Lucy

Lucy

Lucy

Lucy – Originaltitel: Lucy – Regie: Luc Besson – Drehbuch: Luc Besson – Kamera: Thierry Arbogast – Schnitt: Julien Rey – Musik: Eric Serra – Darsteller: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Choi Min-sik, Analeigh Tipton, Amr Waked, Pilou Asbæk u.a. – 2014; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Die amerikanische Studentin Lucy gerät in Taipeh in die Gewalt des koreanischen Gangsters Jang. Der lässt ihr und drei Männern Beutel mit CPH4 in den Körper einnähen, um die neue Droge nach Europa schmuggeln zu können. Auf dem Weg zum Flughafen wird Lucy geschlagen und getreten. Dabei platzt der Beutel, und etwas von der Droge gelang in Lucys Körper, was eine enorme Leistungssteigerung ihres Gehirns bewirkt. Nachdem sie sich befreit hat, sorgt sie dafür, dass die drei anderen Drogenkuriere verhaftet und nach Paris gebracht werden, wohin sie ebenfalls fliegt ...
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Kritik

In "Lucy" pumpt Luc Besson ein pseudo-philosophisches Thema zum Science-Fiction-Spektakel auf. Aber der Wirbel von opulenten Bildern und Effekten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Handlung abstrus ist.

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Ein weibliches Exemplar des Australopithecus afarensis kauert im flachen Wasser eines Flusses und trinkt. Dazu ist aus dem Off eine Frauenstimme zu hören: „Vor einer Milliarde Jahren wurde uns das Leben geschenkt. Was haben wir daraus gemacht?“ Als später im Afar-Dreieck in Äthiopien Teile des mehr als drei Millionen Jahre alten Skeletts gefunden werden, bürgert sich für das Wesen der Name Lucy ein.

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Die 25-jährige Amerikanerin Lucy Miller (Scarlett Johansson) studiert in Taipeh. Sie steht mit einem Mann namens Richard (Pilou Asbæk), den sie erst seit kurzer Zeit kennt, vor einem Hotel. Er versucht, ihr seinen Aktenkoffer aufzudrängen. Damit soll sie zur Rezeption gehen und nach Mr Jang (Choi Min-sik) fragen. Lucy möchte wissen, warum er es nicht selbst macht. Richard lügt, er habe Streit mit dem Koreaner Jang gehabt und gibt schließlich zu, 1000 Dollar für die Kofferübergabe bekommen zu haben. Lucy ist das alles nicht geheuer, aber als sie sich weiter sträubt, lässt Richard plötzlich eine Handschelle zuschnappen und fesselt sie damit an den Koffer. Empört über das Verhalten ihres Bekannten geht Lucy ins Hotel.

Während sie an der Rezeption auf Mr Jang wartet, steht Richard vor der Glasfront des Hotels. Lucy sieht, wie er erschossen wird. In diesem Augenblick wird sie von drei Asiaten gepackt. Einer von ihnen wirft dem Hotelangestellten an der Rezeption eine Rolle Banknoten zu. Lucy wird nach oben gebracht und in eine Suite gezerrt. Im Aufzug liegen Tote, und der koreanische Gangsterboss Jang kommt blutbesudelt herein. Über das Telefon wird ein Dolmetscher hinzugezogen. Lucy soll den Koffer öffnen. Weil die Verbrecher befürchten, dass darin ein Sprengkörper versteckt sein könnte, bringen sie sich nebenan in Sicherheit. Unter Todesangst klappt Lucy den Koffer auf. Er enthält vier mit blauem Granulat gefüllte Plastikbeutel.

Ein Gefangener wird hereingebracht und gezwungen, ein klein wenig von dem Material zu schnupfen. Zuerst bäumt er sich in Krämpfen auf, dann lacht er hysterisch. Weil das Gelächter Mr Jang lästig ist, erschießt er den Mann kurzerhand.

Als Lucy wieder zu sich kommt, liegt sie in einem Hotelbett und ihr Bauch ist mit einem dicken Verband umwickelt.

Einer von Jangs Männern, der englisch spricht, erklärt ihr, dass es sich bei dem blauen Granulat um synthetisches CPH4 handelt, eine neuartige Droge, die eine bessere Nutzung der Gehirnkapazität bewirkt. Um die vier mit CPH4 gefüllten Beutel nach Europa schmuggeln zu können, hat man sie Lucy und drei Männern in den Körper eingenäht.

In einem Container wird Lucy zum Flughafen gebracht. Als einer der Bewacher ihr in den Ausschnitt greift und versucht, ihre Brüste zu betatschen, stößt sie ihn trotz ihrer Fesselung zurück. Daraufhin schlägt und tritt er sie. Ihr Verband verfärbt sich rot. Nicht nur die Wunde, sondern auch der Beutel ist aufgeplatzt. Etwas von der Droge gelangt in Lucys Körper und steigert die Leistungsfähigkeit ihres Gehirns enorm. Mit ihren nun geradezu übermenschlichen Fähigkeiten gelingt es ihr, sich zu befreien und eine Pistole zu rauben.

Von einem Taxifahrer lässt sie sich zu einem Krankenhaus bringen. Dort dringt sie in den Operationsraum ein, erschießt den Patienten auf dem OP-Tisch, wirft ihn auf den Boden und zwingt den Chirurgen (Paul Chan), ihr auf der Stelle den Beutel CPH4 zu entnehmen. Während des Eingriffs ruft sie ihre Mutter in den USA an, erzählt von ihren neuen Erinnerungen an die früheste Kindheit und versichert weinend, dass sie ihre Mutter liebe.

Als Nächstes kehrt sie in das Hotel zurück, in dem die Kofferübergabe stattfand. Ohne zu zögern, schießt sie sich den Weg zu Mr Jangs Suite frei. Mit zwei Messern nagelt sie ihm die Unterarme auf die Stuhllehnen. Ihre neuen telepathischen Fähigkeiten ermöglichen es ihr, die Zielorte der anderen drei Drogenkuriere aus seinem Gehirn zu holen: Berlin, Paris und Rom.

In der Wohnung in Taipeh, die sie sich mit einer angehenden Schauspielerin namens Caroline (Analeigh Tipton) teilt, googelt sie alles, was über Gehirn­forschung bekannt ist. Innerhalb von Sekunden liest sie mehr als 6000 Seiten, die der Experte Prof. Samuel Norman (Morgan Freeman) darüber veröffentlicht hat. Dann ruft sie den Wissenschaftler in Paris an, wo er an diesem Tag einen Vortrag gehalten hat und nun im Hotel übernachtet. Um ihm zu demonstrieren, dass die Droge nicht nur ihre Intelligenz abnorm gesteigert hat, sondern es ihr auch ermöglicht, elektromagnetische Wellen zu beeinflussen, schaltet sie aus der Ferne sein Radio ein und lässt ihr Bild sowohl auf dem Smartphone als auch dem Fernsehgerät erscheinen.

Auf Fernsehmonitoren im Flughafen sieht Lucy, dass bereits nach ihr gefahndet wird, doch inzwischen beherrscht ihr Gehirn den Körper so, dass sie im Gehen ihre Haarfarbe und ihr Aussehen verändern kann. Auf dem Weg zum Check-in telefoniert sie mit dem Drogendezernat in Paris und informiert Inspektor Pierre del Rio (Amr Waked) über die drei Drogenkuriere. Der Brite (Julian Rhind-Tutt) wird in Paris festgenommen. Auch der Deutsche und der Italiener (Jan Oliver Schroeder, Luca Angeletti) werden nach ihrer Verhaftung in Berlin bzw. Rom nach Paris überstellt.

Während des Flugs von Taipeh nach Paris wundert sich ein Mitreisender über Lucy, die auf zwei Laptops gleichzeitig tippt. Kurz vor der Landung lässt die Drogen-Konzentration in ihrem Körper nach, und sie beginnt sich aufzulösen. Ungeachtet des Protests der Flugbegleiter verbarrikadiert Lucy sich in einer Toilette. Nachdem sie etwas von dem blauen Granulat geschluckt hat, regeneriert sich ihr Körper rasch.

In einem Polizeikrankenhaus kommt sie zu sich. Man hat sie sediert, aber CPH4 reduziert die Wirkung des Betäubungsmittels. Zur Verblüffung einer Kranken­schwester setzt Lucy sich auf und zieht sich an. Eine ganze Polizeieinheit rückt an, aber Lucy schickt die Männer mit ihren telekinetischen Fähigkeiten zu Boden. Pierre del Rio kann sich darüber nur wundern. Er ist bereit, mit ihr zu dem Krankenhaus zu fahren, in dem die drei Drogenkuriere liegen, denen die mit CPH4 gefüllten Beutel herausoperiert werden sollen. Um schneller voranzukommen, übernimmt Lucy das Lenkrad. Unbekümmert überquert sie Kreuzungen bei Rot, fährt in der falschen Richtung durch stark frequentierte Einbahnstraßen und wählt Abkürzungen durch Arkaden, wenn die Straße verstopft ist.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Die Koreaner, die ebenfalls nach Paris geflogen sind, haben inzwischen dem Briten und dem Italiener die Beutel entnommen und den Deutschen erschossen. Lucy entwaffnet durch Telekinese eine ganze Bande von Asiaten, lässt die Männer hilflos an der Decke des Korridors schweben und nimmt dem erstarrten Anführer den Koffer mit zwei Beuteln ab. Danach öffnet sie mit bloßen Händen den Bauch des toten Deutschen, um an den letzten blauen Beutel zu kommen.

Prof. Samuel Norman und einige andere von ihm hinzugezogene Koryphäen erwarten Lucy in der Universität. Während Pierre del Rio mit einem großen Polizeiaufgebot für den Schutz Lucys und der Wissenschaftler sorgt, berichtet sie von den Erfahrungen, die sie seit der unfreiwilligen Drogeneinnahme aufgrund der enorm angestiegenen Gehirnleistungen gemacht hat.

Sie drängt Prof. Norman, das noch vorhandene CPH4-Pulver in Wasser aufzulösen und ihr über eine Infusion zu verabreichen.

Währenddessen dringen Jang und seine Männer in die Universität ein. Es kommt zu einer blutigen Schießerei zwischen den koreanischen Verbrechern und der französischen Polizei.

Lucys Körper, der sich während der Infusion schwarz verfärbt, bildet Tentakel aus und verbindet sich mit den im Raum vorhandenen elektronischen Geräten. Sie erlebt eine Zeitreise zurück bis zu den Dinosauriern und steht schließlich der anderen Lucy gegenüber, die vor mehr als drei Millionen in Äthiopien lebte. Die Fingerspitzen der beiden Frauen berühren sich.

Jang kommt herein, nähert sich Lucy von hinten und schießt ihr in den Kopf. Doch nur ihre Kleidung fällt zu Boden. Ihr Körper ist verschwunden. Stattdessen befindet sich ein neuer Supercomputer im Raum, der allerdings zerfällt, sobald ihm Prof. Norman einen USB-Stick entnommen hat, auf dem das ganze von Lucy aufgenommene Wissen der Welt gespeichert ist. Offenbar verinnerlichte Lucy seine These, dass die Weitergabe von Information das höchste Ziel aller organischen Lebensformen sei.

Pierre del Rio erschießt Jang. Als der Polizist fragt, wo Lucy sei, erscheint auf dem Display seines Smartphones die Antwort: „I am everywhere“.

Aus dem Off ist Lucys Stimme zu hören: „Vor einer Milliarde Jahren wurde uns das Leben geschenkt. Macht etwas daraus!“

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Dem (widerlegten) Zehn-Prozent-Mythos zufolge nutzt der Mensch nur zehn Prozent seiner Gehirnkapazität. Luc Besson malt sich in dem Film „Lucy“ aus, was passieren könnte, wenn eine Person die Leistungsfähigkeit des Gehirns gegen 100 Prozent steigern würde.

Dabei pumpt er allerdings ein pseudo-philosophisches Thema zum Science-Fiction-Spektakel auf. Ein Wirbel von opulenten Bildern und Spezialeffekten, Action-Szenen, Zeitlupe- und Zeitraffer-Gimmicks sowie assoziativen Einblendungen von Landschaften, Unwettern, wilden Tieren, Kopulationen, Geburten, Atombombenexplosionen, Mausefallen und Szenen aus dem Straßenverkehr kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Lucy“ abstrus ist und der Tiefgang nur vorgetäuscht wird.

Zu Beginn und gegen Ende zu sehen wir die andere Lucy, das weibliche Exemplar des Australopithecus afarensis, dessen Skelettteile 1974 im Afar-Dreieck in Äthiopien entdeckt wurden. Dazu hören wir eingangs aus dem Off: „Vor einer Milliarde Jahren wurde uns das Leben geschenkt. Was haben wir daraus gemacht?“ Und am Ende heißt es: „Vor einer Milliarde Jahren wurde uns das Leben geschenkt. Macht etwas daraus!“ Als die vor mehr als drei Millionen Jahren lebende Lucy und die modere Amerikanerin Lucy sich begegnen, berühren sich ihre Fingerspitzen wie die von Gott und Adam auf einem Deckenfresko Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle.

Dass mit zunehmender Gehirnleistung eine vollständige Kontrolle der eigenen Körperzellen einhergeht und nicht nur Telepathie, sondern auch Telekinese möglich werden, bringt uns schon an die Grenze des Glaubhaften. Aber spätestens wenn sich Lucys Körper auflöst und in einen Computer verwandelt, sprengt Luc Besson die Grenzen der Plausibilität. Da wird „Lucy“ hinrissig.

Die Hauptrolle in „Lucy“, so heißt es, sei zunächst Angelina Jolie angeboten worden, aber sie habe abgesagt. Nun spielt Scarlett Johansson die Titelrolle.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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