Der Exorzist

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Der Exorzist – Originaltitel: The Exorcist – Regie: William Friedkin – Drehbuch: William Peter Blatty, nach seinem Roman "Der Exorzist" – Kamera: Owen Roizman – Schnitt: Norman Gay, Evan Lottman, Bud S. Smith – Musik: Steve Boeddeker – Darsteller: Ellen Burstyn, Max von Sydow, Jason Miller, Linda Blair, Lee J. Cobb, Kitty Winn, Jack MacGowran, Barton Heyman, Peter Masterson, Rudolf Schündler, Gina Petrushka, Robert Symonds, Vasiliki Maliaros, Titos Vandis u.a. – 1973; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Die geschiedene Filmschauspielerin Chris MacNeil dreht in Washington und hat ihre 12-jährige Tochter Regan dabei. Unvermittelt ändert das wohlerzogene Kind sein Verhalten, flucht und gebraucht obszöne Ausdrücke. Als Ursache vermuten die Ärzte zunächst eine Anomalie im Gehirn, aber sie können nichts feststellen. Das Bett mit dem Kind wird herumgerüttelt; Regans Gesicht verwandelt sich in eine Fratze, sie schreit und speit grünen Schleim. Verzweifelt drängt Chris einen Jesuitenpater zum Exorzismus ...
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Kritik

William Peter Blatty und William Friedkin sprechen mit "Der Exorzist" Urängste an und setzen auf ekelhafte, obszöne und erschreckende Horrorszenen. Heute wirkt das plump, und an F-Wörter sind wir längst gewöhnt, aber 1973 galt das noch als skandalös.
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Auf einer nordirakischen Ausgrabungsstätte entdeckt der kranke Jesuitenpater Lankester Merrin (Max von Sydow) eine Dämonenfigur. Während er darüber mit einem Kollegen im Museum redet, bleibt der Regulator stehen. Beunruhigt kehrt Merrin nach Georgetown, einen Stadtteil von Washington, D. C., zurück.

Der ebenfalls in Georgetown lebende Jesuitenpater Damien Karras (Jason Miller) leidet darunter, dass seine greise Mutter (Vasiliki Maliaros) einsam in ihrer Wohnung in einem verwahrlosten Mietshaus in New York lebt und er sie nicht überreden kann, in ein Seniorenheim zu gehen. Als sie von ihrem Bruder (Tito Vandis) in eine armselige Irrenanstalt gebracht wird und bald darauf stirbt, macht Karras sich noch größere Vorwürfe; er zweifelt an Gott und will sich von seiner Aufgabe als psychiatrischer Berater der Jesuiten-Universität entbinden lassen. Zur gleichen Zeit stößt er in der Kirche auf eine geschändete Marienstatue.

Die Filmschauspielerin Chris MacNeil (Ellen Burstyn) ist für Dreharbeiten von Hollywood nach Washington gekommen und hat ihre zwölfjährige Tochter Regan (Linda Blair) mitgenommen. In dem Haus, das sie in Georgetown bewohnen, werden sie von der Assistentin Sharon Spencer (Kitty Winn) und den Hausangestellten Karl (Rudolf Schündler) und Willi (Gina Petrushka) umsorgt. Chris ist geschieden. Mit dem Regisseur Burke Dennings (Jack MacGowran) sei sie nur befreundet, erklärt sie ihrer Tochter, als diese schon glaubt, sie bekomme einen Stiefvater.

Nachts hört Chris Geräusche und lässt Karl Fallen auf dem Dachboden aufstellen, weil sie davon ausgeht, dass es sich um Ratten handelt. Aber es wird kein Ungeziefer gefunden.

Während einer medizinischen Untersuchung bei Dr. Klein (Barton Heyman) flucht Regan und redet von ihrer Fotze. Als Dr. Klein darüber mit Chris spricht, kann sie es sich kaum vorstellen, denn sie kennt Regan nur als wohlerzogenes und liebenswürdiges Mädchen. Dr. Klein verschreibt Regan Ritalin gegen Hyperaktivität. Die Verhaltensauffälligkeiten verstärken sich dennoch: Regan wird immer aggressiver und ausfallender. Dr. Klein vermutet deshalb, dass die Zwölfjährige an einer Anomalie des Schläfenlappens leidet, aber Röntgenaufnahmen ergeben keinen Befund. Von der Konsultation eines Psychiaters rät Dr. Klein ab; stattdessen nimmt er weitere Untersuchungen des Gehirns vor.

Eines Abends hat Chris Freunde und Kollegen eingeladen. Plötzlich taucht Regan im Nachthemd auf, uriniert vor den Gästen auf den Teppich und prophezeit Burke Dennings‘ Tod.

Der Regisseur verlässt die Party wenige Minuten später. Bald darauf wird seine Leiche am Fuß einer Steintreppe unterhalb von Regans Fenster gefunden. Polizei-Lieutenant William F. Kinderman (Lee J. Cobb) vom Morddezernat untersucht den Fall und findet es merkwürdig, dass der Kopf der Leiche um 180 Grad verdreht ist. Weil er annimmt, dass Dennings aus Regans Fenster stürzte, befragt er Chris MacNeil. Die Schauspielerin ist überzeugt, dass der mit ihr befreundete Regisseur nicht in Regans Zimmer war.

Mit eigenen Augen sieht Chris, wie das Bett, in dem ihre Tochter liegt, von unsichtbaren Kräften herumgerüttelt wird. Dr. Klein versucht das zunächst mit Spasmen des Mädchens zu erklären, aber Chris hat das Vertrauen zu ihm verloren. Weitere Ärzte und schließlich auch ein Psychiater (Arthur Storch) werden hinzugezogen. Alle Untersuchungen und Beratungen bleiben ergebnislos. Da schlägt einer der Ärzte vor, es mit Exorzismus zu versuchen. Das sei zwar eine fragwürdige Methode und habe nichts mit den von der Kirche behaupteten Vorgängen zu tun, aber hin und wieder könne so eine „Teufelsaustreibung“ durch die suggestive Wirkung psychosomatische Störungen beseitigen.

In ihrer Verzweiflung wendet Chris sich an Damien Karras. Der Jesuit weigert sich zunächst, das aus dem Mittelalter stammende Ritual überhaupt in Betracht zu ziehen, aber Chris drängt ihn, sich ihre inzwischen auf dem Bett festgebundene, schrecklich verunstaltete, schreiende, geifernde und sich windende Tochter anzusehen. Durch mehrere Besuche kommt der unter Schuldgefühlen und Glaubenszweifeln leidende Geistliche zu der Überzeugung, dass Regan tatsächlich besessen ist.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Bischof Michael (Wallace Rooney) erlaubt den Exorzismus unter der Bedingung, dass er von einem erfahrenen Pater wie Lankester Merrin vorgenommen wird und Karras nur als Assistent mitwirkt.

Die beiden Jesuiten beginnen mit der Teufelsaustreibung. Als Karras einmal nach kurzer Abwesenheit in Regans Zimmer zurückkommt, findet er Merrin tot vor. Da fällt er wütend über die Besessene her, der Dämon springt auf ihn über und der Exorzist stürzt wie zuvor der Filmregisseur durch das Fenster auf die Steintreppe.

Regan ist von den Dämonen befreit und wieder ein liebenswürdiges Kind. Aber das Böse ist nach wie vor in der Welt.

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Der von seiner Mutter streng religiös erzogene dreizehnjährige Roland Doe in Cottage City bei Washington, D. C., veränderte nach dem Tod seiner Tante am 26. Januar 1949 sein Verhalten. Deshalb wandte sich seine Mutter an den katholischen Geistlichen Albert Hughes von der St. James-Kirche im Nachbarort Mount Rainier, der zu der Überzeugung gelangte, Roland Doe sei besessen. Nachdem sich der Exorzist William S. Bowdern und dessen Assistenten Raymond F. Bishop und Walter Halloran am 11. März einen eigenen Eindruck von dem Jungen verschafft hatten, ließen sie sich von Erzbischof Joseph E. Ritter einen Exorzismus genehmigen, den sie vom 16. bis 18. April durchführten.

Durch einen Artikel in der „Washington Post“ vom 20. August 1949 erfuhr William Peter Blatty von dem Fall, ein einundzwanzigjähriger Student der Jesuiten-Universität in Georgetown, einem Stadtteil von Washington, D. C. Das Thema beschäftigte ihn und inspirierte ihn schließlich zu dem Roman „Der Exorzist“, den er 1971 veröffentlichte. Zwei Jahre später schrieb William Peter Blatty auch das Drehbuch für die Verfilmung seines Buches durch William Friedkin.

Dem Jesuitenschüler William Peter Blatty ging es vor allem um Kritik an der modernen Gesellschaft, die an immerwährenden Fortschritt durch die Wissenschaften glaubt; er wollte die Leser aufrütteln, zur Religiosität zurückzukehren und wieder an den fundamentalen Kampf des Guten und des Bösen zu glauben. Dieses Anliegen kommt auch in der Adaptation fürs Kino zum Ausdruck.

Das Böse äußert sich ohne eigene Personifikation ausgerechnet aus dem Inneren eines zwölfjährigen unschuldigen Mädchens und verunstaltet das Kind.

„Der Exorzist“ beginnt mit drei zunächst unabhängigen Handlungssträngen: Lankester Merrin bei einer Ausgrabung im Nord-Irak, Damien Karras zu Besuch bei seiner Mutter, Chris MacNeil mit ihrer Tochter Regan in Georgetown. Allmählich breitet sich eine düstere, bedrohliche Atmosphäre aus. Erst nach längerer Zeit bricht das Böse aus dem verunstalteten, schreienden und sich aufbäumenden Kind hervor; es verschreckt Anwesende durch obszöne Bemerkungen, speit ihnen giftgrünen Schleim ins Gesicht und masturbiert ungeachtet des aus der Vagina hervorquellenden Blutes mit einem Kreuz.

William Peter Blatty und William Friedkin sprechen mit „Der Exorzist“ Urängste an und setzen auf ekelhafte, obszöne und erschreckende Horrorszenen. Heute wirkt das plump, und an Four-Letter-Words sind wir längst gewöhnt, aber 1973 verließen zahlreiche Zuschauer die Kinos, weil sie den Horror nicht länger ertrugen. Andererseits lockte der Skandal viele Neugierige an, und „Der Exorzist“ wurde zum bis dahin nach „Der Pate“ erfolgreichsten Film. In zehn Kategorien nominierte man „Der Exorzist“ für einen „Oscar“: Film, Drehbuch, Regie, Hauptdarstellerin, Nebendarstellerin, Nebendarsteller, Kamera, Schnitt, Ton, Szenenbild. Verliehen wurde die Trophäe am Ende für das Drehbuch und den Ton.

2001 kam ein „Director’s Cut“ ins Kino, eine digital überarbeitete und zwölf Minuten längere Fassung mit vier ursprünglich nicht verwendeten Einstellungen. Während die Originalversion mit der Abfahrt von Chris und Regan MacNeil aus Georgetown endet, trifft im „Director’s Cut“ danach der Jesuitenpater Dean (Roy Cooper) auf Polizei-Lieutenant William F. Kinderman, der ihn einlädt, mit ihm zusammen den Film „Wuthering Heights“ anzusehen, was Dean jedoch mit der Begründung ablehnt, er kenne ihn schon.

Am 22. September 1977 kam das Sequel „Exorzist II. Der Ketzer“ („Exorzist II. The Heretic“) in die deutschen Kinos, aber der enorme Erfolg des ersten Teils konnte nicht wiederholt werden. „Der Exorzist III“ ist seit 31. Januar 1991 in Deutschland zu sehen.

Exorzist II. Der Ketzer – Originaltitel: The Exorcist II. The Heretic – Regie: John Boorman – Drehbuch: William Goodhart, John Boorman, Rospo Pallenberg, nach Figuren aus dem Roman „Der Exorzist“ von William Peter Blatty – Kamera: William A. Fraker – Schnitt: Tom Priestley – Musik: Ennio Morricone – Darsteller: Linda Blair, Richard Burton, Louise Fletcher, Max von Sydow, Kitty Winn, Paul Henreid, James Earl Jones, Ned Beatty, Belinda Beatty u. a. – 1977; 120 Minuten

Der Exorzist III – Originaltitel: The Exorcist III – Regie: William Peter Blatty – Drehbuch: William Peter Blatty, nach seinem Roman „Legion“ (1983) – Kamera: Gerry Fisher – Schnitt: Peter Lee Thompson, Todd Ramsay – Musik: Barry De Vorzon – Darsteller: George C. Scott, Ed Flanders, Brad Dourif, Jason Miller, Nicol Williamson, Scott Wilson, Nancy Fish, George DiCenzo, Don Gordon, Lee Richardson, Grand L. Bush, Mary Jackson, Viveca Lindfors, Ken Lerner, Tracy Thorne, Barbara Baxley, Zohra Lampert, Harry Carey jr., Sherrie Wills, Edward Lynch, Clifford David, Alex Zuckerman, Lois Foraker, Tyra Ferrell, James Burgess u.a. – 1990; 110 Minuten

Das Prequel „Exorzist. Der Anfang“ („Exorcist IV. The Beginning“) sollte zunächst von John Frankenheimer inszeniert werden. Der stieg dann kurz vor Drehbeginn ebenso aus wie der für die Rolle des Jesuitenpaters Lankester Merrin vorgesehene Schauspieler Liam Neeson. Für Neeson sprang Stellan Skarsgård ein, und Paul Schrader übernahm die Regie. Als der 30 Millionen Dollar teure Film fast fertig war, fanden ihn die Produzenten nicht reißerisch genug und ließen den Finnen Renny Harlin für weitere 50 Millionen Dollar eine vollständig neue Version drehen, die am 18. November 2004 in die deutschen Kinos kam. Paul Schraders Fassung wurde ab Oktober 2005 unter dem Titel „Exorzist. Der Anfang des Bösen“ auf DVD vermarktet.

Exorzist. Der Anfang – Originaltitel: Exorcist IV. The Beginning – Regie: Renny Harlin – Drehbuch: Alexi Hawley, William Wisher jr., Caleb Carr, nach dem Roman „Der Exorzist“ von William Peter Blatty – Kamera: Vittorio Storaro – Schnitt: Mark Goldblatt, Todd E. Miller – Musik: Trevor Rabin – Darsteller: Stellan Skarsgård, Izabella Scorupco, James D’Arcy, Remy Sweeney, Julian Wadham, Andrew French, Ralph Brown, Ben Cross, David Bradley, Alan Ford, Antonie Kamerling, Eddie Osei, Israel Aduramo, Patrick O’Kane, James Bellamy u. a. – 2004; 115 Minuten

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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