Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos : Gefährliche Liebschaften

Gefährliche Liebschaften
Originalausgabe: Les liaisons dangereuses, 1782 Gefährliche Liebschaften Übersetzung: Hans Kauders Winkler-Verlag, München 1959 Neuübersetzung: Wolfgang Tschöke Hanser Verlag, München 2003 Taschenbuch: dtv, München 2007 ISBN 978-3-423-13560-3, 541 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe


Aus Langeweile und um sich zu beweisen, dass sie ihren Bekannten überlegen ist und diese nach Belieben manipulieren kann, spinnt die Marquise de Merteuil ein Netzwerk ebenso perfider wie raffinierter Intrigen. Eine davon richtet sich gegen ihren früheren Liebhaber Conte de Gercourt, der vorhat, die 15-jährige Cécile zu heiraten ...


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Kritik

Der Briefroman "Gefährliche Liebschaften" ist eine raffiniert-maliziöse Satire über die Verdorbenheit der französischen Aristokraten am Vorabend der Großen Revolution.
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Die Handlung spielt unmittelbar vor der Französischen Revolution.

Nicht nur aus Langeweile, sondern auch um sich zu beweisen, dass sie ihren Bekannten überlegen ist und diese nach Belieben manipulieren kann, spinnt die verwitwete Marquise de Merteuil ein Netzwerk von Intrigen. Sie beklagt sich darüber, dass für einen Mann jede Eroberung einer Frau einen Sieg darstellt, der mit einer Niederlage der Frau einhergeht.

Als die perfide Aristokratin von ihrem Liebhaber Conte de Gercourt verlassen wird, sinnt sie auf Rache. Zu ihrem Plan gehört es, die geplante Eheschließung Gercourts mit Cécile, der fünfzehnjährigen Tochter von Madame de Volanges, zu vereiteln. Isabelle de Merteuil erschleicht das Vertrauen der naiven Klosterschülerin und überredet sie, ihrem Musiklehrer, dem schwärmerischen Chevalier Danceny, Liebesbriefe zu schreiben – und sorgt dafür, dass Madame de Volange sie findet. Während sie Danceny verführt, animiert sie den Viconte de Valmont durch eine Wette dazu, das unschuldige Mädchen zu deflorieren.

Sébastien de Valmont, der sich für einen unwiderstehlichen Verführer hält, wird im Schloss seiner seiner Tante Madame de Rosemonde auf die zweiundzwanzigjährige Madame Marie de Tourvel aufmerksam. Sie außergewöhnlich schöne Frau ist verheiratet, und obwohl sie ihren Ehemann nicht liebt, käme es ihr nie in den Sinn, ihn zu betrügen. Außerdem wurde sie von Madame de Volange vor dem bekannten Frauenhelden gewarnt und versucht ihn deshalb auf Distanz zu halten. Ihre Tugendhaftigkeit und ihr Sträuben reizen Valmont um so mehr, und er setzt monatelang alle seine Verführungskünste ein – bis er Marie de Tourvel überzeugt hat, dass seine Liebe echt ist. Sie erwidert seine Gefühle und geht mit ihm ins Bett. Isabelle de Merteuil merkt, dass Valmont sich tatsächlich in Madame de Tourvel verliebt hat und macht ihm klar, dass er damit seinen Ruf als Libertin aufs Spiel setzt. Als der Egomaniker deshalb seine wahren Gefühle für Marie de Tourvel leugnet, bricht diese zusammen, zieht sich in ein Kloster zurück und stirbt später in geistiger Umnachtung.

Erst vor seinem Tod in einem von der Marquise initiierten Duell mit Danceny bekennt Valmont sich zu seiner Liebe und überlässt seinem Gegner Briefe, die Isabelle de Merteuils Intrigen beweisen. Durch die Veröffentlichung sorgt Danceny dafür, dass die Pariser Gesellschaft die Marquise ächtet. Isabelle de Merteuil wird durch Pockennarben entstellt und durch ein Gerichtsverfahren ruiniert. Sie verliert sowohl ihre Schönheit, als auch ihren Reichtum und ihr Ansehen.

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Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos zeigt in seinem 1782 veröffentlichten Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ die Verdorbenheit der französischen Aristokraten am Vorabend der Großen Revolution, aber er schreibt nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern bereitet dem Leser durch seine raffiniert-maliziösen Einfälle und den geschickten Wechsel der Perspektiven großes Vergnügen.

Eine erste Übersetzung des Romans ins Deutsche gab es bereits 1782/83. Weitere Übertragungen folgten, unter anderem von Heinrich Mann („Gefährliche Freundschaften“, 1905). Eine Neuübersetzung des Romans „Gefährliche Liebschaften“ von Wolfgang Tschöke erschien 2003 im Hanser Verlag.

Der Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ liegt auch dem Theaterstück „Quartett“ (1981) von Heiner Müller zugrunde.

Verfilmungen gibt es u. a. von Roger Vadim („Gefährliche Liebschaften“, 1959, mit Jeanne Moreau und Gérard Philipe), Miloš Forman („Valmont“, 1990, mit Annette Bening, Colin Firth, Fairuza Balk), Stephen Frears („Gefährliche Liebschaften“, 1990, mit John Malkovich, Glenn Close, Michelle Pfeiffer, Uma Thurman) und Josée Dayan („Gefährliche Liebschaften“, 2003, mit Catherine Deneuve, Rupert Everett, Leelee Sobieski, Nastassja Kinski). Ebenfalls 2003 verfilmte auch der koreanische Regisseur Je-yong Lee den Roman. Sein Film „Untold Scandal“ spielt während der Chosun-Dynastie (18. Jahrhundert) in Korea.

Untold Scandal – Originaltitel: Joseon namnyeo sangyeoljisa – Regie: Je-yong Lee – Drehbuch: Dae-woo Kim, Hyeon-jeong Kim, Je-yong Lee nach dem Roman „Gefährliche Liebschaften“ von Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos – Kamera: Byeong-il Kim – Schnitt: Kim Yang-Il – Musik: Byung-woo Lee – Darsteller: Mi-suk Lee, Do-yeon Jeon, Yong-jun Bae, Hyeon-jae Jo, So-yeon Lee u.a. – 2003; 120 Minuten

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002 / 2010

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