Annas Heimkehr

Annas Heimkehr

Annas Heimkehr

Originaltitel: Annas Heimkehr - Regie: Xaver Schwarzenberger - Drehbuch: Herbert Knopp - Kamera: Xaver Schwarzenberger - Schnitt: Helga Borsche - Musik: Arthur Lauber - Darsteller: Veronica Ferres, Julia Krombach, Herbert Knaup, Julia Stemberger, Andrea Eckert, Veronika Fitz, Jens Harzer, Erni Mangold, Karl Markovics, James Matthews, Thommy Schwimmer u.a. - 2003; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Familie Goldberg will München 1942 verlassen und nach London emigrieren. Am Abend vor der Abreise wird das jüdische Ehepaar aus der Wohnung geholt. Nur Franzi entgeht dem Zugriff, weil das frühere Hausmädchen Anna sie versteckt. Anna gibt die Neunjährige als ihre eigene Tochter aus und nimmt sie mit in ihr Heimatdorf im Bayrischen Wald, wo ihr Bruder Toni inzwischen Bürgermeister ist und wissen möchte, wer der Vater des Kindes ist ...
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Kritik

"Annas Heimkehr" ist ein spannendes und handwerklich gut inszeniertes Drama, mit dem Xaver Schwarzenberger zeigen möchte, dass es auch im "Dritten Reich" einfache Menschen gab, die ohne zu zögern und ungeachtet der Gefahr, der sie sich dadurch aussetzten, Zivilcourage bewiesen.
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München 1942: Das Hausmädchen Anna Schweighofer (Veronica Ferres) stiehlt von ihren Arbeitgebern, einer nationalsozialistischen Familie, die ein großes Haus führt und am nächsten Tag den Besuch des Reichsführers-SS erwartet, Speck, Wein und Zigarren und bringt das Diebesgut zu der hungernden Familie Goldberg, die sich wegen der Übergriffe gegen Juden in den Räumen hinter ihrer zerstörten Buchhandlung verbirgt und nicht mehr auf die Straße wagt. Die Koffer sind bereits gepackt, denn am nächsten Morgen um 6 Uhr wollen sie den Zug nach Zürich nehmen, um auf diesem Umweg nach London zu emigrieren. Bevor die Lebensmöglichkeiten der Juden im Deutschen Reich durch nationalsozialistische Gesetze immer stärker eingeschränkt wurden, hatte Anna für die Familie Goldberg gearbeitet und sich auch mit der inzwischen neunjährigen Tochter Franziska (Julia Krombach) angefreundet. Wie früher bringt Anna das Mädchen an diesem Abend ins Bett und singt ihr noch ein Schlaflied vor. Da pocht jemand gegen die Haustür. Anna hört, wie das Ehepaar Goldberg festgenommen wird. Sie versteckt Franzi in einem Wandschrank und verbirgt sich selbst hinter einer Tür, als zwei Uniformierte das Haus durchsuchen.

Am nächsten Morgen nimmt Anna mit Franzi den Bus nach Drachselreuth im Bayrischen Wald. Es handelt sich um ihr Heimatdort. Von dort war sie vor zehn Jahren nach dem Tod ihres Vaters wegen der Erbstreitigkeiten ihres Bruders Toni (Herbert Knaup) mit der Mutter fortgezogen. Während der Fahrt schärft sie Franzi ein, so zu tun, als sei sie Annas uneheliche Tochter.

Toni trägt eine SA-Uniform. Ihm gehört in Drachselreuth nicht nur die von den Eltern geerbte Gaststätte, sondern er stieg inzwischen auch zum Ortsgruppenleiter und Bürgermeister auf. Die bigotte Mutter verdrängte er aus dem Haus, weil sie mit ihrem fortwährenden Schimpfen über die gottlosen Nationalsozialisten seine Karriere hätte gefährden können. Widerwillig lässt er sich von seiner Ehefrau Helene (Julia Stemberger) überreden, Anna und Franzi aufzunehmen. Weil er nicht aufhört, sich nach dem Vater des Kindes zu erkundigen, tischt Anna ihm schließlich eine Lüge über einen nationalsozialistischen Offizier auf, mit dem sie 1933 nach einem Pferderennen in München-Riem ein „Amazonenfest“ im Nymphenburger Park besucht habe.

Franzi vermisst ihre Eltern. Die seien jetzt in London, lügt Anna, aber als Franzi beim Bier-Austragen in der Wirtschaft Toni von der „Endlösung“ reden hört, macht sie sich eigene Gedanken über das Schicksal ihrer Eltern.

Vor dem sonntäglichen Kirchgang rät Anna ihrem Schützling, einfach alles nachzumachen, was die Kinder neben ihr tun. So kommt es, dass Franzi mit den anderen Mädchen zur Kommunion geht. Als der Pfarrer mit den Hostien zu ihr kommt, fragt er sie, ob sie bereits zur Erstkommunion gewesen sei, und als sie darauf nichts antwortet, scheucht er sie fort. Die Dorfbewohner wundern sich, doch Anna erklärt Franzis Unkenntnis der kirchlichen Gebräuche, indem sie behauptet, sie habe das Kind nicht taufen lassen.

Anna befürchtet, dass ihre Lüge aufgedeckt werden könnte. Deshalb atmet sie auf, als ihr Bruder für Franzi einen Ariernachweis und einen Pass besorgt. „Das hat mich zwanzig Kilo Ochsenlende gekostet“, murrt Toni. Außerdem hat er dabei herausgefunden, dass in München keine Franziska Schweighofer gemeldet ist. „Hab ich vergessen, dir zu sagen, dass sie in Landshut geboren wurde?“, erwidert Anna.

Schließlich muss Franzi auch in die Schule. Dort wird sie zunächst als Stadtkind verhöhnt, aber im Lauf der Zeit vergessen Lehrer und Schüler ihre Vorurteile gegen sie.

Der Gefreite Kurt Ramsauer kommt für ein Paar Tage auf Heimaturlaub von der Front. Seine Verlobung mit Anna war vor zehn Jahren am Widerstand seines Vaters gescheitert. Die Frau, die er dann geheiratet hatte, wohnt inzwischen ohne ihn in Viechtach. Als Kurt erfährt, dass Anna ein halbes Jahr nach der Trennung von ihm ein Kind geboren haben soll, nimmt er an, er sei der Vater und drängt Anna, doch noch seine Frau zu werden.

Außer Kurt gibt es noch einen Mann, der Anna zurückgewinnen will: SS-Obersturmbannführer Gregor Brunner (Karl Markovics). Bevor die Nationalsozialisten an die Macht kamen, hatte er als Aushilfskellner gearbeitet und sich damals in Anna verliebt. Anna versucht, den aufdringlichen SS-Offizier auf Distanz zu halten, aber durch seine Beziehungen findet er heraus, dass sie von 1932 bis 1939 in München bei der Familie Goldberg in Stellung war und bei der Festnahme der Goldbergs 1942 die Tochter Franzi fehlte. Mit seinem Wissen erpresst er Anna, und sie wagt es nicht, sich ihm zu verweigern.

In ihrer Verzweiflung will Anna vom Priester im Beichtstuhl wissen, was mit den Juden geschieht. Daraufhin fragt er sie entsetzt, ob es sich bei Franzi um eine Jüdin handelt. Anna rennt aus dem Beichtstuhl. Ein paar Stunden später verlangt Toni von ihr, sein Haus zu verlassen, denn der Geistliche hat ihm trotz des Beichtgeheimnisses von dem Vorfall erzählt. Helene setzt sich dafür ein, dass Anna bleibt, aber sie will nun auch die Wahrheit wissen.

Anna geht mit Franzi zu Kurt und dessen verwitweter Mutter Klara. Sie verbringt die Nacht mit ihrem früheren Verlobten und am Morgen gesteht sie ihm die Wahrheit über Franzi und deren Eltern. „Dann soll jetzt die Franzi Ramsauer aus ihr werden“, meint Kurt.

Gregor hat die ganze Nacht in seinem Wagen vor dem Ramsauer-Hof gewartet. Anna will mit Franzi an ihm vorbei, ohne ein Wort zu sagen. Als er begreift, dass er Anna nicht haben kann, befiehlt er ihr wütend, mit Franzi ins Auto zu steigen: Er will sie festnehmen. Anna und Franzi fliehen. Gregor zieht seine Pistole und zielt auf Annas Rücken, doch bevor er abdrücken kann, bricht er er tot zusammen: Kurt hat ihn mit einem Gewehr erschossen.

Weil der Bürgermeister nicht riskieren kann, dass die Sache mit den Ausweispapieren für Franzi aufkommt, übernimmt er in seinen offiziellen Bericht die Version, der SS-Obersturmbannführer sei einem Tieffliegerangriff zum Opfer gefallen.

Kurt muss wieder an die Front und kehrt nicht mehr von dort zurück.

Kurz bevor die ersten amerikanischen Panzer nach Drachselreuth kommen, versuchen Toni und Helene, so viel Belastungsmaterial wie möglich zu verbrennen. Die Uniform vertauscht Toni mit einem Straßenanzug. Nein, er sei kein Ortsgruppenleiter gewesen, beteuert er gegenüber einem US-Offizier, sondern lediglich Bürgermeister. „Du Feigling!“, schimpft daraufhin sein minderjähriger Sohn Otto, den er zu einem strammen Hitler-Jungen erzog. Toni wird festgenommen. Auf die Bitte Helenes hin sagt Anna aus, ihr Bruder habe von Anfang an gewusst, dass es sich bei Franzi um eine Jüdin handelt und ihr trotzdem geholfen. Daraufhin wird Toni wieder freigelassen.

Am Tag bevor Anna mit Franzi nach München fahren will, um nach deren Eltern zu suchen, kommt der Dorfpriester vorbei: Er hat sich über die nationalsozialistischen Gräueltaten erkundigt und dabei erfahren, dass auch das Ehepaar Goldberg in Auschwitz ermordet wurde.

Anna würde gern das Mädchen, das längst „Mama“ zu ihr sagt, bei sich behalten, aber das wäre unrecht, glaubt sie und veranlasst deshalb, dass ein britischer Offizier Franzi abholt. Er wird dafür sorgen, dass sie zu ihrer Tante Lydia nach London gebracht wird. Damit Franzi in den Jeep steigt, tut sie so, als käme sie mit, aber sie gibt dem Fahrer ein Zeichen, ohne sie loszufahren – und hört Franzi nach lange schreien.

Jahre später betritt Anna in München eine Buchhandlung „Goldberg“. Franzi ist die Besitzerin. Die beiden Frauen fallen sich in die Arme.

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„Annas Heimkehr“ ist ein spannendes und handwerklich gut inszeniertes Drama, mit dem Xaver Schwarzenberger zeigen möchte, dass es auch im „Dritten Reich“ einfache Menschen gab, die ohne zu zögern und ungeachtet der Gefahr, der sie sich dadurch aussetzten, Zivilcourage bewiesen. „Man bezahlt für alles im Leben“, sagt Anna einmal. Das Dienstmädchen rettet ein jüdisches Mädchen und opfert dafür ihr eigenes Glück.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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