André Kubiczek : Kopf unter Wasser

Kopf unter Wasser

André Kubiczek

Kopf unter Wasser

Kopf unter Wasser Originalausgabe: Piper Verlag, München 2009 ISBN: 978-3-492-04705-0, 235 Seiten, 18 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Henry, ein Buchautor und Kolumnist in Berlin, stammt aus einfachen Verhältnissen: Sein Vater ist Metzger in der Uckermark. Beruflich ist er zunächst erfolgreich, nicht zuletzt, weil er sich kritiklos dem Mainstream unterordnet. Dass dabei sein Charakter verloren geht, merkt er zu spät. Während seine Beziehungen zerbrechen, scheitert er auch als Kolumnist und an einem zweiten Buch ...
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Kritik

Flott und ironisch, mit kleinen Zeitsprüngen zwischendurch erzählt André Kubiczek in "Kopf unter Wasser" die satirisch-tragikomische Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Autors. Das liest sich leicht und ist sehr unterhaltsam.
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Mit siebenundzwanzig, kurz nach dem Abschluss seines Studiums, lernt Henry in Berlin die angehende Künstlerin Bettina kennen. Sie beginnen eine Beziehung miteinander, und nach zwei Wochen zieht Henry – der sich bis dahin eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit einem anderen Studenten teilte – zu seiner neuen Lebensgefährtin. Die angebotene Promotion lehnt er ab und fängt stattdessen bei einer großen Berliner Tageszeitung als Volontär an.

Nach dem Volontariat arbeitet Henry als „fester Freier“ weiter für die Zeitung und schreibt viel gelesene Kolumnen im Ressort „Lifestyle & Kunst“. Bettina, die aus Stuttgart stammt, zieht aufgrund eines Stipendiums für ein Jahr in eine rheinische Kurstadt. Danach erhält sie einen Lehrauftrag in London.

Auch wenn Bettina bei ihm in Berlin ist, kocht Henry und kümmert sich um den Haushalt, aber er fühlt sich von ihr vernachlässigt. Die Karriere ist ihr wichtiger als die Beziehung.

Von einem Verleger lässt Henry sich überreden, ein Buch zu schreiben. Es wird ein Bestseller. Mehrmals erhöht er die Honorare für seine Autorenlesungen. Das Goethe-Institut lädt ihn zu einer Lesung in Seoul ein. Weil die zuständige Sachbearbeiterin verhindert ist, wird er von der siebenundzwanzigjährigen Praktikantin Birte Aschenbach betreut. Ihre aus der südkoreanischen Hafenstadt Busan stammende Mutter hatte mit dreiundzwanzig ein Stipendium für die Musikhochschule in Hamburg bekommen und dort einen fünf Jahre älteren Assistenzarzt kennen gelernt, den sie zwei Jahre später heiratete. Birte, ihr einziges Kind, wuchs in Hamburg auf. Als Achtzehnjährige zog sie in eine Wohngemeinschaft und begann Ostasienwissenschaften zu studieren. – Einmal schläft Henry während seines Aufenthalts in Südkorea mit Birte.

Bettina bleibt nach ihrer Tätigkeit in London nur drei Tage in Berlin, dann muss sie nach Baden-Württemberg, um ihre erste Einzelausstellung vorzubereiten. Drei Wochen nach ihrer Rückkehr erhält sie die Zusage für eine halbe Assistentenstelle im Fachbereich Bildhauerei der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Der Verlag schlägt Henry vor, ein zweites Buch zu schreiben. Um Zeit dafür zu haben, möchte er sich von der Zeitung ein Jahr lang freistellen lassen, aber der zuständige Redakteur beendet stattdessen die Zusammenarbeit mit ihm ganz. Wegen der sinkenden Verkaufszahlen müsse er Kosten einsparen, erklärt er.

Sein Geld legte Henry so an, wie es ihm sein Bankberater empfohlen hatte, in eine Multimedia AG, eine hundertprozentige Sache, wie der Bankangestellte meinte. Als es mit dem Unternehmen bergab geht, verpasst Henry den Ausstieg und verliert den größten Teil seiner Ersparnisse.

Ein Jahr nach Henrys Lesung in Seoul zieht Birte nach Berlin, wo sie bei einer auf Entwicklungshilfe-Projekte spezialisierten gemeinnützigen Stiftung eine Praktikantenstelle bekommen hat. Zu diesem Zeitpunkt hält Bettina sich gerade in Brno auf, um für eine deutsch-tschechische Gruppenausstellung eine Installation aufzubauen. Von dort fliegt sie zu einer griechischen Insel, wo sie Ferien macht. Drei Wochen nach ihrer Rückkehr zieht sie aus beruflichen Gründen nach Hamburg.

Nach der Trennung steht einer Beziehung von Henry und Birte nichts mehr im Weg. Henry kann allerdings Birtes Freundin Cynthia und deren Ehemann Peter nicht leiden. Die Frauen sind seit ihrer Jugend in Hamburg befreundet. Ihre Wege trennten sich zwar, als Cynthia zum Jura-Studium nach Bonn ging, wo sie Peter kennen lernte, aber seit sie alle zusammen in Berlin wohnen, treffen sie sich wieder regelmäßig. Während Henry aus einfachen Verhältnissen kommt – sein Vater ist Metzger in der Uckermark –, kennt Birte dank der Unterstützung durch ihre reichen Eltern keine finanziellen Sorgen, Cynthia geht es nicht anders, Peters Vater betreibt eine gut gehende Anwaltskanzlei, und seine Mutter besitzt eine Apotheke.

Als Birte schwanger ist, wundert Henry sich, denn er dachte, sie nehme die Pille. Aber er gewöhnt sich rasch an den Gedanken, Vater zu werden und ist bei der Entbindung von Johanna im Kreißsaal dabei.

Anders als Birtes Eltern, die alle paar Wochen nach Berlin kommen, um ihre Enkeltochter zu bestaunen, zeigen Henrys Eltern wenig Interesse an Johanna. Als das Baby ein halbes Jahr alt ist, haben sie es noch immer nicht gesehen. Deshalb will Henry mit seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter für ein paar Tage zu ihnen in die Uckermark fahren. Den Besuch kündigt er telefonisch an. Sein Vater überlegt sogleich, ob er die Schlachtung des Hausschweins von Januar auf Dezember vorziehen soll.

„Dann sieht das Kind mal, woraus die Wurst ist.“
„Das Kind ist gerade ein halbes Jahr alt, und es wird noch gestillt.“
„Macht nichts“, sagte sein Vater, und damit war die Schlachtung beschlossene Sache. (Seite 150)

Dass während ihres Aufenhalts bei Henrys Eltern ein Schwein geschlachtet werden soll, ärgert Birte, zumal sie acht Jahre lang Vegetarierin war und niemand sie nach ihrer Meinung fragt. Die in einer Hamburger Villa als Tochter eines Arztes und einer Cellistin aufgewachsene junge Frau fühlt sich in der ungewohnten Umgebung nicht wohl.

Birte, die nicht wusste, dass sie bei Tisch nicht viel redeten, dass das hier üblich war und als höflich galt, versuchte während des Essens ein Gespräch in Gang zu setzen. Henry antwortete nur zögerlich, weil er merkte, dass Birte bloß redete, aus Angst, ihretwegen würde geschwiegen. (Seite 154)

Henrys Vater setzt sich nach dem Essen auf die Couch und dreht den Ton des Fernsehers wieder hoch. Das Kind sehe Henry überhaupt nicht ähnlich, bemängelt seine Mutter.

„Wenn das mal gut geht“, sagte Henrys Mutter in klagendem Ton.
„Was soll denn nicht gut gehen?“
„Du brauchst gar nicht laut zu werden, Henry. Ich mache mir eben Sorgen.“
„Aber worüber bloß, verdammt?“
„Mit so einer exotischen Frau …“
„Birte sieht vielleicht exotisch aus. Aber sie ist genauso deutsch wie du oder Vater.“ (Seite 157)

Am nächsten Morgen wird Birte durch das Gequieke des Schweins geweckt. Tante Ingrid und Onkel Erwin sind gekommen, um beim Schlachten zu helfen. Alle außer Birte packen mit an. Niemand hat Zeit für Birte. Frustriert geht sie spazieren und schiebt Johanna im Kinderwagen. Sie werde am nächsten Tag nach Berlin zurückkehren, erklärt sie Henry. Um einen Eklat zu vermeiden, erzählt er seinen Eltern, Birte gehe es nicht gut und sie müssten deshalb vorzeitig nach Hause fahren.

Inzwischen wäre Henry bereit, auch für geringere Honoare zu lesen, doch als er dies der zuständigen Mitarbeiterin im Verlag mitteilt, weist sie ihn darauf hin, dass sein Buch drei Jahre alt sei und die Nachfrage stark nachgelassen habe. Hin und wieder wird ein Artikel von Henry gedruckt oder im Internet veröffentlicht, aber die Einnahmen fließen nur noch spärlich, und der Vorschuss, den er bei Vertragsabschluss für sein zweites Buch bekam, ist nahezu aufgebraucht.

Um seine Vaterschaft eintragen zu lassen, geht Henry mit Birte zum Jugendamt.

„Sie haben also bis jetzt keinen Unterhalt gezahlt“, sagte die Frau vom Jugendamt und sah Henry an, als hätte er einer alten Dame die Handtasche geklaut, „Habe ich das richtig verstanden?“
„Nein, Herrgott, das haben Sie nicht“, sagte Henry, „jetzt zum dritten Mal. Wir leben zusammen. – Das mag ja hier die Ausnahme sein, aber bei uns ist es nun mal so.“
„Jetzt regen Sie sich nicht künstlich auf“, sagte die Frau vom Amt.
„Wir wollen bloß die Vaterschaft anerkennen lassen“, sagte Birte.
„Aber Sie sind nicht verheiratet, oder?“
„Und woran, bitte, sehen Sie das?“, fragte Henry.
„Nein“, sagte Birte, „sind wir nicht.“
„Ich werde trotzdem Ihren Unterhaltsanspruch ausrechnen“, sagte die Frau zu Birte, „nach der Düsseldorfer Tabelle. – Schon mal was davon gehört?“
„Ja, klar“, sagte Birte, und Henry sagte gleichzeitig: „Nein.“ (Seite 171)

Als Johanna ein Jahr alt ist, kündigt Birte an, sie werde ausziehen. Sie wolle von ihren Eltern kein Geld mehr annehmen, auf eigenen Beinen stehen und Henrys Einkommen reiche nicht für drei. Also habe sie Hartz IV beantragt und sei auf der Suche nach einer eigenen Wohnung, weil sie sonst wegen der Lebensgemeinschaft mit Henry nichts bekäme.

„Du schmeißt also für ein paar Euro vom Staat unsere Familie weg“, sagte Henry, und gegen seinen Willen zitterte ihm leicht die Stimme.
„Ich hab die Gesetze nicht gemacht“, antwortete Birte kalt. (Seite 175)

Schließlich findet Birte eine Hinterhofwohnung. Sie ist zwar nicht bereit, Henry ein Sorgerecht für Johanna einzuräumen, schlägt jedoch eine Aufteilung der Betreuung vor: drei Tage pro Woche er, vier Tage sie. Er müsse auch keinen Unterhalt zahlen.

Nach einem halben Jahr wird Henry jedoch von Amts wegen zur Unterhaltszahlung aufgefordert. Und Birte meint, ein kleines Kind brauche einen festen Lebensmittelpunkt. Der sei natürlich bei der Mutter. Bei Henry sei Johanna von jetzt an nur noch zu Besuch, und zwar zwei Tage pro Woche.

Zufällig sieht Henry einige Zeit später, wie Birte und Johanna mit einem jungen Mann und einem Jungen spätabends aus einem Supermarkt kommen. Obwohl es in Strömen regnet, ist Johannas Anorak-Kapuze halb vom Kopf gerutscht. Außerdem sollte sie längst im Bett sein, denkt Henry. Birte stellt ihm ihre Begleiter vor: Flo und dessen sechsjähriger Sohn Finn. Aber Henry ignoriert die beiden.

Als Henry der Strom abgeschaltet wird, ist er auch mit drei Monatsmieten in Rückstand und hat seit einem halben Jahr keinen Unterhalt mehr gezahlt. Der Wohnungseigentümer kündigt ihm fristlos. Wie soll er ein Buch schreiben, wenn der Akku seines Laptops in Kürze leer sein wird?

Er will Johanna vom Kindergarten abholen, aber dort wird ihm eröffnet, dass Birte das nicht mehr erlaube und ein Hausverbot gegen ihn erwirkt habe.

In seiner Verzweiflung sucht Henry im Internet Bettinas Telefonnummer heraus und stellt dabei fest, dass sie inzwischen eine ordentliche Professur an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg hat. Ob sie ihm 1000 Euro leihen könne, fragt er. Sie erklärt sich bereit, ihm 500 zu schicken, mit der Post, weil sein Konto längst überzogen ist und die Bank das Geld nicht auszahlen würde.

Als Henry seiner Tochter zum fünften Geburtstag einen Plüschelefanten schenken möchte, öffnet ein Unbekannter die Tür. Birte zog vor einiger Zeit weg. Wohin weiß der neue Mieter nicht. Am nächsten Morgen bringt Henry den Plüschelefanten in den Kindergarten, aber dort gerät er mit einer Erzieherin aneinander, die ihn an sein Hausverbot erinnert. Nachdem er sie geschubst hat, wird er vom Koch und vom Hausmeister in den Keller gesperrt. Eine halbe Stunde später befreit ihn die Polizei aus seiner Lage, aber er muss mit einer Anzeige rechnen.

Daraufhin verabredet Henry sich mit Peter in einer Kneipe. Der Rechtsanwalt erklärt ihm, er könne ihn nicht als Mandanten annehmen, weil er befangen sei. Außerdem habe er vor Gericht keine Chance gegen Birte. Deren Anschrift will er Henry auch nicht verraten. Peter ist einigermaßen betrunken, als eine Frau hereinkommt, sich an einen Tisch setzt und ihr Notebook aufklappt. Er lässt ihr ein Glas Sekt bringen, aber sie trinkt es nicht. Dass er gern ein Kind haben würde, vertraut er Henry an. Aber Cynthia sei zu faul, um ein Kind aufzuziehen. Dann prahlt er, er habe eine Affäre mit einer allein erziehenden Mutter. Unvermittelt schlägt Henry zu. Peter geht zu Boden. Ohne sich um ihn zu kümmern, verlässt Henry das Lokal.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Am nächsten Tag ruft Cynthia an und fragt nach ihrem Mann. Der sei letzte Nacht nicht nach Hause gekommen. Henry verschweigt, dass Peter am Boden lag, als er ihn zum letzten Mal sah. Aus dem Polizeiticker weiß er, dass im Volkspark Friedrichshain in Pankow ein Jogger tot aufgefunden wurde. Ganz in der Nähe befindet sich die Kneipe. Die Brust des Toten – offenbar Peter – weist einen Durchschuss auf, und seltsamerweise war der Schusskanal zunächst noch vereist. Patronenhülsen wurden keine gefunden.

Von dem Geld, das Bettina ihm schickte, kauft Henry eine Fahrkarte und besucht seine Eltern in der Uckermark. Dort radelt er zu einem kleinen Flugplatz, von dem früher die Interflug-Agrarmaschinen starteten. Jetzt treffen sich dort Männer, um mit Modellflugzeugen zu spielen, und man kann Kurse im Fallschirmspringen belegen. Henry verbringt den ganzen Tag in einer kleinen Gaststätte auf dem Gelände und kommt mit dem Wirt ins Gespräch. Eigentlich gibt es nur Getränke, aber der Wirt macht ihm eine Bockwurst heiß.

Zwei Tage später kehrt Henry nach Berlin zurück. Seine Wohnungsschlüssel passen nicht mehr, und sein Kellerverschlag wurde ausgeräumt. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als erneut in die Uckermark zu fahren. Wieder sitzt er mit dem Wirt der kleinen Gaststätte herum. Bevor dieser am Abend nach Hause fährt, stellt er Henry noch eine Flasche Bier auf den Gartentisch. Nach seinem Fahrrad sucht Henry vergeblich: Es muss gestohlen worden sein. Verärgert geht er zurück. Offenbar hat der Wirt nicht nur vergessen, ihm einen Flaschenöffner dazulassen, sondern auch die Türe abzuschließen. Mit einem Küchenbeil hebelt Henry den Kronkorken ab. Dann durchtrennt er mit dem Küchenbeil die Schlauchleitung von der Propangasflasche zum Kocher und hält sein Feuerzeug an die Öffnung.

Als er wieder zu sich kommt, liegt er in einem Schlafsack im Wald und bemerkt drei Frauen an einem Lagerfeuer in der Nähe. Eine von ihnen fordert ihn auf, ihr zu folgen. Sie zeigt ihm ein niedergebranntes Waldstück. Von der Gaststätte stehen nur noch die Grundmauern. Die Frau bringt ihn mit dem Auto nach Berlin. Unterwegs verrät sie ihm, dass sie und ihre Gesinnungsgenossinnen Peter mit einer Armbrust erschossen hätten. Der Bolzen habe aus Eis bestanden. Zu diesem Zweck befände sich ein Thermosbehälter mit flüssigem Stickstoff im Kofferraum. Die Frauen wollen die Städte zurück in die Wälder holen. Henry wird von seiner Begleiterin zu einem Haus gebracht und aufgefordert, in eine der Wohnungen zu gehen. Einen Schlüssel benötige er dafür nicht. Nachdem er Johanna und Birte schlafen gesehen hat, kehrt er zu der am Auto wartenden Frau zurück. Er solle in der Stadt bleiben und auf sein Kind aufpassen, meint sie.

„Aber wozu das alles?“, fragte Henry und sah zum Fenster hoch, hinter dem Johanna schlief.
„Wir verhelfen der Geschichte zu einem glücklichen Ende“, sagte die Frau, „du wirst sehen: Alles fügt sich.“ (Seite 235)

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Henry, ein gefeierter Buchautor und Kolumnist in Berlin, stammt aus einfachen Verhältnissen: Sein Vater ist Metzger in der Uckermark. Weder die Künstlerin Bettina, der mehr an ihrer Karriere als an ihm gelegen ist, noch die als Tochter einer Cellistin und eines Arztes in einer Villa in Hamburg aufgewachsene Deutschkoreanerin Birte passen zu ihm. Beruflich ist Henry zunächst erfolgreich, nicht zuletzt, weil er es während seiner Sozialisation in der DDR gelernt hat, sich kritiklos dem Mainstream unterzuordnen. Dass dabei sein Charakter verloren geht, merkt er zu spät. Während seine Beziehungen zerbrechen, scheitert er auch als Kolumnist und an einem zweiten Buch. André Kubiczek, der 1969 in Potsdam geborene Sohn deutsch-laotischer Eltern, erzählt in seinem Roman „Kopf unter Wasser“ die tragikomische Geschichte dieses Mannes und teilt dabei zugleich satirische Seitenhiebe auf den Berliner Kulturbetrieb nach der Wende aus. Dabei spielt er bewusst mit Klischees und Versatzstücken des Kriminalroman-Genres.

Noch wusste er nicht, worauf sein Text hinausliefe, was für Personen noch dazukommen sollten, wie sie aufeinander reagieren würden, aber er hatte die Freude am Schreiben wiedergefunden, und er merkte, wie sich die einzelnen, im Grunde banalen Szenen allmählich zu einem bedeutsamen Ganzen fügten. (Seite 368)

Das scheint nicht nur für den Protagonisten, sondern auch für den Autor zu gelten. Zumindest wirkt die surreale Episode des Epilogs, als sei André Kubiczek etwas ratlos gewesen, wie er den Roman beenden sollte.

Überzeugend sind vor allem die treffsicher formulierten Dialoge, und zu den Höhepunkten in „Kopf unter Wasser“ zählt die farbige Szene über die Schlachtung des Hausschweins bei Henrys Eltern in der Uckermark. André Kubiczek erzählt flott und ironisch, mit kleinen Zeitsprüngen zwischendurch. Das liest sich leicht und ist sehr unterhaltsam.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009
Textauszüge: © Piper Verlag

Richard Ford - Unabhängigkeitstag
Wer liest, um dem Alltag zu entfliehen, wird sich bei der Lektüre des Romans langweilen; zu empfehlen ist "Unabhängigkeitstag" nur für Leser, die genügend Zeit mitbringen.
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