Der Pate

Der Pate

Der Pate

Der Pate - Originaltitel: The Godfather - Regie: Francis Ford Coppola - Drehbuch: Mario Puzo und Francis Ford Coppola nach dem Roman "Der Pate" von Mario Puzo - Kamera: Gordon Willis - Schnitt: William Reynolds und Peter Zinner - Musik: Nino Rota - Darsteller: Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, Richard Castellano, Diane Keaton, Talia Shire, Robert Duvall, Sterling Hayden, John Marley, John Cazale, Morgana King, Lee Strasberg, Al Martino, Richard Conte, Harry Dean Stanton u.a. - 1972; 175 Minuten

Inhaltsangabe

Don Corleone lehnt es ab, ins Rauschgiftgeschäft einzusteigen, weil er sonst riskiert, die Unterstützung einflussreicher Politiker und leitender Polizeibeamter zu verlieren. Daraufhin versucht man ihn zu ermorden und lockt einen seiner Söhne in eine tödliche Falle. Ausgerechnet sein jüngster Sohn, der nichts mit der Mafia zu tun haben wollte, tritt schließlich Don Corleones Nachfolge an.
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Kritik

In dieser großartigen Saga wird die "Kultur" einer New Yorker Mafia-Familie vorgestellt. Der Pate ist ein höflicher, verantwortungsbewusster Geschäftsmann, der liebevoll mit seinem Enkel spielt, für die "Familie" sorgt, Freundschaften pflegt und Gewalt nur als Ultima Ratio einsetzt. Da herrscht nicht Anarchie, sondern es gilt ein eigener Kodex.
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Als im New York der Dreißigerjahre Johnny Fontane (Al Martino), ein Ziehsohn des sizilianischen Einwanderers Don Vito Corleone (Marlon Brando), für eine viel versprechende Sängerkarriere entdeckt wird, sein Bandleader ihn jedoch nicht vorzeitig aus dem Fünfjahresvertrag entlassen will, bietet Don Corleone zunächst 10 000 Dollar, und als der Bandleader auch darauf nicht eingeht, hält ihm ein Leibwächter Don Corleones einen Revolver hinters Ohr, bis er einen Auflösungsvertrag gegen eine Ablösesumme von 1000 Dollar unterschrieben hat.

Don Corleone avanciert zum mächtigsten New Yorker Mafia-Paten. Wie ein kühler Großunternehmer führt er sein Imperium. Er sorgt für die „Familien“-Angehörigen, verlangt aber im Gegenzug Gehorsam und Verehrung. Seine Ziele versucht er durch höflich geführte Verhandlungen und Schmiergeldzahlungen zu erreichen, aber wenn das nicht zum Erfolg führt, schickt er seine Killer aus. Letztlich fühlt er sich als Herr über Leben und Tod.

Als Johnny eine erträumte Filmrolle nicht bekommt, weil er der mit viel Aufwand zum Star aufgebauten Geliebten des Hollywood-Produzenten den Kopf verdreht hat, schickt Don Corleone einen seiner Männer nach Kalifornien. Der Produzent weigert sich auch weiterhin, aber am nächsten Morgen wacht er blutverschmiert neben dem abgeschnittenen Kopf seines überaus wertvollen Rassepferdes auf. Da weiß er, dass er keine andere Wahl hat, als Johnny die Rolle zu geben.

Virgil Sollozzo („der Türke“), der über Mohnfelder in der Türkei und Produktionsanlagen für Heroin auf Sizilien verfügt, versucht die New Yorker Mafia-Familien dafür zu gewinnen, ins Drogengeschäft einzusteigen. Don Corleone lehnt höflich ab, nicht so sehr wegen moralischer Skrupel, sondern weil er damit rechnet, dass er in diesem Fall die wertvolle Unterstützung einflussreicher Politiker, Gewerkschaftler und leitender Polizeibeamter riskieren würde. Er belässt es lieber bei Geschäften mit verbotenen Glücksspielen.

Die anderen New Yorker Mafia-Familien wollen sich das Rauschgift-Geschäft nicht entgehen lassen und sehen darin die Zukunft. Um den Widersacher auszuschalten, setzt „der Türke“ ein Killerkommando auf Don Corleone an. Die Schüsse verletzen den alten Mann lebensgefährlich, töten ihn jedoch nicht. Daraufhin versucht „der Türke“, ihn mit Hilfe des korrupten Polizei-Captains McCluskey (Sterling Hayden) und der konkurrierenden Mafia-Familie Tattaglia im Krankenhaus zu töten. Don Corleones Sohn Michael (Al Pacino), der sich bisher aus den Mafia-Geschäften seines Vaters heraushielt, verhindert den zweiten Anschlag und rettet seinem Vater das Leben.

Zwischen den Mafia-Familien in New York beginnt ein neuer Krieg.

Ausgerechnet Michael setzt sich in den Kopf, die Anschläge auf seinen Vater zu rächen. Noch nie hat jemand gewagt, einen Polizei-Captain zu ermorden. Zum Schein erklärt Michael sich bereit, mit dem „Türken“ und Captain McCluskey zu verhandeln, lässt aber vor dem Treffen feststellen, wo es stattfinden soll, damit in der Toilette des Restaurants ein Revolver versteckt werden kann. Wie erwartet, wird Michael noch im Auto von McCluskey auf Waffen durchsucht. Als er während des Essens aufsteht, um zur Toilette zu gehen, tastet auch der „Türke“ ihn nochmals kurz ab. Michael findet den Revolver hinter dem Spülkasten, kehrt zurück und erschießt die beiden.

Unmittelbar danach setzt er sich nach Sizilien ab.

Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus kehrt Don Corleone in seine Villa zurück, aber er fühlt sich ausgebrannt und überlässt die Entscheidungen seinem Sohn Sonny (James Caan). Den versucht „der Türke“ jetzt für den Einstieg ins Drogengeschäft zu gewinnen, aber die Familie Taggaglia lockt Sonny in eine Falle: Seine Schwester Connie (Talia Shire) wird von ihrem Ehemann verprügelt, damit sie ihren Bruder zu Hilfe ruft. Auf dem Weg zu Connie fällt Sonny einem Mordanschlag zum Opfer.

Obwohl in New York seine Geliebte Kay Adams (Diane Keaton) auf ihn wartet, heiratet Michael in Sizilien die Tochter eines Gastwirts. Die junge Frau kommt jedoch bei einem Bombenattentat auf Michaels Auto ums Leben. Ein Jahr lang bleibt er in Sizilien, dann wagt er es, nach New York zurückzukehren. Ohne Kay etwas von seinen Erlebnissen auf Sizilien zu erzählen, nimmt er sie zur Frau.

Einige Jahre später übergibt Don Corleone die Geschäfte seinem Sohn Michael, und nachdem Don Corleone beim Spielen mit einem seiner Enkel im Park seiner Villa einem Herzanfall erlag, beobachtet Kay entsetzt, wie die Männer dem neuen Paten die Hand küssen …

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Francis Ford Coppola hat die Saga über eine New Yorker Mafia-Familie oppulent in Szene gesetzt. Der Pate wird nicht als primitiv-brutaler Gangster charakterisiert, sondern als höflicher, verantwortungsbewusster Geschäftsmann, der liebevoll mit seinem Enkel spielt, für die „Familie“ sorgt und Freundschaften pflegt. Zur Gewalt greift er nur, wenn er seine Ziele anders nicht durchsetzen kann. Im Clan wird er als Garant der Gerechtigkeit geschätzt: Ein Mann, dessen Tochter beinahe vergewaltigt worden wäre, erwartet von ihm eine gerechte Bestrafung der beiden Täter. In der Welt des organisierten Verbrechens herrscht keine Anarchie, sondern eine eigene Ordnung mit einem speziellen Kodex.

Der Wert von Mario Puzos Buch „Der Pate“ wurde offenbar zunächst unterschätzt. Für gerade mal 7500 Dollar erwarb Paramount die Filmrechte. Die Regisseure Richard Brooks, Peter Yates und Costa-Gavras winkten ab. Nachdem der Roman zu einem der erfolgreichsten Büchern der Sechzigerjahre geworden war, machte sich Francis Ford Coppola an die filmische Umsetzung und führte damit die Erfolgsgeschichte fort: „Der Pate“ spielte mehr ein als „Vom Winde verweht“ (Victor Fleming, 1939) und „Doktor Schiwago“ (David Lean, 1965). Zwei Fortsetzungen folgten.

Der Film, das Drehbuch und der Hauptdarsteller Marlon Brando wurden mit „Oscars“ ausgezeichnet. Nominiert hatte man auch Francis Ford Coppola für die Regie, die Nebendarsteller Al Pacino, James Caan und Robert Duvall; Anna Hill Johnstone für die Kostüme, William Raynolds und Peter Zinner für den Schnitt sowie Bud Grenzbach, Richard Portman und Christopher Newman für den Ton.

Im November 2016 veröffentlichte Francis Ford Coppola das Notizbuch, das er während der Dreharbeiten zu „Der Pate“ geführt hatte: „The Godfather Notebook“ (Regan Arts, New York 2016, 784 Seiten, ISBN 978-1682450529, 51.95 €).

Unter dem Titel „Freshman“ drehte Andrew Bergman mit Marlon Brando eine Persiflage auf „Der Pate“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003 / 2016

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