Im Rausch der Tiefe

Im Rausch der Tiefe

Im Rausch der Tiefe

Im Rausch der Tiefe – Originaltitel: Le grand bleu / The Big Blue – Regie: Luc Besson – Drehbuch: Luc Besson, Robert Garland, Marilyn Goldin, Jacques Mayol, Marc Perrier – Kamera: Carlo Varini – Schnitt: Olivier Mauffroy – Musik: Eric Serra (USA: Bill Conti) – Darsteller: Rosanna Arquette, Jean-Marc Barr, Jean Reno, Paul Shenar, Bruce Guerre-Berthelot, Gregory Forstner, Claude Besson, Marika Gevaudan, Sergio Castellitto, Jean Bouise, Marc Duret, Griffin Dunne, Andréas Voutsinas, Valentina Vargas u.a. – 1988; 130 Minuten (Director's Cut: 160 Minuten)

Inhaltsangabe

Der schüchterne Jacques Mayol und der ehrgeizige Enzo Molinari wachsen auf einer griechischen Insel auf. Schon als Kinder tauchen sie ohne Atemgerät. Als Erwachsener taucht Jacques für wissenschaftliche Zwecke, doch als Enzo, der es inzwischen zum Weltmeister im Apnoe-Tauchen gebracht hat, ihn zu einem Wettkampf herausfordert, reist er dazu nach Sizilien. Ihm folgt die Versicherungsagentin Johana Baker aus New York, die sich in den introvertierten Außenseiter verliebt hat ...
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Kritik

Die Handlung ist märchenhaft, anfangs komisch und am Ende tragisch. Die mit Musik unterlegten Unterwasseraufnahmen sind zwar grandios, aber durch sie wirkt "Im Rausch der Tiefe" mehr wie eine Natur-Dokumentation denn wie ein Drama.
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Griechenland 1965. Jacques Mayol (Bruce Guerre-Berthelot) eifert seinem Vater (Claude Besson) nach, der den Lebensunterhalt für sich und seinen Sohn als Schwammtaucher auf der Kykladen-Insel Amorgos verdient. Seine Mutter verließ ihn und seinen Vater vor einigen Jahren; sie lebt jetzt in den USA.

Der schüchterne Außenseiter Jacques hat keine Chance, sich gegen den prahlerischen, zwei Jahre älteren, stets von seinem jüngeren Bruder Roberto und anderen Bewunderern begleiteten Enzo Molinari (Gregory Forstner) durchzusetzen. Enzo erhebt auch den Anspruch, der bessere Taucher zu sein.

Als Jacques‘ Vater bei einem Tauchunfall ums Leben kommt, bricht für den Jungen alles zusammen.

Sizilien 1988. Enzo Molinari (ab jetzt: Jean Reno), der es inzwischen zum Weltmeister im Apnoe-Tauchen gebracht hat, ist mit seinem Bruder Roberto (Marc Duret) in seine Heimat zurückgekehrt. Er wird gerufen, als ein Taucher, der in einem Schiffswrack nach Schätzen suchte, eingeklemmt wird und zu ertrinken droht. Enzo rettet den Verunglückten und bekommt dafür eine Menge Geld, aber das interessiert ihn nicht weiter. Ihm kommt es nur darauf an, der beste Apnoe-Taucher der Welt zu sein. Und weil er sich beweisen will, dass er auch tiefer als Jacques Mayol (ab jetzt: Jean-Marc Barr) tauchen kann, lädt er ihn zum Wettkampf um den Weltmeistertitel nach Taormina ein.

Jacques Mayol lebt seit dem Tod seines Vaters bei seinem Onkel Louis (Jean Bouise) an der Côte d’Azur und arbeitet für ein meeresbiologisches Institut. Während eines Aufenthalts in einer Forschungsstation in den Anden, wo er in einem zugefrorenen See taucht und von Wissenschaftlern dabei beobachtet wird, begegnet er der Versicherungsagentin Johana Baker (Rosanna Arquette), die gerade mit einem Schneemobil von dem in 4319 m Höhe gelegenen Bahnhof La Raya heraufgebracht wurde. Sie reiste aus New York an, weil ein Lastwagen der Forschungsgesellschaft in eine Gletscherspalte gestürzt war und sie mit Dr. Laurence (Paul Shenar), dem Leiter der Station, über den Schaden sprechen wollte. Verblüfft sieht Johana bei einem Tauchgang zu und lässt sich von Dr. Laurence erklären, dass Jacques Mayol die bisher nur bei Walen und Delfinen beobachtete Fähigkeit besitzt, die Frequenz seines Herzschlags so zu reduzieren, dass praktisch nur noch sein Gehirn durchblutet wird.

Johana kann die Begegnung mit dem introvertierten, schweigsamen Taucher nicht vergessen. Als sie erfährt, dass er an einem Wettbewerb in Taormina teilnehmen will, macht sie ihrem Vorgesetzten weis, einen Versicherungsfall auf Sizilien klären zu müssen und reist hin.

Sie findet Enzo und Jacques in einer Trattoria und tut so, als sei sie zufällig hier. Obwohl Enzo sofort versucht, die attraktive Frau für sich zu gewinnen und sie zweimal darauf hinweist, dass er der Weltmeister im Apnoe-Tauchen ist, hat Johana nur Augen für Jacques. Der weiß jedoch nicht, wie er sich verhalten soll, denn mit Frauen hat er noch keine Erfahrung. Johana sorgt allerdings zielstrebig dafür, dass sie ein Paar werden.

Überraschenderweise gewinnt Jacques die Weltmeisterschaft, und bei einem weiteren Wettkampf an der Côte d’Azur verteidigt er erfolgreich seinen Titel. Enzo gibt jedoch nicht auf; er war siebzehn Mal Weltmeister und will unbedingt der Beste sein. Johana begleitet Jacques zu einem neuen Wettkampf, der auf Amorgos stattfinden soll. Sie ist schwanger, fand aber noch keine Gelegenheit, es Jacques zu sagen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Dr. Laurence, der als medizinischer Betreuer angereist ist, hält es für selbstmörderisch, dass Enzo den von Jacques aufgestellten Rekord von 120 m Tiefe brechen will. Enzo lässt sich jedoch nicht beirren. Verbissen taucht er. Besorgt folgt Jacques ihm, und als Enzo das Bewusstsein verliert, holt er ihn an die Oberfläche. Sobald Enzo wieder zu sich kommt, besteht er darauf, den Rekordversuch zu wiederholen. Jacques begreift, dass er ihn nicht zurückhalten kann und assistiert ihm schluchzend. Diesmal kehrt Enzo nicht aus der Tiefe zurück.

Über den Schock kommt Jacques nicht hinweg. Er ist hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu Johana und dem Rausch der Tiefe. Mitten in der Nacht bereitet er sich auf einen Tauchgang vor: „Ich muss runtergehen und ihn suchen.“ Johana macht ihm eine Liebeserklärung und teilt ihm mit, dass sie ein Kind erwartet, aber sie kann ihn nicht von seinem Vorhaben abbringen: Ohne ein Wort zu sagen, taucht er. In der Tiefe glaubt er einen Delfin zu sehen. Dem folgt er ins Dunkel.

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„Im Rausch der Tiefe“ handelt von einem Mann, der unter allen Umständen der weltbeste Apnoe-Taucher sein will und dafür sein Leben riskiert. Sein Konkurrent ist ein Naturtalent, der sich in einem fast mystischen Einklang mit den Delfinen befindet, ein schüchterner Außenseiter, den auch die Liebe einer attraktiven Frau nicht an Land halten kann.

Die Handlung ist zwar fiktiv, märchenhaft, aber der ehemalige Tauchlehrer Luc Besson ließ sich von zwei realen Vorbildern inspirieren: Jacques Mayol und Enzo Maiorca. (Im Film heißen sie Jacques Mayol und Enzo Molinari.) Bei den Dreharbeiten wirkte Jacques Mayol als technischer Berater mit. Jean Reno und Jean-Marc Barr hatten eigens das Tauchen erlernt, um bei den in bis zu 40 m Tiefe gedrehten Unterwasserszenen nicht auf Doubles angewiesen zu sein.

Luc Besson beginnt „Im Rausch der Tiefe“ mit einem Prolog in Schwarz-Weiß. Er stellt uns die beiden Hauptfiguren Jacques Mayol und Enzo Molinari als Kinder vor, damit wir ihre Charaktere besser verstehen. Während er uns zunächst durch komische Szenen und Dialoge zum Lachen bringt, lässt er „Im Rausch der Tiefe“ als Tragödie enden.

Die mit Synthesizer-Musik von Eric Serra unterlegten Unterwasseraufnahmen sind zwar grandios, aber durch sie wirkt „Im Rausch der Tiefe“ eher wie eine Natur-Dokumentation denn wie ein Drama. Im 30 Minuten längeren Director’s Cut („extended version“) ist das noch deutlicher.

Während der – übrigens nicht in französischer, sondern in englischer Sprache gedrehte – Film „Im Rausch der Tiefe“ in Europa und vor allem in Frankreich ein großer Erfolg war, floppte er in den USA. Dabei hatte Luc Besson die amerikanische Fassung eigens um eine Viertelstunde gekürzt, von Bill Conti eine neue Filmmusik komponieren lassen und ein Happy End hinzugefügt. (Jacques Mayol wird von einem Delfin gerettet.)

Das gestrandete Schiff, aus dem Enzo Molinari einen Taucher rettet, gibt es wirklich: Die „Olympia“, ein ehemaliges Piratenschiff, liegt allerdings nicht vor Sizilien, sondern in der Liveros-Bucht der Kykladen-Insel Amorgos.

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2009

Jacques Mayol (Kurzbiografie)

Luc Besson (kurze Biografie / Filmografie)
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Norbert Scheuer - Überm Rauschen
Norbert Scheuer hat mit "Überm Rauschen" einen poetischen und symbolträchtigen, leisen, feinsinnigen und atmosphärisch dichten Roman geschrieben. Seine Sprache ist ruhig und unaufgeregt, lakonisch und unpathetisch.
Überm Rauschen

Norbert Scheuer

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