Drei Farben. Weiß

Drei Farben. Weiß

Drei Farben. Weiß

Drei Farben. Weiß - Originaltitel: Trois couleurs. Blanc - Regie: Krzysztof Kieslowski - Drehbuch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski - Kamera: Edward Klosinski - Schnitt: Urszula Lesiak - Musik: Zbigniew Preisner - Darsteller: Zbigniew Zamachowski, Julie Delpy, Janusz Gajos, Jerzy Stuhr, Aleksander Bardini, Juliette Binoche u.a. - 1993; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Die Französin Dominique lässt sich von ihrem Mann, dem polnischen Friseur Karol, scheiden. Aufgrund seiner Sprachschwierigkeiten hat Karol vor dem Scheidungsrichter keine Chancen: Er verliert nicht nur seine Frau, sondern auch den von seinen Ersparnissen gekauften Salon. Nach einem Neuanfang in Polen bringt er es zu einem Vermögen – das er benötigt, um sich an Dominique zu rächen ...
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Kritik

Die Tragikomödie "Drei Farben: Weiß" ist der leichteste und amüsanteste Film der Trilogie "Drei Farben". Krzysztof Kieslowski zeigt, dass die Menschen nicht gleich und die Ideale der Französischen Revolution noch nicht verwirklicht sind.
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Der polnische Friseur Karol (Zbigniew Zamachowski) hat Wettbewerbe in Sofia, Budapest, Warschau und Paris gewonnen. Von seinen Ersparnissen kaufte er einen Friseursalon in Paris.

In Budapest lernte er die schöne junge Französin Dominique (Julie Delpy) kennen. Die beiden heirateten. Seither ist Karol nicht mehr in der Lage, Dominique sexuell zu befriedigen. Deshalb lässt sie sich in Paris von ihm scheiden und behauptet vor Gericht, die Ehe sei nie vollzogen worden. Karol, der auf die Hilfe eines Dolmetschers angewiesen ist, hat keine Chance. Nach der Verhandlung holt Dominique einen großen Koffer aus ihrem Auto, stellt ihn auf den Boden, sagt: „Das ist alles!“, und fährt weg.

Niedergeschlagen geht Karol zum nächsten Geldautomat, aber sein Konto ist gesperrt. Auf der Couch in dem Friseursalon, der nun seiner geschiedenen Frau gehört, legt er sich schlafen. Unsanft wird er von Dominique geweckt. Sie greift gleich zum Telefon, um die Polizei zu rufen, tut es dann aber doch nicht. Mit geschürztem Rock setzt sie sich auf seinen Schoß, aber er ist nach wie vor unfähig, in sie einzudringen. Zornig zündet sie die Vorhänge an und droht, ihn bei der Polizei als Brandstifter anzuzeigen.

Um ein wenig Geld zu erbetteln, bläst Karol in einem Durchgang der Metro auf einem Kamm. Ein Landsmann namens Mikolaj (Janusz Gajos) spricht ihn an: „Ich würde mal meinen Reißverschluss zumachen!“ Mikolaj will aus Paris fort; Karol auch, aber er hat seinen Pass verloren, wird von der Polizei gesucht und besitzt kein Geld mehr. Die beiden sentimental-melancholischen Männer trinken zusammen, und schließlich bietet Mikolaj seinem neuen Freund einen Job an: Ein schwerreicher Pole sucht jemand, der bereit ist, ihn zu töten, denn er sieht keinen Sinn mehr im Leben, bringt es aber nicht fertig, sich selbst umzubringen, weil er es seiner Frau und seinen Kindern nicht antun möchte. Für sie wäre es leichter, wenn sie glauben könnten, er bei einem Überfall getötet worden. Karol lehnt entsetzt ab.

Er zeigt Mikolaj, wo Dominique wohnt. In dem erleuchteten Fenster beobachten sie ihren Schatten. Sie gehe gerade zu Bett, meint Karol. Als ein zweiter Schatten sichtbar wird, eilt er zu einer Telefonzelle in der Metro und ruft sie an. Sie sagt kein Wort, legt aber auch nicht auf, und so hört er ihr lustvolles Stöhnen. Am Ende schluckt der Apparat sein Restguthaben von 2 Francs. Wütend verlangt er das Geld von einem Schalterbeamten zurück.

„Nimm mich mit nach Polen“, bittet er Mikolaj und räumt seinen Koffer aus. Darin will er sich verstecken.

Am Gepäckband des Warschauer Flughafens wartet Mikolaj vergeblich. Vier Männer fahren mit einigen im Flughafen gestohlenen Gepäckstücken zu einer Müllkippe und öffnen sie dort. In einem der Koffer finden sie Karol. Zuerst sind sie überrascht. Dann suchen sie in seinen Taschen nach etwas Brauchbarem. Aber da finden sie nur eine billige russische Uhr und ein 2-Francs-Stück. Frustriert schlagen ihn die vier Diebe zusammen und fahren weg. Karol blutet am Mund und an der Augenbraue. Als er die Augen öffnet, murmelt er: „Gott sei Dank. Endlich zu Hause!“

Er kommt bei seinem Bruder unter. Als Leibwächter eines Schwarzhändlers belauscht er ein Gespräch, das dieser mit einem anderen Gauner führt. Sie haben erfahren, dass zwei Unternehmen beabsichtigen, auf einem bestimmten Areal zu bauen. Das Land gehört unbedarften Bauern, die es für wertlos halten. Da lässt sich viel Geld verdienen! Karol kommt der Immobilienspekulation der beiden Ganoven zuvor. Das Geld, das er inzwischen verdient hat, bietet er einem der Bauern für dessen Hof. Der alte Mann zögert. Was soll er mit dem Geld anfangen? Ein Fernsehgerät kaufen? Er würde es doch nicht einschalten. Da hellt sich sein Gesicht auf: „Jetzt hab‘ ich’s! Vergraben könnt‘ ich’s. Im Einmachglas.“

Mikolaj hat bereits nach Karol gesucht. Schließlich fragt sich Karol zu ihm durch. Um an Geld für weitere Landkäufe zu kommen, ist er jetzt bereit, den Mordauftrag zu übernehmen. Bei dem lebensüberdrüssigen Auftraggeber handelt es sich um Mikolaj selbst. Karol setzt ihm die Pistole, die er von dem Schwarzhändler bekommen hat, auf die Brust, vergewissert sich noch einmal, ob Mikolaj wirklich sterben möchte und drückt ab. Im Lauf war nur eine Platzpatrone. „Die nächste Patrone ist echt“, versichert Karol. „Soll ich?“ – „Jetzt nicht mehr“, erwidert Mikolaj. Die beiden Männer laufen ins Freie und rutschen voller Lebensfreude auf einem zugefrorenen See herum. „Heute fühle ich mich wie nach dem Abitur“, sagt Mikolaj.

Schließlich tauchen die beiden betrogenen Gauner bei Karol auf. Für den Fall, dass ihm etwas passiere, warnt er sie, habe er ein Testament hinterlegt und alles der Kirche vermacht. Für die strategisch verteilten Grundstücke, die er inzwischen aufgekauft hat, verlangt er 50 000 Dollar – das Zehnfache dessen, was er bezahlt hat.

Mit dem Geld gründet er ein eigenes Unternehmen und beteiligt Mikolaj an dessen Leitung. Er mietet moderne Büroräume, lässt sich eine Privatvilla bauen und wird jetzt in einem bordeauroten Volvo chauffiert.

Eines Tages ruft er Dominique an, um ihre Stimme zu hören. Aber sie legt sofort auf.

In einem neuen Testament setzt er sie als Alleinerbin ein. Dann besorgt er sich eine Sterbeurkunde und die Leiche eines Mannes aus dem Ausland, dessen Schädel zerquetscht wurde, weil er sich zu weit aus der Straßenbahn gelehnt hatte. Mikolaj und Karols Bruder identifizieren die Leiche. So fingiert Karol seinen eigenen Tod, um Dominique durch die zu erwartende Erbschaft nach Warschau zu locken.

Als sie nach der Beerdigung in ihr Hotelzimmer zurückkehrt, liegt Karol in ihrem Bett. Er spricht sie in perfektem Französisch an – die Sprache hat er inzwischen erlernt – und zieht sie an sich heran. Beim Orgasmus schreit sie laut auf. Am anderen Morgen sieht Karol die Schlafende liebevoll an und verlässt das Zimmer, bevor sie aufwacht.

Dominique ruft in seinem Unternehmen an. Karol sei tot, sagt Mikolaj. Nein, er lebe, beteuert sie, aber darauf geht ihr Gesprächspartner nicht ein.

Sie bricht das Gespräch ab, weil es an die Tür klopft und sie annimmt, Karol kehre zurück. Es sind Polizeibeamte. Aufgrund der Verletzungen nehmen sie an, der Tote könnte einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein, und sie wissen, dass Dominique ein beträchtliches Vermögen erbt. Deshalb wird sie des Mordes an ihrem Mann verdächtigt und eingesperrt. Jetzt benötigt sie einen Dolmetscher, um sich mit den Beamten zu verständigen, und sie erlebt, was es bedeutet, allein und hilflos in einem fremden Land zu sein. Karol hat Gleiches mit Gleichem vergolten.

Karol steht im Gefängnishof und schaut zu Fenster ihrer Zelle hinauf. Mit Handzeichen signalisiert sie ihm, dass sie ihn erneut heiraten möchte. Da laufen ihm Tränen über die Wangen.

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Diese Tragikomödie ist der leichteste und amüsanteste Film der Trilogie „Drei Farben“. Krzysztof Kieślowski zeigt in „Drei Farben: Weiß“, dass die Menschen nicht gleich und die Ideale der Französischen Revolution noch nicht verwirklicht sind: Als Ausländer ist Karol vor dem Scheidungsrichter seiner französischen Frau unterlegen. Ähnlich hilflos ist Dominique in Polen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

Krzysztof Kieślowski (kurze Biografie / Filmografie)

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Andreas Maier - Kirillow
In seinem Roman "Kirillow" protokolliert Andreas Maier das Geschwafel der Studenten und das Getuschel von Spießbürgern. Indem er die Perspektive von Figur zu Figur springen lässt, vermeidet er es, sich auf einen Blickwinkel bzw. eine Meinung festzulegen.
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