Gravity

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Gravity – Originaltitel: Gravity – Regie: Alfonso Cuarón – Drehbuch: Alfonso Cuarón, Jonás Cuarón, George Clooney – Kamera: Emmanuel Lubezki – Schnitt: Alfonso Cuarón, Mark Sanger – Musik: Steven Price – Darsteller: Sandra Bullock, George Clooney u.a. – 2013; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Während Matt Kowalski und Dr. Ryan Stone mit einem Außeneinsatz im All beschäftigt sind, löst das bei der Zerstörung eines Satelliten entstandene Trümmerfeld eine Kettenreaktion aus. Vom Space Shuttle bleibt nur ein Wrack übrig, aber Matt nimmt mit seiner MMU Kurs auf die ISS und zieht Ryan mit. Vor der evakuierten ISS opfert er sich, damit wenigstens Ryan eine Über­lebenschance hat. Die ISS zerbirst jedoch, und die beschädigte Sojus-Kapsel lässt sich nicht starten ...
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Kritik

Optisch ist "Gravity" grandios, denn die Kameraführung ist elegant und die Imitation der Schwerelosigkeit perfekt. Aber die Handlung des Science-Fiction-Dramas von Alfonso Cuarón ist hanebüchen.
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Der amerikanische Astronaut Matt Kowalski (George Clooney) arbeitet mit der Spezialistin Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) und einem weiteren Kollegen seit einer Woche an der Reparatur des Hubble-Weltraumteleskops. Für Ryan Stone ist es nach einem halben Jahr Ausbildung der erste Außeneinsatz im All. Der erfahrene Matt Kowalski hat dagegen mit dieser Mission das Ende seiner aktiven Astronautenkarriere erreicht.

Von der Kommandozentrale der NASA in Houston erfahren Matt und Ryan, dass die Russen versehentlich einen ihrer eigenen Satelliten zerstörten. Sofortige Berechnungen haben allerdings ergeben, dass die Trümmer vorerst nicht in die Flugbahn der Mission STS-157 geraten werden. Die drei Astronauten arbeiten also weiter.

Kurz darauf heißt es, dass der Schrott eine Kettenreaktion auslöste: Inzwischen wurde eine ganze Reihe von Satelliten zerstört, darunter die meisten Kommunikationssatelliten, und die Trümmerwolke vergrößert sich immer weiter. Die drei Astronauten müssen ihren Außeneinsatz sofort abbrechen und in das Space Shuttle „Explorer“ zurückkehren. Bevor sie es erreichen, schwirren die ersten Brocken heran. Einer trifft den Ausleger, an dem Ryan hängt und versetzt ihn in eine Rotation. Als die Astronautin ihre Verbindung mit dem Metallteil löst, wird sie durch die Fliehkraft weggeschleudert. Matt hält weiter Funkkontakt mit ihr, fliegt ihr mit seinem Düsenrucksack (Manned Maneuvering Unit) nach, fängt sie ein und beruhigt sie, damit sie weniger Sauerstoff verbraucht.

Nachdem er sie mit einem Gurt an seinen Raumanzug gekoppelt hat, kehrt er mit ihr zum Space Shuttle zurück. Aber sie finden nur noch ein Wrack vor, und die anderen Kollegen sind tot. Weil inzwischen nahezu alle Kommunikationssatelliten ausgefallen sind, ist auch kein Funkkontakt mit Houston mehr möglich: Matt und Ryan sind auf sich allein angewiesen.

Der langgediente Astronaut bleibt ruhig und steuert mit seiner jüngeren Kollegin im Schlepptau die Internationale Raumstation an.

In Sichtweite der ISS ist nicht nur Matts Treibstoff nahezu aufgebraucht, sondern auch Ryans Sauerstoffvorrat auf ein Prozent der Füllmenge abgesunken. Matt erkennt schon von weitem, dass die Raumstation evakuiert wurde und die einzige verbliebene Sojus-Kapsel beschädigt ist. Weil er mangels Treibstoff nicht mehr bremsen kann, krachen er und Ryan mit voller Wucht gegen die ISS. Wenn Ryan sich nicht mit einem Fuß in einer Leine des ausgelösten Bremsfallschirms der defekten Sojus-Kapsel verfangen hätte, wären sie zurückgeschleudert worden und hätten keine Möglichkeit mehr gehabt, sich der Raumstation erneut zu nähern.

Matt erkennt jedoch, dass die Leine nicht ausreicht, um sie beide zu halten. Damit wenigstens Ryan eine Chance hat, lässt er gegen ihren Protest los und treibt davon, nicht ohne Ryan über Funk zu erklären, wo sie die Luftschleuse der ISS findet. Die beschädigte Sojus-Kapsel würde zwar einen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nicht überstehen, meint er, aber Ryan könne damit zur chinesischen Raumstation Tiangong fliegen.

Kurz bevor der Sauerstoffvorrat gänzlich aufgebraucht ist und Ryan das Bewusstsein zu verlieren droht, kann sie sich in die ISS retten und den Helm abnehmen. Als sie sich einigermaßen erholt hat, versucht sie, erneut Kontakt mit Matt aufzunehmen, denn sie will nicht nur sich, sondern auch ihn mit der Sojus-Kapsel retten. Aber er meldet sich nicht mehr.

In der durch den Weltraumschrott stark beschädigten ISS bricht Feuer aus. Ryan rettet sich in die Raumkapsel. Dem Handbuch entnimmt sie, wie das russische Gerät zu bedienen ist, doch als sie startet, reißt der Fallschirm, dessen Leinen sich an Vorsprüngen der ISS verfangen haben, sie zurück. Glücklicherweise prallt die Sojus-Kapsel nicht gegen die Raumstation. Sobald die Lage wieder stabil ist, steigt Ryan aus, um die Seile zu kappen. Während sie damit beschäftigt ist, rast das Trümmerfeld nach einer Erdumrundung erneut heran, und die Internationale Raumstation zerbirst.

Ryan klettert in die Sojus-Kapsel zurück, aber das Triebwerk zündet nicht. Immer wieder versucht sie, Funksprüche an die Kommandozentrale in Houston abzusetzen. Endlich meldet sich jemand. Weil sie die Sprache nicht versteht, nimmt sie zunächst an, sie sei mit der chinesischen Raumstation verbunden, aber dann hört sie Hundegebell und begreift, dass sie mit einem Mann auf der Erde spricht, der die englische Sprache nicht versteht und „Mayday“ für ihren Namen hält.

In dieser aussichtslosen Lage drosselt Ryan die Sauerstoffversorgung der Raumkapsel und schließt die Augen. Sie will einfach nur noch schlafen und nicht mehr aufwachen.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Plötzlich klopft es. Matt ist draußen. Er öffnet die Luke und klettert zu ihr herein. Ryan könne sich behelfen, indem sie alle Teile vom Landemodul absprengt, die Bremstriebwerke freilegt und damit die chinesische Raumstation ansteuert. Ryan öffnet die Augen. Matt sitzt gar nicht neben ihr; sie hat sich sein Auftauchen nur eingebildet. Aber sie spürt neuen Lebensmut.

In unmittelbarer Nähe der wie die ISS evakuierten Raumstation springt Ryan aus der Sojus-Kapsel und legt die letzten Meter mit Hilfe eines mitgenommenen Feuerlöschers zurück, den sie mehrmals kurz betätigt, um durch den Rückstoß ihre Flugrichtung zu korrigieren.

Schon von weitem erkannte Ryan, dass die aufgegebene, von Weltraumschrott beschädigte Raumstation ihre Orbit-Höhe verlassen hat und dabei ist, abzustürzen. Sie rettet sich in die angekoppelte Shenzhou-Raumkapsel. Damit kehrt sie zur Erde zurück.

Ryan landet in einem See. Über Funk empfängt sie die Nachricht, dass man sie in Houston geortet hat und Hilfe unterwegs ist. Ryan öffnet die Luke, aber bevor sie aussteigen kann, strömt Wasser herein und reißt sie zurück. Die Raumkapsel sinkt. Unter Wasser gelingt es Ryan zwar, sie zu verlassen, aber der Raumanzug drückt sie durch sein Gewicht auf den Grund. Sie muss ihn erst ausziehen, bevor sie auftauchen und ans Ufer schwimmen kann.

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Das Science-Fiction-Drama „Gravity“ zeigt, dass der überwältigende Blick aus dem All auf die Erde nicht über die Lebensfeindlichkeit dieser Umwelt hinwegtäuschen darf. Alfonso Cuarón geht es in „Gravity“ allerdings nicht um philosophische Betrachtungen über Mensch, Technik und Kosmos, sondern er erzählt einfach eine Geschichte. Und dabei beschränkt er sich an dem grenzenlosen Schauplatz nach ein paar Minuten auf eine einzige Person und einen trotz mehrerer Komplikationen simplen (und unrealistischen) Plot: eine unerfahrene Astronautin gerät kurz nacheinander in mehrere lebensgefährliche Situationen, die hoffnungslos zu sein scheinen. Aber die Frau gibt nicht auf und findet immer wieder einen Ausweg. Dabei führt sie Selbstgespräche, damit die Zuschauer begreifen, was geschieht.

Spektakulär sind die Blicke auf die Erde und vor allem die perfekte Imitation der Schwerelosigkeit. Auch die Kameraführung von Emmanuel Lubezki gehört zu den Pluspunkten von „Gravity“: In einer langen, beinahe wie ungeschnitten wirkenden Sequenz zu Beginn umkreisen sich die Figuren und die Kamera, die sich dabei dem Gesicht der von Sandra Bullock gespielten Astronautin Ryan Stone nähert und sie ohne störende Spiegelungen auf dem Visier des Weltraumhelms in Großaufnahmen aufnimmt. Mitunter scheint die Kamera sich auch im Inneren des Helms zu befinden und das Geschehen aus Ryans Sicht zu zeigen.

Wie gesagt, die Optik des 3D-Films ist grandios. Gut ist auch die radikale Minimalisierung des Plots. Aber was soll man von einer Geschichte halten, in der eine sechs Monate lang trainierte Spezialistin bei einem amerikanischen Außeneinsatz im All eingesetzt wird, dann im Handbuch nachblättert, wie ein russisches Raumschiff zu bedienen ist und damit losfliegt?

Nachvollziehbar ist der Ausgangspunkt des Plots: Die bei der Zerstörung eines Satelliten entstandene Trümmerwolke löst eine Kettenreaktion aus. Der Astrophysiker Donald J. Kessler warnte davor, dass die Raumfahrt wegen einer (allerdings erst einmal langsam ablaufenden) Kettenreaktion des Weltraumschrotts immer gefährlicher wird („Kessler-Syndrom“).

Unrealistisch ist dagegen eine andere Kernszene von „Gravity“: Als Matt Kowalsky und Ryan Stone außerhalb der ISS schweben, befinden sie sich bereits in einer stationären Lage zur Raumstation. Ein kleiner Ruck Ryans hätte Matt also zu ihr hinbewegt. Stattdessen sehen wir, wie er loslässt und rasch abgetrieben wird, obwohl es keinerlei Beschleunigung weg von der ISS gibt. Ebenso absurd ist die Vorstellung, man könne in ein paar Minuten mit einem Düsenrucksack – einer Manned Maneuvering Unit – vom Hubble-Weltraumteleskop zur ISS fliegen, zumal sich die beiden nicht nur in unterschiedlichen Höhen über der Erde, sondern auch auf verschiedenen Bahnebenen befinden.

Mit „Gravity“ wurden die Internationalen Filmfestspiele von Venedig am 28. August 2013 eröffnet. Der SF-Film erhielt sieben „Oscars“: Regie (Alfonso Cuarón), Kamera (Emmanuel Lubezki), Schnitt (Alfonso Cuarón, Mark Sanger), Filmmusik (Steven Price), visuelle Effekte (Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk, Neil Corbould), Ton (Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead, Chris Munro) und Tonschnitt (Glenn Freemantle). Nominiert hatte man „Gravity“ auch in den Kategorien Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Sandra Bullock) und Bestes Szenenbild (Andy Nicholson, Rosie Goodwin, Joanne Woollard).

Synchronsprecher in der deutschen Fassung von „Gravity“: Bettina Weiß (Dr. Ryan Stone), Detlef Bierstedt (Matt Kowalski).

In dem Kurzfilm „Aningaaq“ zeigt Jonás Cuarón, der Sohn des Regisseurs von „Gravity“, mit wem Dr. Ryan Stone von Bord der Sojus-Raumkapsel aus spricht. Es ist der grönländische Fischer Aningaaq. Er angelt in einem vereisten Fjord. Als er auf seinem Funkgerät eine Frauenstimme hört, versteht er zwar nicht, was sie sagt, erzählt jedoch von seinem alten, kranken Hund und singt dann einem schreienden Säugling ein Schlaflied vor. Nachdem die Frau verstummt ist, erschießt Aningaaq seinen Hund.

Originaltitel: Aningaaq – Regie: Jonás Cuarón – Drehbuch: Jonás Cuarón – Kamera: Alexis Zabé – Schnitt: Jonás Cuarón – Musik: Steven Price – Darsteller: Orto Ignatiussen, Lajla Lange u.a. – 2013; 7 Minuten

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

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Nikola Hahn - Singende Vögel weinen sehen
Nikola Hahn spielt mit Wörtern, stellt sie zu kleinen Gedichten zusammen, die sich sogar auf einem Handy-Display leicht lesen lassen. "HandyPoesie" lautet denn auch der Untertitel des Buches "Singende Vögel weinen sehen".
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