Carmina Burana


»Fortuna hatte es mit mir gut gemeint, als sie mir einen Würzburger Antiquariatskatalog in die Hände spielte, in dem ich einen Titel fand, der mich mit magischer Gewalt anzog: Carmina Burana«, schreibt Carl Orff in seiner »Erinnerung«.

Es handelte sich um den Nachdruck einer illustrierten Pergament-Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, eine Sammlung mittelalterlicher Vagantendichtung mit geistlichen Schauspielen, moralisch-satirischen Dichtungen und derben Trink- und Liebesliedern, vorwiegend in lateinischer Sprache, die im Kloster Benediktbeuern gefunden wurde und deshalb die Bezeichnung »Carmina Burana« (Lieder aus Benediktbeuern) erhielt.

Aus den rund 250 Texten wählte Carl Orff 25 aus und vertonte sie zu einer szenischen Kantate: »Carmina Burana. Weltliche Gesänge«. In der rhythmusbetonten Musik,

bei der das ganze Orchester wie ein Schlagzeug wirkt, beschränkte Carl Orff sich auf einfache melodische und harmonische Strukturen. »Nicht die Pracht vieler Töne, sondern die Kraft weniger Töne ist es, die seine musikalische Sprache so faszinierend macht«, meint sein Schüler Wilhelm Killmayer. Seinem Verleger teilte Carl Orff nach der erfolgreichen szenischen Uraufführung am 8. Juni 1937 in Frankfurt am Main mit: »Alles was ich bisher geschrieben und Sie leider gedruckt haben, können Sie nun einstampfen.« Mit der »Carmina Burana« machte sich Carl Orff als Komponist einen Namen. Nationalsozialisten kritisierten allerdings die »Jazzstimmung« des Werks und lehnten die »bayerische Niggermusik« ab.

© Dieter Wunderlich 2007

Carl Orff (Kurzbiografie)

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