Troy Blacklaws : Malindi

Malindi

Troy Blacklaws

Malindi

Originalausgabe: Karoo Boy Double Storey, Kapstadt 2004 Malindi Übersetzung: Michael Kleeberg Verlagsbuchhandlung Liebeskind, München 2008 ISBN: 978-3-935890-50-2, 284 Seiten, 19.80 € (D) Taschenbuch: Wilhelm Heyne Verlag, München 2009 ISBN: 978-3-453-43415-8, 284 Seiten, 8.95 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

In seinem Roman "Malindi" erzählt Troy Blacklaws von der Adoleszenz eines weißen Jungen in Südafrika. Nachdem die Familie zerbrochen ist, wird Douglas im Alter von 14 Jahren am neuen Wohnort mit Apartheid und Rassenhass konfrontiert, von seinen Mitschülern ausgegrenzt und von rabiaten Lehrern verprügelt. Er macht seine ersten erotischen Erfahrungen und freundet sich mit einem aus Altersgründen entlassenen schwarzen Minenarbeiter an, der davon träumt, mit ihm zusammen nach Kapstadt zu fahren ...
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Kritik

Troy Blacklaws erzählt die bewegende Geschichte in lebendigen Episoden, farbig und stimmungsvoll, einfühlsam, aber auch kraftvoll und lakonisch. "Malindi" ist ein zugleich leichter und ernster, unterhaltsamer und eindrucksvoller Roman.

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Der vierzehnjährige Douglas („Dee“) James Thomas wohnt mit seinen Eltern und seinem Zwillingsbruder Marsden in Muizenberg, fünfundzwanzig Kilometer südlich von Kapstadt. Die weiße Mittelstandsfamilie besitzt dort ein Haus am Rande der Zandvlei-Lagune. Douglas und Marsden waren von Hope, dem Xhosa-Dienstmädchen der Familie, gestillt worden. Hopes eigener Sohn – September – ist ein halbes Jahr älter als die Zwillinge. Er lebt bei Hopes Familie in Peddie in der Ciskei. Sarah Thomas ist Lehrerin, und in ihrer Freizeit malt sie. Ihr Mann wollte eigentlich Schriftsteller werden, aber der angefangene Roman blieb ein Fragment. Er schreibt für Zeitungen. Vor fünf Jahren – damals lebte die Familie noch in Kenia – schickte ihn die „Cape Times“ für ein Jahr nach London. Danach ließen sich die Thomas‘ in Südafrika nieder.

Beim Kricket-Spielen an Weihnachten 1976 wird Marsden so unglücklich von einem Ball am Kopf getroffen, dass er stirbt. Die Trauer um Marsden und die Schuldgefühle des Vaters, der den Jungen, der lieber gezeichnet hätte, zum Mitspielen aufgefordert hatte, lassen die Familie auseinanderbrechen. Sarah kündigt ihre Anstellung als Lehrerin und schläft statt im Doppelbett auf einem Sofa im Wohnzimmer. Douglas‘ Vater zieht zurück nach Kenia, vermutlich nach Malindi, hundert Kilometer nördlich von Mombasa. Einige Zeit später eröffnet Sarah ihrem Sohn, dass sie die vielen Erinnerungen, mit denen Muizenberg für sie verbunden ist, nicht länger erträgt. Sie bittet ihre Nachbarin Bessie Malan, der ein Strauß ein Auge ausgepickt hat, das Haus zu vermieten und fährt mit Douglas, Hope und dem Hund Chaka im Auto in die Karoo-Hochebene. Dort finden sie in dem von Weißen bewohnten Klipdorp eine erschwingliche Unterkunft.

In Klipdorp herrscht noch Apartheid. Für Douglas, der zur Toleranz erzogen wurde, ist die Rassentrennung etwas Neues, ebenso wie seine eigene Ausgrenzung durch die Klassengemeinschaft und die entwürdigenden Stockschläge, mit denen die Lehrer bedingungslosen Gehorsam erzwingen. Am ersten Schultag wird er als „Kapstadt-Schwuchtel“ beschimpft, und als er sich in der Pause ein Stück seines Black-Cat-Erdnussbutter-mit-Honig-Sandwiches in den Mund schiebt, beißt er auf eine tote Eidechse, die ihm Mitschüler unbemerkt in das Klappbrot gelegt haben. Nach dem Unterricht überfallen ihn mehrere Schüler, reißen ihm Shorts und Unterhose herunter und stopfen ihn in einen Wäschekorb. Den tragen sie zur Hauptstraße und lassen ihn dort stehen. Ein Hund pisst gegen den geflochtenen Korb. Douglas bleibt nichts anderes übrig, als vor aller Augen nackt herauszuklettern.

Statt mit Gleichaltrigen freundet Douglas sich mit einem alten Xhosa aus der Transkei an. Moses schuftete wie sein Vater jahrzehntelang in den Minen bei Johannesburg, bis er vor zwei Jahren wegen seines Alters entlassen wurde. Da er in der Transkei keine Angehörigen mehr hat, wollte er nach Kapstadt. Unterwegs rissen ihm zwei Weiße seine Jacke weg, in der sein Pass steckte. Er schrieb nach Pretoria und beantragte Ersatzpapiere, aber darauf erhielt er nicht einmal eine Antwort. Wenn er ohne Ausweis aufgegriffen wird, muss er mit seiner Festnahme rechnen. Als Moses durch Klipdorp kam, erhielt er einen Job als Tankwart. Sein Vorgänger sitzt wegen seiner Zugehörigkeit zum ANC im Gefängnis.

Moses erzählt seinem neuen, vierzehnjährigen Freund von seiner Beschneidung:

„Mein Vater und die Väter meiner Jugendfreunde haben dann nach dem alten Stammesdoktor geschickt, dem Ingcibi, damit er mit seinem Assegai [kurzer Speer] kommt und Männer aus uns macht. An dem Tag, an dem der Ingcibi in unser Dorf kam, haben wir sechzehn-, siebzehnjährigen Jungen uns gegenseitig von Kopf bis Fuß mit weißem Ocker beschmiert […]
Wir hockten nackt auf den Hacken wie Buschmänner und warteten in einer Reihe auf den Ingcibi. Unsere Väter und die anderen Männer standen um uns herum […]
Aus den Augenwinkeln sah ich, wie der Ingcibi sein Assegai schwang […]
Es schüttelte mich bei dem Gedanken, dass ein Assegai durch meine Haut schneidet. Instinktiv umschließe ich meinen Songololo mit der Hand.
[…] Dann stand der Ingcibi vor mir. Ich würde meinem Vater keine Schande machen. Er nahm meine Vorhaut zwischen die Finger, zog daran und schnitt sie mit einer einzigen Bewegung durch. Brennender Schmerz flammte durch meine Eingeweide, meine Knochen, meinen Kopf […] Ich hob meine Vorhaut auf und schluckte sie runter, bevor die bösen Geister sie ergreifen und mich verhexen konnten.“ (Seite 127ff)

„Douglas, ich glaube, der Tod deines Zwillingsbruders und das Fortgehen deines Vaters waren der Beginn deiner Bundu-Zeit, der Zeit deiner Prüfung.“ (Seite 131)

Moses zeigt Douglas auf dem Schrottplatz hinter der Tankstelle ein Auto. Das will er wieder herrichten. Und in vier Jahren, wenn Douglas seinen Führerschein gemacht hat, möchte er mit ihm nach Kapstadt fahren.

Ein Pick-up hält an der Tankstelle. Moses flüstert Douglas zu, die beiden jungen Weißen auf der Ladefläche seien die, die ihn ausraubten. Ihr Vater sitzt am Steuer und verlangt „Arabersaft“. Douglas spricht die Männer auf den Pass an, den sie seinem Freund abnahmen. Einer von ihnen ruft:

„Na, schau dir das an, hat sich der alte Jimboy doch tatsächlich ein Albinoäffchen zugelegt.“ (Seite 203)

Er rammt Moses den Lauf seines Gewehrs in den Bauch und dann ein Knie in die Hoden. Moses geht zu Boden. Seine Wehrlosigkeit hindert die beiden jungen Männer nicht daran, ihn weiter zusammenzuschlagen und ihn mit ihren Stiefeln zu treten. Douglas muss hilflos zusehen.

Eines Tages stellt er Moses seine neue Freundin vor. Sie heißt Marika Vink. Ihr Vater hat ihr verboten, mit Dunkelhäutigen zu sprechen und ihr eingeschärft, dass die Schwarzen darauf aus seien, weiße Mädchen zu vergewaltigen. Marika ist zwar ein wenig unsicher, wie sie sich gegenüber Moses verhalten soll, aber sie beteuert, keine Angst vor ihm zu haben. Da taucht Willem Vink mit dem Wagen auf. Er ohrfeigt seine Tochter, und sie muss bei ihm einsteigen.

Marika nimmt Douglas mit zu der Stelle, an der sie gerne schwimmt. Dort fordert sie ihn auf, sich umzudrehen, zieht sich aus und springt ins Wasser. Er macht es ihr nach. Als sie einige Wochen später nur mit Slips bekleidet nebeneinander im Sand liegen und dösen, steht plötzlich Willem Vink mit einer doppelläufigen Flinte vor ihnen. Sie müssen sich anziehen und mitkommen. Er beschwert sich bei Douglas‘ Mutter, die jedoch meint, es seien doch noch Kinder.

Sarah Thomas wurde erst kürzlich vom Dominee, dem Pastor der niederländisch-reformierten Kirche in Klipdorp, ermahnt, weil sie eine andere Frau, noch dazu eine Schwarze, nackt gemalt hatte.

Douglas sucht nach dem entlaufenen Hund Chaka. Als er ihn erblickt, springt Chaka gerade in einen Bus. Douglas rennt hin und hämmert gegen die Tür, aber der Fahrer öffnet sie nicht mehr und fährt stattdessen los. Douglas klammert sich an die Leiter am Heck. Der Bus hält erst nach fünf Kilometern im Township.

Als Marika von dem Abenteuer erfährt, überredet sie Douglas, mit ihr ins Township zu radeln. Joko, einer der schwarzen Jungen, die Douglas beim ersten Aufenthalt kennenlernte, führt die beiden Besucher zu einer Gruppe von Männern, die einen Pavian und einen Bullterrier aufeinander gehetzt haben. Es dauert nicht lang, bis Willem Vink angefahren kommt. Ein Stein poltert auf sein Autodach. Er steigt aus, aber bevor er seine doppelläufige Flinte geladen hat, wird er von weiteren Steinen getroffen. Eine der Verletzungen ist tödlich.

Die Witwe schickt Marika nach Pretoria in ein Internat. Zum Abschied lieben Marika und Douglas sich nackt im Sand.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nach vier Jahren Arbeit ist das Auto vom Schrottplatz endlich einsatzfähig. Moses und Douglas wollen eine Runde drehen, und weil der ehemalige Minenarbeiter keinen Führerschein hat, setzt sich der achtzehnjährige Schüler ans Steuer. Die Fahrt endet an einer Straßensperre. Als sich herausstellt, dass Moses keinen Ausweis besitzt, legen ihm die Polizisten Handschellen an und nehmen ihn fest. Dann fahren sie mit Douglas und Moses zu Sarah Thomas. Die erklärt ihnen, sie habe die Papiere des Schwarzen gesehen, sie seien in Ordnung gewesen, aber man habe sie ihm gestohlen. Er wohne hier und arbeite für sie als Gärtner. Sie bürgt für ihn, und die Polizei lässt ihn frei. Sobald die Beamten fort sind, lädt Sarah Moses ein, bei ihr zu bleiben und sich in Hopes Hütte einzurichten. Obwohl es Schwarzen verboten ist, im Haus ihrer weißen Arbeitgeber zu wohnen, darf Hope ab jetzt bei Sarah im Haus schlafen.

Douglas dagegen fährt mit dem von Moses hergerichteten Auto allein nach Muizenberg zurück. Einige Kilometer vor dem Ziel bleibt der Wagen liegen, und Douglas verkauft ihn mit schlechtem Gewissen.

Morgen werde ich den Zug nach Kapstadt nehmen und Johan Myburgh besuchen, den alten Freund meines Vaters bei der Zeitung. Vielleicht kann er mir einen Job als Botenjunge verschaffen, genauso wie auch mein Vater einmal angefangen hat. (Seite 284)

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In seinem Roman „Malindi“ erzählt Troy Blacklaws von der Adoleszenz eines weißen Jungen in Südafrika. Nachdem die Familie zerbrochen ist, wird Douglas im Alter von vierzehn Jahren am neuen Wohnort mit Apartheid und Rassenhass konfrontiert, von seinen Mitschülern ausgegrenzt und von rabiaten Lehrern verprügelt. Er macht seine ersten erotischen Erfahrungen und freundet sich mit einem aus Altersgründen entlassenen schwarzen Minenarbeiter an, der davon träumt, mit ihm zusammen nach Kapstadt zu fahren. In den vier Jahren, die wir Douglas begleiten, sucht er nach seinem Weg und seiner Heimat.

Die Handlung spielt in einer hier wenig bekannten Gesellschaft. Troy Blacklaws erzählt die bewegende Geschichte in lebendigen Episoden, farbig und stimmungsvoll, einfühlsam, aber auch kraftvoll und lakonisch. „Malindi“ ist ein zugleich leichter und ernster, unterhaltsamer und eindrucksvoller Roman.

Troy Blacklaws wurde 1965 in Pinetown, sechzehn Kilometer westlich von Durban in Südafrika, geboren und wuchs in der Nähe von Kapstadt auf. Er studierte Literaturwissenschaften. Nach zwei Jahren Militärdienst erhielt er eine Anstellung als Englischlehrer. Heute lebt er in Singapur. „Malindi“ ist sein Debütroman.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010
Textauszüge: © Verlagsbuchhandlung Liebeskind / Wilhelm Heyne Verlag

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