Friedrich Wilhelm Murnau


Friedrich Wilhelm Plumpe wurde am 28. Dezember 1888 in Bielefeld geboren, und zwar als Sohn des Tuchfabrikanten Heinrich Plumpe und dessen Ehefrau, der Lehrerin Ottilie Plumpe (geb. Volbracht). Als er drei Jahre alt war, zog die Familie nach Kassel. In Berlin und Heidelberg studierte Friedrich Wilhelm Philologie und Kunstgeschichte. Max Reinhardt (1873 – 1943) ermöglichte ihm den Besuch seiner Schauspielschule in Berlin (1911/12) und setzte ihn 1913/14 auch als Regieassistenten und Schauspieler auf der Bühne ein. Für die angestrebte Theaterkarriere vertauschte Friedrich Wilhelm Plumpe seinen Familien- gegen den Ortsnamen Murnau. Dort lebten Künstlerfreunde von ihm.

Im Ersten Weltkrieg täuschte der Kampfflieger einen Maschinenschaden vor und landete in der Schweiz, wo er als Deutscher zunächst interniert wurde. Sein Lebensgefährte, der Lyriker Hans Ehrenbaum-Degele fiel am 28. Juli 1915, vier Tage nach seinem 26. Geburtstag, als Leutnant an der Ostfront.

Nachdem Friedrich Wilhelm Murnau am Theater in Luzern gearbeitet hatte, kehrte er 1919 nach Berlin zurück – und wechselte zum Kino. Sein erster Spielfilm, eine Verfilmung des Romans „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde, trug den Titel „Der Knabe in Blau“ – nach dem Gemälde „The Blue Boy“ von Thomas Gainsborough aus dem Jahr 1770. Berühmt wurde Friedrich Wilhelm Murnau 1922 mit dem expressionistischen Vampirfilm „Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens“.

Für die UFA drehte er als ersten Film 1924 „Der letzte Mann“ mit Emil Jannings in der Hauptrolle. Dadurch wurde man in Hollywood auf Friedrich Wilhelm Murnau aufmerksam. Seine Verfilmung der Erzählung „Die Reise nach Tilsit“ von Hermann Sudermann – „Sonnenaufgang. Lied von zwei Menschen“ – wurde 1929 in drei Kategorien mit einem „Oscar“ ausgezeichnet (Beste künstlerische Produktion, Beste Hauptdarstellerin, Beste Kamera). Nominiert hatte man den Film auch in der Kategorie „Bestes Szenenbild“.
Aber Friedrich Wilhelm Murnau wollte seine künstlerische Freiheit nicht aufgeben und stieg noch im selben Jahr aus seinem Vierjahresvertrag aus.

Als Nächstes drehte er in der Südsee auf eigene Kosten (und zunächst mit dem vier Jahre älteren Dokumentarfilmer Robert J. Flaherty zusammen) den Film „Tabu“.

Die Premiere von „Tabu“ am 18. März 1931 erlebte er jedoch nicht mehr: Sieben Tage vorher kollidierte sein 14-jähriger Diener Garcia Stevenson, der unterwegs den Chauffeur John Freeland abgelöst hatte, auf der Küstenstraße von Santa Monica mit einem Lastwagen. John Freeland und Garcia Stevenson wurden nur leicht verletzt, aber Friedrich Wilhelm Murnau erlag im Krankenhaus von Santa Barbara seinen Kopfverletzungen.

Friedrich Wilhelm Murnau, der sich am Expressionismus orientierte, gilt als einer der wichtigsten Filmregisseure der Stummfilm-Epoche.

Friedrich Wilhelm Murnau: Filmografie (Auswahl)

  • Der Knabe in Blau (1919)
  • Satanas (1920)
  • Der Bucklige und die Tänzerin (1920)
  • Der Januskopf (1920)
  • Abend – Nacht – Morgen (1920)
  • Der Gang in die Nacht (1920)
  • Marizza, genannt die Schmugglermadonna (1921)
  • Schloss Vogelöd (1921)
  • Sehnsucht (1921)
  • Der brennende Acker (1922)
  • Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens (1922)
  • Phantom (1922)
  • Die Austreibung (1923)
  • Die Finanzen des Großherzogs (1924)
  • Der letzte Mann (1924)
  • Tartüff (1926)
  • Faust. Eine deutsche Volkssage (1926)
  • Sonnenaufgang. Lied von zwei Menschen (1927)
  • Vier Teufel (1928)
  • City Girl (1930)
  • Tabu (1931)

Literatur über Friedrich Wilhelm Murnau:

  • Maik Bozza, Michael Herrmann (Hg.): Schattenbilder – Lichtgestalten. Das Kino von Fritz Lang und F. W. Murnau (2009)
  • Lotte H. Eisner: Murnau (1979)
  • Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (Hg.) Friedrich Wilhelm Murnau. Südseebilder (2005)
  • Fred Gehler, Ullrich Kasten: Friedrich Wilhelm Murnau (1990)
  • Klaus Kreimeier (Redaktion): Friedrich Wilhelm Murnau 1888 – 1988 (Ausstellungskatalog, 1988)
  • Hans Helmut Prinzler (Hg.): Friedrich Wilhelm Murnau. Ein Melancholiker des Films (Katalog, 2003)

© Dieter Wunderlich 2015

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