Farinelli

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Farinelli

Farinelli. Der Kastrat – Originaltitel: Farinelli, il castrato – Regie: Gérard Corbiau – Drehbuch: Marcel Beaulieu, Andrée Corbiau, Gérard Corbiau – Kamera: Walther van den Ende – Schnitt: Joëlle Hache – Klangdesign: Richard Shorr – Darsteller: Stefano Dionisi, Enrico Lo Verso, Elsa Zylberstein, Jeroen Krabbé, Caroline Cellier, Renaud du Peloux de Saint Romain, Omero Antonutti, Marianne Basler, Pier Paolo Capponi, Graham Valentine, Jacques Boudet, Delphine Zentout u.a. – 1994; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Carlo Broschi wurde vor der Pubertät kastriert, aufgrund einer Verletzung bei einem Reitunfall, wie er glaubt, tatsächlich jedoch, um seine glockenhelle Knabenstimme zu erhalten. Unter dem Künstlernamen Farinelli lässt sich der Kastrat gemeinsam mit seinem Bruder Riccardo Broschi, der für ihn Arien komponiert, in den führenden Opernhäusern Europas feiern ...
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Kritik

"Farinelli" ist weder eine authentische Biografie noch eine psychologische Studie, sondern ein opulenter Kostüm- und Musikfilm.

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Carlo und Riccardo Broschi (Stefano Dionisi, Enrico Lo Verso) feiern in den Zwanzigerjahren des 18. Jahrhunderts gemeinsam Triumphe, zunächst in ihrer Heimatstadt Neapel und dann in anderen europäischen Opernhäusern: Riccardo als Komponist und sein jüngerer Bruder Carlo unter dem Künstlernamen Farinelli als Sänger.

Farinelli, der von dem berühmten Gesangslehrer Nicola Antonio Porpora (Omero Antonutti) ausgebildet wurde, vermag die eigens für ihn geschriebenen Arien seines Bruders auf einzigartige Weise in einer Sopran-Stimmlage vorzutragen, weil er nie einen Stimmbruch hatte. Vor der Pubertät, im Alter von zehn Jahren, war er nämlich kastriert worden. Farinelli glaubt, die Operation sei aufgrund einer Verletzung erforderlich gewesen, die er sich bei einem Sturz vom Pferd zugezogen hatte.

Vor allem die Damen umjubeln Farinelli. Wenn ihm eine gefällt, geht er mit ihr ins Bett – und lässt sich nach einer Weile von seinem Bruder ablösen. „Carlo bereitet das Feld vor“, kommentiert Gräfin Mauer (Marianne Basler), „und Riccardo bringt die Saat aus.“

Gegen den Willen seines Bruders besteht Farinelli darauf, 1734 nach London zu reisen. Dort arbeiten Farinelli und Riccardo Broschi zunächst mit den Gegnern des deutschen Komponisten Georg Friedrich Händel (Jeroen Krabbé) zusammen. Wieder wird Farinelli gefeiert, doch er ist unzufrieden, weil er weiß, dass Händel die Musik seines Bruders für ornamental und seelenlos hält und das Virtuosentum verachtet. Als sich der Prinz von Wales (Graham Valentine) und andere Aristokraten abfällig über Händels Musik äußern, ohne sie jemals gehört zu haben, widerspricht Farinelli ihnen aufgebracht und prophezeit, dass der Name Händel in die Geschichte eingehen werde.

Farinelli befreundet sich mit Benedict (Renaud du Peloux de Saint Romain), einem behinderten Jungen, der weiß, dass sein Freund ein Kastrat ist und ihn drängt, seiner Mutter einen Heiratsantrag zu machen, denn er wünscht ihn sich als Stiefvater. Margareth Hunter (Caroline Cellier) will sich jedoch nicht noch einmal vermählen. Darüber ist niemand glücklicher als ihre Bedienstete Alexandra (Elsa Zylberstein), die sich in Farinelli verliebt hat.

Alexandra raubt für Farinelli eine Partitur von Georg Friedrich Händel, damit der Kastrat endlich einmal anspruchsvolle Musik singen kann.

Um die gestohlene Partitur zurückzuverlangen, sucht Händel das Quartier der Brüder Broschi auf. Er trifft nur Riccardo an. Der gesteht Händel, dass es sich bei dem angeblichen Reitunfall Carlos um eine Lüge handelt. Er sei siebzehn gewesen, als er zum ersten Mal komponiert habe, erzählt Riccardo. Carlo sang die Komposition wie ein Engel. Um diese glockenhelle Knabenstimme zu bewahren, ließ Riccardo ihn kastrieren. Die Gelegenheit dafür bot sich, als der Vater (Pier Paolo Capponi) starb, Carlo daraufhin erkrankte, fieberte und im Opiumrausch nicht mitbekam, was mit ihm geschah.

Als Farinelli von Händel erfährt, warum er entmannt wurde, verlässt er seinen Bruder und begibt sich mit seiner Geliebten Alexandra nach Madrid, wo König Philipp V. (Jacques Boudet) den berühmten Kastratensänger aufnimmt.

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Drei Jahre später taucht Riccardo in Madrid auf. Er habe die Oper „Orfeo“ vollendet, mit der er sich seit Carlos Kastration abmühte, ruft er von der Straße zu Farinellis Fenster hinauf, aber sein Bruder will ihn nicht sehen. Während Riccardo in einem Pferdestall übernachtet, stiehlt Alexandra ihm die Partitur und bringt sie Farinelli. Wütend über den Verlust treibt Riccardo am anderen Morgen die Pferde hinaus. Daraufhin drängt Alexandra ihren Lebensgefährten, mit Riccardo zu reden.

Nach einer Sonnenfinsternis versöhnen sich die Brüder. Eines Nachts, als Farinelli und Alexandra beim Liebesspiel im Bett liegen, gesellt Riccardo sich zu ihnen. Während Alexandra Farinelli anschaut, schwängert Riccardo sie. Danach verbrennt er die Oper und reitet allein fort. Das Kind ist das letzte gemeinsame Werk von ihm und seinem Bruder.

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Marcel Beaulieu, Andrée Corbiau und Gérard Corbiau erzählen in ihrem Kinofilm über den legendären italienischen Kastratensänger Farinelli (1705 – 1782) von seiner Karriere, seinen Ängsten, Verdrängungen und unerfüllbaren Sehnsüchten. Dabei verzetteln sie sich ein wenig in Nebenhandlungen. Vielleicht hätten sie sich besser auf die Jahre konzentriert, die Farinelli in London verbrachte (1734 – 1737). Die fiktive Rivalität zwischen Farinelli und Georg Friedrich Händel erinnert an die zwischen Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri in „Amadeus“. „Farinelli“ ist weder eine authentische Biografie noch eine psychologische Studie, sondern ein opulenter Kostüm- und Musikfilm. Den Kastraten-Gesang mischte man elektronisch aus den Stimmen des Countertenors Derek Lee Ragin und der Sopranistin Ewa Mallas Godlewska.

In der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“ wurde „Farinelli“ für einen „Oscar“ nominiert.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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