Gilbert Grape

Gilbert Grape

Gilbert Grape

Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa – Originaltitel: What's Eating Gilbert Grape – Regie: Lasse Hallström – Drehbuch: Peter Hedges nach seinem Roman "Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa" – Kamera: Sven Nykvist – Schnitt: Andrew Mondshein – Musik: Björn Isfält, Alan Parker – Darsteller: Johnny Depp, Leonardo DiCaprio, Juliette Lewis, Mary Steenburgen, Darlene Cates, Laura Harrington, Mary Kate Schellhardt, Kevin Tighe, John C. Reilly, Crispin Glover, Penelope Branning u.a. – 1993; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Seit dem Suizid des Vaters vor 17 Jahren hält Gilbert Grape es für seine Pflicht, sich um die arbeitsunfähige Mutter, die beiden Schwestern und den geistig behinderten Bruder Arnie zu kümmern. Darüber hat er seine eigenen Interessen und Zukunftspläne vergessen. Erst als Becky und ihre Großmutter wegen einer Autopanne ein paar Tage in der Kleinstadt verbringen und Gilbert sich in das lebensbejahende Mädchen verliebt, beginnt er, seine Lage in Frage zu stellen ...
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Kritik

In "Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa", der Verfilmung eines Romans von Peter Hedges, nimmt Lasse Hallström sich viel Zeit, Figuren und Handlung zu entwickeln. Die Tragikomödie berührt nicht zuletzt aufgrund der leisen, ruhigen und unaufdringlichen Darstellung ohne Effekthascherei.
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Albert Grape erhängte sich vor 17 Jahren im Keller seines Hauses in Endora/Iowa. Die Witwe Bonnie Grape (Darlene Cates) hat seither das Haus nicht mehr verlassen; sie wiegt inzwischen 250 Kilo und bleibt selbst zum Schlafen auf der Couch im Wohnzimmer vor dem Fernsehgerät sitzen. So ist Gilbert (Johnny Depp) für seine jüngeren Geschwister zu einem Ersatzvater geworden, für Amy (Laura Harrington), die 15-jährige Ellen (Mary Kate Schellhardt) und den geistig behinderten Bruder Arnie (Leonardo DiCaprio), der in wenigen Tagen seinen 18. Geburtstag feiern wird, obwohl die Ärzte früher sagten, das Kind werde höchstens zehn Jahre alt werden.

Rund um die Uhr muss Gilbert auf Arnie aufpassen, der sich immer wieder unbekümmert und mit großem Vergnügen in Gefahr begibt, etwa indem er auf den Wasserturm klettert.

Gilbert Grape arbeitet als Hilfskraft im Lebensmittelgeschäft des Ehepaares Lamson (Tim Green, Susan Loughran), in dem allerdings nur noch wenig eingekauft wird, seit am Rand der Kleinstadt ein Supermarkt der Kette „Foodland“ mit einem breiten Warensortiment, günstigen Preisen und einem großen Kundenparkplatz lockt. Vergnügungsmöglichkeiten gibt es in Endora so gut wie keine. Befreundet ist Gilbert mit dem Bestattungsunternehmer Bobby McBurney (Crispin Glover) und mit dem Handwerker Tucker Van Dyke (John C. Reilly), der beabsichtigt, ein Burger-Restaurant zu eröffnen. Außerdem hat Gilbert eine Affäre mit Betty Carver (Mary Steenburgen), die mit dem Versicherungsvertreter Ken Carver (Kevin Tighe) verheiratet ist und zwei kleine Söhne hat: Todd und Doug (Mark Jordan, Cameron Finley). Ken Carver ahnt nichts von der Untreue seiner Frau. Stattdessen versucht er Gilbert neue Versicherungen für die Familie Grape aufzuschwatzen.

Tucker hilft seinem Freund, den Holzboden des Elternhauses zu verstärken, der unter Bonnie Grapes Gewicht einzubrechen droht.

Wie jedes Jahr fährt auch zu Beginn dieses Sommers eine Wohnwagen-Karawane an Endora vorbei. Becky (Juliette Lewis) und ihre Großmutter (Penelope Branning) bleiben allerdings mit ihrem Auto und dem Wohnwagen wegen einer Motorpanne liegen.

Becky und Gilbert reden gern miteinander. Eines Abends wollen sie zusammen den Sonnenuntergang anschauen. Deshalb badet Gilbert seinen Bruder nicht wie üblich, sondern ermutigt ihn, sich selbst zu waschen, gibt ihm Seife, zeigt ihm die Handtücher und lässt ihn in der Zinkwanne zurück, als er zu Becky fährt. Am anderen Morgen sitzt Arnie vor Kälte schlotternd im kalten Wasser.

Ken Carver erleidet einen Herzstillstand und ertrinkt im Planschbecken seiner Kinder. Die Witwe zieht mit Todd und Doug nach St. Louis.

Tucker Van Dyke eröffnet tatsächlich ein Schnellrestaurant der Kette „Burger Barn“.

Als Sheriff Jerry Farrel (Brady Coleman) die Geduld verliert, weil Arnie zum wiederholten Mal mit einer Feuerwehrleiter vom Wasserturm geholt werden musste, sperrt er den Jungen ein. Da verlässt Bonnie Grape zum ersten Mal seit Jahren das Haus, lässt sich von Amy zur Polizei fahren, wo Gilbert schon seit einer Weile vergeblich versucht, Jerry zum Einlenken zu bringen, und tobt so lange, bis Arnie freigelassen wird. Auf der Straße laufen die Leute zusammen, um die extrem dicke Frau zu begaffen. Ein Passant fotografiert Bonnie.

Am Vorabend seines Geburtstages schlägt Arnie versehentlich seiner Schwester Amy die von ihr für ihn gebackene Torte aus der Hand. Gilbert fährt zu „Foodland“, um dort eine Ersatztorte zu kaufen. Dabei wird er von Mr Lamson gesehen, der traurig die vielen Kunden des Supermarkts beobachtet. Als Arnie die Torte heimlich aufisst, verliert Gilbert die Nerven und ohrfeigt ihn. Aufgewühlt rennt er aus dem Haus und rast mit dem Pick-up los.

Arnie sucht Zuflucht bei Becky und ihrer Großmutter.

Bei der Geburtstagsparty am nächsten Tag versöhnen sich Gilbert und Arnie wieder.

Bonnie tadelt Gilbert, weil er seinen Bruder schlug und davonrannte, aber sie gesteht ihm auch, dass ihr immer bewusst gewesen sei, welche Belastung sie für ihre Kinder darstellt.

Tucker, der ebenso wie Bobby zur Gartenparty gekommen ist, stellt fest, dass das Fundament des Hauses teilweise abgesackt ist und dringend renoviert werden müsste.

Becky und ihre Großmutter kommen vorbei, um Arnie ein Geburtstagsgeschenk zu bringen und sich zu verabschieden: Ihr Auto ist repariert, und sie sind auf dem Weg nach Hause. Gilbert stellt Becky aber noch seiner Mutter vor, die im Haus geblieben ist.

Bonnie quält sich die Treppe hoch ins Schlafzimmer und legt sich seit langer Zeit erstmals wieder ins Bett. Sie verlangt nach Arnie. Als er zu ihr kommt, ist sie bereits tot.

Um ihre Mutter nicht noch einmal dem Spott der Leute auszusetzen, beschließen Gilbert, Amy und Ellen, das Haus anzuzünden und samt der Leiche niederzubrennen. Nachdem sie die Möbel ins Freie getragen haben, legt Gilbert Feuer.

Amy zieht nach De Moines und fängt dort in einer Bäckerei zu arbeiten an. Ellen beabsichtigt, die Schule zu wechseln. Gilbert bleibt mit Arnie in Endora, antwortet jedoch auf eine entsprechende Frage seines Bruders: „Wir könnten überall hingehen.“

Kurz vor Arnies 19. Geburtstag warten er und Gilbert wieder wie zu Beginn des Films auf die Wohnwagen-Karawane. Becky und ihre Großmutter sind auch in diesem Sommer dabei. Glücklich fallen sich Gilbert und Becky in die Arme.

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Für die Verfilmung seines Romans „What’s Eating Gilbert Grape“ (1991; „Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa“, Übersetzung: Uta Angerer, Heyne Verlag, München 1994) schrieb Peter Hedges (* 1962) selbst das Drehbuch. Lasse Hallström führte Regie.

Im Mittelpunkt der Tragikomödie „Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa“ steht ein junger Mann, der es seit dem Suizid des Vaters für seine Pflicht hält, sich um die arbeitsunfähige Mutter, die beiden Schwestern und den geistig behinderten Bruder Arnie zu kümmern. Darüber vergisst Gilbert Grape seine eigenen Interessen und Zukunftspläne. Erst als er ein etwa gleichaltriges, lebensbejahendes Mädchen kennenlernt, beginnt er, seine Lage in Frage zu stellen.

Der Film „Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa“ beeindruckt durch seine Menschlichkeit. Vor dem Hintergrund des Panoramas einer amerikanischen Kleinstadt plädieren Peter Hedges und Lasse Hallström für Toleranz im Umgang mit anderen Menschen und für die Integration von Behinderten in die Gesellschaft.

Erzählt wird die Geschichte fast ausschließlich aus Gilberts Perspektive, und mitunter kommentiert er das Geschehen auch aus dem Off. Lasse Hallström lässt sich viel Zeit, die Figuren zu charakterisieren und die Handlung zu entwickeln. Weil „Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa“ das Kleinstadtleben in seiner Eintönigkeit und Langweiligkeit wiedergibt, droht auch der Film mehrmals durchzuhängen, und wer action sehen möchte, wird enttäuscht sein, aber gerade die leise, ruhige und unaufdringliche Darstellung ohne Effekthascherei trägt zur Glaubwürdigkeit bei.

Leonardo DiCaprio wurde für seine Rolle in „Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa“ für einen „Oscar“ nominiert. Auch die übrigen Rollen sind exzellent besetzt. Bonnie Grape wird von der Laiendarstellerin Darlene Cates gespielt.

Die Gilde deutscher Filmkunsttheater e. V. erkor „Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa“ 1994 zum besten ausländischen Film.

Synchronstimmen in „Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa“ (Dialogbuch: Alexander Löwe, Regie: Clemens Frohmann): Gunnar Helm (Gilbert Grape), David Nathan (Arnie Grape), Irina von Bentheim (Becky), Marianne Groß (Bonnie Grape), Maud Ackermann (Amy Grape), Ranja Bonalana (Ellen Grape), Anita Lochner (Betty Carver), Uwe Paulsen (Ken Carver), Rainer Doering (Tucker Van Dyke), Matthias Klages (Bobby McBurney), Renate Danz (Beckys Großmutter), Manfred Petersen (Mr Lamson) u.a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

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