The Lady

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The Lady. Ein geteiltes Herz – Originaltitel: Dans la lumière / The Lady – Regie: Luc Besson – Drehbuch: Rebecca Frayn – Kamera: Thierry Arbogast – Schnitt: Julien Rey – Musik: Eric Serra – Darsteller: Michelle Yeoh, David Thewlis, Jonathan Raggett, Jonathan Woodhouse, Susan Wooldridge, Benedict Wong, Flint Bangkok, Agga Poechit u.a. – 2011; 130 Minuten

Inhaltsangabe

Die eigentliche Handlung beginnt 1988. Aung San Suu Kyi lebt mit ihrem Ehemann, dem Historiker Michael Aris, und den beiden Söhnen in Oxford. Als ihre Mutter in Rangun einen Schlaganfall erleidet, reist sie nach Burma, wo sie geboren wurde. Unversehens drängen Oppositionspolitiker sie, ihrer Bewegung ein Gesicht zu geben. Suu wird zur Hoffnungsträgerin. Aber die despotische Militärjunta stellt Aung San Suu Kyi jahrelang unter Hausarrest, und als ihr todkranker Ehemann 1999 sie noch einmal wiedersehen möchte, verweigert man ihm das Visum ...
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Kritik

"The Lady. Ein geteiltes Herz" ist ein melodramatisches Biopic. Die poli-tische Entwicklung interessiert Luc Besson nur am Rand. In den Mittel-punkt stellt er die private Tragödie der von Michelle Yeoh überzeugend dargestellten Freiheitskämpferin Aung San Suu Kyi.
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Rangun (heute: Yangon), 19. Juli 1947. General Aung San, der Kommandeur der Burma Independence Army und Präsident der Anti-Fascist People’s Freedom League, erzählt seiner zweijährigen Tochter Aung San Suu Kyi eine Geschichte über eine vergangene Zeit, in der das Land noch prosperierte und die Menschen glücklich waren. Als sein Chauffeur vorfährt, um ihn abzuholen, steckt er dem Kind zum Abschied eine Orchideenblüte ins Haar. Kurz darauf ist er tot: Erschossen von Militärs während einer Besprechung der Führungsgruppe der Anti-Fascist People’s Freedom League.

Oxford, 1998: Der Historiker Dr. Michael Aris (David Thewlis) erfährt von seinem Arzt, dass er unheilbar an Prostatakrebs erkrankt ist.

Oxford, 1988. Aung San Suu Kyi (Michelle Yeoh), die mit ihrem Ehemann Michael Aris und den beiden Söhnen Kim und Alexander (Jonathan Raggett, Jonathan Woodhouse) in Oxford lebt, erhält einen Anruf aus ihrer Heimatstadt Rangun: Ihre Mutter wurde nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus gebracht. Unverzüglich macht Suu sich auf den Weg. Sie sei in einer Woche wieder da, sagt sie beim Abschied zu ihren Söhnen.

In Burma (heute: Myanmar) lässt der Machthaber General Ne Win (Hzun Lin) jeden Schritt der Tochter des ermordeten Nationalhelden Aung San überwachen. Im Krankenhaus sieht sie blutüberströmte Studenten, die bei einer Demonstration schwer verletzt wurden. Ein Arzt, der gegen das Eindringen von Soldaten ins Gebäude protestiert, wird vor ihren Augen erschossen.

Weil für ihre Mutter keine Hoffnung auf Heilung mehr besteht, bringt Suu sie nach Hause.

Endlich kann sie Michael von der britischen Botschaft aus anrufen. Kurz darauf kommt er mit den Söhnen nach Rangun. Verwundert stellt er fest, dass Suus Elternhaus voller Leute ist, die mit ihr über die politische Zukunft des Landes diskutieren.

Michael, Kim und Alexander gehören zu der Million Menschen, die sich bei einer Großkundgebung am 26. August 1988 die erste öffentliche Rede von Aung San Suu Kyi anhören. Im Fernsehen wird sie als „Hoffnung für die Zukunft“ bezeichnet. Argwöhnisch verfolgen die Machthaber die Entwicklung.

Michael wird dabei beobachtet, wie er Schachteln mit von ihm kopierten Flugblättern aus der britischen Botschaft trägt und in den Kofferraum seines Autos verstaut. Kurz nachdem Suu und Michael die Söhne zurück nach England geschickt haben, wird Michael von Militärs abgeholt, zum Flughafen gebracht und abgeschoben.

Aung San Suu Kyi lässt sich zur Vorsitzenden der neugegründeten National League for Democracy (NLD) wählen und reist durchs Land, um den Menschen Mut zu machen und sie um Unterstützung zu bitten. Als sie von der langen Reise zurückkommt, ist ihre Mutter bereits tot.

Zwei Generäle suchen sie auf, um ihr einzureden, dass ihr Platz bei ihrer Familie in Oxford sei. Aber Aung San Suu Kyi lässt sich nicht beirren: Sie will erst noch die angekündigten Wahlen abwarten, bevor sie Burma verlässt.

Auf dem Weg zu einer Kundgebung stellt sich ihr eine Militäreinheit in den Weg. Obwohl die Soldaten die Gewehre anlegen, geht Suu ruhig auf sie zu und durch die erste Reihe hindurch. Ein Offizier kommt hinzu und befiehlt den Soldaten, abzumarschieren. Das mutige Verhalten der zierlichen Frau spricht sich rasch herum. Immer mehr Menschen sehen in ihr eine Hoffnungsträgerin. Den Offizier, der den Befehl zum Anlegen der Gewehre gegeben hatte, erschießt General Ne Win eigenhändig.

In Oxford verfolgt Michael die Entwicklung in Burma voller Sorge. Er wendet sich an einen Professor und bittet ihn, Aung San Suu Kyi für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Dabei geht es ihm vor allem darum, dass die mit der Verleihung der Auszeichnung verbundene weltweite Aufmerksamkeit mehr Sicherheit für seine Frau bedeuten würde.

Gerade als Michael 1990 erneut mit den Söhnen nach Burma fliegen will, wird er nach Schottland gerufen, wo gerade sein Vater starb. Kim und Alexander reisen deshalb ohne ihn zu ihrer Mutter.

Sie sind noch da, als die Militärjunta Funktionäre der NLD einsperren lässt und Aung San Suu Kyi unter Hausarrest stellt. Nachdem Soldaten das Anwesen mit Stacheldraht von der Außenwelt abgeschnitten haben, dringen sie ins Gebäude ein, vertreiben alle Anwesenden bis auf Suu und ihre Söhne, schneiden die Telefonleitung durch und verwüsten die Einrichtung.

Trotz aller Gegenmaßnahmen der Machthaber erhält die NLD bei den Parlamentswahlen die meisten Stimmen. Vor dem Tor des Anwesens, das Aung San Suu Kyi nicht verlassen darf, versammeln sich ihre jubelnden Anhänger. Aber die Militärs schicken die Parteivorsitzende ins Haus zurück und verscheuchen die Demonstranten mit Warnschüssen. Die Wahl wird für ungültig erklärt.

1991 wird Aung San Suu Kyi der Friedensnobelpreis zuerkannt. Weil sie nach wie vor unter Hausarrest steht, lässt sie sich am 10. Dezember in Oslo von Michael und ihren Söhnen vertreten. Suu versucht die Rede ihres Sohnes im Radio zu hören, aber zum Zeitpunkt der Übertragung wird der Strom abgeschaltet. Glücklicherweise findet die Haushälterin ein Transistorradio. Um es in Betrieb nehmen zu können, entfernt sie die Batterien aus einer Taschenlampe und legt sie ein.

Als der Hausarrest gegen Aung San Suu Kyi 1995 aufgehoben wird, ruft sie Michael von der britischen Botschaft aus an.

Im November 1998 erfährt sie aus einem Brief, dass Michael todkrank ist. Sie ruft ihn sofort an. Weil sie damit rechnen müsste, dass man sie nicht wieder einreisen lassen würde, rät Michael ihr dringend davon ab, zu ihm zu kommen. Er will nicht, dass sie das Erreichte aufs Spiel setzt. Stattdessen bemüht er sich um ein Visum für Burma. Obwohl der Dalai Lama einen Arzt für den Tibetologen nach Burma schicken will und aus Norwegen ein Flugzeug mit Krankenhausausrüstung angeboten wird, verweigern die Machthaber in Rangun Michael die Einreise. Sie drängen Aung San Suu Kyi, ihren sterbenden Mann nicht im Stich zu lassen, aber sie weiß, dass die Junta sie nur loswerden möchte und bleibt in Rangun.

Michael Aris stirbt am 27. März 1999, seinem 53. Geburtstag, in einem Hospiz.

Rangun, 22. September 2007. Etwa tausend protestierende Mönche dringen zu Aung San Suu Kyi vor, die längst wieder unter Hausarrest steht. Sie zeigt sich daraufhin eine Viertelstunde im Freien.

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„The Lady. Ein geteiltes Herz“ ist ein Biopic der friedfertigen burmesischen Freiheitskämpferin Aung San Suu Kyi, ein Plädoyer für Zivilcourage und den uneigennützigen Dienst am Vaterland. Rebecca Frayn (Drebuch) und Luc Besson (Regie) interessieren sich jedoch nicht für die politischen Ereignisse in Burma bzw. Myanmar; die streifen sie nur oberflächlich. Beispielsweise scheint General Ne Win in „The Lady“ die ganze Zeit über der Machthaber in Burma zu bleiben. In Wirklichkeit war er bei Aung San Suu Kyis Ankunft schon nicht mehr Staatspräsident und musste am 23. Juli 1988 auch den Vorsitz der Burma Socialist Programme Party niederlegen. Vermutlich zog er weiterhin die Fäden, aber der am 18. September 1988 etablierten Militärjunta gehörte er nicht mehr an.

Statt auf die politischen Entwicklung in Burma setzen Rebecca Frayn und Luc Besson auf die private Tragödie der charakterstarken Protagonistin, der das persönliche Glück weniger wichtig ist als die Demokratisierung des Landes, in dem sie geboren wurde. „The Lady. Ein geteiltes Herz“ wird dadurch zum Melodram.

Die eigentliche Handlung beginnt 1988, als Aung San Suu Kyi erstmals seit langer Zeit wieder von Oxford nach Rangun (heute: Yangon) fliegt und zur Hoffnungsträgerin der Menschen in Burma wird. Dabei versäumt Luc Besson es, zu erklären, warum Oppositionspolitiker Aung San Suu Kyi diese Rolle antragen. Wir wissen zwar bereits aufgrund der Eröffnungszene von „The Lady“, dass ihr Vater einem politischen Attentat zum Opfer fiel, aber für einen unvoreingenommenen Kinobesucher sieht es so aus, als käme eine in England lebende Burmesin in ihr Heimatland und würde dort sofort zur Galionsfigur der Oppositionsbewegung.

Zu kritisieren ist auch die überdeutliche Aufteilung der Filmfiguren in gut und böse, bei der es keine Schattierungen gibt. General Ne Win bleibt schablonenhaft. Kim und Alexander Aris sind kaum mehr als Stichwortgeber. Facettenreicher werden lediglich Aung San Suu Kyi und Michael Aris porträtiert.

Sehenswert ist „The Lady. Ein geteiltes Herz“ vor allem wegen der Hauptdarstellerin Michelle Yeoh, die Aung San Suu Kyi nicht nur verblüffend ähnlich sieht, sondern auch das Charisma der Freiheitskämpferin verständlich macht und die Zerrissenheit zwischen Familie und Politik eindrucksvoll wiedergibt.

Michelle Yeoh (* 1962) gilt darüber hinaus als Initiatorin des Filmprojekts. Als die ehemalige Miss Malaysia (1983), die in „Der Morgen stirbt nie“ als Bond-Girl zu sehen ist, auf der Suche nach einem Produzenten an Luc Besson herantrat und ihm das Drehbuch von Rebecca Frayn zu lesen gab, konnte sie ihn so für das Vorhaben begeistern, dass er nicht nur einer der Produzenten wurde, sondern auch die Regie übernahm.

Die Dreharbeiten fanden vorwiegend in Thailand statt und endeten im November 2010, als gerade der Hausarrest gegen Aung San Suu Kyi aufgehoben wurde. Das wird in „The Lady. Ein geteiltes Herz“ nicht mehr gezeigt; die Handlung endet 2007.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

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