Madame Mallory und der Duft von Curry

Madame Mallory und der Duft von Curry

Madame Mallory und der Duft von Curry

Madame Mallory und der Duft von Curry – Originaltitel: The Hundred-Foot Journey – Regie: Lasse Hallström – Drehbuch: Steven Knight, nach dem Roman "Madame Mallory und der Duft von Curry" von Richard C. Morais – Kamera: Linus Sandgren – Schnitt: Andrew Mondshein – Musik: A. R. Rahman – Darsteller: Helen Mirren, Om Puri, Manish Dayal, Charlotte Le Bon, Amit Shah, Farzana Dua Elahe, Dillon Mitra, Michel Blanc, Shuna Lemoine, Clément Sibony u.a. – 2014; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Als die indische Familie Kadam in einem südfranzösischen Dorf strandet und ein Restaurant eröffnet, beginnt Madame Mallory, die Besitzerin des französischen Sterne-Restaurants auf der anderen Straßenseite, einen Kleinkrieg gegen die unerwünschten Zuwanderer. Ein aus­länder­feindlicher Brandanschlag geht ihr jedoch zu weit. Sie beendet die Auseinandersetzung und stellt Herrn Kadams Sohn Hassan als Küchenchef ein. Das braucht sie nicht zu bereuen, denn Hassan verschafft ihr einen zweiten Stern ...
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Kritik

Die märchenhafte Komödie "Madame Mallory und der Duft von Curry" von Lasse Hallström ist ein Plädoyer für Toleranz. Das ist in schöne Bilder verpackt, aber nicht einmal Helen Mirrens schau­spiele­rische Leistung kann ein Abgleiten in den Kitsch verhindern.
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Das Restaurant der Familie Kadam in Mumbai wird bei Unruhen niedergebrannt. Dabei kommt die Mutter ums Leben. Der Witwer (Om Puri) flieht mit den vier Kindern nach Europa, zuerst nach London und dann nach Frankreich. Als in den Bergen nordöstlich von Montauban die Bremsen ihres schrottreifen Autos versagen, stranden sie in dem Dorf Saint-Antonin-Noble-Val, in dem ein leer stehendes Restaurant zum Verkauf angeboten wird. Herr Kadam ist begeistert und kauft die Immobilie. Dass die Vorbesitzer aufgaben und nach Paris zogen, weil sich auf der anderen Straßenseite ein Gourmet-Tempel befindet, Le Saule Pleureur, der seit 30 Jahren einen Michelin-Stern besitzt, interessiert ihn nicht weiter. Er will ohnehin keine französische Küche, sondern indische Gerichte anbieten. Vergeblich weisen ihn seine erwachsenen Söhne darauf hin, dass es im Einzugsgebiet des Dorfes vermutlich nur wenige Menschen gibt, die indisch essen möchten.

Am Vorabend der durch Handzettel angekündigten Eröffnung des Maison Mumbai lässt sich Madame Mallory (Helen Mirren), die hochnäsige Besitzerin des Saule Pleureur, eine Menükarte geben. Als Herr Kadam und sein Sohn Hassan (Manish Dayal) am nächsten Morgen auf dem Markt von Saint-Antonin einkaufen wollen, stellen sie fest, dass Madame Mallory alle Langusten, Lachse und Pilze aufgekauft hat. Sie müssen 50 Kilometer fahren, um die Zutaten für das angekündigte Essen zu besorgen.

Das ist der Beginn eines Kleinkriegs zwischen den Kadams und Madame Mallory, in dem der Bürgermeister (Michel Blanc), der sich gern in beiden Restaurants kostenlos bewirten lässt, zwischen die Fronten gerät.

Als Herr Kadam eines Morgens alle Tauben auf dem Markt aufkauft, weil er weiß, dass im Saule Pleureur ein Minister aus Paris erwartet wird, der gern getrüffelte Tauben isst, bleibt Madame Mallorys Chefkoch Jean-Pierre (Clément Sibony) nichts anderes übrig, als auf Hühnchen auszuweichen. Hassan, der das Verhalten seines Vaters missbilligt, bringt eine von ihm fertig zubebreitete Taube mit Trüffel über die Straße. Madame Mallory kostet davon – und wirft den Rest in den Müll.

Am französischen Nationalfeiertag wird nicht nur die Mauer vor dem Maison Mumbai mit einer fremdenfeindlichen Parole besprüht („France aux français“), sondern auch das Gebäude mit Molotow-Cocktails in Brand gesetzt. Bei den verzweifelten Löscharbeiten verbrennt sich Hassan beide Hände.

Das geht Madame Mallory zu weit: Sie entlässt ihren Küchenchef Jean-Pierre, weil sie ihn verdächtigt, gemeinsame Sache mit den Brandstiftern gemacht zu haben. Und sie geht persönlich hinüber, um das Graffito von der Mauer abzuwaschen.

Hassan und Marguerite (Charlotte Le Bon), die Souschefin des Saule Pleureur, haben sich trotz des bisher zwischen den Restaurants ausgetragenen Kleinkriegs angefreundet. Von Marguerite hat Hassan erfahren, wie Madame Mallory Bewerber prüft: Sie lässt sich ein Omelette machen, probiert davon und trifft nach dem ersten Bissen ihre Entscheidung. Hassan möchte deshalb ein Omelette zubereiten, und weil er mit seinen beiden dick eingebundenen Händen nicht dazu in der Lage ist, bittet er Madame Mallory, es nach seinen Anweisungen zu tun. Nachdem sie ein Stückchen des Omelettes probiert hat, weiß sie, dass Hassan das Zeug hat, ihr den zweiten Michelin-Stern zu verschaffen: Sie bietet ihm die vakante Stelle des Küchenchefs an und gesteht, dass auch schon die getrüffelte Taube vorzüglich gewesen sei. Hassan freut sich darauf, Erfahrungen mit der klassischen französische Küche sammeln zu können, und sein Vater kann ihn nicht davon abhalten, das Angebot anzunehmen.

Obwohl sich Marguerite in Hassan verliebt hat, ist sie neidisch auf ihn, denn sie wäre selbst gern zur Chefköchin avanciert. Aber als das Saule Pleureur ein Jahr nach Hassans Antritt tatsächlich den begehrten zweiten Stern bekommt, freut sie sich mit den anderen.

Hassan wird nach Paris abgeworben und nutzt die Chance, weiter aufzusteigen. Die Restaurantkritiker feiern seine Kochkunst.

Allerdings fühlt Hassan sich einsam. Kurz bevor die jährliche Verleihung der Michelin-Sterne erneut ansteht, bietet ein Küchenhelfer Hassan etwas von dem Essen in einer Plastikdose an, das ihm seine Frau mitgab. Hassan schmeckt die aus Indien stammenden Gewürze heraus und begreift, dass der berufliche Erfolg nicht alles ist.

Er fährt nach Saint-Antonin und sucht zunächst Marguerite auf, um ihr vorzuschlagen, mit ihm gemeinsam im Saule Pleureur ein besonderes Essen anlässlich seiner Rückkehr zuzubereiten. Madame Mallory stellt den beiden dafür die Küche zur Verfügung und lädt nicht nur den Bürgermeister, sondern auch die Familie Kadam ein. Herr Kadam, der sich in der Zwischenzeit mit Madame Mallory angefreundet hat, ahnt noch nichts von der Rückkehr seines berühmten Sohnes. Erst am Abend verkündet Madame Mallory, dass das Essen von ihren Chefköchen Hassan und Marguerite zubereitet wurde. Serviert wird es nicht im Saule Pleureur, sondern auf der anderen Straßenseite, im Maison Mumbai der Familie Kadam.

Als das Telefon klingelt und auf dem Display „Michelin“ zu lesen ist, nimmt Hassan das Gespräch nicht an. Er verzichtet auf den in Paris zuerkannten dritten Stern und strebt stattdessen mit Marguerite gemeinsam einen dritten Michelin-Stern für Le Saule Pleureur an.

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In der märchenhaften Komödie „Madame Mallory und der Duft von Curry“ plädieren Lasse Hallström (Regie) und Steven Knight (Drehbuch) für Toleranz. Der Plot basiert auf einem cultural clash, in diesem Fall einem Zusammenprall der indischen und der französischen Esskultur. Das erinnert an den ebenfalls von Lasse Hallström inszenierten Film „Chocolat“.

Die ebenso schlichte wie sympathische message ist in schöne Bilder verpackt (food porn). Auch an sanften, romantischen Szenen fehlt es nicht. Stattdessen mangelt es an Tiefgang. Und die Geschichte ist nicht nur vorhersehbar, sondern auch kitschig. Darüber kann nicht einmal das schauspielerische Können hinwegtäuschen, mit dem Helen Mirren auch hier in einigen Szenen beeindruckt, zum Beispiel bei der Benachrichtigung über den zweiten Michelin-Stern.

Für den Film adaptierte Steven Knight den 2010 von Richard C. Morais veröffentlichten Roman „The Hundred-Foot Journey“ („Madame Mallory und der Duft von Curry“, Übersetzung: Monika Köpfer, mit Rezepten, Piper Verlag 2014, 388 Seiten, ISBN 978-3-492-30620-1).

Der Originaltitel bezieht sich auf die Distanz zwischen dem indischen und dem französischen Restaurant.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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