Es war einer von uns

Es war einer von uns

Es war einer von uns

Originaltitel: Es war einer von uns – Regie: Kai Wessel – Drehbuch: Astrid Ströher – Kamera: Klaus Eichhammer – Schnitt: Tina Freitag – Musik: Martin Todsharow – Darsteller: Maria Simon, Anja Kling, Devid Striesow, Patrick Heyn, Adam Bousdoukos, Hans-Jochen Wagner, Johanna Gastdorf, Kathrin Wehlisch, Helene Grass, Maren Kroymann, Gerhard Garbers, Rainer Sellien, Gitta Schweighöfer, Theresa Berlage, Andy Gatjen u.a. – 2010; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Am Morgen nach einer Party im Freundeskreis kommt Johanna Schröder in einem Waldstück zu sich und stellt fest, dass sie vergewaltigt wurde. Erinnern kann sie sich an nichts. Zwar hatte sie viel getrunken, aber einen solchen Blackout kann sie sich nicht erklären. Johanna erstattet Anzeige. In ihrem Blut werden Spuren von K.-o.-Tropfen gefunden. Entsetzt sagt Johanna zu ihrer Freundin Leonie: "Es war einer von uns!" Der Polizei gelingt es nicht, den Fall aufzuklären. Weil Johanna allen misstraut, die auf der Party waren, ziehen sich die Freunde von ihr zurück ...
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Kritik

Man kann "Es war einer von uns" als Psychothriller sehen, aber es ist vor allem eine psychologische Studie darüber, wie eine vergewaltigte Frau durch das Trauma aus der Bahn geworfen wird und mühsam versuchen muss, wieder ins "normale" Leben zurückzufinden.
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Auf ihrer Geburtstagsparty in einem Loft in Hamburg bittet Leonie Grothe (Anja Kling) die Gäste, sich schon mal den Termin ihrer geplanten Eheschließung mit Björn Reichsmann (Devid Striesow) vorzumerken. Bei den Anwesenden handelt es sich ausschließlich um gute Freunde Leonies, darunter ihre engste Freundin Johanna Schröder (Maria Simon).

Getrunken wird vor allem Champagner. Nach Mitternacht lässt Johanna ihr Glas für einige Zeit im Flur stehen. Als sie es dann in einem Zug austrinkt, schmeckt der Champagner schal. Kurz darauf beginnt sie zu taumeln. Sie hat zwar über den Abend verteilt eine Flasche Champagner getrunken, fühlt sich jedoch, als sei es bedeutend mehr gewesen. Gegen 2 Uhr bricht die Gesellschaft auf. Björn erklärt seiner Lebensgefährtin, er müsse noch einmal ins Büro, um an einer Präsentation zu arbeiten. Johanna fährt mit ihrem Rad los. In der Nähe ihrer Wohnung stürzt sie und verliert das Bewusstsein.

Als sie wieder zu sich kommt, liegt sie in einem Waldstück am Elbufer und muss erst ihren Slip hochziehen, um aufstehen zu können. Offenbar wurde sie vergewaltigt. Sie kann sich an nichts erinnern. War sie nach Leonies Party noch in einer anderen Kneipe und lernte dort einen Mann kennen? Sie weiß es nicht.

Johanna schleppt sich nach Hause und duscht. Dann geht sie zur Polizei und erstattet Anzeige.

Die Kommissarin Ute Burckhard (Johanna Gastdorf) geht den Angaben nach und vernimmt die Partygäste. Das Fahrrad bleibt verschwunden. In Johannas Blut werden Spuren von Gammahydroxybuttersäure gefunden. In niedriger Dosierung handele es sich dabei um die Partydroge Liquid Exstasy, erklärt Ute Burckhard, in höherer Dosierung wie in diesem Fall um sogenannte K.-o.-Tropfen bzw. eine „Vergewaltigungsdroge“. Nach ihren bisherigen Ermittlungen geht sie davon aus, dass die Substanz gegen Ende der Party in Johannas Glas gekippt wurde. Johanna ist entsetzt. „Es war einer von uns!“, sagt sie zu Leonie. Keine der beiden Frauen kann sich vorstellen, dass einer der Freunde zu einem solchen Verbrechen fähig ist.

Henning Uhland (Hans-Jochen Wagner), einer der Partygäste, der bis vor kurzem mit Johanna liiert war, sagt bei seiner Vernehmung aus, Johanna habe früher viel getrunken und auch hin und wieder Kokain geschnupft. Weil Johanna befürchtet, dadurch in schiefes Licht zu geraten, nimmt sie eine Anwältin (Gitta Schweighöfer).

Obwohl die Kommissarin allen Hinweisen gewissenhaft nachgeht, kann sie den Fall nicht aufklären, denn es gibt weder Zeugen noch DNA– oder Faser-Spuren, und kein Handy, das einem der Partygäste gehört, wurde in dem Bereich geortet, in dem Johanna zu sich kam.

Nach und nach gehen die Freunde zu Johanna auf Distanz, weil sie sich zu Unrecht von ihr verdächtigt fühlen.

Johanna, die inzwischen unter Albträumen und Panikattacken leidet, muss wissen, wer der Täter ist, um nicht all ihren früheren Freunden für immer zu misstrauen. Sie engagiert den Privatdetektiv Matthias Christburger (Rainer Sellien). Der nimmt die Alibis der Partygäste noch einmal unter die Lupe und stößt auf eine Unwahrheit in Björn Reichsmanns Aussage. Björn will direkt ins Büro gefahren und dort bis 5 Uhr morgens geblieben sein. Es gibt jedoch Aufnahmen einer Überwachungskamera, die beweisen, dass er zur Tatzeit an einer Tankstelle in der Nähe von Johannas Wohnung und dem Elbufer war.

Björn wird festgenommen. Er gibt zu, gelogen zu haben. Tatsächlich habe er sich vergewissern wollen, dass Johanna trotz des beträchtlichen Alkoholkonsums gut nach Hause kam. Sie sei jedoch nicht da gewesen. Das habe er verschwiegen, um seine Verlobte nicht auf falsche Gedanken zu bringen bzw. eifersüchtig zu machen.

Durch die Verhaftung Björns verliert Johanna auch die letzte Freundin: Leonie.

Weil die Polizei Björn nichts nachweisen kann, kommt er nach einigen Tagen frei. Johanna, die überzeugt ist, dass sie von ihm vergewaltigt wurde, versucht Matthias Christburger zu überreden, Björn abzuhören. Aber der Privatdetektiv erklärt ihr, dass er sich damit strafbar machen würde. Und das kommt für ihn nicht in Frage.

In ihrer Verzweiflung sucht Johanna Zuflucht bei ihren Eltern Sabine und Werner (Maren Kroymann, Gerhard Garbers). Erst jetzt berichtet sie ihnen von der Vergewaltigung. Die Mutter rät ihr, eine Psychotherapeutin zu konsultieren, um über das Trauma hinwegzukommen. Johanna befolgt den Rat und wendet sich an Vera Winkler (Theresa Berlage).

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Yanis (Adam Bousdoukos), ein Bekannter, lädt Johanna zum Bowling ein und stellt sie seinen Freunden vor. Als ihr die blitzende Lichtorgel in der Halle auffällt, erinnert sie sich an Lichtblitze, die sie während ihrer Ohnmacht wahrnahm. Brachte Yanis sie schon damals mit hierher und vergewaltigte sie anschließend? Sie springt auf und rennt davon. Im Freien beruhigt sie sich und sieht die Haltlosigkeit ihres Verdachts ein. Ein paar Monate später lädt sie Yanis zum Essen ein. Danach geht sie mit ihm ins Bett, aber sie bricht das Liebesspiel vorzeitig ab. Yanis zeigt Verständnis für sie.

Ein Jahr nach der Party schreibt Johanna Leonie einen Entschuldigungsbrief. Daraufhin sorgt Leonie dafür, dass Johanna zu einem Brunch bei Björns Bruder Philipp Reichsmann (Patrick Heyn) und dessen Ehefrau Kathrin ( Kathrin Wehlisch) eingeladen wird, zu dem auch die anderen Freunde erwartet werden. Johanna zögert, die Einladung anzunehmen, geht dann aber mit Yanis hin und versöhnt sich mit der Clique.

Der kleine Sohn der Reichsmanns spielt mit einer Kamera seines Vaters. Johanna nimmt sie ihm vorsichtig ab, damit er sie nicht kaputt macht. Dabei fällt ihr Blick aufs Display. Eine nächtliche Aufnahme vom Elbufer! Sie klickt sich durch weitere Fotos und sieht sich selbst, während Philipp sie vergewaltigt. Fassungslos hält sie ihm eines der Bilder auf dem Display hin. Da werden auch die anderen aufmerksam.

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Astrid Ströher (Drehbuch) und Kai Wessel (Regie) erzählen die erschütternde Geschichte ohne Effekthascherei aus der Sicht der Protagonistin Johanna. Man kann „Es war einer von uns“ als Psychothriller sehen, aber es ist vor allem eine psychologische Studie darüber, wie eine vergewaltigte Frau durch das Trauma aus der Bahn geworfen wird und mühsam versuchen muss, wieder ins „normale“ Leben zurückzufinden. Maria Simon veranschaulicht das recht eindrucksvoll, differenziert und uneitel.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

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