Dekalog

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Regie: Krzysztof Kieślowski 10 Filme aus den Jahren 1988/89

Inhaltsangabe

Von jedem der Zehn Gebote ließ sich Krzysztof Kieslowski zu einem Film inspirieren. Die Menschen, mit denen sich Krzysztof Kieslowski im "Dekalog" beschäftigt, leben kurz vor dem Zusammenbruch des Ostblocks in Mietskasernen in Warschau. Sie glauben nicht an die Zehn Gebote und halten sie auch nicht für verbindliche Normen. Deshalb müssen sie für ihr Handeln eigene Orientierungsmaßstäbe finden.
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Kritik

Die Menschen in diesen zehn Filmen halten die Zehn Gebote – den Dekalog – nicht für verbindlich. Deshalb müssen sie für ihr Handeln eigene Orientierungsmaßstäbe finden.
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Dekalog, Eins

1. Gebot: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Die Eltern des elfjährigen Pawel (Wojciech Klata) haben sich getrennt. Das Kind wächst unter der Obhut seines Vaters Krzysztof (Henryk Baranowski) und dessen Schwester Irena (Maja Komorowska) auf.

Irena glaubt an Gott und bittet Krzysztof um die Erlaubnis, Pawel für den Religionsunterricht anmelden zu dürfen. Krzysztof möchte die Entscheidung seinem Sohn überlassen. Er selbst hat nichts dagegen einzuwenden, obwohl er nicht an Gott glaubt und sich (wie der Ingenieur Walter Faber in „Homo faber“) nur auf Berechenbares verlässt. Pawel verfügt bereits über seinen eigenen Computer.

Schon vor dem Weihnachtsfest entdeckt er die Schlittschuhe, die Irena und Krzysztof als Geschenk für ihn gekauft haben. Sein Vater berechnet die Tragfähigkeit des Eises auf dem Teich und kommt zu dem Ergebnis, dass kein Risiko besteht. Deshalb erlaubt er Pawel, die Schlittschuhe auszuprobieren. Am anderen Tag kommt Pawel nicht von der Schule nach Hause. Auf dem Teich ist das Eis gebrochen. Die Feuerwehr birgt ein totes Kind aus dem Wasser. Es ist Pawel.

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Wieslaw Zdort – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Henryk Baranowski, Wojciech Klata, Maja Komorowska – 1988/89 – 55 Minuten

Dekalog, Zwei

2. Gebot: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.

Ein älterer Oberarzt (Aleksander Bardini) lebt in einer Mietskaserne. Seine Wohnung ist altmodisch eingerichtet. Am Fenster steht ein kaputter Kaktus. Das Badewasser erhitzt er in einem Kessel auf dem Gasherd.

Als er am Morgen Milch kaufen geht, bemerkt er eine gut aussehende, etwa 40 Jahre alte Frau, die an einem der Fenster des Treppenhauses steht, ins Leere blickt und raucht. Dorota (Krystyna Janda) wohnt einige Etagen höher. Sie spielt Geige im Sinfonieorchester. Als der Arzt zurückkehrt, stellt sie sich vor. Ihr Mann Andrzej (Olgierd Lukaszewicz) liegt in dem Krankenhaus, in dem der Arzt praktiziert, und Dorota möchte wissen, ob er genesen oder sterben wird. Der Arzt schlägt ihr vor, am übernächsten Tag in seine Sprechstunde zu kommen. Als er sich weigert, ein klares Urteil abzugeben, beschimpft ihn Dorota wütend.

Bald darauf läutet Dorota an seiner Wohnungstür. Bevor er öffnet, dreht er ein Bild um, das eine Frau und zwei Kinder zeigt. Unaufgefordert setzt sich Dorota auf die Couch und berichtet, dass sie im dritten Monat schwanger ist, aber nicht von ihrem Mann, sondern von ihrem Liebhaber. Sie liebe beide Männer: Bei dem einen habe sie Geborenheit und bei dem anderen das erotische Abenteuer gefunden. Sie möchte das Kind haben – aber nur, wenn ihr Mann stirbt. Wieder beteuert der Arzt, keine zuverlässige Prognose abgeben zu können. Am nächsten Tag konsultiert Dorota einen Gynäkologen und vereinbart mit ihm einen Termin für die Abtreibung. Eine Stunde vor dem Termin spricht Dorota noch einmal mit dem Arzt. Der bittet sie, die Abtreibung nicht vornehmen zu lassen und schwört ihr, Andrzej werde sterben.

Wenig später steht der Kranke auf und bedankt sich bei dem Arzt, dem er verrät, dass seine Frau ein Kind erwartet …

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Edward Klosinski – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Krystyna Janda, Aleksander Bardini, Olgierd Lukaszewicz – 1988/89 – 55 Minuten

Dekalog, Drei

3. Gebot: Du sollst den Sabbat heilig halten.

Es ist Heiligabend. Ein Betrunkener zieht gröhlend durch die Straße, während der Taxifahrer Janusz (Daniel Olbrychski) in seinem Auto in ein Nikolauskostüm schlüpft und dann an seiner eigenen Wohnungstür klingelt. Er verteilt die Geschenke für seine Frau (Joanna Szczepkowska), die kleine Tochter und den nur wenig älteren Sohn. Die Familie ist glücklich.

Unter den Besucherinnen der Christmette entdeckt Janusz seine frühere Geliebte Ewa (Maria Pakulins). Beunruhigt schaut er mehrmals hin, aber plötzlich ist sie verschwunden. Zu Hause öffnet er eine Flasche Sekt, um weiter mit seiner Familie Weihnachten zu feiern. Es läutet. Janusz bedient die Sprechanlage. Dann sagt er seiner Frau, er habe gerade erfahren, dassjemand um seinen Wagen herumschleiche. Er geht hinaus. Ewa bittet ihn, ihr bei der Suche nach ihrem Mann Eduard zu helfen. Widerstrebend willigt Janusz ein. Seiner Frau sagt er, das Taxi sei gestohlen worden.

Während seine Frau den vermeintlichen Autodiebstahl der Polizei meldet, fährt Janusz mit Ewa in seinem Taxi durch die Stadt, bis sie von einer Polizeistreife angehalten werden. Janusz kann sich als Besitzer des Autos ausweisen, und weil Weihnachten ist, verzichten die Beamten auf eine Anzeige. Die ganze Nacht verbringt Janusz mit Ewa, bis sie am Morgen gesteht, dass sich Eduard bereits vor drei Jahren von ihr trennte. Sie habe das Spiel inszeniert, weil sie die Einsamkeit besonders an Weihnachten kaum ertrage. Wenn Janusz nicht mitgekommen wäre, hätte sie sich vergiftet.

Müde kehrt Janusz in seine Wohnung zurück. Seine Frau ist auf der Couch eingeschlafen. „Ewa?“, fragt sie. Janusz bejaht. „Dann wirst du jetzt abends oft weg sein?“ Janusz versichert ruhig, nein, das werde er nicht.

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Piotr Sobocinski – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Daniel Olbrychski, Maria Pakulins, Joanna Szczepkowska – 1988/89 – 55 Minuten

Dekalog, Vier

4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren.

Anka (Adrianna Biedrzynska) ist 20 Jahre alt. Ihre Mutter starb fünf Tage nach ihrer Geburt. Sie wuchs in der Obhut Michals (Janusz Gajos) auf, den sie für ihren Vater hält. An Ostern verreist Michal für einige Zeit. Anka findet einen Umschlag, der – so steht darauf – erst nach Michals Tod geöffnet werden soll. Tagelang ringt Anka mit sich, dann geht sie durch ein Gestrüpp zum Fluss-Ufer und öffnet das Kuvert. Sie findet darin einen an sie gerichteten verschlossenen Brief ihrer Mutter.

Als Michal am Flughafen von Anka abgeholt wird, fällt ihm sofort auf, dass sie sich verändert hat. Sie weiß jetzt, dass er nicht ihr leiblicher Vater ist. Michal wollte ihr den Brief schon früher geben, aber er brachte es nicht fertig. Wenn er verreist war, hoffte er jedes Mal, sie würde das Kuvert finden und öffnen. Er kannte zwar den Inhalt nicht, ahnte aber, dass seine Frau geschrieben hatte, er sei nicht Ankas Vater. Mit quälenden Fragen versuchen sich Anka und Michal über ihre Beziehung klar zu werden. Als sie sich auffordernd mit nacktem Oberkörper vor ihn hinstellt, ihm versichert, sie sei eine erwachsene Frau und nicht seine Tochter, hüllt ersie wortlos in einen Pullover und nimmt sie beruhigend in die Arme.

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Krzystof Pakulski – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Adrianna Biedrzynska, Janusz Gajos – 1988/89 – 55 Minuten

Dekalog, Fünf

5. Gebot: Du sollst nicht töten.

Warschau 1987: In einem trostlosen Wohnviertel wäscht ein Taxifahrer (Jan Tesarz) seinen Wagen. Er fährt los und beobachtet unterwegs, wie der Jurastudent Piotr, der mit seinem Motorroller unterwegs ist, dem neben ihm an einer Verkehrsampel wartenden Autofahrer ausgelassen erklärt, er habe soeben sein Examen bestanden.

Außer Piotr und dem Taxifahrer lernen wir Jacek (Miroslaw Baka) kennen, einen 21 Jahre alten, verwahrlosten Mann, der sich in den Straßen herumdrückt. Er wirft einen Mauerbrocken von einer Brücke auf eine stark befahrene Straße. Wir hören es quietschen, klirren und krachen. Er wickelt sich ein Stück Schnur um die Hand, geht zu einem Taxistand – und setzt sich in dem frisch gewaschenen Auto des bereits erwähnten Taxifahrers auf den Rücksitz. In einer abgelegenen Gegend versucht er, den Fahrer zu erdrosseln. Der windet sich und drückt auf die Hupe. Ein Radfahrer kommt vorbei, ohne sich darum zu kümmern. Nur ein Pferd hebt den Kopf. Mit einer Stange schlägt Jacek auf die am Lenkrad festgekrallten Hände des Taxifahrers ein, dann auf seinen Kopf. Schließlich zerrt er den Stöhnenden eine Böschung hinunter, beißt die Zähne zusammen und haut ihm einen Felsbrocken auf den Kopf.

Jacek wird gefasst. Piotr verteidigt ihn, kann aber nicht verhindern, dass der Richter den Mörder zum Tod verurteilt. Schon nach seinem ersten Gerichtsfall beginnt er an der Justiz zu zweifeln und fragt sich, ob er etwas falsch gemacht hat. Er besucht seinen Mandaten kurz vor der Hinrichtung in der Zelle. Jacek erzählt ihm, sein bester Freund habe vor fünf Jahren seine damals 12-jährige Schwester nach einem Saufgelage mit dem Traktor überfahren. Da sei er von zu Hause weggelaufen. Lebte seine Schwester noch, wäre vermutlich alles anders gekommen. Mit seiner Hinrichtung, die Kieslowski nicht weniger grausam als die Ermordung des Taxifahrers inszeniert, endet der Film.

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Slawomir Idziak – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Miroslaw Baka, Jan Tesarz, Krzysztof Globisz – 1988/89 – 55 Minuten

Dekalog, Sechs

6. Gebot: Du sollst nicht ehebrechen.

Tomek (Olaf Lubaszeno) ist 18 oder 20 Jahre alt. Er lebt offenbar bei einer Pflegemutter in einer Mietswohnung. Jeden Abend steht er am Fenster, um mit seinem Fernrohr eine etwa zehn Jahre ältere Frau zu beobachten. Mitunter ruft er sie auch an, ohne etwas zu sagen. Magda (GrazynaSzapolowska) empfängt ziemlich regelmäßig ihren augenblicklichen Freund. Einmal stört Tomek ihre Liebesnacht, indem er die Gaswacht alarmiert und Magdas Adresse angibt. Obwohl Tomek im Postamt arbeitet, nimmt er zusätzlich eine Stelle als Milchmann an. Auf diese Weise kommt er in Magdas Nähe. Mehrmals spielt er ihr eine Benachrichtung über eine im Postamt abzuholende Sendung zu. Schließlich gesteht er ihr, die Benachrichtungen fingiert zu haben, um sie sehen zu können.Er liebe sie. Er gibt auch zu, der Anrufer zu sein und sie seit Monaten zu beobachten. Magda ist verblüfft.

Am Abend ruft ihr Freund im Freien laut nach Tomek, und als dieser erscheint, schlägt er ihn nieder. Als er am anderen Morgen Magda die Milch vor die Tür stellt, öffnet sie. Bald darauf nimmt sie ihn mit in ihre Wohnung. Schüchtern sitzt er da. Als er sich vorstellt, was er nun mit ihr tun könnte, ejakuliert er, und Magda verspottet ihn: „Siehst du, das war die Liebe, das ist alles!“ Er läuft davon und schneidet sich zu Hause die Pulsadern auf. Magda versucht ihn anzurufen und stellt ein Plakat ins Fenster, auf dem sie sich bei ihm entschuldigt. Doch Tomek kriegt nichts davon mit: Er wird ins Krankenhaus eingeliefert.

Magda ist besorgt. Aber Tomeks Pflegemutter verrät ihr nicht, in welchem Krankenhaus er liegt. Als sie ihn wieder am Postschalter sitzen sieht, eilt sie erleichtert auf ihn zu. Er blickt sie abweisend an und sagt: „Ich beobachtete Sie nicht mehr.“

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Witold Adamek – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Olaf Lubaszeno, Grazyna Szapolowska – 1988/89 – 60 Minuten

Dekalog, Sieben

7. Gebot: Du sollst nicht stehlen.

Ewa (Anna Polony) ist Schuldirektorin. Sie ist mit dem Orgelbauer Stefan (Wladyslaw Kowalski) verheiratet. Als der Polnisch-Lehrer Wojtek (Boguslaw Linda) ihre 16-jährige Tochter Majka (Maja Barelkowska) schwängert, verlangt Ewa von ihm Schweigen und überredet einen Arzt, das Neugeborene in der Geburtsurkunde als ihr Kind auszugeben. So wird ein Skandal vermieden.

Der Film beginnt, als Anka sechs Jahre alt ist. Majka ist inzwischen klar geworden, auf was sie verzichtete. Sie hasst ihre Mutter, entführt Anka und versteckt sich mit dem Kind bei Wojtek. Telefonisch verlangt sie von ihren Eltern eine notariell beglaubigte Einwilligung, dass Anka mit ihr nach Kanada auswandern darf. Stefan ruft alle Bekannten an, auch Wojtek. Der lügt, er habe Majka sechs Jahre lang nicht gesehen. Aber er beginnt sich zu sorgen, ob die unglückliche Majka der Entwicklung Ankas schaden könne und versucht sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Majka tut so, als stimme sie zu. Aber als er zu einem Nachbarn geht und ihn bittet, die beiden zu fahren,läuft sie mit Anka weg. Wieder ruft sie ihre Mutter an und verlangt von ihr, die Wahrheit zu gestehen. Sonst werde sie sich und das Kind töten. Verzweifelt suchen Ewa, Stefan und Wojtek nach Majka und Anka.

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Darius Kuc – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Anna Polony, Maja Barelkowska, Wladyslaw Kowalski, Boguslaw Linda – 1988/89 – 55 Minuten

Dekalog, Acht

8. Gebot: Du sollst nicht falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten.

Zofia (Maria Koscialkowska) ist Ende fünfzig, verwitwet und hat eine Professur für Ethik in Warschau. Elzbieta (Teresa Marczewska), eine junge Frau aus den USA, die Zofias Werke ins Amerikanische übersetzte, nimmt an einer ihrer Vorlesungen teil. Da erzählt eine Studentin von einem Arzt in Gewissensnot. Es ist die Geschichte aus „Dekalog, Zwei“. Zofia kommentiert: „Am wichtigsten daran ist, dass das Kind lebt.“ Daraufhin berichtet auch Elzbieta von einer lange zurückliegenden Begebenheit:

Während des Zweiten Weltkriegs kommt ein Jude mit seiner kleinen Tochter zu einem wohlsituierten Ehepaar. Er bittet sie darum, seine Tochter zu Bekannten in einer Warschauer Vorstadt zu bringen, um sie vor den Nationalsozialisten zu retten. Da in der Nachbarschaft Gerüchte kursieren, der Vater des Kindes sei ein Provokateur, wagt das Ehepaar nicht, auf die Bitte einzugehen, obwohl ihnen klar ist, in welcher Gefahr sich das Kind befindet.

Während Elzbieta erzählt, wird Zofia immer unruhiger: Sie selbst war die Frau, die damals nicht half, das Mädchen zu retten. Elzbieta war das gefährdete Kind.

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Andrzej Jaroszewicz – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Maria Koscialkowska, Teresa Marczewska – 1988/89 – 55 Minuten

Dekalog, Neun

9. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.

Roman (Piotr Machalica) ist Chirurg. Von einem befreundeten Arzt, den er konsultiert, erfährt er, dass seine Impotenz nicht geheilt werden kann. Verzweifelt kehrt er nach Hause zu seiner jungen, attraktiven Frau Hanka (Ewa Blaszczyk) zurück und berichtet ihr von der medizinischen Diagnose.Hanka versichert ihm, seine Liebe sei für sie viel wichtiger sei als Sex, doch Roman beginnt ihr eifersüchtig nachzuspionieren.

Bald findet er heraus, dass sie sich mit einem Physikstudenten in der Wohnung ihrer verreisten Mutter trifft. Schließlich aber trennt sich Hanka von ihrem jugendlichen Liebhaber.Dann entdeckt sie ihren Mann, der sich im Schrank versteckt hatte, um sie zu beobachten. Sie vereinbaren, dass Hanka allein zum Skilaufen fährt und sie beide versuchen, die Affäre zu vergessen.

Durch Zufall beobachtet Roman, dass auch der Physikstudent mit Skiern auf dem Autodach wegfährt.Jetzt überstürzen sich die Ereignisse: Tatsächlich überrascht der Student Hanka vor dem Skilift. Sie erschrickt, versucht vergeblich Roman telefonisch zu erreichen und reist mit dem nächsten Bus nach Warschau zurück. Roman hat sich von einer Brücke gestürzt. Im Krankenhaus kommt er wieder zu sich und erfährt, dass seine Frau zurückgekehrt ist.

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Piotr Sobocinski – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Ewa Blaszcyk, Piotr Machalica – 1988/89 – 55 Minuten

Dekalog, Zehn

10. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Jerzy (Jerzy Stuhr) gehört zum Establishment, anders als sein Bruder Artur (Zbigniew Zamachowski), der sich als Rockmusiker durchschlägt. Als ihr Vater stirbt, sehen sich die Brüder nach zwei Jahren zum ersten Mal wieder.

Gemeinsam öffnen sie die mehrfach verriegelte und mit einer Alarmanlage gesicherte Wohnung des Verstorbenen. In einem Wandschrank entdecken sie eine Briefmarken-Sammlung. Ein Gläubiger des Vaters meint, die Briefmarken könnten wertvoll sein. Von einem bestimmten Satz finden Jerzy und Artur zwei Marken. Das fehlende dritte Postwertzeichen, so erfahren sie von einem Briefmarken-Händler, gibt es in ganz Polen nur einmal – und der Briefmarken-Händler besitzt dieses Exemplar. Für den gesamten Satz würde ein Philatelist ein Vermögen bezahlen. Der Briefmarken-Händler bietet den beiden Brüdern die seltene Briefmarke im Tausch gegen eine Niere für seine kranke Tochter an. Jerzy hat die richtige Blutgruppe und lässt sich operieren.

Währenddessen stiehlt jemand die Briefmarken-Sammlung. Jerzy erhält zwar die fehlende Marke von dem Briefmarken-Händler, doch ohne die beiden anderen Postwertzeichen ist sie kaum etwas wert. Jerzy und Artur trennen sich, und jeder von ihnen nimmt seine früheren Lebensgewohnheiten wieder auf.

Regie: Krzysztof Kieslowski – Buch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieslowski – Kamera: Jacek Blawut – Musik: Zbigniew Preisner – Darsteller: Jerzy Stuhr, Zbigniew Zamachowski – 1988/89 – 55 Minuten

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Die Menschen, mit denen sich Krzysztof Kieślowski im „Dekalog“ beschäftigt, leben kurz vor dem Zusammenbruch des Ostblocks in Mietskasernen in Warschau. Sie glauben nicht an die Zehn Gebote – den Dekalog – und halten sie auch nicht für verbindliche Normen. Deshalb müssen sie für ihr Handeln eigene Orientierungsmaßstäbe finden (Existenzialismus).

Eine Stadt der Nörgler, Ehebrecher, Voyeure, Klugscheißer, Kontaktgestörten, Enthusiasten, Fanatiker, Intriganten, Betrüger. Der betrogenen Betrüger vor allem […]
Zehn kleine moralische Geschichten, zehn Versuchsanordnungen um Liebe und Tod, mit unerbittlicher Folgerichtigkeit konstruiert und durchgezogen von Kieslowski und seinem Autor Krzysztof Piesiewicz […] Eine Wirklichkeit, die vor allem in den Blicken geschaffen wird. Hinter der Fassade der Naivität steckt allemal raffinierte Durchtriebenheit […] Kieslowski liebt das Spiel mit den Parallel-, den Alternativwelten, die Vorstellung, man könnte die Geschichte einer Revision unterziehen.
(Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung, 25. März 2008)

Krzysztof Kieslowski sagte über seine Filmreihe „Dekalog“:

Moralisieren liegt mir nicht […] Natürlich bezieht sich jeder dieser Filme auf die Sphäre der Moral … Das hat aber nicht mit Geboten und Verboten zu tun […] Man könnte es eher so formulieren: Passt auf, neben euch leben andere Menschen. Das, was ihr tut, betrifft nicht nur euch, sondern auch die, die euch nah sind oder auch etwas weiter weg, und deren Anwesenheit ihr überhaupt nicht vermutet.“

 

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Inhaltsangaben und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002 / 2008

Krzysztof Kieślowski (kurze Biografie / Filmografie)

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Robinsons blaues Haus

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