibelwissenschaften, verdient ein wenig Geld als Fremdenführerin in der Grabeskirche und steht vor der Aufgabe, ihre Magisterarbeit zu schreiben. Ihr Professor (Assi Dayan) hat sie für eine Assistentenstelle vorgesehen. Seit fünf Jahren ist Ja’ara mit Joni (Ishai Golan) verheiratet, einem sanften, unauffälligen Mann, der im Computer-Service-Unternehmen seines Vaters beschäftigt ist.

Anlässlich des 60. Geburtstags ihres Vaters Leon Korman (Stephen Singer) lädt Ja’ara die Eltern zu einem Picknick auf dem Ölberg ein. Aber sie wartet vergeblich auf sie. Besorgt eilt sie zu ihnen. Ein Fremder öffnet die Türe. Ihre Mutter Hannah (Tovah Feldshuh) liegt im Schlafzimmer und behauptet, sich nicht wohlzufühlen, obwohl ihr offenbar nichts fehlt. Leon stellt seiner Tochter den Besucher vor: Arie Even (Rade Serbedzija / Rade Sherbedgia), ein alter Freund, lebte jahrzehntelang in Frankreich und kehrte erst kürzlich nach Israel zurück.

Ihre Gefühle beim Anblick Aries verstören Ja’ara. Sie verabschiedet sich deshalb nach wenigen Minuten und schaut bei ihrer Freundin Schira (Clara Khoury) vorbei. Die ist nicht zu Hause, aber ihr Kater Tulja springt aus dem offenen Küchenfenster und läuft Ja’ara nach. Sie schickt ihn zurück und schleicht Arie nach, der soeben das Haus ihrer Eltern verlässt. Tulja wird von einem Auto totgefahren, aber Ja’ara geht weiter. Als Schira ein paar Stunden später verzweifelt bei ihr anruft, verschweigt Ja’ara, dass sie bei ihrer Wohnung war und die Katze überfahren wurde. Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie Schira bereits Joni wegnahm. Jetzt hat Schira durch Ja’aras Schuld nicht einmal mehr ihren Kater.

Zufällig sieht Ja’ara den vermeintlichen Freund ihres Vaters in einem Bekleidungsgeschäft. Eine junge Französin (Gillian Buick) begleitet ihn. Ja’ara geht mit einem Kleid aus dem Schaufenster in die Kabine und wartet dort auf Arie. Die kurze, heimliche Begegnung ist voller Spannung. Die Verkäuferin fragt nach Aries Telefonnummer, um ihn anrufen zu können, sobald die Änderungen an den gekauften Kleidungsstücken fertig sind. Er wiederholt die Nummer laut und deutlich, damit auch Ja’ara sie hört.

Sie telefoniert mit ihm, und er gibt ihr seine Adresse. Als sie zu ihm kommt, nimmt er sie rasch und lieblos im Stehen und schickt sie dann fort. Angeblich erwartet er seine Ehefrau. Ja’ara erfährt jedoch kurz darauf, dass Joséphine im Krankenhaus liegt.

Als Joni für Schira eine neue Katze kauft, ist Ja’ara entsetzt: Wird man auch als Ehefrau so schnell und leicht ersetzt?

Ein paar Tage später schlägt Arie ihr einen gemeinsamen Ausflug zum Meer vor, nicht ohne zu betonen, dass seine anderen Geliebten keine Zeit hätten und Ja’ara die letzte auf seiner Liste sei. Trotz dieser neuen Demütigung nimmt Ja’ara die Einladung an. Und im Auto folgt sie seiner Aufforderung, ihren Slip auszuziehen. Er fährt mit ihr nach Akko zu einem ehemaligen Richter. Nathan (Aryeh Moskona / Arie Moskona) schaut zu, als Arie mit Ja’ara ins Bett geht. Nach einer Weile überlässt Arie sie Nathan, dessen Erektion allerdings nicht ausreicht, um in sie einzudringen. Nachdem er den Versuch aufgegeben hat und Arie seinen Platz wieder übernommen hat, lehnt Ja’ara sich gegen Schaul, und beide Männer kommen gleichzeitig zum Orgasmus.

Auf dem Rückweg beklagt Arie sich darüber, dass ihn alles langweile und er immer stärkere Reize benötige, um für kurze Zeit aus seiner Lethargie herauszukommen. „Du bist so hungrig, und ich bin so satt.“

Während Ja’ara mit Arie unterwegs ist, ergreift ihre Mutter in der Küche ein zerknüllt herumliegendes Tuch. Sie denkt nicht mehr daran, dass Ja’ara damit die Splitter eines bei der Geburtstagsfeier ihres Mannes zerbrochenen Glases aufhob und schneidet sich die Hand auf. Hannah muss ins Krankenhaus.

Im Krankenhaus besucht Ja’ara auch Joséphine (Caroline Sihol / Caroline Silhol). Die unter Morphium stehende Todkranke erzählt ihr, dass sie Arie an dem Tag zum ersten Mal gesehen habe, an dem Ja’ara geboren wurde. Hannah sei damals seine Lebensgefährtin gewesen. Ja’ara glaubt zunächst, sich verhört zu haben, denn sie dachte, Arie sei mit ihrem Vater befreundet gewesen, aber die Sterbende wiederholt ihre Aussage.

Bald darauf stirbt Joséphine.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Joni überrascht seine Frau mit einer nachgeholten Hochzeitsreise nach Istanbul. Das Geld dafür bekam er von ihren Eltern. Ja’ara beginnt, einen Koffer zu packen, denn Joni hat einen Flug am nächsten Morgen gebucht. Sie freut sich auf die Reise. Doch als Arie am Abend anruft und sie auffordert, zu ihm zu kommen, erklärt sie Joni, er müsse allein fliegen.

Am nächsten Morgen erwacht sie in Aries Bett und stellt fest, dass sie in seinem Schlafzimmer eingesperrt ist. Aus dem Wohnzimmer hört sie die Trauergäste, die zur Schiwa gekommen sind. Erst am Abend schließt Arie die Türe auf, aber kurz darauf treffen neue Gäste ein, darunter Ja’aras Eltern. Als Leo zur Toilette muss, schickt Arie ihn absichtlich durchs Schlafzimmer. Ja’ara versteckt sich im Bad hinter dem Duschvorhang. Ihr Vater merkt, dass jemand da ist, wagt es jedoch nicht, den Duschvorhang zu öffnen. Obwohl er Ja’aras Schuhe gesehen haben muss, erzählt er den anderen stolz, dass seine Tochter mit ihrem Ehemann nach Istanbul gereist sei.

Als Arie mit Ja’ara allein ist, erzählt er ihr, dass Hannah die große Liebe seines Lebens gewesen sei. Wegen seiner Zeugungsunfähigkeit zog sie ihm jedoch Leon vor, denn sie wollte Kinder kriegen. Die Zurückweisung verzieh er ihr nicht, und als sie mit dem Säugling Ja’ara zu ihm nach Paris kam, schickte er sie fort. Deshalb hasst Hannah ihn bis heute. Leon musste damals wegen einer Depression in der Psychiatrie behandelt werden.

Ja’ara geht nach Hause und trifft dort auf ihre putzende Mutter. „Ich räume dein Leben auf“, erklärt Hannah und kündigt Jonis Rückkehr aus Istanbul an. Von Ja’aras amour fou will sie nichts wissen. Aber Ja’ara versteht ihre Mutter jetzt und findet dadurch zu sich selbst. Voller Tatendrang nimmt sie sich vor, endlich ihre Magisterarbeit zu schreiben.

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Die Schauspielerin Maria Schrader verfilmte den Roman „Liebesleben“ von Zeruya Shalev und führte dabei nicht nur zum ersten Mal Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Sie hielt sich weitgehend an die literarische Vorlage, ließ jedoch einige Handlungsstränge weg und fügte einige Szenen hinzu.

In der erschütternden Geschichte geht es um den amour fou einer israelischen Studentin, deren Vater ein Schwächling ist, die sich von ihrem sanften Ehepartner ein harmonisches Leben versprach und nun plötzlich einem schroffen Mann verfällt, der nicht nur so alt wie ihr Vater ist, sondern sie auch immer wieder demütigt.

Im Film gelingt es weniger überzeugend als im Roman, Ja’anas Hörigkeit verständlich zu machen, nicht zuletzt, weil Zeruya Shalev die Protagonistin aus der Innenschau darstellt, während Maria Schrader sie nur von außen zeigen kann. (Es ist gut, dass im Film nicht versucht wird, den inneren Monolog der Protagonistin durch eine Sprecherin aus dem Off nachzuahmen.) Dass Ja’anas scheinbar selbstzerstörerisches Liebesleben im Buch besser nachzuvollziehen ist, liegt aber auch daran, dass Zeruya Shalev die Hauptfigur als Frau darstellt, die hellwach beobachtet, was mit ihr geschieht, während Maria Schrader sie anfangs wie eine Schlafwandlerin stilisiert, die – wie der Kater Tulja – unachtsam vor fahrende Autos läuft.

„Liebesleben“ ist ein symbolträchtiger Film mit einer dichten, beklemmenden Atmosphäre. Die erste Szene in Aries Wohnung erinnert an „Der letzte Tango in Paris“. Die Besetzung ist vorzüglich. Hervorzuheben sind die stimmungsvollen Bilder (Benedict Neuenfels) in „Liebesleben“ und der elegant fließende Schnitt (Antje Zynga).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

Zeruya Shalev: Liebesleben

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