Der Tiger oder Was Frauen lieben!

Der Tiger oder Was Frauen lieben!

Der Tiger oder Was Frauen lieben!

Originaltitel: Der Tiger oder Was Frauen lieben! – Regie: Niki Stein – Drehbuch: Nikolaus Stein von Kamienski alias Niki Stein – Kamera: Arthur W. Ahrweiler – Schnitt: Silke Franken – Musik: Jacki Engelken, Ulrik Spies – Darsteller: Herbert Knaup, Ben Becker, Susanne Lothar, Jan-Gregor Kremp, Stefanie Stappenbeck, Wanja Mues, Katharina Müller-Elmau, Johanna Gastdorf, Peter Fitz, Karoline Teska, Joseph K. Bundschuh u.a. – 2009; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Der Verlagslektor Franz Reinhard ist gerade mit der Buchautorin Hannah Schneider im Bett, als das Telefon klingelt und man ihm mitteilt, dass seine Ehefrau, die Rechtsanwältin Simone Reinhard, schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Bevor sie stirbt, gesteht sie, dass sie einen Geliebten hatte. Die Identifikation des Nebenbuhlers wird für Franz zur Obsession. Bei der Beerdigung lässt ein proletenhafter Gangster zwei Bodyguards einen Kranz niederlegen, auf dessen Schleife Franz liest: "In Liebe dein Tiger" ...
mehr erfahren

Kritik

"Der Tiger oder Was Frauen lieben!" ist eine überdrehte, sehr unterhaltsame Groteske von Niki Stein. Tragik, Komik und Klamauk sind hier kaum zu trennen.
mehr erfahren

Während seine Ehefrau, die Rechtsanwältin Simone Reinhard (Katharina Müller-Elmau), geschäftlich verreist ist, liegt der Verlagslektor Franz Reinhard (Herbert Knaup) zu Hause in Frankfurt am Main mit der Buchautorin Hannah Schneider (Susanne Lothar) im Bett. „Eine feste Beziehung ist nichts weiter als Zwangsprostitution“, stöhnt Hannah, bevor sie zum Orgasmus kommt. Gleich darauf klingelt das Telefon: Eine Krankenhausärztin in Fulda (Johanna Gastdorf) teilt Franz mit, dass Simone bei einem schweren Verkehrsunfall lebensgefährlich verletzt wurde.

Er rast sofort los. Seine Frau liegt auf der Intensivstation. Gegen die Schmerzen hat man ihr Morphium injiziert. Als sie ihn fragt, ob er sie jemals betrogen habe, beteuert Franz, er sei ihr immer treu gewesen. Da gesteht Simone ihm flüsternd, dass sie einen Geliebten hatte, und bevor Franz begreift, was er gerade hörte, stirbt sie.

Die Suche nach dem Liebhaber der Frau, mit der er über zwanzig Jahre verheiratet war und mit der er zwei Kinder hat – Teresa (Karoline Teska) und Max (Joseph Konrad Bundschuh) –, wird für Franz zur Obsession. Die Freunde und Nachbarn Ute und Konrad (Stefanie Stappenbeck, Jan Gregor Kremp) können ihn nicht davon abhalten, sich in eine Art Hysterie hineinzusteigern. Weil er an nichts anderes denken kann und von Aggressionen umgetrieben wird, beschimpft er Hannah während einer Verlagsbesprechung als mittelmäßige Autorin. Vergeblich versucht der Verleger Dr. Peter Goerden (Peter Fitz) die Wogen zu glätten: Hannah Schneider verlässt den Verlag.

Als Erstes verdächtigt Franz den Sekretär seiner Frau, Mark (Wanja Mues), aber Hannah, die sich einmal von Simone in deren Kanzlei beraten ließ, klärt ihn darüber auf, dass der junge Mann schwul ist. Sie vermutet, dass Simone gar nicht fremd gefangen war, aber wusste, dass Franz sie betrog und sich auf diese Weise an ihm rächen wollte. Es scheint ja auch zu funktionieren: Franz wurde durch die Annahme, seine Frau habe ihn betrogen, völlig aus der Bahn geworfen.

Dann klingelt Simones Handy. Es meldet sich ein Mann, der sich „Tiger“ nennt. Also gab es doch einen Lover! Wie kommt Franz an ihn heran? Statt der zunächst vorgesehenen Trauerfeier im engsten Kreis lädt er nun alle Herren zu dem Begräbnis ein, deren Namen er in Simones Adressbuch findet. Und weil Mark ihm erzählte, dass die Anwältin nichts dagegen hatte, wenn er im Büro Verdi-Musik hörte, engagiert er eine Sopranistin und ein Streichorchester. Teresa ist entsetzt, denn ihre Mutter liebte Bach und hätte die pompöse Feier verabscheut. Franz weiß das nicht und kann auch nicht angeben, welches die Lieblingsblumen seiner Frau waren.

Auf dem Friedhof taucht ein Gangster auf (Ben Becker), und seine beiden Leibwächter tragen einen überdimensionalen Kranz zum Grab. Auf der Schleife liest Franz „In Liebe dein Tiger“.

Statt sich um die Trauergäste zu kümmern, folgt er Tiger. Es stellt sich heraus, dass der Gangster, der mit bürgerlichem Namen Michael Maier heißt, in einem Mordprozess von Simone Reinhard verteidigt worden war. Er verbüßte eine Haftstrafe und lebt nun die meiste Zeit in seiner luxuriösen Villa in Andalusien. Franz gibt in einem Telefongespräch vor, sein Verlag plane ein Buch über Tiger. Dann fliegt er nach Spanien. Der eitle Ganove verlangt für das Buch eine Million Euro und eine neue Identität.

Bei einem Treffen werden Franz und Tiger zuerst von der Polizei und dann von zwei anderen Ganoven verfolgt, aber Tiger bringt den Streifenwagen in einem Tunnel zum Schleudern und erschießt die beiden Kriminellen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Ein paar Tage später wird der Lektor von Inge (Barbara Philipp) abgeholt, der Geliebten des Gangsters. Als sie in der Villa eintreffen, ertappen sie Tiger mit Hannah Schneider am Pool. Die Autorin bindet das heruntergelassene Oberteil ihres Kleides hoch und erklärt Franz, sie wolle ein Buch über den Tiger schreiben und habe ihm ein entsprechendes Angebot gemacht. Auf diese Weise versucht sie sich für die Abfuhr durch ihren Lektor und Geliebten zu rächen.

Nach der Landung in Frankfurt sieht Franz erstaunt, dass Hannah, die in derselben Maschine saß, von Konrad abgeholt wird. Kurz darauf erhält er einen Anruf seines Freundes: Konrad beschwört ihn, Ute nichts zu erzählen, denn sie glaubt, er sei bei einem Philologenkongress in Nürnberg.

Während Konrad noch mit Hannah zusammen ist, kommt Ute aufgewühlt zu Franz und zeigt ihm Liebesbriefe ihres Mannes, die sie gerade entdeckte. Franz nimmt an, sie seien von Hannah und versucht, die Nachbarin zu beschwichtigen. Ute wundert sich, wie gelassen er bleibt, denn die Briefe sind von Simone. Als er es begreift, lauert er Konrad auf und zwingt ihn mit vorgehaltener Pistole, mit ihm zu einem Autobahnparkplatz zu fahren. Dort klingelt sein Handy: Tiger erklärt ihm, er wolle das Buch „Glanz und Elend“ nicht mit Hannah, sondern mit dem Verlag machen. Franz erklärt ihm barsch, er sei nicht daran interessiert, und Konrad nutzt die Ablenkung, um mit dem Wagen zu fliehen.

Franz geht zu Fuß auf dem Standstreifen der Autobahn. Da hält ein Wagen neben ihm. Tiger steigt aus und bedroht Franz mit einer Pistole. Bei der Rangelei löst sich aus der Waffe, die Franz eingesteckt hat, ein Schuss und trifft den Gangster in die Brust. „Entschuldigung“, murmelt Franz. Tiger taumelt auf die Fahrbahn. Bevor er tot zusammenbricht, gelingt es ihm noch, den Lektor zu erschießen. Im Sterben träumt Franz, wie er neben einer Schafherde in Spanien aufwacht und in einer Finca Simone sieht, die jedoch nichts von ihm wissen will, sondern zu Tiger geht.

nach oben

„Der Tiger oder Was Frauen lieben!“ ist eine überdrehte, sehr unterhaltsame Groteske von Niki Stein (eigentlich: Nikolaus Stein von Kamienski). Tragik, Komik und Klamauk sind hier kaum zu trennen. Im Mittelpunkt steht ein egomanischer Intellektueller, der aus der Bahn geworfen wird, als er kurz vor dem Tod seiner Ehefrau erfährt, dass sie ihn betrog. Durch die selbstzerstörerische Obsession, den Liebhaber zu identifizieren, gerät er in peinliche Situationen und macht sich lächerlich. Beim Counterpart dieses Bücher-Menschen handelt es sich um einen ebenso eitlen Proleten. Die beiden gegensätzlichen Figuren werden von Herbert Knaup und Ben Becker schön überspitzt dargestellt; stiller ist die Rolle von Jan-Gregor Kremp, aber er spielt nicht weniger gut.

Die Dreharbeiten für „Der Tiger oder Was Frauen lieben!“ fanden vom 15. März bis 23. April 2008 vorwiegend in Frankfurt am Main und Malaga statt.

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

Niki Stein (kurze Biografie / Filmografie)

Niki Stein: Die Quittung
Niki Stein: Der Mann im Strom
Niki Stein: Bis nichts mehr bleibt
Niki Stein: Morgen musst du sterben
Niki Stein: Vater Mutter Mörder
Niki Stein: Der Tote im Eis

Hugo Claus - Der Schwertfisch
Aus dreizehn Szenen – Vor- und Rückblenden, inneren Monologen und Andeutungen – montiert Hugo Claus den Roman "Der Schwertfisch". Nicht mitfühlend, sondern sarkastisch wirkt die ebenso spannende wie bedrückende Darstellung.
Der Schwertfisch

Hugo Claus

Der Schwertfisch

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.